Volksmund, bitte melden!
Der Volksmund verbindet mit dem morgigen Datum eine alte Wetterregel: Fällt auf Siebenschläfer Regen ein, soll’s für sieben Wochen sein (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 27. Juni 2006 „Oben grau, unten weiß – und sorgt nur für Verwirrung“). Sehr verlässlich sind solche Bauernregeln (siehe dazu die Ausgabe vom 11. Mai dieses Jahres „Warten auf Sophie“), darin sind sich unsere studierten Wetterfrösche ausnahmsweise einmal einig, nicht.
Sie stellen daher neue Bauernregeln auf, die auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen beruhen. Entsprechend sollte der Volksmund reagieren und sich möglichst bald einen Reim auf den 8. Juli machen; denn an diesem Tag entscheidet es sich, wie der Sommer werden wird. Diese These vertritt Gerhard Müller-Westermeier vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. „Ist es um den 8. Juli herum regnerisch“, so der Meteorologe, „herrscht auch im Hochsommer von Mitte Juli bis Mitte August meist Regenwetter.“ Umgekehrt signalisiert eine stabile Hochdrucklage über Deutschland zwischen dem 6. und 11. Juli einen regenarmen Hochsommer.
Und jetzt dein Einsatz, lieber Volksmund: „Ist’s am Achten kühl und nass, macht der Juli keinen Spaß. Scheint an diesem Tag die Sonn’, ham wir bis August davon.“ Na ja, wenigstens das Versmaß stimmt halbwegs. Vielleicht hilft aber eine andere Überlegung: Als der Volksmund sich das Wetter auf den Siebenschläfer reimte, galt der Julianische Kalender. Mit Einführung des neuen Kalenders, 1582 durch Papst Gregor, verschob sich alles um zehn Tage nach hinten. Auch der Siebenschläfer: Rechnet man zum 27. Juni zehn Tage hinzu, kommt man auf ein Datum, dass beinahe mit der wissenschaftlichen Wetterregel übereinstimmt.
Autor von Small-Talk-Themen.de


