Französische Fußball-Philosophen
Zum Thema Sport hatte der Dramatiker Bertolt Brecht eine Meinung: „Ich halte die These, Körperkultur sei die Voraussetzung geistigen Schaffens, nicht für sehr glücklich. Es gibt, allen Turnlehrern zum Trotz, eine beachtliche Anzahl von Geistesprodukten, die von kränklichen Leuten hervorgebracht wurden.“ Umgekehrt muss geistiges Schaffen kein Hindernis für sportliche Begeisterung und Betätigung sein. Intelligenz und Fußball schließen sich nicht immer aus.
Tatsächlich benutzt manche Geistesgröße seinen Schädel nicht ausschließlich zum Denken. Jean-Paul Sartre etwa, der heute 105 Jahre alt geworden wäre, war ein ganz passabler Amateurfußballer. Zu viel mehr als der Erkenntnis, bei einem Fußballspiel verkompliziere sich alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft, reichte es bei dem Existentialisten auf dem Platz allerdings nicht. Ganz anders Sartres Existenzphilosophenkollege und Landsmann Albert Camus: Der war ein exzellenter Torhüter und hatte einen Stammplatz beim algerischen Spitzenklub Racing Universitaire inne.
Camus studierte in Algier, damals noch Hauptstadt der französischen Kolonie Algerien. Doch verließ er den Club, bevor dieser zweimal - in der Saison 1933/34 und 1934/35 - die Stadtmeisterschaft gewann; in Absenz einer ausgespielten Landesmeisterschaft die höchste gewinnbare nationale Trophäe für algerische Clubteams. Als Philosoph war für Camus in einer Zeit, als der Profifußball noch in den Kinderschuhen steckte, einfach mehr zu gewinnen.
Autor von Small-Talk-Themen.de


