Ein Platz, wo man seinen Hut aufhängen kann

Ein Zimmer war für den britischen Schriftsteller Bruce Chatwin (siehe unseren Newsletter vom 19. Januar 2009 „Tod in Nizza“) lediglich ein Platz, wo man seinen Hut aufhängen kann. Den Hut brauchte er für seine zweite Berufung, das Wandern. Ein Zuhause dagegen lähmte ihn und verursachte Schreibblockaden.

Beim Wandern entstanden Chatwins fünf große Bücher, die alle auf verschiedenen Kontinenten angesiedelt sind. „Ich habe an verschiedenen Orten zu schreiben versucht“, erinnerte sich Chatwin, „in einer afrikanischen Lehmhütte, in einem Kloster auf dem Berg Athos, in einer Schriftstellerkolonie, in einer Kate im Moor, sogar in einem Zelt.“ Zwar gab Chatwin zu, es sei naiv zu glauben, alles wäre gut, wenn man bloß woanders als daheim wäre. Sandstürme, die einsetzende Regenzeit oder auch nur das Hämmern eines Presslufthammers irgendwo in der Nähe hätten in seinem Fall schon des öfteren für Heimweh gesorgt. Aber das war immer rasch verflogen; spätestens dann, wenn er wieder einen Fuß vor den anderen setzen konnte und in einer möglichst öden, weiten, leeren Landschaft unterwegs war.

Chatwin wollte sogar beim Wandern sterben, doch verhinderte seine tödliche Aids-Krankheit diesen letzten Wusch und ließ ihn im Spital von Nizza seine Augen für immer schließen. Geblieben sind seine Bücher von Ruhelosigkeit und Nomadentum. Sollten Sie heute, am Deutschen Wandertag 2009, keine Gelegenheit für einen Spaziergang haben, nehmen Sie doch ein Buch von Bruce Chatwin in die Hand!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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