Der politische Aschermittwoch geht auf eine niederbayerische Tradition von 1580 zurück (siehe unseren Newsletter vom 1. März 2006 „Woher stammt der politische Aschermittwoch?“). Bundesweit bekannt wurde das Politspektakel jedoch erst mit den Auftritten von Franz Josef Strauß. Der CSU-Vorsitzende nahm sich am ersten Tag nach Fasching gerne den politischen Gegner vor. Der hieß SPD und war, zum Ärger der Christsozialen, lange Zeit Regierungspartei.
So auch 1975. Damals ließ es Strauß bei seiner Aschermittwochrede in Passau so richtig krachen: Die Sozis, „die ausgezogen waren, Deutschland zu reformieren, und einen Saustall ohnegleichen angerichtet haben“, bekamen so richtig ihr Fett weg. Doch Strauß konnte auch anders. Einst bekannte er, obwohl alle, die zum politischen Aschermittwoch in die Nibelungenhalle geströmt waren, Deftiges erwarteten, in ungewohnter Zurückhaltung: „Es stimmt nicht, dass ich jeden Tag zum Frühstück einen Sozi esse.“ Bevor die Passauer ungläubig ihre Stirn runzeln konnten, schob Strauß einen klärenden Satz hinterher: „Ich esse nur, was ich mag.“
Heute wird es wieder hitzig zugehen in den Hallen und Bierzelten. Wünschen wir den Aschermittwochsrednern, dass sie, was den Humor betrifft, Strauß’sches Niveau erreichen.
Autor von Small-Talk-Themen.de










