Kein Vertrauen in die Politik
Vertrauen wird dadurch erschöpft, dass es in Anspruch genommen wird, schrieb einst Bertolt Brecht. Ob er damit die Politiker meinte? Folgt man dem Magazin Reader’s Digest, haben unsere Volksvertreter in dieser Beziehung zu hohes Anspruchsdenken an den Tag gelegt. Die Quittung bekamen sie unlängst in einer Umfrage, welche die Monatszeitschrift in Auftrag gegeben hat. Da landeten die Politiker auf dem letzten Platz: Nur jeder Zehnte würde einem Angehörigen dieser Berufsgruppe vertrauen.
Bei den Spitzenreitern der Skala, den Feuerwehrleuten, sah das ganz anders aus: Sie genießen, hochgerechnet, bei 94 % der deutschen Bevölkerung großes Vertrauen. Ähnlich gut schnitten die Piloten ab. Sie kamen auf 92 %. Interessant: Krankenschwestern (ebenfalls 92 %) waren vertrauenswürdiger als Ärzte (84 %), Polizisten (80 %) genossen mehr Kredit als Richter (60 %). Sehr schlecht schnitten Autoverkäufer (11 %) und Finanzberater (15 %) ab. Und die Journalisten? Kamen auf einen Wert von 26 %. Das verschaffte ihnen eine Platzierung im unteren Drittel.
Gegenüber ähnlichen Befragungen in der Vergangenheit ist das aber ein Fortschritt, da belegten die Vertreter der schreibenden Zunft regelmäßig den letzten Rang. Vielleicht wird es bald noch besser: wenn sie sich an dem Kollegen orientieren, der morgen vorgestellt wird und zeitlebens mindestens so vertrauenswürdig war wie heutzutage ein Feuerwehrmann.
Autor von Small-Talk-Themen.de


