Meister der Halbzeitansprache
Was passiert in der Halbzeitpause eines Fußballspiels? Nicht viel, sollte man meinen, wenn eine Mannschaft im Viertelfinale des Europapokals 1:3 hinten liegt und zusätzlich noch das 0:2 aus dem Hinspiel aufholen muss.
So geschehen bei der Begegnung Bayer Uerdingen gegen Dynamo Dresden anno 1986. Um ein Ausscheiden zu vermeiden, hätten die Krefelder Vorstädter in der zweiten Halbzeit noch 5 Tore schießen müssen. Sie schossen 6. Was hatte der Trainer, Karl-Heinz Feldkamp, seinen Spielern nur in der Pause gesagt? Hatte er ’rumgebrüllt? Hatte er die versammelte Mannschaft ordentlich zusammengestaucht? Weit gefehlt! Er hatte ganz ruhig gesprochen und seinen Spielern den Druck genommen. Die spielten anschließend wesentlich geordneter, aber längst noch nicht spektakulär.
Vom Gegner kam ohnehin nichts mehr; Dresden hatte sich längst auf ein ungefährdetes Weiterkommen eingerichtet. Uerdingen jedoch wollte, um die eigenen Fans im Krefelder Stadion zu versöhnen, wenigstens noch das ein oder andere Tor schießen. Als dies zwischen der 58. und 65. Minute gleich dreimal gelang, war plötzlich wieder Feuer in der Begegnung. Uerdingen spielte wie entfesselt, Dresden lethargisch. Drei weitere Tore fielen, am Ende gewann Uerdingen mit 7:3 und war im Halbfinale.
Über dieses Fußballmärchen wird auch mehr als zwei Jahrzehnte später immer noch gesprochen, obwohl Uerdingen inzwischen fünftklassig spielt. Karl-Heinz Feldkamps Halbzeitansprache ist Legende geworden – und wird an seinem heutigen 75. Geburtstag bestimmt noch ein paar Mal aufgewärmt.
Autor von Small-Talk-Themen.de



2. Juni 2009 at 10:04
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