Halloween und danach
Am Wochenende kommen alle Leser dieses Newsletters auf ihre Kosten: Die Evangelischen Feiern Luthers Thesenanschlag zu Wittenberg anno 1517, die Katholischen ihre Heiligen und die Anhänger des Vampirkults sich selbst. Allen, die im Alltag nicht bleich geschminkt und in schwarzen Klamotten rumlaufen, bietet ein aus den angelsächsischen Ländern herübergeschwappter Brauch Gelegenheit, das Gruftie-Dasein zu proben.
So dominieren an Halloween wallende Gewänder und geschminkte Gesichter, denen auch kritische Zeitgenossen einen gewissen Geschmack nicht absprechen können. Dumm in die Röhre schauen manche Eltern nur, wenn ihre Sprösslinge auch nach dem 31. Oktober die neu entdeckte Mode partout nicht mehr ablegen wollen. Ist das ein Grund zur Beunruhigung? Keineswegs, schreibt der Ratgeber simplify Wissen: „Die Gothic-Szene ist eine sehr ästhetische, introvertierte und friedliche Jugendkultur mit sensiblen, wenn auch mitunter etwas wirklichkeitsfremden Mitgliedern. Sie sind vornehmlich in der Mittelschicht verankert.“
Nein, um Anhänger dieser Szene muss man sich wirklich keine Sorgen machen. Den Gothic-Stil gibt es seit Beginn der Achtziger Jahre in Großbritannien und seit der Mitte derselben Dekade auch in Deutschland. Jugendlichen, die dauerhaft gegen Eltern und Establishment (beides muss sich ja nicht ausschließen) rebellieren, ist er zu bürgerlich.
Autor von Small-Talk-Themen.de


