Die größte Demo in der DDR
Heute vor 20 Jahren versammelten sich eine dreiviertel Million Menschen auf dem Berliner Alexanderplatz. Es war die größte Demonstration in der Geschichte der DDR – und die letzte unter dem alten Regime. 5 Tage später fiel die Mauer. Die Hauptforderung der Demonstranten war damit erfüllt. Unter ihnen befanden sich prominente Schriftsteller wie Christa Wolf, Stefan Heym und Christoph Hein, aber auch vorher ins Zwielicht geratene SED-Größen: Markus Wolf etwa, der frühere Spionagechef, oder der Ostberliner Parteisekretär Günter Schabowski.
Der wurde noch ausgepfiffen, was ihm bei seinem nächsten Auftritt nicht mehr passierte: Da verkündete er die frohe Botschaft, dass ab sofort für alle DDR-Bürger Reisefreiheit herrsche. Es war eine friedliche Demonstration mit durchaus witzigen Elementen. So wurde auf Transparenten „Alle macht dem Volke – nicht der SED“ gefordert oder auch, in alter Rechtschreibung, ein „Reisepaß für jedermann, den Laufpaß für die SED“ gewünscht. Für die sonst allgegenwärtigen, an jenem 4. November 1989 aber offenbar daheimgebliebenen Spitzel gab es ebenfsalls einen guten Ratschlag: „Rechtssicherheit spart Staatssicherheit“. Was im Rückblick überraschend erscheinen mag, damals aber offenbar kein Thema war: Niemand verlangte, sei es auf Transparenten oder in Sprechchören, nach der deutschen Einheit.
Autor von Small-Talk-Themen.de


