Friedlich schwappt die Westerwelle
Dienstag, 27. Dezember 2011Über Guido Westerwelle ist in diesem Newsletter heuer bereits berichtet worden (siehe unsere Ausgabe vom 8. März 2011: Surfen auf der Westerwelle).
Es gäbe keinen Grund, dies schon wieder zu tun, würde er an diesem Tag nicht seinen fünfzigsten Geburtstag feiern. Zum Wiegenfest wäre dem Wahl-Bonner und Muss-Berliner zu wünschen, dass er sich mal kein böses oder hämisches Wort anhören braucht.
In einem Jahrzehnt mit recht viel Fortüne war es ihm als Vorsitzender der FDP gelungen, diese auf ein historisches Hoch zu führen, welches ziemlich genau mit der letzten Bundestagswahl koinzidierte. Leider zeichnete Westerwelle auch für den anschließenden Absturz verantwortlich, der die einst stolzen Liberalen in Meinungsumfragen auf den Status einer Splitterpartei herabsinken ließ. Freilich bleibt bis zum nächsten bundesweiten Urnengang noch ein wenig Zeit.
Zeit, die der Ex-Vorsitzende nutzen kann, um in seinem zweiten Aufgabenbereich zu glänzen. Seine bisherige Bilanz als Außenminister ist eher durchwachsen; es gab viel mehr Gemecker als Lob. Manchmal erfolgte die Kritik auch zu Unrecht, muss von dieser Stelle, die dem Regierungslager zuzurechnen wohl niemand in den Sinn käme, einmal klar gesagt werden.
In der heikelsten Situation seiner Amtsperiode bewies Westerwelle Besonnenheit, Weitsicht, Mut und Standfestigkeit. Am Ende war es ihm gelungen, Deutschland aus einem Krieg herauszuhalten. Das hatte ein Vorgänger, der einer erklärt pazifistischen Partei angehörte, nicht geschafft: Unter der Ägide des Herrn Fischer wurden aus deutschen Kampfflugzeugen Bomben auf Belgrad und andere jugoslawische Städte abgeworfen.
Weitere Prüfungen für das heutige Geburtstagskind, der auch mit einem halben Jahrhundert auf dem Buckel eher zu den jugendlichen Mitgliedern der Ministerriege zählt, stehen an. Der zweite Redaktionswunsch zielt daher auf ein auch künftig friedliches Schwappen der Westerwelle im Kabinett. Auf dass den Außenguido nicht sein Spruch aus unbeschwerter Vergangenheit einholt:
„Es schadet im Leben nicht, wenn man mehr zu Ende gemacht hat als die Fahrschule.“
Autor von Small-Talk-Themen.de


