Ein Gedicht nur aus Konsonanten

schtzngrmm schtzngrmm t-t-t-t t-t-t-t grrmmmmm t-t-t-t s-c-h tzngrmm tzngrmm tzngrmm grrmmmmm schtzn schtzn t-t-t-t t-t-t-t schtzngrmm schtzngrmm tssssssssssssssssssss grrt grrrrrt grrrrrrrrrrt scht scht t-t-t-t-t-t-t-t-t-t scht tzngrmm tzngrmm t-t-t-t-t-t-t-t-t-t scht scht scht scht scht grrrrrrrrrrrrrrrrrrrr t-tt: Was sich so liest wie das unfreiwillige Produkt einer sich in Auflösung befindlichen Schreibmaschine ist in Wirklichkeit ein Gedicht von Ernst Jandl.

Einen Sinn ergibt das Wortgestammel erst, wenn Sie es sich laut vorlesen. Mit onomatopoetischen Versen wie den eingangs zitierten wurde der österreichische Lyriker berühmt: Treffender könnte man das Hörerlebnis in einem Schützengraben kaum beschreiben. Dabei machte es sich Ernst Jandl mit seinem Gedicht wahrlich nicht einfach; in schtzngrmm verzichtet er gänzlich auf Vokale. Vielleicht ist es diese Beschränkung, die den erstklassigen Dichter von einem Lautmaler zweiter Güte unterschied. Natürlich war Jandl auf Lesungen angewiesen, um seine Kunst unter die Leute zu bringen. Eine Kostprobe – darunter auch das vom Autor selbst vorgetragene schtzngrmm – finden Sie im Internet unter www.ernstjandl.com.

Live können Sie den Künstler leider nicht mehr erleben: Ernst Jandl starb heute vor 10 Jahren, nicht ganz 75-jährig, in seiner Geburtsstadt Wien.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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