Die Schande von Gijón
Wenn es bei der Fußball-WM zu den letzten Gruppenspielen kommt, wird oft taktisch vorgegangen. Um vorherige Absprachen und das Orientieren an den Ergebnissen der Konkurrenz zu verhindern, müssen die finalen Spiele einer Vorrundengruppe daher gleichzeitig stattfinden. Ein abschreckendes Beispiel hatten bei der WM in Spanien Deutschland und Österreich geliefert. Nachdem zuvor der Konkurrent Algerien gespielt hatte, trafen die beiden Nachbarn am 25. Juni 1982 im nordspanischen Gijón aufeinander. Nach exakt 11 Spielminuten einigten sich beide Vertreter darauf, alle Kampfhandlungen einzustellen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Horst Hrubesch per Knie ein Tor erzielt, das beiden Teams ein Weiterkommen sicherte. Leidtragender des Nichtangriffspakts war Algerien. Eine Tageszeitung aus dem Land der Geschädigten, El Moudjahid, kommentierte damals: „Niemals ist der Fußball so pervertiert worden wie von den beiden angeblich großen Mannschaften. Niemals hat es auf einer Weltmeisterschaft einen nachhaltigeren Skandal gegeben.“ Die in Gijón ansässige Zeitung El Comercio ließ ihren Kommentar zum Spiel als Polizeibericht erscheinen: „26 deutschsprachige Bürger aus der Bundesrepublik und Österreich haben Betrug von 12 Millionen Pesetas an 40.000 Zuschauern begangen.
Verdächtigt des Betruges sind Jupp Derwall (Beruf: Trainer) und Georg Schmidt (ebenfalls Beruf: Trainer) sowie Schumacher, Stielike, Kaltz, Förster, Briegel, Dremmler, Breitner, Magath, Littbarski, Hrubesch, Rummenigge, Matthäus, Fischer; Koncilia, Obermayer, Krauss, Pezzey, Degeorgi, Prohaska, Hattenberger, Hintermaier, Weber, Schachner und Krankl.“ Die Begegnung ging als Schande von Gijón in die Fußballgeschichte ein.
Autor von Small-Talk-Themen.de


