Wenn es eigentlich nichts zu vermelden gibt …
Was tun Politiker an einem Tag mitten im Sommerloch, an dem sich nichts Verwertbares zu ereignen scheint? Sie setzen eine Pressemeldung in die Welt. Guido Westerwelle etwa könnte (wohlgemerkt, das ist rein hypothetisch!) verbreiten, König Albert habe sein Ministerium aufgefordert, deutsche Firmen im Kongo nicht länger zu unterstützen, da jener Staat im Herzen Afrikas traditionell zur Einflusssphäre Belgiens gehöre.
Nun liegt der Bundesrepublik – was ökonomische Beziehungen betrifft – nicht besonders viel am Kongo. Andererseits war Albert keineswegs darauf erpicht, Wirtschaftsprotektionismus an den Tag zu legen, sondern allein um die Sicherheit der Europäer in dem unruhigen afrikanischen Staat besorgt. Daher ließ er sein Auswärtiges Amt eine Reisewarnung aussprechen, die an sämtliche EU-Staaten weitergegeben wurde.
Spinnen wir den hypothetischen Faden ein wenig weiter: Der deutsche Außenminister möchte von eigenen Problemen ablenken, vielleicht auch ein wenig antibelgische Stimmung schüren – und ändert Alberts Schreiben leicht ab. Danach klingt es so, als wolle der belgische König deutschen Firmen vorschreiben, was diese im Kongo zu tun und zu lassen hätten. Die Folge wäre ein handfester politischer Skandal.
Vor 140 Jahren gab es einen solchen wirklich, als Otto von Bismarck die Emser Depesche veröffentlichte. Das Schreiben der französischen Regierung hatte der deutsche Kanzler bewusst so geändert, dass es klang, als wolle Frankreich Deutschland vorschreiben, was es in Spanien zu tun und zu lassen hätte: Man solle sich nicht in die dortigen Regierungsgeschäfte einmischen und die Hohenzollern für immer auf die spanische Thronfolge verzichten. Tatsächlich ist eine solche Forderung nie von Frankreich erhoben worden. Bismarck wollte nur von eigenen Problemen ablenken und vielleicht auch ein wenig antifranzösische Stimmung schüren. Das gelang ihm vortrefflich. 6 Tage später waren die Nachbarländer miteinander im Krieg.
Autor von Small-Talk-Themen.de


