Archiv für Kategorie ‘Familie’:

Shakespeare und sein Schneemann

Dienstag, 16. Dezember 2014

„O dass ich ein zum Scherz aus Schnee zusammengeballter König wäre, und hier, vor Bolingbrokes Sonne stehend, in Wassertropfen wegschmelzen möchte“: So beklagt der verschwenderische und genusssüchtige König Richard II. von England sein Schicksal in Shakespeares Drama – hier in der Übersetzung von Christoph Martin Wieland – bevor er auf Veranlassung seines Rivalen und Nachfolgers auf dem Thron, Henry Bolingbroke, in den Tower gesperrt und schließlich ermordet wird.

William Shakespeare schrieb sein Drama Richard II. vermutlich im Jahr 1595. Damals wurde der Winter auf der Insel wohl als solcher empfunden, dafür gibt es auch in Shakespeares Werken zahlreiche Belege. Der eingangs erwähnte Vergleich Richards ist übrigens die erste Erwähnung eines Schneemanns in der Weltliteratur.

Es dauerte noch eine Weile, ehe sich das Schneemannbauen zum Volksvergnügen auswuchs. Erste bildliche Darstellungen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Sie zeigen meist harte, strenge Gesichter; entsprechend einer als feindlich empfundenen Natur mit harten, strengen Wintern. In späteren Abbildungen wichen die grimmigen Züge weicheren und fröhlicheren. Bei Shakespeare hatte die Figur offenbar auch einen heiteren Ursprung. Die frühe Popularität in England mag auch damit zu tun haben, dass die Winter im atlantisch beeinflussten Klima längst nicht so kalt und lang gerieten wie auf dem Kontinent.

Schneemänner werden zudem meistens dann gebaut, wenn der erste Schnee gefallen ist und noch weiß, rein und jungfräulich aussieht. Aus der Veränderung seiner Struktur lasen die Menschen den weiteren Verlauf des Winters heraus: Fiel der Kopf des Schneemanns ab, stiegen die Temperaturen; bis zum Hereinbrechen des Frühlings würde es nicht mehr allzu lange dauern.

Der Schneemann als Sinnbild winterlicher Idylle hielt erst ab Mitte des 19. und vor allem im 20. Jahrhundert Einzug. Die positive Interpretation einer Schneelandschaft führte dazu, Schneemänner auf Postkarten zu verewigen und diese als Weihnachts- oder Neujahrsgrüße zu versenden.

Daran erinnert dieser Tage die Post mit einer Sondermarke, die eine grinsende Figur mit Mohrrübennase, schwarzer Melone auf dem Kopf und rotem Schal um den Hals präsentiert.

Ob dieser Winter wieder ausreichend Rohmaterial zum Schneemannbau liefert? Ein wichtiges Utensil dürfte ebenfalls nicht mehr so leicht wie in früheren Zeiten zu ergattern sein: In meiner Jugendzeit bedurfte es 5 runder Kohlen zur Darstellung der Augen und der Mantelknöpfe.

Doch wer heizt heute noch mit Kohlen? Und falls dies materielle Ursachen hat: Wer kann es sich leisten, gleich 5 davon zu verschwenden?

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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(K)ein alter Hut

Montag, 15. September 2014

Der Filzhut zählt in Regionen mit hohem Folkloreanteil zum Kulturgut. Nicht nur in Bayern lässt sich die Tradition zuweilen heute noch bestaunen. Auch weiter südlich war die gleichermaßen gegen Kälte wie vor Sonne schützende Kopfbedeckung ein gern getragenes Kleidungsstück.

Davon kündet beispielsweise das Lied Ich kauf’ mir lieber einen Tirolerhut. Im benachbarten Salzburg blickt das Hutmachergewerbe ebenfalls auf eine lange Geschichte zurück. Viel geblieben ist davon freilich nicht. Eine einzige Manufaktur weist das Bundesland aktuell noch auf. Sie befindet sich in Werfen im Pongau, 40km südlich der Landeshauptstadt.

Theresia Bartolot führt den Betrieb, den ihr Urgroßvater Johann Zapf 1893 gegründet hatte und der nach wie vor seinen Namen trägt. 12 Mitarbeiter stellen vor allem Filzhüte in Handarbeit her. Was in Salzburg, Tirol und Bayern als normale Freizeitbekleidung durchgeht, wird in Deutschland nördlich der Mainlinie häufig scheel angesehen. Schuld daran ist das schlechte Image: „Durch eine falsche Vermarktung“, glaubt die Zapf-Chefin, „wurde der Hut als ‘Seppenhut’ zum negativen Alpen-Klischee und zum Juxartikel degradiert.“

Was, bitteschön, könnte die Gegenfrage lauten, hebt den Filzhut über dieses Vorurteil hinaus? Vielleicht die Qualität: Mehr als ein Dutzend Arbeitsschritte braucht es bis zur Fertigstellung - und wie jedes Naturprodukt jede Menge Zeit. Der Hut wird über Dampf geformt und muss zwischen den einzelnen Fertigungsetappen mehrere Stunden trocknen. Die Herstellung beginnt mit dem Prototyp, dem Stumpen. Der ist bereits aus feinster Wolle, aber noch völlig unförmig. Aus dem Dampfkessel herausbefördert, wird er auf ein hölzernes Kopfmodell gezogen.

Hier gibt es mannigfaltige Variationen, analog zur Diversität der Trägerhäupter, deren Erscheinungsform, etwas salopp ausgedrückt, nicht selten in Richtung Mond, Ei, Quadrat oder Kürbis tendiert. Nach dieser Bestimmung bekommt der Stumpen eine Schnur verpasst, die Bandstatt. So setzt sich später der Kopfteil von der Krempe ab. Schließlich wird der Hut garniert: mit schmückenden Stickereien, einer Delle auf der Mitte und zweien vorne zur besseren Handhabe, einem Schweißband innen an der Stirn, vielleicht auch einer Feder, einem Gamsbart oder ähnlichem Zierat.

Dafür, dass die Firma Zapf im Wettbewerb besser abschneidet als der sprichwörtliche alte Hut, sorgt auch der Absatz in Übersee. Japaner und Amerikaner sind gute Kunden. Heute kommen womöglich neue hinzu: Der 15. September wird in den Vereinigten Staaten als Tag des Filzhutes begangen

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein Thema für mindestens 28 Millionen

Mittwoch, 13. August 2014

Rund 28 Millionen Deutsche besitzen einen Garten. Da scheint es so wahrscheinlich nicht, dass Ihr Small Talk-Gegenüber darunter ist.

Ideal für den Einstieg in den Garten-Small Talk eignet sich ein Zitat. Vielleicht dieses hier: „Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage.“ Wer das gesagt hat? Der Schweizer Landschaftsarchitekt Dieter Kienast. Seine kühne These begründete der leider sehr früh verstorbene Professor in Karlsruhe und Zürich wie folgt: „Denn er [der Garten] erfordert das, was in unserer Gesellschaft am kostbarsten ist: Zeit, Zuwendung und Raum.“

Zeit, Zuwendung und Raum: Besitzt Ihr Gesprächspartner davon ausreichend? So viel, dass es für einen Schrebergarten reicht? Oder nutzt er den Wohnungsbalkon, um wenigstens ein paar Küchenkräuter hochzuziehen? Oder Tomaten zu züchten?

Der Garten ist übrigens nicht nur im Schrebergartenparadies Deutschland ein Thema. „Willst du für eine Stunde glücklich sein, so betrinke dich. Willst du für 3 Tage glücklich sein, so heirate. Willst du für 8 Tage glücklich sein, so schlachte ein Schwein und gib ein Festessen. Willst du aber ein Leben lang glücklich sein, so lege dir einen Garten an.“ Diese Weisheit stammt aus China. Als sehr erdverbunden erweisen sich immer wieder die Skandinavier. Das Lebensmotto der Finnen eignet sich für den Small Talk über die warme Jahreszeit hinaus. Es lautet: „Dem Fröhlichen ist jedes Unkraut eine Blume. Dem Betrübten ist jede Blume ein Unkraut.“

Sie können sich im Small Talk sogar ins Reich der Philosophie versteigen! Beim Thema Garten finden sogar Intellektuelle zu erfreulich einfachen und verständlichen Worten. Ein Zitat, das in jeden Frühling- oder Sommer-Small Talk passt, stammt vom indischen Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger des Jahres 1913. Rabindranath Tagore meinte: „Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten.“

Zurück nach Deutschland! Nach einem hiesigen Sprichwort beginnt das wahre Leben erst mit dem Tag, an dem man einen Garten anlegt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Sommer-Thema, deutsch und international!

Mittwoch, 16. Juli 2014

„Soll eine Bratwurst recht geraten, dann muss sie auf dem Roste braten.“ So heißt es in einem Gedicht auf der Webseite des ersten Deutschen Bratwurstmuseums. Das steht in Thüringen. Und liefet Ihnen den Einstieg in Ihren nächsten Small Talk. Dort geht es um das Thema Grillen.

Die Bratwurst-Internetseite ist übrigens alles andere als provinziell. Von Thüringen aus geht der Blick über die Landesgrenzen: nach Franken, aber auch nach Frankreich. Dort findet die Bratwurst-Europameisterschaft statt. Oder nach Portugal: In Europas äußerstem Westen werden die Traditionen der kleinen fränkischen und großen Thüringer Bratwurst gepflegt! Vielleicht kann Ihr Gegenüber einen Small Talk-Beitrag aus einem exotischen Bratwurstland liefern?

Gegrillt wird vor allem in Südamerika. Aber selten Bratwürste … Wenn Sie den Small Talk international halte wollen, landen Sie unweigerlich beim Grillfleisch. Argentinien und Uruguay sind Staaten, in denen Männer noch Männer sind und Frauen am Herd stehen. Mit einer Ausnahme: Am Grill hat die holde Weiblichkeit nichts zu suchen. Allenfalls das Fleisch darf frau besorgen. Von der Auswahl der Grillkohle über das Würzen der Steaks bis hin zum Braten ist der Rest Männersache. In den Ländern beiderseits des Rio de la Plata wird das Essen vom Grill zelebriert wie in Japan eine Teezeremonie.

Was in Deutschland - nachdem die Kohle einmal richtig heiß ist - ein Angelegenheit von Minuten ist, dauert in Südamerika eine halbe Stunde: Das Fleisch muss langsam erhitzt werden. Außerdem sind die Scheiben viel dicker als bei uns. Ist die erste Runde Steaks verzehrt, muss der Grillmeister schon wieder ran und die nächsten Stücke braten. Denn zu einem Asado lädt man mindestens die nähere Verwandtschaft und dazu nicht selten noch den kompletten Freundeskreis ein. Dafür wird einem gestandenen Asador beinahe so viel Bewunderung entgegengebracht wie einem Fußballer. Das will in Argentinien und Uruguay schon etwas heißen!

Jetzt läuft Ihrem Small Talk-Gesprächspartner sicher schon das Wasser im Mund zusammen. Es sei denn, er ist Vegetarier! Doch auch in einem solchen Fall müssen Sie das Thema Grillen nicht aussparen. Auch Gemüse lässt sich lecker auf dem Rost zubereiten. Dazu gibt es dann in Alufolie eingewickelte Kartoffeln, die in die Glut geworfen werden. Und gegrillten Tofu.

Eventuell noch einen Schuss Humor? „Gegrillter Tofu schmeckt am besten, wenn man ihn kurz vor dem Essen durch eine Bratwurst ersetzt.“ Behauptet jedenfalls die Tageszeitung taz. Es gibt aber eine prima Alternative zum Tofu: Den würzigen Grillkäse Halumi gibt es in jede gut sortierten, griechischen, türkischen oder arabischen Lebensmittelladen. Vielleicht kennt Ihr Small Talk-Gegenüber ja noch ein leckeres fleischloses Grillgericht?

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Der Wahn ist kurz, aber schön

Montag, 7. Juli 2014

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet. Der Wahn ist kurz, die Reu’ ist lang“: So heißt es im Lied von der Glocke, dessen überaus gebildeter Autor Friedrich Schiller vermutlich der Überzeugung anhing, das Wörtchen ‘Ehe’ sei eine Abkürzung, gebildet aus den Anfangsbuchstaben des lateinischen Sinnspruchs errare humanum est.

Irren mag menschlich sein, die Liebe ist es auch! Heute ist ein Datum, an dem besonders viele Paare einander das Jawort geben. Die Glücksziffer 7 trifft sowohl den Tag als auch den Monat. Addiert man beide Werte, kommt man auf 14 und hat die Jahreszahl.

Was kann bei einer Ehe, die unter einem so guten Stern steht, noch schief gehen? Und selbst wenn, darf sich der oder die Gescheiterte durchaus einreden: „Es ist besser, geliebt und verloren zu haben, als niemals geliebt zu haben.“ Dieses Zitat stammt vom englischen Philosophen Samuel Butler.

Für das eheskeptische Argument aus dem Glockengedicht, der Wahn sei kurz, hielt ein Landsmann Butlers und Dichterkollege Schillers eine praktische Erwiderung bereit. Als Stephen Spender seiner zukünftige Frau die Absicht, sie vor den Traualtar zu führen, plastisch vor Augen führen wollte, offenbarte er ihr, was er in den nächsten gemeinsamen Tagen alles mit ihr anstellen wolle: „Wir werden jagen und fischen und schwimmen – und alles in meinem Zimmer.“

Das Risiko des Scheiterns einer Ehe lässt sich durch das Alter eines oder beider Partner bei der Schließung minimieren. Ein schönes Beispiel, was im Herbst des Lebens alles möglich ist, lieferte wieder ein Literat. Der ungarische Schriftsteller Mór Jokai heiratete als Siebzigjähriger eine Siebzehnjährige. Da waren sie wieder, die beiden glückverheißenden Siebener! Natürlich meldeten sich auch die Bedenkenträger. „Hast du dir mal Gedanken gemacht“, mahnte einer, der es gut mit Jokai meinte, „dass deine Frau, wenn du achtzig bist, siebenundzwanzig sein wird?“ Solch rationalen Überlegungen erteilte Jokai mit seiner idealistischen Sicht der Liebe eine klare Absage: „Wer eine Frau wirklich liebt“, erwidert er, „stößt sich nicht an ihrem Alter.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Immer (und am 15. Mai ganz besonders) ein Thema: die Familie!

Donnerstag, 15. Mai 2014

„Aus glücklichen Familien besteht das Wohl des Staates“: Diese Erkenntnis stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vom Philosophen und Dichter Johann Gottfried Herder. Sein Zeitgenosse, der Schweizer Theologe Alexandre Vinet, pflichtete ihm bei: „Das Schicksal des Staates hängt vom Zustand der Familie ab.“

Heute wird dies kaum anders gesehen, zumindest in offiziellen Verlautbarungen. „Familie ist der Ort, wo die Grundwerte unserer Gesellschaft geprägt und gelebt werden.“ So stand es zu Zeiten der CDU-/FDP-Regierung auf der Internetseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Heute ist dort zu lesen: „Familien kommt in der Gesellschaft eine tragende Rolle zu: Erziehung und Förderung, Bildung und Begleitung erfahren Kinder an erster Stelle in der Familie.“

Schlagen wir den Bogen zum Small Talk! Für die Konversation eignen sich die Themen am besten, die Ihren Gesprächspartner beteiligen. Auf welche Frage wird er immer eine Antwort haben? Richtig: Auf die nach seiner Familie! Reden Sie also im Small Talk über dieses Thema!

Böse Zungen würden behaupten, der Stellenwert der Familie - ihr Internationaler Tag wird am 15 Mai begangen - in unserer Gesellschaft könne so hoch nicht sein, wenn in der Bundesregierung das Ressort in 4 Bereiche aufgesplittert ist. Andererseits hängen alle 4 Bereiche eng miteinander zusammen. Fragen Sie Ihr Gegenüber im Small Talk, welchen Stellenwert die Familie für ihn hat. Oder fragen sie die Person, falls es sich um einen überzeugten Single handelt, was er oder sie an der Familie kritisch sieht.

Auch Kritisches hat im Small Talk seinen Platz; vor allem, wenn es mit einem Schuss Humor vorgebracht wird. In einer gut funktionierenden Familie, so drückte es einmal ein Scherzbold aus, ist die Frau die Regierung, der Mann das Volk und die Kinder sind die Opposition. Die vierte Gewalt, fügte der US-Komiker Will Rodgers hinzu, nimmt im Familienbetrieb nicht, wie im demokratischen Staat, die Presse ein, sondern der Hauspapagei: Erst wenn das geschwätzige Tier ohne Sorge um Rufschädigung für die Dauer der Sommerferien in Pflege gegeben werden kann, läuft in der Familie alles rund.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein Junge namens Susi

Dienstag, 18. Februar 2014

Wenn ein Vater seine junge Ehefrau und seinen dreijährigen Sohn verlässt - mit der Weigerung, auch nur einen Cent an finanzieller Unterstützung zu leisten - ist das schlimm genug. Noch größere Schuld hatte der Erzeuger freilich bei der Geburt des Sprösslings auf sich geladen: Gegen sämtliche Widerstände setzte er durch, dass sein Filius auf den Namen Susi getauft wurde. Ein Junge namens Susi!

Das glaube ich nicht, kommt vermutlich Ihr Einwand, das gibt es doch nur in irgendwelchen verschrobenen Büchern oder in einem Lied von Johnny Cash! Fragen Sie mal bei der der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden nach, würde ich Ihnen antworten, oder schauen Sie in unseren Newsletter von gestern Bizarre Vornamen, interessanter Beruf.

Was Johnny Cash betrifft, muss ich Ihnen allerdings Recht geben. Einer seiner Songs heißt A Boy named Sue. Geschrieben hat ihn Shel Silverstein. Dem mit Cash befreundeten Komponisten war kurz zuvor tatsächlich ein Richter mit Vornamen Sue über den Weg gelaufen.

Das Lied hat jedoch eine ganz eigene Geschichte. An deren Ende trifft Sue nach Jahren seinen Vater wieder, dem er die üble Namenswahl sein Leben lang nachgetragen hat. Wider Erwarten zeigt sich der Alte, nachdem sie sich beide heftig geprügelt haben, einsichtig und gesteht dem Junior sogar die Berechtigung zu, ihn zu töten.

Vorher setzt er ihm rasch die Gründe für die ungewöhnliche Namensgebung auseinander: Ein Dreijähriger mit einer alleinerziehenden, fast mittellosen Mutter würde es im Leben zweifellos schwer haben. Auf das Mitleid seiner Umgebung zu zählen, wäre in einem solchen Fall nur die zweitbeste Lösung. Am Besten, der Kleine trainiere sich frühestmöglich eine gewisse Härte an, die ihn das schwere Los besser ertragen helfe. So kam es auch.

Dankbar erkennt der Sohn die weise Voraussicht des Vaters an und verzichtet auf Rache. Ganz im Reinen ist er mit ihm jedoch nicht. Seinen eigenen Sohn würde er niemals so nennen. Sondern Bill. Oder George. Irgendeinen Namen, aber bloß nicht Sue! „I still hate that name“, endet der Song.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Gunst und Kommerz: Schwierige Geschenksuche am Valentinstag

Mittwoch, 12. Februar 2014

Immer nur Blumen! Nicht schon wieder Süßigkeiten! Und schon gar nicht diese Herzen! Geschenke am Valentinstag wiederholen sich. Die eingangs bemühten Gunstbeweise sind wahrlich kein Ausbund an Originalität. Für den Small Talk eine willkommene Gelegenheit, nach anderen Wegen zu suchen!

„Die Kunst des Schenkens liegt darin, einem Menschen etwas zu geben, das er sich nicht kaufen kann.“ Dieser Auffassung war der Autor des Kinderbuchs Pu, der Bär. Alan Alexander Milne wurde 1882 geboren. Das war zu einer Zeit, als man noch nicht alles kaufen konnte. Heutzutage ist eine solche Vorgabe viel schwieriger zu erfüllen.

Doch was kann man nicht kaufen und ist trotzdem wertvoll? Eine überzeugende Antwort wäre: Zeit! Nehmen Sie sich im Small Talk ruhig ein wenig davon, um über ihren kostbaren Wert zu philosophieren - und ein ungewöhnliches Geschenk für den Valentinstag vorzuschlagen. Zeit also. Die lässt sich tatsächlich verschenken. Etwa indem man die Adressatin oder den Adressaten seines Geschenks “entführt”: an einen geheimen Ort, auf eine besondere Wanderung, auf eine Fahrt mit dem Boot oder der Fähre, vielleicht auch im Zug oder, sportlich, zu einem Ausflug mit dem Fahrrad. Wichtig ist nur: Das Ziel darf vorher nicht bekannt sein. Und die Fahrt selbst sollte das Highlight sein.

Und wenn keine Zeit ist? Müssen Sie im Small Talk nach einer anderen Lösung suchen! Schließlich hat nicht jeder den Valentinstag zur freien Verfügung. In einem solchen Fall müsste dann wohl doch ein Geschenk materieller Natur her; also ein Produkt, welches es käuflich zu erwerben gibt. Doch sollte es wenigstens etwas sein, mit dem der oder die Beschenkte nicht gerechnet hat beziehungsweise über das er oder sie sich aus tiefstem Herzen freut! Mit anderen Worten: Kein Null-acht-fünfzehn-Geschenk wie Blumen, Süßigkeiten und rote Herzen!

Bei der Auswahl eines solchen Geschenks hilft Ihnen oder auch Ihrem Smalltalk-Gegenüber wieder ein Zitat weiter. Die folgende Empfehlung stammt von einer schwedischen Schriftstellerin. Selma Lagerlöf gewann als erste Frau überhaupt den Literatur-Nobelpreis und fand: „Schenken heißt, einem anderen das geben, was man selber behalten möchte.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Nicht nur für Ossis ein Thema: Der Mauerfall

Mittwoch, 6. November 2013

Am 9. November jährt sich der Tag, an dem die Mauer fiel, zum 24. Mal. Die Reisebeschränkungen für DDR-Bürger wurden in jenem Herbst 1989 aufgehoben, und die Vereinigung der beiden deutschen Staaten eingeleitet. Auch wenn die Politik sich nicht als Thema für jeden Smalltalk eignet: Auf dieses Highlight der deutschen Geschichte dürfen Sie jederzeit eingehen!

Fragen Sie doch Ihr Gegenüber beim Smalltalk, wo er diesen ganz besonderen Tag verbracht hat. Bestimmt kann er sich noch an jene Stunden erinnern, als DDR-Politbüromitglied Günter Schabowski im Fernsehen verkündete, seine Regierung habe beschlossen, „eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen.“ Auf die Frage eines Journalisten, ab wann diese Regelung denn in Kraft trete, antwortete Schabowski ziemlich verdattert: „Nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich.“

Das ließen sich die Ostdeutschen nicht zweimal sagen: Das Ergebnis war die größte Völkerwanderung Richtung Westen in der Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik.

Umgekehrt können Sie im Smalltalk schildern, wie Sie den 9. November 1989 erlebt haben. Wo waren Sie? Mit wem waren Sie zusammen? Was fühlten Sie und Ihre Bekannten, Freunde oder Verwandten in diesem Moment? Hätten Sie gedacht, dass keine 11 Monate später die beiden 4 Jahrzehnte lang getrennten deutschen Staaten bereits wiedervereinigt sein würden? Das sind Fragen, die Sie mit Ihrem Gesprächspartner diskutieren können.

Vom Rückblick dürfen Sie schließlich auf die Gegenwart zu sprechen kommen. Doch hier sollten Sie vorsichtig sein. Leicht kann sich aus der lockeren Konversation eine politische Kontroverse entwickeln. Halten Sie sich mit Meinungsäußerungen zurück und überlassen Sie die Bewertung der Entwicklung von 1989 bis heute sicherheitshalber Ihrem Gesprächspartner.

Suchen Sie aber unbedingt einen positiven Gesprächsabschluss. Das kann ein positiver Ausblick auf die weitere Entwicklung Ost- und Westdeutschlands sein. Oder Sie erzählen von einer Reise in die neuen (oder, falls Sie aus Ostdeutschland stammen, in die alten) Bundesländer, bei der Sie angenehme Erfahrungen gemacht und nette Menschen getroffen haben.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Ein Tag, an dem man sich besonders gerne traut

Montag, 9. September 2013

Die große Zeit der Schnapszahlenhochzeiten in diesem Jahrhundert ist vorbei. Die letzte Tripelkombination ergab sich am 12. Dezember des letzen Jahres, also am 12. 12. 12. Ab diesem Jahr müssen sich trauende Paare mit einer Doppelkombinationen zufrieden geben. Gerne genutzt wird der 9. September.

Schuld daran ist die Symbolik, die hinter dem heutigen Datum steckt. Die christliche Zahlendeutung betrachtet die 9 als Steigerung der 3, die ja allein wegen der Heiligen Dreifaltigkeit einen sehr hohen Stellenwert besitzt. Die 3 ergibt, mit sich selbst malgenommen - genau, die 9! Die Neun ist daher die Zahl der höchsten Vollkommenheit, und die doppelte Neun am 9. September aus christlicher Sicht das perfekte Datum für eine Hochzeit.

Doch auch Menschen mit eher weltlicher Einstellung und Perspektive hat die 9 einiges zu bieten. Für Kegler etwa ist sie die ideale Zahl: Alle Neune ergeben einen Volltreffer. Ein Blick in die Geschichte verschafft der 9 gerade in Verbindung von Religiösem und Weltlichen eine besondere Geltung: Die alten Chinesen bauten neunstöckige Pagoden als Abbild des Himmels, und im antiken Griechenland verschönerten neun Musen die Götterwelt.

An letzteren Umstand knüpfte in im rheinischen Bonn geborener Komponist an: Ludwig van Beethovens „Neunte“ war seine bedeutendste und letzte Symphonie. Im Schluss-Chor erklingt das Lied an die Freude, ¬eine Vertonung des Schiller-Gedichts Ode an die Freude.

Zurück von der 9 zur 3. Auch das Wörtchen ‘Ehe besteht gerade mal aus 3 Buchstaben, von denen 2 - wie die Zahlen des heutigen Datums - sogar gleich sind. Das hatte bereits die englische Schriftstellerin Agatha Christie festgestellt. Und gab allen, die das Wagnis einer lebenslangen Verbindung eingehen wollen, einen guten Ratschlag mit auf den Weg:

„Manches Paar muss trotz der Kürze jahrelang an diesem Wort buchstabieren.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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