Die Kunst der Prognose
„Bald wird der Markenname Melitta allenfalls Nostalgikern noch ein Begriff sein“, hieß es in unserer Ausgabe vom 29. Juni („“). „Die Straßen werden wegen der Ausscheidung der vielen Pferde unpassierbar werden“, schrieb mir daraufhin ein Leser, sinngemäß Kaiser Wilhelm II. zitierend. Da hat er gar nicht so Unrecht. Der Leser, meine ich.
Überhaupt ist das mit den Vorhersagen so eine Sache. Wetterfrösche wissen, wovon ich rede. Doch auch andere Koryphäen irren sich. „Erfindungen sind längst an ihre Grenzen gestoßen. Ich glaube nicht mehr an irgendwelche zukünftigen Weiterentwicklungen.“ Wer das gesagt hat? Julius Frontinus, ein römischer Magistrat und gelernter Architekt. Wann das war? Nun ja, im Jahre 10 vor Christus. 1942 Jahre später erlaubte sich ein berühmter Physiker eine grobe Fehleinschätzung: „Es gibt nicht die geringsten Anzeichen dafür, dass wir nukleare Energie jemals nutzen können.“ Sagte Albert Einstein.
Zugegeben, der Abwurf der Hiroshima-Bombe 13 Jahre nach dieser Aussage wird nicht in seinem Sinne gewesen sein. Selbst Politiker sind nicht unfehlbar Doch sie müssen es auch nicht sein. Auf die Frage, welche Kunst ein Staatsmann vor allem beherrschen muss, antwortete der frühere britische Premierminister Winston Churchill: „Zum einen die Kunst, im Voraus sagen zu können, was morgen, in einer Woche, in einem Monat und in einem Jahr geschehen wird. Uns fehlt schließlich noch die Fähigkeit, hinterher erklären zu können, warum es nicht eingetreten ist.“
Autor von Small-Talk-Themen.de


