Unmöglich, es allen recht zu machen

Was geschieht, wenn Vater und Sohn mit einem Esel unterwegs sind? Gehen beide zu Fuß, spotten die Passanten, dass niemand das Tragtier benutzt. Reitet nur der Alte reitet und muss der arme Junge nebenher laufen, wird auch gemeckert. Umgekehrt beschweren sich die Leute, falls der kräftige Junge reitet und der klapprige Alte zu Fuß geht. Und wenn beide aufsitzen, mutiert der Esel zum Bemitleideten und das Reiterpaar zu Schuften.

Was wäre die menschlichste Reaktion? Ganz klar: dem Esel die Beine zusammenbinden, ihn über eine Stange hängen und auf diese Weise tragen. Doch als das Trio so ins nächste Dorf kommt, werden alle mit Steinwürfen wieder hinausgejagt. Der Vater hat all das kommen sehen. Er sagt zu seinem Sprössling: „Siehst du nun, lieber Sohn, die Torheit der Welt? Wie wir es auch gemacht haben, so ist es niemand recht. Es ist eben unmöglich, es jedem recht zu machen. Darum tu du immer nur das, was du für recht hältst - und lass die Leute reden.“

Die Erkenntnis stammt von Johann Peter Hebel. Heute vor 250 Jahren wurde der Autor dieser und vieler weiterer ähnlicher Geschichten im schweizerischen Basel geboren.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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