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Der Tag, an dem zwei Dichter gemeinsam starben

Montag, 16. Januar 2012

Wenn der Vater Staatsanwalt ist, noch dazu beim Militär, hat es der Sohn nicht leicht mit seinen schöngeistigen Neigungen. So geschehen im Fall des 1887 geborenen Georg Heym.

Mit 12 begann er erste Gedichte zu schreiben. Die stießen im Elternhaus auf wenig Gegenliebe, zumal die schulischen Leistungen mangelhaft waren. Mit Ach und Krach bestand Heym, nach mehrmaligem erzwungenen Wechsel der Lehranstalt, das Abitur. Um dem Vater doch noch zu gefallen, begann der Filius ein Jurastudium, das er nur bis zum ersten Staatsexamen durchhielt.

Ob sich die nächste Berufswahl als glücklicher erwiesen hätte? Zu der anvisierten militärischen Laufbahn sollte es freilich nicht mehr kommen. Und die literarischen Ambitionen? Erhielten ausgerechnet beim Sport neue Nahrung: Im Berliner Tennisclub Blau-Weiß hatte Heym den Menschen kennengelernt, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband - und der auch Schuld an seinem frühzeitigen Tod hatte.

Durch die Vermittlung des gleichaltrigen Ernst Balcke gelang es Heym noch vor dem Abitur, erste Gedichte zu veröffentlichen, wenn auch nur in einer Schülerzeitung.

Mehr Beachtung erhielt sein dramatisches Werk: Heyms Debütstück Athener Ausfahrt wurde, während er noch in Würzbug studierte, von einem Memminger Verlag gedruckt. In Berlin, wohin er wechseln musste, nachdem er nach Meinung des strengen Vaters in der Fremde zu viel Geld ausgegeben hatte, kam Heym wieder mit Balcke zusammen.

Zunächst im Verlauf des Jurastudiums durch ein gemeinsames Repetitorium, später zunehmend im Neuen Club, einer Vereinigung expressionistischer Künstler. Der Kunst tat’s gut. 1911 erschien Heyms erster Gedichtband Der ewige Tag im renommierten Ernst Rowohlt-Verlag.

Sogar beruflich gab es einen Erfolg zu vermelden: Die Garnison in Metz, bei der er sich als Fahnenjunker beworben hatte, nahm Heym an. Doch der Bescheid traf erst posthum ein, als Heym gemeinsam mit Balcke tot unter dem Eis der zugefrorenen Havel lag. Beide hatten auf brüchigem Eis eine Schlittschuhtour unternommen. Zuerst war Balcke eingebrochen, dann, beim Versuch, den Freund zu retten, zog es auch Heym in die Tiefe.

Heute vor hundert Jahren verlor Deutschland zwei Dichter auf einmal. Erst nach 8 Tagen wurde Heyms Leichnam gefunden, der tote Balcke sollte noch eine weitere Woche in seinem nasskalten Grab liegen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Danke, ich kann klagen!

Donnerstag, 12. Januar 2012

Treffen sich zwei Staatsanwälte. “Wie geht’s?”, fragt der eine. “Danke”, kommt die Antwort, “ich kann klagen!”

Was sich wie ein Festtag für die Herren in den schwarzen Roben anhört, gibt es in Russland wirklich. Zurück geht der Tag der Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft auf den 12. Januar 1722. Vor 290 Jahren führte Zar Peter I. per Erlass das neue Organ ein. Es sollte der Staatsmacht jeglichen Ruch der Willkür nehmen, die einem absoluten Herrscher jener zeit anhaftete. Gleichzeitig wollte Peter mit dem Schritt demonstrieren, dass auch die Ideen der Aufklärung Einzug in ein modernes Russland hielten.

Die Wirklichkeit sah anders aus: Leider erwies sich die Staatsanwaltschaft nicht nur im Zarenreich immer wieder als Handlanger der Macht. Im Kommunismus war das nicht anders. Am schlimmsten waren die Auswüchse einer manipulierten Herrscherjustiz in den berüchtigten Schauprozessen unter Stalin – mit vorher feststehenden Urteilen und absurden, unter Folter vorbereiteten “Geständnissen” der Angeklagten.

Erst unter dem demokratischen Ex-Präsidenten Boris Jelzin war die russische Staatsanwaltschaft endlich auf dem Weg zu einer Integrität, die sie in ihrer langen Geschichte zuvor kaum gekannt hatte. Mit der Machtübernahme Wladimir Putins änderte sich das Bild. Stellvertretend für eine wieder willfährige Justiz im größten Land der Erde ist der Umgang mit dem Unternehmer Michail Chodorkowski. Zunächst wurde dessen Ölkonzern liquidiert und der Chef selbst der Steuerhinterziehung und des Betrugs angeklagt. Am Ende eines fragwürdigen Prozesses lautete das Urteil auf neun Jahre Straflager. Als sich die Haftzeit dem Ende neigte, bastelte die Staatsanwaltschaft – in wessen Auftrag sie wohl handelte? – erneut eine fadenscheinige Anklage. Dieses Mal musste als Vorwand das Vergehen der Geldwäsche herhalten. Seit 2003 ist Chodorkowski in Haft, bis 2016 darf er die Zellengitter von innen betrachten. Es sei denn, es findet sich wieder ein findiger Staatsanwalt: Dann wird Russlands prominentester Sträfling noch ein Weilchen länger sitzen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Als der Rubikon überschritten wurde

Dienstag, 10. Januar 2012

“Alea iacta est”, der Würfel ist geworfen: Mit diesen Worten überschritt Gaius Julius Caesar an der Spitze seines Heeres den Rubikon, den Grenzfluss zwischen Ober- und Mittelitalien.

“Der Rubikon ist überschritten”: Mit diesen Worten soll Bundespräsident Wulff dem Bild-Chefredakteur Kai Dieckmann via Abrufbeantworter das Ende einer langjährigen Freundschaft angedroht haben. Die langjährige Freundschaft endgültig aufgesagt hatte mit seinem kühnen Wort und der nicht minder gewagten Flussüberquerung Caesar. Adressat war sein ehemaliger Verbündeter Pompeius. Der bestimmte als starker Mann in Rom die Geschicke des Senats.

Eigentlich hätte Caesar, um Freundschaft mit Pompeius zu wahren und Frieden mit Rom zu halten, sein Heer auflösen müssen. Er tat das Gegenteil. Der Schritt des ehrgeizigen Politikers über den Rubikon kam einer Kriegserklärung gleich. In der folgenden Schlacht besiegte Caesar Pompeius und beerbte dessen Position.

Christian Wulff als ehrgeizigen Politiker zu bezeichnen wäre eine Beleidigung seines Amtes. Als höchstes in der Bundesrepublik zu erreichendes ist es stets die letzte Station einer politischen Karriere. Deren vorzeitiges Ende wollte der Amtsinhaber mit seinem Anruf – dem weitere bei Konzernchef Matthias Döpfner und Verlagseignerin Friede Springer folgten – verhindern und die bislang willfährige Bild-Zeitung zum Schweigen über wenig präsidiales Finanzgebaren verpflichten.

Warum Wulff ausgerechnet den Rubikon-Vergleich bemühte, wird wohl sein Geheimnis bleiben: Saß der gebürtige Osnabrücker doch schon in Berlin; zwar nicht im Senat, sondern in Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten!

Von einem im nicht weit von Osnabrück entfernten Bielefeld aufgewachsenen Pressebüttel unter Hinweis auf ein Ereignis, das am 10. Januar des Jahres 49 vor unserer Zeitrechnung stattgefunden hatte, Wohlverhalten einzufordern, ist eines Oberhauptes eines sich nicht im Bürgerkrieg befindlichen Staates unwürdig. Ein Bundespräsident ist kein Kriegsherr und ein Bild-Chefredakteur kein Pompeius.

Hätte nur noch gefehlt, dass Wulff der Rubikon-Anspielung den berüchtigten Satz vorangestellt hätte: Alea iacta est.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Friedlich schwappt die Westerwelle

Dienstag, 27. Dezember 2011

Über Guido Westerwelle ist in diesem Newsletter heuer bereits berichtet worden (siehe unsere Ausgabe vom 8. März 2011: Surfen auf der Westerwelle).

Es gäbe keinen Grund, dies schon wieder zu tun, würde er an diesem Tag nicht seinen fünfzigsten Geburtstag feiern. Zum Wiegenfest wäre dem Wahl-Bonner und Muss-Berliner zu wünschen, dass er sich mal kein böses oder hämisches Wort anhören braucht.

In einem Jahrzehnt mit recht viel Fortüne war es ihm als Vorsitzender der FDP gelungen, diese auf ein historisches Hoch zu führen, welches ziemlich genau mit der letzten Bundestagswahl koinzidierte. Leider zeichnete Westerwelle auch für den anschließenden Absturz verantwortlich, der die einst stolzen Liberalen in Meinungsumfragen auf den Status einer Splitterpartei herabsinken ließ. Freilich bleibt bis zum nächsten bundesweiten Urnengang noch ein wenig Zeit.

Zeit, die der Ex-Vorsitzende nutzen kann, um in seinem zweiten Aufgabenbereich zu glänzen. Seine bisherige Bilanz als Außenminister ist eher durchwachsen; es gab viel mehr Gemecker als Lob. Manchmal erfolgte die Kritik auch zu Unrecht, muss von dieser Stelle, die dem Regierungslager zuzurechnen wohl niemand in den Sinn käme, einmal klar gesagt werden.

In der heikelsten Situation seiner Amtsperiode bewies Westerwelle Besonnenheit, Weitsicht, Mut und Standfestigkeit. Am Ende war es ihm gelungen, Deutschland aus einem Krieg herauszuhalten. Das hatte ein Vorgänger, der einer erklärt pazifistischen Partei angehörte, nicht geschafft: Unter der Ägide des Herrn Fischer wurden aus deutschen Kampfflugzeugen Bomben auf Belgrad und andere jugoslawische Städte abgeworfen.

Weitere Prüfungen für das heutige Geburtstagskind, der auch mit einem halben Jahrhundert auf dem Buckel eher zu den jugendlichen Mitgliedern der Ministerriege zählt, stehen an. Der zweite Redaktionswunsch zielt daher auf ein auch künftig friedliches Schwappen der Westerwelle im Kabinett. Auf dass den Außenguido nicht sein Spruch aus unbeschwerter Vergangenheit einholt:

Es schadet im Leben nicht, wenn man mehr zu Ende gemacht hat als die Fahrschule.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein dunkles Kapitel Schweizer Geschichte

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Am Spanischen Bürgerkrieg (siehe unseren Newsletter vom 17. Juli 2006: 15 Milliarden Euro für General Franco) von 1936 bis 1939 nahmen viele Ausländer teil: 66 000 Deutsche und Italiener, die General Franco unterstützten, und fast ebenso viele Antifaschisten aus ganz Europa und den USA, die auf der Gegenseite kämpften.

Das größte Kontingent, gemessen an der Einwohnerzahl, steuerte die Schweiz bei. Einer dieser Freiwilligen war Männy Alt. An allen großen Schlachten des Bürgerkriegs nahm er als Flugabwehrkanonier teil. Als die Niederlage der Republikaner sich abzeichnete, ging Alt in die Heimat zurück. Die Kriegserlebnisse hatten ihn traumatisiert. Doch was ihn in der Schweiz erwartete, war fast noch schlimmer.

Nicht nur, dass die Eidgenossenschaft als erster Staat überhaupt die faschistische Franco-Regierung offiziell anerkannte: Sämtliche Rückkehrer wurden vor Gericht gestellt, wegen Kriegsdiensts in einer fremden Armee. Alt bekam 5 Monate Zuchthaus aufgebrummt. Obendrein wurden ihm für 2 Jahre alle bürgerlichen Rechte entzogen.

Als Kommunist abgestempelt, gelang es ihm nicht mehr, in seinen ursprünglichen Beruf als Schlosser zurückzukehren. Für den Wehrdienst war er der Schweizer Armee willkommen, wählen gehen durfte er in dieser Zeit nicht – eine schwere Verletzung eines jahrhundertealten staatsbürgerlichen Rechts.

Nach Stalins Tod wanderte Alt in die Sowjetunion aus. Auch dort gefiel es ihm nicht, obwohl er mit seiner Familie einen höheren Lebensstandard genoss als in der Schweiz. Echter Kommunismus freilich sah für Alt anders aus. Im Mai 1960 war die Familie wieder in der alten Heimat, nicht glücklich, aber auch nicht unzufrieden.

Männy Alt wurde fast 90 Jahre alt. Sein großer Traum, in einer Gesellschaft unter Gleichen zu leben, ging nie in Erfüllung. Seine spannende Lebensgeschichte hat jetzt der Schweizer Autor und Filmemacher Erich Schmid veröffentlicht: In Spanien gekämpft, in Russland gescheitert. Das Buch ist vor kurzem bei Orell Füssli in Zürich erschienen.

Falls Sie auf die Schnelle noch ein Weihnachtsgeschenk suchen …

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein Beruf wie jeder andere auch, nur weniger anerkannt

Dienstag, 8. November 2011

Mit dem Wort Putzfrau habe ich so meine Schwierigkeiten. Ich finde den Begriff leicht despektierlich. Unterstützt fühle ich mich von der Webseite Pressenet. Die schreibt unter Pressenet/Putzfrau: „Die Bezeichnung ‘Putzfrau’ gilt als politisch inkorrekt – man nennt die zum Reinigungspersonal gehörende Frau meist Raumpflegerin. Aber ganz gleich, wie man die Fachfrau in Sachen Reinemachen nun einmal benennt – ohne sie geht nun mal gar nichts.

Reinigungskraft ist ein Beruf wie jeder andere, den längst nicht mehr nur Frauen ausüben. Rund 916 000 tun dies in Deutschland, das sind knapp 300 000 mehr als vor 15 Jahren. Von den in der Branche Beschäftigten sind 88 % Frauen und 12 % Männer, wobei sich der Anteil letzterer in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten verdoppelt hat.
Schön wäre es, würde die Putztätigkeit überall gut bezahlt und das Lohnniveau nicht durch Billigjobs verdorben. Schön wäre es auch, würden die Putzmänner und Putzfrauen mehr Anerkennung für ihre oft schwere Arbeit bekommen.

Es merkt zwar anscheinend keiner, wenn wir da sind“, stellt die Putzfrau Christel Parrinelli in der Bocholter Lokalausgabe des Online Portals bbv-net.de fest, „aber wenn wir es mal nicht sind, das merkt jeder sofort.“

Frau Parrinelli arbeitet seit zwei Jahrzehnten als Reinigungskraft, und sie macht das gern In ihren gelernten Beruf als Rechtspflegerin möchte sie jedenfalls nicht zurück. Heute ist übrigens der Internationale Tag der Putzfrau, der zum Ziel hat, dass diesem Berufsstand mehr Respekt entgegengebracht wird. Ins Leben gerufen hat den Gedenktag vor 7 Jahren die Krimiautorin Gesine Schulz: Ihre Heldin Karo Rutkowsky ist Putzfrau. Als ob dies nicht genügen würde, ist sie obendrein noch als Privatdetektivin aktiv.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Was ein junger Autor braucht

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Kennen Sie den Tag des Kruges? Das ist der 4. Oktober. Vor 10 Jahren hat ihn der damalige Zeit (siehe unseren Newsletter vom 21. Februar 2011: Qualitätsjournalismus aus Hamburg)-Kolumnist Harry Rowohlt (siehe unsere Ausgabe vom 21. Oktober 2005 Welcher Staat ist korrupter – Deutschland oder Hongkong?) ausgerufen – zu Ehren Flann O’Briens.

Der 4. Oktober war der Tag, an dem der irische Schriftsteller zum ersten Mal seine satirische Kolumne Cruiskeen Lawn in der Irish Times veröffentlichte. Die beiden gälischen Wörter heißen in unsere Sprache übersetzt „Voller Krug“.

Rowohlt, selber Übersetzer aus dem Englischen, empfahl eingedenk der manchmal nützlichen Wirkung geringer Mengen Alkohols als deutsche Übertragung Trost und Rat. Soviel zum 4. Oktober. Am 5. Oktober, also gestern, jährte sich der Geburtstag Flann O’Briens zum 100. Mal.

Leider ist Brian O’Nolan, wie der Künstler mit richtigem Namen hieß, bereits 1966 gestorben. Sein wohl bekanntester Roman trägt den rätselhaften Titel At Swim-Two-Birds, den der Verfasser dieser Zeilen lieber nicht übersetzen möchte.

Zwei Vögel beim Schwimmen, wie ihn der Berliner Verlag Volk und Welt 1981 glaubte verwenden zu müssen, ist jedenfalls kompletter Unsinn. Noch dazu keineswegs beabsichtigt, was ein humorvoller Mensch wie O’Brien vermutlich noch toleriert hätte.

Kommen wir zum 6. Oktober. An diesem Tag im Jahr 2011 erweist die Redaktion dieses Newsletters dem irischen Genie endlich die längst überfällige Reverenz. Sie tut dies, indem sie einen Ratschlag O’Briens 2 Jahre vor seinem frühzeitigen Tod zitiert, mit dem der Erfolgreiche künftigen Kollegen den Weg zu seinem Beruf weist – selbstverständlich in der Übersetzung des unvermeidlichen Harry Rowohlt.

Demzufolge braucht ein junger Autor „eine gründliche Bildung der umfassendsten Sorte, ein ausgeglichenes, aber flexibles Temperament und die Aufsplitterung der Persönlichkeit in mehrere Abteile zum Zweck der literarischen Äußerung.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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„Die Show hat mir gefallen!“

Freitag, 23. September 2011

Das Spiel mit Puppen begeistert seit jeher Jung und Alt. Damit sein Leben zu bestreiten ist weniger lustig. Vor allem, seit es das Fernsehen mit seinen beliebten Zeichentrickserien gibt.

Jim Henson, der morgen 75 geworden wäre, wollte sein Handwerk mit den Möglichkeiten der Konkurrenz verbinden. Doch wie kommt eine altmodische Handpuppe ins TV-Studio und auf den Bildschirm?

Auch hier wusste Henson einen Weg: via Werbefernsehen. Anfang der 1960er Jahre entwarf der Mann, den es vom Mississippi in die Metropole New York verschlagen hatte, einen sehr menschlich aussehenden Hund. Der konnte sogar Klavier spielen! Die Zuschauer fanden es sehr komisch, wenn Rowlf sich die Schlappohren aus den Augen schütteln musste, um anschließend wieder vom Notenblatt abzulesen. Und die Hundefutterfirma freute sich über steigenden Absatz.

Neben der Figur Rowlf entwickelte Henson mit der Zeit weitere menschelnde Tierpuppen: den klugen Frosch Kermit, die dralle Schweinedame Miss Piggy, den präpotenten Truthahn Gonzo und den stets mit Pepitahut und Fliege drapierten und Witze von vorgestern zum Besten gebenden Bären Fozzie.

Daraus entwickelten sich später die Muppets. Zunächst hatten einzelne Puppen Gastauftritte in der Vorschulserie Sesame Street, ab 1976 gab es dann – 2 Jahre später auch bei uns – eine eigene Fernsehserie, The Muppets Show.

Als Moderator durch die Sendung führte, das ohnehin breite Maul weit aufreißend, der charmante, manchmal auch unverschämte Kermit. Es gab Einspielfilmchen mit Schweinen im Weltall oder einem tierischen Ärzteteam, das von Dr. Bob angeführt wurde. Hinter dieser Verkleidung steckte niemand anderer als Hund Rowlf, der die Lieblingsfrage der Assistentin, ob denn operiert werden müsse, regelmäßig mit einem begeisternden “Jaaa!” beantwortete.

Für den notwendigen Glamour der Show sorgten prominente Gäste, die von den Puppen manchmal hart rangenommen wurden und ihren Humor beweisen konnten. Legendär der Auftritt von Elton John, als er seinen Hit Crocodile Rock zum Besten gab und zum Schluss in einem Teich voller mitsingender, krokodiltränenvergießender Plüschalligatoren baden ging. Jede Sendung wurde von 2 komplett menschlichen Puppen beschlossen: Die alten Herren Stadler und Waldorf sorgten für den angemessenen Schuss Selbstironie.

Ein Beispiel gefällig? Stadler: „Ich muss zugeben, die Show hat mir gefallen.“ Waldorf: „Das sagt gar nichts. Dir hat ja auch der Zweite Weltkrieg gefallen!“

Jim Henson, bekennender Workaholic, starb viel zu früh, am 16. Mai 1990. Er hatte keine Zeit gefunden, sich ins Krankenhaus zu begeben und eine schwere Lungenentzündung behandeln zu lassen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ärzte wehren sich

Dienstag, 13. September 2011

Über kaum einen Beruf kursieren so viele Witze, Bonmots und Anekdoten wie über Ärzte. Klar, dass sich die Zunft der Weißkittel irgendwann einmal wehren musste. Das tat sie heute vor 111 Jahren.

„Lasst uns eine feste, zielbewusste Organisation schaffen zum Zwecke einer energischen Vertretung unserer aufs Äußerste gefährdeten Interessen! Schließen wir uns fest zusammen, der Einzelne ist nichts, alle zusammen sind wir eine Macht.“

Der Forderung des Leipziger Mediziners Hermann Hartmann schlossen sich die Kollegen rasch an. Aktuell gehören dem nach dem Tod des Gründers 1923 in Hartmannbund umgetauften Interessenverband rund 60 000 Ärzte an. Deren politische Schlagkraft zu erhöhen ist eines der erklärten Ziele der Organisation. Davon zeugen zahlreiche gescheiterte Bundesgesundheitsminister.

Auch dem aktuellen Amtsinhaber dürften bereits Wochen vor seinem rituellen Auftritt beim Bundesärztetag die Knie geschlottert haben. Bezeichnend ist, dass Daniel Bahrs Vorgänger Philipp Rösler das Ministerium wechselte, sobald er neuer Vorsitzender der FDP war. Auch das Wirtschaftsressort, welches Rösler nun bekleidet, gilt nicht gerade als Erholungsheim; doch wird dort mit weniger harten Bandagen gekämpft als im Gesundheitswesen.

In einem immer mehr durch finanzielle Einschränkungen gebeutelten Sektor setzt sich der Hartmannbund hauptsächlich dafür ein, dass die freie und unabhängige ärztliche Berufsausübung nicht der Kostendämpfungspolitik zum Opfer fällt: Das Verhältnis Arzt-Patient soll weiterhin ein vertrauliches sein, möglichst unbelastet von Horrorvorstellungen wie Budgetierung, Wettbewerb und ökonomischem Wirtschaften.

Lobbyvereinigungen wie dem Hartmannbund wiederum wird seitens der Patienten und ihrer Kassen vorgeworfen, zur Wahrung von Besitzständen die moralische Keule zu schwingen. Und die Herren und Damen Minister, die gerade das Gesundheitsressort leiten müssen und das gesamte Wesen an Kommerzialisierung zugrunde gehen sehen, würden die laut jammernden Ärzte am liebsten an ihre Schweigepflicht erinnern.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein umstrittener Manager

Dienstag, 9. August 2011

„Der wahre Grund für die Arbeitslosigkeit ist die Gleichgültigkeit – der Nichtbetroffenen“. Dieser bemerkenswerte Satz stammt von einem deutschen Manager, dessen Namen ich Ihnen erst am Ende dieses Beitrags verrate.

Heute vor 70 Jahren wurde er im saarländischen St. Ingbert geboren. Erste mediale Aufmerksamkeit erlangte der Sohn eines Völklinger Hüttenarbeiters als Personalvorstand von Volkswagen. Dort führte er die Vier-Tage-Woche ein, bei annähernd vollem Lohnausgleich. Das schaffte recht angenehme Bedingungen für die Beschäftigten und sorgte für neue Arbeitsplätze. Dem Unternehmen hat’s nicht geschadet. Warum sich der Manager das Wohlwollen der Belegschaft mit Schmiergeldzahlungen an die Betriebsräte erkaufen musste, bleibt sein Geheimnis. Dafür verurteilte ihn das Landgericht Braunschweig zu einer Bewährungsstrafe von 2 Jahren, kombiniert mit einer Strafe von mehr als einer halben Million Euro.

Das glimpfliche Urteil ließ einige Medienbeobachter schäumen, gerät aber angesichts ähnlicher Richtersprüche gegen vorteilnehmende und steuerhinterziehende Ex-Vorstandschefs wie etwa Klaus Zumwinkel allmählich in Vergessenheit. Nicht so unser Manager: Der schuf sich selbst im Jahr 2002 ein Denkmal. Von der damaligen Schröder-Regierung war er gebeten worden, den Arbeitsmarkt in Deutschland umzugestalten und die Vermittlung von Arbeitslosen zu optimieren. Sein Hauptgedanke war, die Bezahlung von Kräften, die länger als ein Jahr ohne Arbeit waren, unabhängig vom früher erzielten Lohn zugestalten. Die Einheitsvergütung von Langzeitarbeitslosen war geboren. Der Volksmund taufte sie im Namen des Erfinders: Hartz IV.

Die entwürdigenden Begleiterscheinungen, welche die Bezieher zuweilen in die Arme moderner Sklavenhalter, Zeitarbeitsfirmen genannt, und zur Annahme so genannter Ein-Euro-Jobs treiben, gehen freilich nicht auf Peter Hartz zurück. Das heutige Geburtstagskind hatte in seinem Konzept dem Prinzip des Förderns erheblich mehr Gewicht eingeräumt als demjenigen des Forderns.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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