„Dass dieser kleine dunkelhäutige Musikant David Rizzio tatsächlich der Liebhaber Maria Stuarts gewesen sei, ist niemals bewiesen worden noch zu beweisen. Aber gerade die offene Gunst, welche die Knigin diesem ihrem Geheimschreiber vor dem ganzen Hofe gewährt, spricht am energischsten gegen einen solchen Verdacht.“ So beschreibt Stefan Zweig in seinem Buch Maria Stuart die tragische Beziehung zwischen der Schottenkönigin und ihrem Günstling.
Rizzio hatte es aus seiner Heimat Italien nach Edinburgh verschlagen, wo er eine steile Karriere bei Hofe hinlegte. Leider war er katholisch. Der protestantische Hofstaat fürchtete weniger ein Liebesverhältnis zwischen Zuwanderer und Monarchin, als dass Letztere generell Katholiken bevorzuge und ganz Schottland entsprechend ausrichte. Rizzio musste weg. Dieses Vorhaben ließ sich am besten umsetzen, in dem man Lord Darnley, Marias Gatten, den Floh einer Affäre ins Ohr setzte. Der Gekränkte stimmte einem Mordkomplott zu, welches, um die Königin besonders zu demütigen, vor ihren Augen in die Tat umgesetzt wurde, heute vor 444 Jahren im königlichen Hollyrood Palace. Es war nicht die einzige Erniedrigung in Maria Stuarts Karriere. Die schlimmste und letzte erfolgte durch ihre protestantische Rivalin: Elisabeth initiierte die Beseitigung der Schottin, die auch berechtigte hierarchische Ansprüche auf den Thron im Süden der Insel besaß, auf die unfeine englische Art.
Für Stefan Zweig moralisch ein „völlig unentschuldbarer Akt“, jedoch „vom staatspolitischen Standpunkt… für England eine richtige Maßnahme: Denn in der Politik entscheidet – leider! – nicht das Recht einer Maßname, sondern der Erfolg. Und bei der Hinrichtung Maria Stuarts billigt der Erfolg im politischen Sinne nachträglich den Mord, denn er schafft England und seiner Königin nicht Unruhe, sondern Ruhe.“
Autor von Small-Talk-Themen.de










