Vornehme Hotels wie das Grand Hyatt in Berlin oder das Atlantic Kempinski in Hamburg leisten sich einen Wasser-Sommelier: Der betreut wie der Kollege oder die Kollegin bei vermeintlich edleren Tropfen (siehe unseren Newsletter vom 16. Dezember 2008 „Vom Mundschenk zur Sommelière“) die Auswahl des kohlensäurehaltigen, immer häufiger auch stillen Getränks. Jetzt sofort den Bogen zu unserem aktuellen Thema, der Weltwasserwoche, zu schlagen und darauf hinzuweisen, dass jeder Sudanese ein Drittel seines Tages opfern muss, um eine Ration Wasser zu holen (siehe Ausgabe vom 22. August 2008 „Bei uns verschwendet, andernorts dringend benötigt“), wäre nicht fair.
Deshalb noch ein Satz zum Sommelier: Warum soll es solche Fachkräfte nur bei alkoholischen Getränken wie Wein und Whisky geben? Klar, die Menschen in Entwicklungsländern haben andere Sorgen, doch wird die gerechtere Verteilung und Nutzung von Wasser nicht in deutschen Hotels und Restaurants entschieden. Leider auch nicht auf dem Treffen in Stockholm, das übermorgen endet: Die 2000 Experten dort können nur Missstände aufzeigen, Warnungen aussprechen und Empfehlungen geben.
Aktuell haben laut Informationen des Kinderhilfswerks UNICEF 5,7 Milliarden Menschen sauberes Trinkwasser zur Verfügung; das sind immerhin 1,6 Milliarden mehr als im Jahr 1990. Andererseits: Mehr als einer Milliarde bleibt dieses Recht versagt. Klimawandel, Wirtschaftskrisen und Naturkatastrophen verschärfen die Situation, untätige Regierungen machen sie nicht besser. Seit Jahren liegt die UN-Konvention für ein grenzüberschreitendes Management von Trinkwasservorkommen auf Eis, da es immer noch nicht von allen beteiligten Staaten ratifiziert, geschweige denn umgesetzt worden ist. Gelöst werden muss auch die Sanitärfrage: Durch verschmutztes Wasser, so die UNO, sterben jährlich zehnmal so viele Menschen wie durch Kriege.
Autor von Small-Talk-Themen.de










