Sage mir, welches Auto du fährst …

… und ich sage dir, wer du bist: Autotypen lassen auf den Charakter ihrer Besitzer schließen. Legendär ist der Forschungsbericht der Zeitschrift Psychologie heute, die Deutschlands Autofahrer unter die Lupe nahm.

Dabei fand sie heraus, dass Fahrer von Standardmarken (Opel Astra, VW Golf, Ford Fiesta) meist dem kleinbürgerlichen Milieu angehören. Sie kaufen einen Mittelklassewagen, weil sie sich auch gesellschaftlich der Mittelklasse zurechnen. Der Traum vom Leben auf der Überholspur wird besonders häufig von Coupébesitzern geträumt. Die niedrige Sitzposition und der begrenzte Innenraum vermitteln ein unmittelbares Fahrgefühl. Zumindest beim Tritt auf das Gaspedal wird der Ausstieg aus der Realität vorübergehend wahr. Die Sehnsucht nach Freiheit treibt auch Cabrio-Fahrer umher. Wenn sie den Witterungsbedingungen unmittelbar ausgesetzt sind, spüren Sie die eigene Stärke und wähnen sich mit sich und der Welt in Einklang. Träume spielen ebenfalls bei Kunden von geländegängigen, hochreifigen Fahrzeugen eine große Rolle. Hier ist es der Traum von Freiheit und Abenteuer.

Vielleicht auch von Unabhängigkeit, obwohl in Deutschland ein Querfeldein-Fahrverbot herrscht und so gut wie alle für Autos erlaubten Straßen geteert sind. In Kleinstwagen schließlich sitzen meist junge Leute mit wenig Geld. Werden heute eher stromlinienförmige Fabrikate der Firmen Mercedes und Renault auf deutschen Straßen bewegt, schwang früher bei vielen Fahrern der Marken „VW Käfer“ und „Ente“ ein rebellischer Gedanke mit: Die Fahrer meinten, sich flexibler und cleverer als die „Großen“ im Straßenverkehr behaupten zu können.

Das muss aber schon eine Weile her sein. Der letzte Citroën 2 CV ging heute vor zwanzig Jahren vom Band. Zuletzt wurde er nur noch in Portugal gebaut. Doch selbst in dem kleinen Land am westlichen Rand Europas hat es seit 1974 keine Revolution mehr gegeben.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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