Was hat es mit dem Fettnäpfchen auf sich?
Vor zwei Jahrzehnten, als es die DDR noch gab, kursierte dort folgender Witz: Eine Brücke ist neu eingeweiht worden. Zur Feier des Tages soll der erste Autofahrer, der über sie fährt, mit einem Geldgeschenk von 1000 Mark belohnt werden. Nach kurzer Zeit halten die dafür abgestellten Volkspolizisten einen Trabant an. Sie eröffnen dem Fahrer die freudige Nachricht. Anschließend fragen sie ihn, was er mit dem unerwarteten Gewinn machen wolle. „Meinen Führerschein!“, kommt die spontane Antwort. „Glauben Sie dem Mann kein Wort, Genosse Volkspolizist“, mischt sich die Beifahrerin ein, „der ist total betrunken!“ Auf der Hinterbank meldet sich die Großmutter zu Wort: „Und den Wagen hat er vor einer halben Stunde geklaut!“ Plötzlich öffnet sich der Kofferraumdeckel, der Opa klettert hinaus und fragt: „Leute, sind wir schon im Westen?“
Da sind also gleich vier Menschen kräftig ins Fettnäpfchen getreten. Der Ausdruck aus der Umgangssprache bedeutet – so ist es im Band 11 des Duden Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten zu lesen – jemandes Unwillen zu erregen, es sich mit jemandem zu verderben. Die Wendung nimmt darauf Bezug, dass früher in Bauernhäusern für die Eintretenden ein Topf mit Lederfett stand, damit sie gleich ihre nassen Stiefel einreiben konnten. Wer nun versehentlich in den Topf mit dem Fett trat und den Schmutz im Raum verteilte, verärgerte die Hausfrau.
Heute lauern Fettnäpfchen in ganz anderer Form. Geblieben aber ist der Grundsatz: Würdigt eine Person die für sie bereit gestellten Dinge – bewusst oder unbewusst – nicht entsprechend, hat sie bald ein Problem. Wenn Ihnen also 500 Euro geschenkt werden, beantworten Sie keine zusätzlichen Fragen. Stecken Sie das Geld ein, sagen artig „Danke“ – und gehen.
Autor von Small-Talk-Themen.de


