Treulose Tochter, verbitterter Vater
Kennen Sie die Schutzheilige der Bergleute, Geologen, Glöckner, Glockengießer, Schmiede, Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, Dachdecker, Elektriker, Architekten, Artilleristen, Feuerwerker, Feuerwehrleute, Totengräber, Hutmacher, der Mädchen und der Gefangenen? Nein? Dann helfe ich Ihnen noch ein wenig auf die Sprünge: Die Gesuchte zählt zu den vierzehn Nothelfern der katholischen Kirche und schützt auch vor Blitz und Donner, Feuergefahr, Fieber, Pest und plötzlichem Tod. Eine Menge Holz, das auf der heiligen Barbara lastet.
Ob sie wirklich existiert hat, ist historisch nicht gesichert. Falls doch, lebte sie im 3. Jahrhundert in Nikomedien, einer Gegend östlich des heutigen Istanbul. Die Tochter aus gutem Haus beging den für gewisse Kreise in damaliger Zeit unverzeihlichen Fauxpas, sich taufen zu lassen. Passt man einmal nicht auf, wird sich Barbaras Vater voll Verbitterung gesagt haben, verkauft das Flittchen sich an die verfluchten Christen! Die Strafe des erbosten Erzeugers ließ nicht lange auf sich warten: Er stellte sich nach Barbaras Ergreifung – auf ihrer letztlich vergeblichen Flucht war sie vermutlich von Vertretern einiger der eingangs erwähnten Berufsgruppen unterstützt worden &ndash selbst als Henker zur Verfügung. Mit einem Scharftrichterbeil schlug er dem renitenten Sprössling den Kopf ab. Doch auch das rabiate Familienoberhaupt traf die Rache, sogar noch am selben Tag: Ein vom Himmel gesandter Blitz machte aus ihm ein Häuflein Asche. Das alles geschah an einem 4. Dezember, weswegen wir heute der heiligen Barbara gedenken.
Autor von Small-Talk-Themen.de



3. Dezember 2008 at 15:48
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