Pflege zwischen Patient und Portemonnaie

Heute findet in Düsseldorf der Deutsche Care Congress statt. Es ist erst die zweite derartige Veranstaltung im Bereich Pflege, dürfte aber nicht die letzte sein. Zweieinviertel Millionen Deutsche sind derzeit pflegebedürftig, Tendenz stark steigend. Laut Institut der Deutschen Wirtschaft dürfte sich deren Zahl bis zur Jahrhundertmitte fast verdoppeln. Andererseits wird jedes vierte Krankenhaus bis zum Jahr 2020 schließen. In die entstehende Lücke stoßen private Gesundheitsdienste, sodass der Pflegebereich – ein Traum der Neoliberalen und Globalisierungsapostel – in Zukunft verstärkt marktwirtschaftlichen Mechanismen unterworfen sein wird.

Der Patient als Kunde, der niedergelassene Arzt als gewinnorientiert Wirtschaftender und sein Kollege im Krankenhaus als Verwalter des Mangels: ein Horrorszenario? Andererseits besitzen Kunden Rechte und Einfluss, sind motivierte Manager die erfolgreichsten und haben Verschlankungen bereits manchem Unternehmen der Weg aus der Krise gewiesen. Wenn Gesundheit nicht zur Ware verkommt, Gesundheitspolitik nicht allein zur Kostendämpfung betrieben wird und der Gesundheitsbereich sich nicht zu einem Selbstbedienungsladen profitgieriger Anbieter entwickelt – wenn also die Pflege den Spagat zwischen Dienst am Patienten und Dienst am Portemonnaie schafft, – wird sicher auch dieser Bereich in Deutschland eine Zukunft haben.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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