Ein Zivilisationskritiker namens Samuel Langhorne Clemens
Heute vor 100 Jahren starb Samuel Langhorne Clemens. Kennen Sie nicht? Dann vielleicht sein Pseudonym: Unter diesem veröffentlichte der Autor seine Romane um Tom Sawyer und Huckleberry Finn.
Letzterer ist ein Stromer und lebt konsequenterweise am größten Fließgewässer Nordamerikas. Der ideale Ort für ihn ist ein Floß auf dem Mississippi; sein Leben ist so lange in Ordnung, wie er nicht darüber nachdenkt. Hucks bester Freund ist der entlaufene Negersklave Jim. Die beiden verstehen sich prima. Wären da nur nicht die schlimmen Selbstzweifel, die Huck regelmäßig befallen: Er hält sich für einen zutiefst schlechten Mensch, weil er seiner Bürgerpflicht nicht nachkommt und es nicht über sich bringt, Jim beim Sheriff anzuzeigen.
Am Ende akzeptiert Huck sein Verdorbensein, was nicht nur für Jim ein Glück ist. Die bissige Zivilisationskritik setzte sich auch diesseits der Romanwelt fort, im wirklichen Leben des Autors. So haben unzählige seiner Sinnsprüche bis in unsere Zeit überlebt. Einem davon möchte ich Ihnen noch mit auf den Weg geben: „Gesetzeslücken“, fand Mark Twain, „lassen sich durch beständigen Gebrauch beträchtlich erweitern.“
Autor von Small-Talk-Themen.de


