Nicht jeder, der nach Indien fährt, entdeckt Amerika

Als Christoph Kolumbus (siehe auch unsere Newsletter vom 19. Mai 2006 „Vor 500 Jahren starb Christoph Kolumbus“ und 9. August 2007 „Eine böse Entdeckung“) einen westlichen Seeweg nach Indien vorschlug, mussten die Portugiesen herzlich lachen. Die Experten von Europas Seemacht Nummer eins wussten, dass die Passage nur um Afrika herum führen konnte, also von ihrer Heimat aus zunächst in südlicher, dann in östlicher Richtung.

Begründet hatte die Tradition Heinrich der Seefahrer. Der viertgeborene Sohn von Portugals König Johann I. schätzte seine Aussichten auf eine Thronfolge realistisch ein. Ihm standen zwei Wege offen: zu warten, bis eine glückliche Fügung, vielleicht in Gestalt der Pest, sämtliche Brüder auf einmal dahinraffen würde, oder lieber gleich das Feld zu räumen. Heinrich zog in die Provinz, nach Sagres, ließ am südwestlichsten Kap Europas eine Sternwarte bauen und versammelte die besten Kapitäne des Landes um sich. Von dort rüstete er, der selber nie zur See fuhr, immer wieder Expeditionen aus. Die Schiffsführer navigierten nicht nur bei klarem Himmel, sondern mit Kompass plus Winkelmessgerät zur Breitenbestimmung und konnten sich auf die jeweils aktuellsten Seekarten verlassen. Bis zu Heinrichs Tod im Jahr 1460 erschlossen die Portugiesen Madeira, die Kanarischen und Kapverdischen Inseln und Afrika bis zur Küste von Guinea.

Heute vor 555 Jahren gab Papst Nikolaus V. in seiner Bulle Romanus Pontifex dem portugiesischen Unternehmen den allerhöchsten Segen. Die Vorlage nutze schließlich Vasco da Gama, als er 1498 erstmals auf einem Schiff von Lissabon kommend den indischen Hafen Calicut erreichte. Selbstverständlich umfuhr er dabei die Südspitze Afrikas.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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