Was sagt der Arzt?
Heute ist Weltgesundheitstag. Nutzen wir den Anlass und befassen wir uns mit einer schon seit längerem aktuellen Diskussion im Gesundheitswesen. Nach den jüngsten Einschnitten vermehren sich die Befürchtungen, dass sich der soziale Status bald wieder wie in vergangenen Jahrhunderten am Gebiss ablesen lässt. In vergangenen Jahrhunderten? Im Frankreich Ludwigs XIII. wurden die Patienten noch wie Könige behandelt, glaubt man der Anekdote um einen gewissen Doktor Moreau.
Als der Monarch den berühmten französischen Arzt zu sich kommen ließ und verlangte, nicht „wie ein gewöhnlicher Patient“ behandelt zu werden, erwiderte dieser: „Leider kann ich keinen Unterschied machen, Sire; denn ich behandele alle meine Patienten wie Könige.“ Welcher Mediziner würde dies heute noch von sich behaupten? Selbst wenn er sich ausschließlich dem Hippokratischen Eid verpflichtet fühlte und alle, die zu ihm kommen, nach bestem Wissen und Gewissen pflegen wollte – die Krankenkassen würden ihm einen Strich durch die Rechnung machen.
„Der alte Arzt spricht lateinisch, der junge Arzt englisch. Der gute Arzt spricht die Sprache des Patienten“, sagte einmal die frühere Bundesgesundheitsministerin Ursula Lehr. Ihr aktueller Kollege hätte bestimmt einen Nebensatz hinzugefügt: „Der moderne Arzt spricht nicht so lange. Er passt die Behandlungsdauer an die Gesetze der Wirtschaft an.“
Autor von Small-Talk-Themen.de


