Teutonische Fußball-Philosophen
Auch in Frankreichs östlichem Nachbarland spielten die Philosophen Fußball, und das gar nicht mal so schlecht. Walter Jens, nebenbei noch Professor für klassische Philologie und Begründer des Tübinger Lehrstuhls für Rhetorik, war wie Albert Camus Torwart. Dem stets Zweifelnden genügte es nicht, ein großer Philosoph, erstklassiger Rhetoriker und zusätzlich ein brillanter politischer Analyst zu sein.
Jens wollte ebenfalls seine Tüchtigkeit in einer körperlichen Disziplin unter Beweis stellen, was ihm vortrefflich gelang. Doch dass er den Kasten des Eimsbütteler SV sauber hielt – der Hamburger Vorortverein kickte damals in Deutschlands höchster Spielklasse – ist eine fast ebenso große Mär wie Jens’ Nichtmitgliedschaft in der Hitlerjugend. Bei allem Respekt vor den Fangkünsten des Philosophen: Für einen Platz zwischen den Pfosten der ersten ESV-Mannschaft, die in den Dreißiger und Vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts häufiger norddeutscher Gaumeister war als der große Fastnamensvetter HSV, hatte es nie gereicht.
Mit seiner sportlichen Leistung imponieren konnte dagegen ein späterer Bonner Philosophie-Professor: Hans-Michael Baumgartner stürmte in jungen Jahren für den TSV 1860 München. In die höchste deutsche Spielklasse schaffte es selbst er nicht: Zu Baumgartners aktiver Zeit waren die Sechziger, wie heute auch, nur zweitklassig und kickten in der Regionalliga. Als die Mannschaft später aufstieg, hatte Baumgartner sich bereits komplett der Philosophie verschrieben.
Autor von Small-Talk-Themen.de


