Heute geht es wie schon in der letzten Woche um London. Diesmal aus der Sicht eines Touristen, der, aus der kommunistischen Tschechoslowakei kommend, zum ersten Mal in seinem Leben überhaupt eine westliche Hauptstadt erlebt. Die folgenden Eindrücke stammen aus dem sehr lesenswerten autobiografischen Roman Blendende Jahre für Hunde von Michal Viewegh, der in dem Buch das jungfräuliche Londonerlebnis seines Vaters beschreibt:
„Das öffentliche Telefon funktionierte. Als sein englischer Kollege eines Nachmittags an der Kensington Road die Hand hob, blieb das Taxi sofort stehen. Die Polizisten lächelten. Die Fahrer von Luxuslimousinen gewährten ihm am Fußgängerüberweg den Vortritt. Die Toiletten dufteten. Der Kugelschreiber auf dem Postamt, der bisher von niemandem gestohlen wurde, lief nicht aus. Die Dinge, auf denen er stand, saß, schrieb und lag, strahlten vor Sauberkeit und waren nicht wacklig. Der Verkäufer in dem Geschäft mit Hundeartikeln, den er nach einem Floh- und Zeckenhalsband fragte, lachte ihn nicht aus; er bot ihm vier verschiedene Sorten an. Das Essen in den Restaurants war weder kalt noch trocken. Die Kellner waren ungeheuer zuvorkommend. Die besondere Befriedigung, die er empfand, wenn ihm der Hotelboy das Gepäck trug, war keine Eitelkeit: Es war die Freude eines Patienten über eine erfolgreich heilende Wunde.“
Was in dem Roman aus dem Jahr 1992 noch fehlte: eine Fußgängerbrücke, die, sobald man sie betrat, zu schwanken begann.
Autor von Small-Talk-Themen.de










