Gibt es Hoffnung?
Noch ein Nachtrag zu unserem Newsletter von gestern und zum heutigen Champions League-Finale: „Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft.“ Diese Erkenntnis stammt vom Fußballfan Jean-Paul Sartre.
Im Hauptberuf war er Philosoph, doch ließ der seinem Metier gegenüber sehr kritisch eingestellte Franzose dies nicht gerne heraushängen: „Wenn zwei Philosophen zusammentreffen“, so seine Überzeugung, „ist es am vernünftigsten, wenn sie zueinander bloß ‚Guten Morgen’ sagen.“ Um seine Ideen zu verbreiten und sich Anhängern und Kritikern in weniger abgehobener Form mitzuteilen, wählte Sartre einen anderen Weg: das Theater. Den größten Erfolg hatte er mit seinem Drama Geschlossene Gesellschaft. Der Einakter – er gilt als Schüssel zum Verständnis von Sartres existentialistischer Philosophie – wurde heute vor 65 Jahren uraufgeführt.
Das Stück spielt in der Hölle. Zwei Frauen und ein Mann warten dort auf ihre Bestrafung. Doch die findet nicht statt. Statt dessen öffnet sich das Tor, alle könnten hinaus. Erst da erkennen sie, was ihnen blüht: Sie sind sich selbst ausgeliefert – in einer Welt, die ihnen keinerlei Hilfestellung gibt. Nur ein ganz kleines bisschen Trost: Mit der Hoffnungslosigkeit, sagte Sartre einmal, beginnt der wahre Optimismus.
Autor von Small-Talk-Themen.de



27. Mai 2009 at 09:39
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