Ist es richtig, ein Beweismittel von Kriminellen zu kaufen, um damit andere Kriminelle dingfest zu machen? Ja, meint die überwiegende Mehrheit der Deutschen wie auch die Mehrzahl ihrer Politiker. In der Schweiz sieht man das ein wenig anders: Diskretion und Zurückhaltung sind Urschweizer Tugenden, die man selbst zur Pflege der Beziehungen mit dem großen Nachbarn nicht opfern darf. Manche Deutsche wiederum wissen gerade diese Prinzipientreue zu schätzen (siehe unseren Newsletter vom 16. Mai 2006 „Tipp für ein Bargeld-Versteck – aber nicht weitersagen“). Andere nicht.
So hob einst ein deutscher Finanzminister den Zeigefinger gegen so genannte Steueroasen und erwähnte in diesem Zusammenhang die Schweiz, Österreich, Luxemburg und Liechtenstein. Geistreich formuliert wäre die Schelte womöglich recht witzig ausgefallen – hätte Peer Steinbrück nicht noch einmal nachgelegt und dabei in seiner grenzenlosen Dummheit das westafrikanische Burkina Faso mit dessen Hauptstadt Ouagadougou verwechselt.
Schweizer lassen sich nicht gerne bevormunden, schon gar nicht von Nationen, deren Vertreter sie für überheblich und ignorant halten. „Die Ideologie der Schweiz“, analysierte der gegenüber seinem Land recht kritisch eingestellte Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, „besteht darin, dass sich die Schweiz passiv stellt.“ Angesichts der seit 1815 festgeschriebenen immerwährenden Neutralität wird dies von außen mit Wohlwollen betrachtet. Wechselt diese Neutralität von der Außenpolitik ins Finanzressort – dorthin, wo es richtig weh tun kann – nimmt die Sympathie jäh ab.
Autor von Small-Talk-Themen.de










