Reif für den Zauberberg?
Der Geburtstag, das haben Sie in unserem Newsletter vom 5. Januar erfahren „Das neue Jahr und die guten Vorsätze“, ist die zweite Chance nach Silvester, gute Vorsätze in die Tat umzusetzen. Beispielsweise könnte zum Wiegenfest der Entschluss reifen, endlich einmal ein gutes Buch zu lesen, für dessen Lektüre man sich bislang zu unreif gefühlt hat: etwa den Zauberberg von Thomas Mann, der in einem Schweizer Sanatorium spielt, oder, falls der Schauplatz zu sehr an die eigenen Gebrechen erinnert, Lotte in Weimar, wo derselbe Schriftsteller Goethes Werther aufgreift und das Objekt aller Sehnsüchte, Werthers große Liebe Charlotte – die im wirklichen Leben natürlich Goethes große Liebe war – im Weimarer Hotel Elephant logieren lässt.
Beide Werke sind zu Beginn recht zähe Angelegenheiten, weswegen Sie versucht sein könnten, beim Werther lieber zum Original zu greifen und – trotz schlechter Erinnerungen an die Schule? – mit dem leidenden Protagonisten vielleicht auch ein Stück eigene Jugend Revue passieren zu lassen. In der Pennälerzeit desjenigen, der die Zeilen, die Sie gerade lesen, verbrochen hat, stand Hermann Hesse hoch im Kurs.
Hinsichtlich Geburtstagen hat Thomas Manns Nobelpreisträgerkollege geschrieben: „Von der Wiege bis zur Bahre sind es fünfzig Jahre, dann beginnt der Tod. Man vertrottelt, man verbauert, man verwahrlost, man versauert, und zum Teufel gehen die Haare. Auch die Zähne gehen flöten, und statt dass wir mit Entzücken junge Mädchen an uns drücken, lesen wir ein Buch von Goethen.“ Oder doch lieber eins von Thomas Mann?
Autor von Small-Talk-Themen.de



11. Januar 2010 at 13:23
Sehr geehrte Frau Goldenstein,
gerne können Sie Anregungen, Ideen (und natürlich auch Kritik) direkt an Herrn Höller senden: ralf.hoeller@small-talk-themen.de
Freundliche Grüße
aus Bad Breisig
Markus Floßdorf