Archiv für Kategorie ‘Allgemein’:

Bitte nicht die Zeitung von gestern!

Mittwoch, 2. Mai 2012

Stellen Sie sich vor, Sie sind heute zu einer Feier eingeladen. Sie freuen sich auf die vielen Gespräche. Leider haben Sie noch keinen Schimmer, was Sie im Small Talk erzählen könnten. Also schlagen Sie die Zeitung auf. Doch es ist wie verhext: Kein einziges Smalltalk-taugliches Thema findet sich in der ganzen Ausgabe!

Was tun?

Schauen Sie in den Kalender! Morgen ist der Internationale Tag der Pressefreiheit. Da bietet sich die Zeitung selbst als Gesprächsinhalt an. Oder diejenigen, die sie vollpinseln: die Journalisten. Sie könnten ihr Gegenüber im Small Talk fragen, welche Zeitung er morgens liest. Und ob er mit dem Blatt zufrieden ist: Fühlt er sich informiert? Oder regt er sich über das Niveau seines Printmediums auf?

Nach einer Weile können Sie wieder den Internationalen Tag der Pressefreiheit ins Spiel bringen. Mit einem Zitat des berühmten Prager Journalisten Egon Erwin Kisch: „Der Reporter hat keine Tendenz, hat nichts zu rechtfertigen und hat keinen Standpunkt. Er hat unbefangen Zeuge zu sein und unbefangene Zeugenschaft zu liefern.“ Die Vermutung liegt nahe, dass Kisch weder für ein Hochglanzreisemagazin noch für ein reißerisches Boulevardblatt tätig war.

Was aber macht den schlechten Journalisten aus? Die Antwort stammt vom früheren Fernsehmoderator Robert Lembke: Es ist jemand, „der die eine Hälfte des Lebens damit verbringt, über Dinge zu schreiben, von denen er nichts weiß. Die andere Hälfte verbringt er damit, nicht über Dinge zu schreiben, die er genau weiß.“ Der Satiriker Karl Kraus meinte: „Keinen Gedanken zu haben und ihn ausdrücken zu können, macht den Journalisten. Ein besonders schlechter ist derjenige, der nachher alles vorher gewusst hat.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Ein Rätsel, das eins bleiben soll

Montag, 30. April 2012

„A söchtener Reuter möcht i wern, wie mei Voater gwen is“: Diesen Satz soll Kaspar Hauser gesagt haben, als er am Pfingstmontag des Jahres 1828 in Nürnberg auftauchte (siehe auch unseren Newsletter vom 26 Mai 2008: Der Mensch, der aus dem Nichts auftaucht).

Doch wer war sein Vater? Ein badischer Fürst, wie bald behauptet wurde? Dann wäre es denkbar gewesen, dass der Sohn von der Erbfolge ausgeschlossen werden sollte. Die meisten seiner bis dahin 16 Jahre hatte der Jüngling eigenen Angaben zufolge in einem dunklen Verlies bei Wasser und Brot verbracht.

Doch warum sprach er altbaierischen Dialekt?

Der Ungereimtheiten sollte es noch viele geben - bis zu seinem frühzeitigen Dahinscheiden am 17. Dezember 1833. Wer hatte Kaspar Hauser die tödliche Stichwunde beigebracht? Er selber vielleicht, um das allmählich nachlassende Interesse an seiner Person neu zu entfachen?

Auf seinem Grabstein steht der Satz: „Hier liegt Kaspar Hauser, Rätsel seiner Zeit, unbekannt die Herkunft, geheimnisvoll der Tod.“ Es sollte wohl ein Mysterium bleiben.

Damit wussten nicht Wenige ein Geschäft zu machen. Kaspar Hauser war binnen kurzem ein Gesprächsthema in Nürnberg, wo er aufgegriffen wurde, in der nahen Residenzstadt Ansbach, in der er lebte, bald auch im gesamten Deutschen Reich und sogar in zahlreichen Ländern Europas. Ein Lord Stanhope, Party- und Müßiggänger aus englischem Hochadel, erwarb die Vormundschaft, gewiss nicht aus uneigennützigen Motiven, um nach dem Tod seines Schützlings diesen als Betrüger hinzustellen.

Es gab auch redlich um das Findelkind bemühte Zeitgenossen: So den Gymnasialprofessor Georg Friedrich Daumer, der mit Kaspar Hausers Erziehung beauftragt wurde und auch recht gute Erfolge erzielte. Vier Abhandlungen veröffentlichte der Theologe über den Schüler, doch bereits im Herbst 1829, nach einer ersten Messerattacke, war Schluss mit den Bemühungen - angeblich, weil in Daumers Haus die Sicherheit des Zöglings nicht mehr gewährleistet war.

In Ansbach arbeitete Kaspar Hauser später als Schreiber beim Gerichtspräsidenten Anselm von Feuerbach. Der glaubte anfangs nicht an die adlige Herkunft seines Angestellten, besann sich aber bald eines besseren. Feuerbach starb einige Monate vor Kaspar Hauser, was weitere Verschwörungstheorien über dessen Abstammung und Ableben befeuerte.

Seriös geforscht wurde auch: Zuletzt in 2 unterschiedlichen DNA-Analysen, von denen eine die Prinzenabstammungshypothese verwarf und die andere sie stützte. Genau das braucht ein Mythos, um ihn am Leben zu erhalten. Das jüngste Buch (Der Fall Kaspar Hauser) stammt von Anna Schiener und ist im Regensburger Pustet Verlag erschienen. Die Autorin interessiert sich nicht nur für den realen Fall, sondern auch für das Nachleben des rätselhaften Menschen: Wie konnte, so die Frage, die sie treibt, um Kaspar Hauser ein solcher Hype entstehen, der auch exakt 200 Jahre nach seiner angeblichen Geburt noch anhält?

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Fragen an Ihren Arbeitsplatz

Freitag, 27. April 2012

Morgen ist der Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Ins Leben gerufen hat ihn die in Genf ansässige Internationale Arbeitsorganisation. Die ILO, wobei das L für das englische Labour steht, hat sich die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen aller Menschen auf die Fahnen geschrieben.

Zudem soll mit weltweit anerkannten Sozialstandards verhindert werden, dass sich Unternehmen Wettbewerbsvorteile verschaffen: etwa indem sie die Rechte ihrer Arbeitnehmer abbauen oder mit der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen Kosten einsparen. Durch eine internationale Vernetzung des sozialpolitischen Regelwerks sollen bessere Kontrollmöglichkeiten geschaffen werden.

Doch beginnt die Gesundheit am Arbeitsplatz bereits im Kleinen. Fangen wir doch mal mit Ihrem Büro an: Wie ergonomisch ist beispielsweise Ihr Schreibtisch?

Um optimale Arbeitsbedingungen zu gewährleisten, sollte dieser in der Höhe verstellbar sein und eine neigbare Platte haben. Empfohlen Maße für verstellbare Tische sind: mindestens 120 Zentimeter breit (optimal sind 160 Zentimeter), 68 bis 75 Zentimeter hoch, mit mindestens 65 Zentimetern Fußraum in der Höhe und 80 Zentimetern in der Breite. Die Abstellfläche für die Füße sollte mindestens 65 Zentimeter betragen. Ist Ihr Tisch in der Höhe nicht verstellbar, empfiehlt sich eine Höhe von zirka 72 Zentimetern. Die Tastatur sollte etwa 75 Zentimeter über dem Boden sein.

Kommen wir zum Bürostuhl: Der sollte in jedem Fall höhenverstellbar sein und stabil stehen. Eine abgerundete Tischvorderkante erhöht das bequeme Sitzen.

Doch was nutzen Ihnen gute Möbel, wenn Sie an einem minderwertigen Monitor arbeiten müssen?

Wählen Sie einen Bildschirm mit möglichst hoher Auflösung. 15-Zoll- Flachbildschirme arbeiten mit der Standard-Auflösung von 1024 x 768 Pixel, bei 17- und 18-Zoll-Geräten ist die Standardauflösung 1280 x 1024 Pixel. Ihr Monitor sollte eine Bildwiederholfrequenz von mindestens 70 Hertz aufweisen, um Flimmerfreiheit zu gewährleisten.

Denken Sie morgen, am hoffentlich arbeitsfreien Samstag, einmal über diese Vorschläge nach. Und nehmen Sie die Verbesserung Ihres persönlichen Arbeitsumfeldes gleich am Montag in Angriff.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Politiker und Dichter

Donnerstag, 26. April 2012

Der Mann, der heute vor 225 Jahren in Tübingen geboren wurde, gab sich als wackerer Schwabe und aufrechter Demokrat. Als Abgeordneter seiner Heimatstadt war er Mitglied des ersten deutschen Parlaments, das sich 1848 in der Frankfurter Paulskirche versammelte. „Eine mächtige Volkserhebung muss“, so seine Überzeugung, „sich aus ihrem eigenen Geiste die ihr angemessene Form schaffen.“

Letztere konnte allein die Demokratie und das deutsche Staatsoberhaupt nur ein demokratisch gewähltes sein. Den Weg dahin sah unser liberaler Politiker bereits vorgezeichnet; denn „der Gipfel schießt nicht von den Zweigen, sondern aus der Wurzel empor. Das wäre dem natürlichen Wachstum der neu erstehenden deutschen Eiche nicht gemäß, wenn wir ihrem Gipfel ein Brutnest erblicher Reichsadler aufpflanzen wollten.“

Die Aristokratenbrut sollte noch bis 1918 auf ihren Thronen ausharren. Wäre dem Volksvertreter bewusst gewesen, dass es mit der Volksherrschaft noch so lange hin war, hätte er vielleicht mehr Trost und Zerstreuung in den schönen Künsten gesucht. Doch auch so reichte es zu einigen bemerkenswerten Versen.

Sein erster Gedichtband war bereits 1815 erschienen und erfuhr immer wieder neue Auflagen. An seinem 75. Geburtstag, der groß gefeiert wurde, waren es bereits 42. Einige der darin enthaltenden gereimten Werke wurden vertont, unter anderem von Brahms, Liszt, Schubert und Schumann. Noch im Jubiläumsjahr, am 13. November 1862, verstarb der nach Friedrich Hölderlin bekannteste Tübinger Dichter.

Auch als Wegbereiter der Demokratie bleibt er in Erinnerung. Als Trost für das Nichtmehrmiterleben des Wunschtraums mögen ihm seine eigenen Zeilen gedient haben: „Wenn ein Gedanke, der die Menschheit ehrt, den Sieg errang, so war’s der Mühe wert.“ Als er sie niederschrieb, ist im Politiker Ludwig Uhland wieder der Dichter durchgedrungen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Aktiv zuhören mit verbalen und nonverbalen Signalen

Mittwoch, 25. April 2012

Reden ist nur die eine Hälfte der Kommunikation. Schweigen und Zuhören ist die andere. Das Zuhören freilich sollte keineswegs teilnahmslos geschehen. Zeigen Sie durch Ihre Körpersprache Interesse an Ihrem Gegenüber und Anteilnahme am Gespräch. Ihre ermunternde Mimik und Gestik fördert bei Ihrem Gegenüber das Mitteilungsbedürfnis.

  • Suchen Sie so rasch wie möglich Blickkontakt. Mit sympathisierendem Gesichtsausdruck, leicht geweiteten Augen und einem gelegentlichen Nicken beim Zuhören signalisieren Sie dem Gesprächspartner Ihr Interesse.

  • Aktiv zuhören heißt nicht, dass Sie stumm bleiben müssen. Ihre gesteigerte Aufmerksamkeit demonstrieren Sie durch ein gelegentlich geäußertes mmmhm oder aha!, durch ein kurzes Nein, sowas!, durch ein eingestreutes Tatsächlich? oder sogar einen kurzen Satz à la Das kann ich gut verstehen. Damit zeigen Sie Ihrem Gegenüber: Ich bin an dem, was Sie sagen, interessiert. Reden Sie bitte weiter!
  • Arbeiten Sie sich aktiv ins Gespräch ein. Haken Sie gelegentlich nach oder stellen Sie eine Verständnisfrage. Da Sie im Dialog agieren und reagieren, sollten Sie genau zuhören, was Ihr Gegenüber sagt. So ergeben sich Möglichkeiten, Themen zu vertiefen.

Eine schöne Definition des aktiven Zuhörens stammt von einem Schweizer Geistlichen: „Der liebe Gott hat uns zwei Ohren und einen Mund gegeben“, fand der Churer Bischof Amedée Grab. „In diesem Verhältnis sollten wir sie auch benutzen.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Sauber gearbeitet?

Dienstag, 24. April 2012

Übermorgen ist der Welttag des geistigen Eigentums (siehe auch unseren Newsletter vom 26. April 2010: Was ist ein Plagiat?). Früher wurden an dieser Stelle nicht immer politisch korrekte Bemerkungen über chinesische Produktpiraten gemacht (siehe unsere Ausgabe vom 26. April 2007: Piraten, die Produkte plündern), heute unterlassen wir ähnlich diskriminierende Hinweise auf Doktortitelerschleicher wie Silvana Koch-Mehrin und Karl-Theodor zu Guttenberg.

Freilich ist solchen in der Öffentlichkeit stehenden Menschen mit Vorbildwirkung zu verdanken, dass die Atmosphäre an Hochschulen nachhaltig gestört ist. „Fast jeder Doktorand“, sagt der Münsteraner Ombudsmann für die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis an der dortigen Universität, Klaus Lüdicke, „muss sich die Frage gefallen lassen, ob er sauber gearbeitet hat.“

Obwohl der emeritierte Professor für katholische Theologe diesen Satz anschließend relativiert, klingt doch eine gewisse Besorgnis durch: „Auch wenn Verdächtigungen und Kommentare oft nur scherzhaft gemeint sind: Sie zeigen, dass aus einer allgemeinen Hochachtung ein Klima des Misstrauens geworden ist.“

Immerhin kennt der Experte ein Rezept, um der Gefahr des Plagiierens vorzubeugen. Mit Blick auf die tief gefallenen ehemaligen Vorzeigepolitiker fordert Lüdicke, „deutlich zu machen, dass der Doktortitel nicht in erster Linie der reinen Karriereförderung dienen darf.“

Ein weiterer Tipp, wie Politiker die Glaubwürdigkeitsfalle umgehen können, stammt aus dieser Redaktion. Er ist nicht ernst gemeint. Statt bei der Wissenschaft sollten sich unsere Volksvertreter bei ihrer eigenen Zunft bedienen - wie in dieser auf ihren Wahrheitsgehalt nicht überprüfbaren Geschichte: Zwei Kandidaten bewerben sich um dasselbe politische Amt. Im Wahlkampf messen sie sich auf einer Veranstaltung. Der erste hält eine großangelegte, brillante Rede, in der er seinen Zuhörern und potenziellen Wählern die herrlichsten Dinge verspricht. Dann ist der zweite Kandidat an der Reihe. Er steht auf und sagt nur einen einzigen Satz: „Liebe Wählerinnen und Wähler, alles, was mein Vorredner versprochen hat - werde ich halten.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die vermutlich älteste noch gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt

Montag, 23. April 2012

Heute schon ein Bier getrunken? Dann klappt es bestimmt mit dem Lesen der diesmal etwas längeren Überschrift! Falls nicht: Der Zeitpunkt, zu dem Sie diesen Newsletter erhalten, ist ja noch ein wenig früh. Zum lesen.

Vor allem, wenn Sie in Altbayern leben, und auf Tradition halten, werden Sie es gewohnt sein, den Verzehr Ihrer Weißwürste als erstem oder zweitem Frühstück
a) vor dem Elfuhrläuten und
b) in Begleitung eines leckeren Hellen oder eines Weißbiers vorzunehmen.

Alle übrigen, denen beim Studieren dieser Zeilen schon das Wasser im Mund zusammenläuft, dürfen aber schon mal an ein kühles Blondes oder wohltemperiertes Dunkles denken. Vor allem am Tag des Bieres, den Deutschlands Brauer immer am 23. April begehen.

Exakt 497 Jahre sind vergangen, seit Herzog Wilhelm IV. auf einem Landtag zu Ingolstadt - München war noch nicht zur Residenz ausgebaut - in seinem Bayerischen Reinheitsgebot festlegte, dass „zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen.“

Was ist mit der Hefe?, werden des Brauens Kundige an dieser Stelle einwenden, hat der gute Mann die doch glatt vergessen! Ja und nein, müsste die Antwort lauten, denn anders als die anderen Stoffe war die Rolle des Gärmittels noch nicht in die Köpfe vorgedrungen. Hefe, schreibt der Deutsche Brauer-Bund auf seinem Portal, wurde erst später erwähnt, als man in der Lage war, Hefe herzustellen.

Immerhin war sich Wilhelm bewusst, dass zu einem richtig guten Bier noch etwas fehlte, und dieser Mangel durch allerlei Kasperltricks kaschiert wurde. „Was alles kam hinein?“ fragt der Brauerbund auf seiner Webseite und liefert die Antwort gleich mit:

Ochsengalle, Wacholder, Gagel, Schlehe, Eichenrinde, Wermut, Kümmel, Anis, Lorbeer, Schafgarbe, Stechapfel, Enzian, Rosmarin, Rainfarn, Johanniskraut, Fichtenspäne, Kiefernwurzeln, vor allem aber auch Bilsenkraut.

Wilhelm kannte sogar noch einen weiteren Kniff und bestimmte: „Es sollen auch nicht in das Bier weder Harz noch keinerlei andere Ungeferck.“ Die doppelte Verneinung schien seinerzeit zumindest in Bayern, noch en vogue zu sein. Oder hatte Wilhelm, als er diesen Zusatz verfasste - der in der Originalurkunde nicht enthalten ist - schon eine gewisse Quantität des Gebräus intus? Dann wird es ihm nichts ausgemacht haben; schließlich trug er den Beinamen Der Standhafte! Standhaft blieb auch die Verordnung. Sie ist die älteste bis heute gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt und trat von Bayern aus ihren Siegeszug ins gesamte Deutsche Reich an.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Kompromisse abseits der Sinnhaftigkeit - aber elchgerecht!

Freitag, 20. April 2012

Vor einem Jahr (siehe unsere Ausgabe vom 21. April 2011: Kein Fairplay gegenüber dem Elch) ging es in diesem Newsletter um Elche auf Neufundland. Diesmal müssen wir uns nicht so weit wegbewegen, um über unser Lieblingsvieh zu berichten.

Am Ufer des Lipno-Stausees im südwestlichen Zipfel Böhmen hat sich, wie wir in der Ausgabe vom 27. Februar (Post sei Dank: Endlich einmal eine positive Schlagzeile vom Elch) kurz erwähnten, eine Herde niedergelassen.

Dessen Südufer war bis zum Fall des Eisernen Vorhangs militärisches Sperrgebiet und ist kaum besiedelt. Das Klima dort ähnelt dem in Skandinavien: sehr kalt, sehr feucht, mit harten Wintern und kurzen, bisweilen recht heißen Sommern.

Den scheuen Schaufelträgern zugutekommt, dass sie von Touristen in Ruhe gelassen werden und kaum Straßen durch diese Gegend führen. Die gibt es erst wieder in Österreich. Ab und zu schauen die Tiere im Mühl- oder Waldviertel vorbei. Solche Stippvisiten sorgen regelmäßig für Aufregung.

Zu Recht: Elchkennern ist völlig klar, in welcher Absicht die grüne Grenze gequert wird. Entsprechend groß war die Panik bei austriakischen Automobilisten, nachdem ein vierbeiniger Besucher aus dem Norden in eine Kamerafalle getappt war.

Schließlich wurde der zuständigen Forstverwaltung gestattet, zwei Stück Elchwild zu erlegen, schreibt das Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft, kurz BFW, auf seiner Webseite: „In diesem Bescheid wurden die Angestellten der Forstverwaltung darüber hinaus angehalten, durch Klatschen mit den Händen das Elchwild zu vertreiben, um weiteren Schaden abzuwenden.“

Österreichs Fahrzeuglenker können also aufatmen. Oder doch nicht? „Dass soviel Naivität und ärgerliche Ahnungslosigkeit in einem offiziellen Akt enthalten sein kann.“, schließt der BFW, „zeigt die Hilflosigkeit der Judikatur angesichts solcher Probleme sowie die Neigung, auch Kompromisse abseits der Sinnhaftigkeit zu schließen.“ Immerhin sind letztere, was Wirkung und Vernunftgehalt angeht, elchgerecht. In Österreich musste bislang noch keiner der stromernden Passanten mit viel Horn und wenig Hirn dran glauben.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Wertbeständiges Metall wird zum Spekulationsobjekt

Donnerstag, 19. April 2012

Wissen Sie noch, wie hoch der Goldpreis vor 10 Jahren war? Für eine Feinunze, sie entspricht 31,1 Gramm, mussten Sie rund 300 Dollar berappen. Ein halbes Jahrzehnt später waren es bereits 700 Dollar, und vor genau einem Jahr überschritt der Goldpreis erstmals die 1500 Dollar-Marke. Es ging noch herauf bis 1920 Dollar im September.

Dann sorgten die Hedgefonds mit massiven Verkäufen dafür, dass der Kurs binnen kürzester Zeit auf den Wert fiel, auf dem er heute noch steht: rund 1650 Dollar.

Gold als Spekulationsobjekt: Bis ins letzte Viertel des vergangenen Jahrhunderts war dies undenkbar. Gold galt als die Geldanlage schlechthin; vor allem, nachdem ein Weltkrieg gezeigt hatte, wie schnell sich eine Immobilie in einen Haufen Steine verwandeln kann.

Doch seit 1973 der Beschluss von Bretton Woods aufgehoben wurde, der feste Wechselkurse aller Währungen zum Gold (und zum Dollar) vorschrieb, hatte das Edelmetall als Fluchtwährung allmählich ausgedient.

Noch im 19. Jahrhundert wurden Goldstücke auf einer Waage geprüft, ob nicht Geldschneider am Rand ein Ministück abgezwackt hatten. Das war nun nicht mehr nötig. Mit strategischen Goldkäufen oder Verkäufen ließ sich der Wert der Feinunze ebenso schnell verändern.

Eine erste Spekulationsblase trieb ihn 1980 kurzfristig auf 850 Dollar. Zwei Jahre später war er bereits wieder auf die Hälfte gesunken. Bald waren nicht einmal mehr Kaufaktionen notwendig. Der Börsenoberhai George Soros etwa schloss 1993 so massenhaft Terminwetten auf den Goldpreis ab, dass dieser infolge der vielen Nachahmer um 25 %in die Höhe schoss.

Natürlich platzte die Blase rasch; doch keineswegs so schnell, dass Soros - zusätzlich zu seinen Wetten hatte sich der clevere Spekulant zuvor mit billigem Gold eingedeckt - sein überschüssiges Metall nicht längst wieder losgeworden wäre.

Was lernen wir aus solchen Turbulenzen? Gold hat als finanzielles Ruhekissen ausgedient. Wer ruhig schlafen will, legt sein Geld besser in Schlaftabletten an.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Öfter mal … aktiv zuhören!

Montag, 16. April 2012

Öfter mal die Fresse halten: So oder ähnlich lautete der Tipp des CDU-Kanzleramtschefs Ronald Pofalla an seinen Parteikollegen Wolfgang Bosbach.

Nun ging es bei der Auseinandersetzung nicht um politischen Small Talk, sondern um die Zustimmung zum Griechenlandrettungsschirm, welche Bosbach vor allem in Talkshows wortreich verweigerte. Anschließend jammerte der Merkel-Kritiker öffentlich, abweichende Meinungen zu diesem Thema würden nicht gehört.

Bosbach hätte a) nicht Politiker werden und b) vielleicht einer anderen Partei beitrete sollen. Und Pofalla hätte c) seinen an sich befolgenswerten Ratschlag zuallererst an sich selbst adressieren sollen. Nichtsdestotrotz wollen wir ihn für unseren Small Talk-Newsletter einer wohlwollenden Prüfung unterziehen.

Öfter mal die Fresse halten heißt ins Metier der leichten Konversation übertragen: aktiv zuhören! Gehen Sie mit der richtigen Einstellung ins Gespräch. Seien Sie im Small Talk bereit, etwas von Ihrem Gegenüber zu erfahren. Gestehen Sie ihm den gleichen Gesprächsanteil zu wie sich selbst. Und seien Sie dabei ehrlich! Interesse an Ihrem Gegenüber sollten Sie nicht bloß heucheln.

Das heißt keineswegs, dass Sie still und in Ehrfurcht erstarrt zuhören müssen. Im Gegenteil: Durch die entsprechende Mimik und Gestik ermuntern Sie andere Personen, weiterzuerzählen. Die wichtigste Rückmeldung, die ein Gesprächspartner von Ihnen bekommen will, ist, dass Sie ihm zuhören. Das können Sie signalisieren.

Wie Sie diese nonverbalen Signale aussenden, erfahren Sie im nächsten Small Talk-Tipp.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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