Was den guten Journalisten ausmacht

“My English is broken, my legs are broken, but my spirit is unbroken:“ Die Worte, die der unglücklich in Australien gelandete Journalist Egon Erwin Kisch von sich gab, sind treuen Lesern dieses Newsletters ein Begriff (siehe unsere Ausgabe vom 31. März 2008 – Gebrochenes Englisch - ungebrochener Kampfgeist).

„Nichts ist verblüffender als die einfache Wahrheit“, beschreibt Kisch sein Berufsethos, „nichts ist exotischer als unsere Umwelt, nicht ist phantastischer als die Sachlichkeit. Und nichts Sensationelleres gibt es in der Welt als die Zeit, in der man lebt.“ Die ist für Kisch – er starb bereits 1940 – leider schon eine Weile vorbei. Überlebt haben ihn seine Reportagen. Das liegt auch an einer Berichterstattung, die keinen Spielraum für Beeinflussungen welcher Art auch immer ließ: „Der Reporter“, so Kisch, „hat keine Tendenz, hat nichts zu rechtfertigen und hat keinen Standpunkt. Er hat unbefangen Zeuge zu sein und unbefangene Zeugenschaft zu liefern.“ Das hört sich nicht gerade spektakulär an – und soll es auch nicht sein. Die Vermutung liegt nahe, dass Kisch weder für ein Hochglanzreisemagazin noch für ein reißerisches Boulevardblatt geschrieben hätte. „Die Orte und Erscheinungen, die er beschreibt,“, sagt Kisch über seinen Beruf und seine Berufung als Reporter, „die Versuche, die er anstellt, die Geschichte, deren Zeuge er ist, und die Quellen, die er aufsucht, müssen gar nicht so fern, gar nicht so selten und gar nicht so mühselig erreichbar sein, wenn er in einer Welt, die von der Lüge unermesslich überschwemmt ist, wenn er in einer Welt, die sich vergessen will und darum bloß auf Unwahrheit ausgeht, die Hingabe an sein Objekt hat.“

Kisch hatte sie, weshalb er auch 125 Jahre nach seiner Geburt Berufskollegen immer noch als Vorbild dient.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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