Nennen Sie einen deutschen Literaturnobelpreisträger: Wenn Sie eine solche Frage gestellt bekommen, denken Sie vielleicht an Thomas Mann, Günter Grass oder Herta Müller. An Paul von Heyse denken Sie eher nicht. Das könnte daran liegen, dass seine Geburt schon ein Weilchen her ist: auf den Tag genau 180 Jahre.
Auch seit der Preisverleihung ist bereits ein Jahrhundert vergangen. Sie fand 1910 statt; zu einer Zeit, als die Nobelpreise – so möchte man vermuten – meist in den Naturwissenschaften nach Deutschland vergeben wurden. Stimmt aber nicht: Jeweils 2 Jahre vor und nach Heyse gewannen ebenfalls Deutsche den Literaturnobelpreis: Rudolf Eucken und Gerhart Hauptmann. Heyse erhielt die begehrte Auszeichnung „in Anerkennung der vollendeten, von Idealismus durchleuchteten Kunst, für die er während langer fruchtbarer Jahre als Lyriker, Dramatiker, Romancier und Verfasser von weltberühmten Novellen Beweise gegeben hatte.“
Heyse sah sich als Künstler in der Nachfolge Goethes und war wie dieser Italien sehr verbunden. In Bonn hatte er Romanistik studiert, in Italien ein Auslandssemester eingelegt. Auch in seinen Werken war das Land südlich der Alpen immer wieder ein Thema: Seine bekanntesten Novellen – insgesamt schrieb er mehr als 120 – trugen die Titel L’Arrabbiata und Andrea Delfin, oder sie erschienen gleich in gesammelter Form unter Überschriften wie Meraner Novellen oder Novellen vom Gardasee.
Das Jahr 1910 hielt zwei weitere Höhepunkte für den Dichter bereit: Der bayerische Prinzregent Luitpold erhob ihn in den Adelsstand, und Herr von Heyse wurde Ehrenbürger von München. Nach seinem Tod ließ das Interesse an seiner Kunst nach. Paul von Heyse starb am 2. April 1914 in München.
Autor von Small-Talk-Themen.de










