Frühlingsblüt- und Blumen
Vom Eise befreit sind zwar weder Strom noch Bäche, dennoch zieht am Wochenende der Frühling bei uns ein. Selbst Johann Wolfgang von Goethe, hieß es vor 4 Jahren in diesem Newsletter (siehe Ausgabe vom 20. März 2006 „Vom Eise befreit?!“) dürfte nur wenige Winter erlebt haben, die so lang und hart waren, dass er es zu ungemütlich für einen Aufenthalt in seinem Gartenhaus fand.
Nun, diesen Winter hätte er noch weniger Tage im Park an der Ilm in Weimar verbracht; es sei denn, unser Dichterfürst wäre ein Freund bizarrer Schneelandschaften gewesen. Was Goethe an Schnee faszinierte, waren die farbigen Schatten, die er – so der Dichter in seiner Farbenlehre – warf: „Der Schnee erscheint im Schatten blau, ebenso erscheint er auch bei eintretender Nacht, je dunkler es wird, desto tiefer wird die Farbe desselben werden“.
Goethes Farbenlehre zählt nicht zu den stärksten Werken des bedeutendsten deutschen Autors, weswegen statt auf die dunklen lieber auf die hellen Tage verwiesen wird, welche die neue Jahreszeit mit sich bringt. „Das holde Tal“, schreibt der Dichter in Reichthum und Blüthe, „hat schon die Sonne wieder/Mit Frühlingsblüt- und Blumen angefüllt,/Die Nachtigall singt immer neue Lieder/Dem Hochgefühl, das ihr entgegenquillt.“
Wie schön, dass Goethe die alte Journalistenregel beherrschte, immer dort, wo etwas einzusparen ist, dies auch zu tun – und seien es nur zwei Buchstaben.
Autor von Small-Talk-Themen.de


