Ulrich Hesse-Lichtenberger ist der Redaktion dieses Newsletters trotz seines sperrigen Namens bislang nicht aufgefallen. Doch jetzt hat er ein Buch herausgebracht, um das ihn alle Sportjournalisten beneiden. Wie Österreich Weltmeister wurde heißt es und beinhaltet, wie der Untertitel verrät, 111 unglaubliche Fußballgeschichten, die jedoch alle wahr sind.
Dabei ist die Titelstory noch die schwächste von allen: Würde beim Fußball wie etwa beim Boxen der Herausforderer- statt der Turniermodus angewandt, wäre, wie der Autor aufrechnet, nicht nur Österreich Weltmeister geworden. Sondern auch die Schweiz. Und Venezuela. Das sind Spielereien, wenn auch amüsant erzählte. Nein, was das Buch wirklich zu einer kleinen Schatzkiste macht, das sind Geschichten über Pechvögel wie den Argentinier Martin Palermo, der in einem Länderspiel (ohne Elfmeterschießen!) drei Strafstöße vergeigte. Oder über Spieler, die plötzlich versuchen, absichtlich Eigentore zu schießen, sodass beide Tore auf einmal verteidigt werden – und das in Qualifikationsspielen zu offiziellen Turnieren! Oder über das Supertalent Ron Kalderon, der 17-jährig zu Ajax Amsterdam wechselt, eine Riesenkarriere vor sich hat, irgendwann kriminell wird und in Südamerika verschwindet.
Nicht weniger spannend berichtet der Autor über große Aufholjagden (Kaiserslautern mache aus einem 1:4 gegen Bayern München mal ein 7:4), ermittelt Europas erfolglosestes Erstligateam (nein, es ist nicht Tasmania Berlin) oder erzählt von einem Verein, der Stadion und Umfeld streng nach Feng-Shui-Vorgaben umgestaltet hat. Informationswert und Amüsierfaktor spielen in Hesse-Lichtenbergers Buch um die Meisterschaft, und seinen Namen werden wir uns wohl oder übel merken müssen.
Autor von Small-Talk-Themen.de










