Reif für den Zauberberg (siehe unseren Newsletter vom 11. Januar) ist Joachim Löw noch nicht, denn das ist ein Sanatorium in Davos, das Thomas Mann in einem Roman beschrieb. Auch gehen weder die Haare zum Teufel noch die Zähne flöten, obwohl der Mann heute fünfzig wird. Nein, Jogi, wie er allenthalben genannt wird, kommt noch recht jugendlich daher, und sein größtes Ziel hat er noch vor sich: Das wäre ein Titelgewinn mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.
Ob es schon in diesem Jahr bei der WM in Südafrika klappt? Warum nicht?, lautet die Gegenfrage dieser Redaktion, die den einzig wahren Fußballexperten beherbergt. Leider hat der sich schon öfters geirrt, was die Leser bislang brav zur Kenntnis genommen haben. Beim im Juni beginnenden Turnier sind die Voraussetzungen für die deutsche Elf allerdings ähnlich derjenigen beim letzten Titelgewinn vor 20 Jahren.
Es gibt keinen eindeutigen Favoriten: Brasiliens Stars kommen in die Jahre, Argentinien und Italien schwächeln, England ist noch nicht so weit, Holland hat noch nie eine WM gewonnen und Frankreich seine besten Jahre ohnehin hinter sich. Damit wären alle Finalteilnehmer seit 1966 aufgezählt – außer Deutschland. Die DFB-Kicker haben es seither sechsmal ins Endspiel geschafft, warum sollte es ihnen kein siebtes Mal gelingen? Dann fehlten Jogi Löw noch 90, vielleicht auch 120 Minuten bis zum ganz großen Ziel.
Um dieses zu erreichen, hat er sich vorher drei kleine gesetzt: die Gruppenspiele gegen Australien, Serbien und Ghana. Was die kühne Prognose der Redaktion und deren Expertenstatus angeht, sei leicht abgewandelt Sportsfeind Churchill zitiert: Man müsse „zum einen die Kunst“ beherrschen, „im Voraus sagen zu können, was morgen, in einer Woche, in einem Monat und in einem Jahr geschehen wird. Und schließlich noch die Fähigkeit, hinterher erklären zu können, warum es nicht eingetreten ist:“
Autor von Small-Talk-Themen.de










