Eine Erfindung für den Haussegen, gegen den Schnapsteufel
Freitag, 6. Januar 2012„Frauen, die schlecht kochen und welche kein gemütliches Heim zu schaffen vermögen, treiben ihren Mann aus dem Haus und dem Schnapsteufel in die Arme.“
Wie gut, dass der Mann, von dem diese Einsicht stammt, gleich auch ein Rezept wusste, um eine solche Tragödie erst gar nicht entstehen zu lassen. August Oetker, Sohn eines Bäckers und studierter Apotheker, sorgte dafür, dass jeder Kuchen gelingt und der einzige Schnaps, zu dem Ehemänner greifen mussten, bereits in der Torte drin war.
Erfunden hatte der heute vor 150 Jahren Geborene das Wundermittel freilich nicht. Diese Leistung ist dem US-Chemiker Eben Norton Horsford zuzuschreiben und datiert drei Jahrzehnte vor der Eröffnung von Oetkers erster Apotheke 1890 in Bielefeld.
Doch war der Ostwestfale ein Pionier der anderen Art: Durch geschicktes Marketing sorgte er für reißenden Absatz seines Pulvers, das 1893 unter der Bezeichnung Backin in die Läden kam. Ein gutes Dutzend Jahre später wurden bereits 50 Millionen Päckchen der den Hausfrieden wahrenden Mischung verkauft.
Zu diesem Zeitpunkt war Oetker längst Fabrikbesitzer. Das Rezept für das Pulver, das bis heute angeblich keine Veränderungen erfahren hat, blieb im Besitz der Familie. Auch der Firmenbesitz wurde an die jeweils nächste Generation weitervererbt. So konnte die Dynastie Oetker ihre marktbeherrschende Stellung ausbauen, zusätzlich befördert durch eine erfolgreiche Diversifizierung ihrer Produkte. Im lukrativen Segment der Tiefkühlpizzen etwa ist die Oetker AG in Europa unangefochtener Marktführer.
Das Auftauen der hartgefrorenen Scheiben stellt Hausfrauen vor keinerlei Probleme; der häusliche Verzehr verhindert ein Abwandern zum Italiener um die Ecke, wo beim Kippen des gratis angebotenen Digestifs der Schnapsteufel lauert.
Autor von Small-Talk-Themen.de


