Das Weltwirtschaftsforum in Davos feiert Jubiläum: Zum 40. Mal treffen sich ab morgen in den Schweizer Bergen die Mächtigen dieser Erde zum „Überdenken, umgestalten, erneuern.“ So lautet der Titel der fünftägigen Veranstaltung, zu der 2500 Teilnehmer erwartet werden. Darunter sind 30 Staats- und Regierungschefs und 60 Minister. Zum Vergleich: Das Debüt im Jahr 1971 lockte 444 Manager an.
Doch das Treffen in Davos hat schon bessere Tage gesehen. So stimmte beispielsweise die Süddeutsche Zeitung in den letzten Jahren stets mit einer mehrseitigen Beilage auf das Großereignis ein. Inzwischen beschränkt sie sich auf eine Seite im Wirtschaftsteil. Gegner des Weltwirtschaftsforums (siehe unseren Newsletter vom 23. Januar 2008 „Ein Nest in den Schweizer Bergen wird zum Nabel der Welt“) werden diese Entwicklung mit Wohlwollen betrachten. Zu sehr ist Davos ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, eine Bühne der Selbstdarsteller; zu selten folgen auf große Worte entsprechende Taten. Die Welt ist seit dem ersten Forum keine bessere geworden, die Globalisierung hat mehr Schatten als Licht produziert, und der Kapitalismus befindet sich in der kapitalsten Krise seiner Geschichte – allerdings ohne dass die von Karl Marx beschworenen Folgen tatsächlich eintreten werden.
Wie gut für die Verfechter der freien, Grenzen ignorierenden Marktwirtschaft, dass sich auch ihre Kritiker mitten in einer Krise befinden – sogar einer, die sich rational kaum erklären läst. Normalerweise müssten Organisationen wie attac in Zeiten der Krise Zulauf wie nie zuvor haben. Das Gegenteil ist der Fall. Und wenn die Globalisierungskritiker zum Gegenforum im brasilianischen Porto Alegre zusammenkommen, wird auch dieses Treffen viel weniger als bislang im Fokus der Öffentlichkeit sein.
Autor von Small-Talk-Themen.de










