Lieber doch nicht sterben, bevor man alt wird

„I hope I die before I get old“, textete Pete Townshend, Chef der britischen Rockgruppe The Who, in seinem Erfolgssong My Generation. „Hoffentlich sterbe ich, bevor ich alt werde“: Dieser Satz entwickelte sich zum Credo der wilden 60er-Jahre-Jugend. „Es hat wunderbar funktioniert“, blickte Townshend bereits mit Anfang Dreißig zufrieden zurück, „es hat zwischen den Leuten, die das Lied mochten, und denen, die es nicht mochten, einen dicken Trennungsstrich gezogen.“ Später fügte er noch einen Satz hinzu: „Aber was ist, wenn wir diesen Trennungsstrich gar nicht mehr wollen?“

Heute, an Townshends 65. Geburtstag, wird My Generation auf zahlreichen Radio- und TV-Kanälen gespielt. In Diskotheken und auf Feten ist das ohnehin immer noch der Fall, so eingängig sind Musik und Text. Den Komponisten selbst reißt das Lied allerdings nicht mehr vom Hocker: „Heute denke ich, dass der Song vollkommen lächerlich ist. Wir sollten den Text ändern, und auch der Rhythmus ist zu schnell für meine müden alten Beine.“

Townshend hat gut reden: In der britischen wie in allen westlichen Gesellschaften wird dem Jugendkult gehuldigt und seitens der Musikindustrie wie der Werbewirtschaft schon Zwölfjährigen der Hedonismus gepredigt. Dem steht eine ältere Generation gegenüber, die noch nie so gesund, so fit und auch so wohlhabend war wie heute. Auch das mit dem Hedonismus werden die Marketingstrategen schon hinkriegen. Gesunde, fitte und wohlhabende Altrocker wie Townshend profitieren von beiden Trends.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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