Ein Bürgerschreck kommt in die Jahre
Am 2. Juni 1967 wurde während einer Demonstration gegen den Besuch des Schah von Persien der Student Benno Ohnesorg erschossen. Von einem deutschen Polizeibeamten, mitten in Berlin. Weil er bei derselben Demonstration einen Stein geworfen haben soll, wanderte der Student Fritz Teufel an jenem Tag in Untersuchungshaft. Dort blieb er bis zum Beginn der Gerichtsverhandlung im November.
Nicht schwer nachzuvollziehen, dass der Angeklagte den Prozess als Farce ansah. Als ihn der sich autoritär gebärdende Richter einmal barsch aufforderte, sich zu Erheben, kam Teufel dem nur zögernd nach – versehen mit dem Kommentar: „… wenn es denn der Wahrheitsfindung dient.“
Wie Teufel und nicht wenige unbefangene Prozessbeobachter – davon gab es wenige, denn die deutsche Öffentlichkeit war von der einseitigen Berichterstattung vor allem in der Springer-Presse gegen die unangepassten Studenten aufgehetzt – vorausgesehen hatten, endete der Prozess mit einem Freispruch. Als Bewohner der Kommune eins und Organisator zahlreicher Happenings machte Teufel in der bundesrepublikanischen Studenten- und Revoluzzerszene weiter von sich reden.
Heute wird er 65 Jahre alt. Wie begeht ein ehemaliger Bürgerschreck ein solches Datum? Er feiert in aller Stille, vermutlich mit ein paar übriggebliebenen Freunden von damals, in seiner Wohnung im Berliner Arbeiterviertel Wedding.
Autor von Small-Talk-Themen.de



17. Juni 2008 at 10:54
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