Archiv für Kategorie ‘Familie’:
Mittwoch, 22. Dezember 2010
„Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen: Es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“
Diese Worte stammen von Georg Christoph Lichtenberg, der Lesern dieses Newsletters ein Begriff ist (siehe unter anderem die Ausgaben vom 3. September 2010 und vom 13. März 2008). Der Göttinger Physiker, dessen geistreiche Sprüche in so manche Aphorismensammlung hineingefunden haben, hatte eigentlich keinen Grund, so pessimistisch ins neue Jahr zu blicken. Andererseits besitzt der Pessimist gegenüber dem Optimisten unbestreitbar den Vorteil, dass er nur schwer enttäuscht werden kann. Noch besser hat es der Fatalist, dem das, was nach Silvester kommt, gewöhnlich komplett an seinem Hinterteil vorbeigeht.
So auch dem Schriftsteller Erich Kästner, der dem neuen Jahr mit einer gehörigen Portion Gleichmut begegnete und diesem in einem Zweizeiler Ausdruck gab: „’Wird’s besser? Wird’s schlimmer?’ fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.“
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Mittwoch, 22. Dezember 2010
Nicht jedem Zeitgenossen ist Weihnachten ein willkommenes Thema. Was tun Sie, wenn Sie es mit einem ausgesprochenen Weihnachtsmuffel zu tun haben? Erzählen Sie ihm im Smalltalk über die wenig weihnachtlichen Weihnachtsfeiern in einem unserer Nachbarländer:
Die Briten sind vermutlich Weltmeister in der Disziplin „Betriebliche Weihnachtsfeiern“. Insgesamt 45 Stunden lang begießt der durchschnittliche Arbeitnehmer in den Büros auf der Insel den Advent – auf mehrere Tage verteilt. Pro Feierabend trinkt der britische Mann im Schnitt 11 Gläser Wein oder 5 Pints – ein Pint sind 0,57 Liter - Bier. Das haben Wissenschaftler im Auftrag des staatlichen Rundfunksenders BBC ermittelt. Die Folgen: Jeder fünfte Arbeitnehmer meldet sich im Dezember wegen eines “Hangovers” arbeitsunfähig. Der Höhepunkt der Alkoholvernichtung ist aber regelmäßig der Heiligabend. In Großbritannien ähnelt er unserem Karneval - unter Verzicht auf sämtliche historische, kulturelle oder sonstige inhaltliche Aspekte.
Und wenn Ihr Gegenüber ein Weihnachtsromantiker ist, der frühere Feste besser gefunden hat? Erzählen Sie ihm von den Weihnachtserinnerungen eines deutschen Literatur-Nobelpreisträgers:
Thomas Mann schrieb vor 75 Jahren in sein Tagebuch: „Baumschmücken und große Ungeduld der zögernd einlaufenden Geschenke wegen.“ Ein Jahr später stellte er neben „festlicher Unruhe“ auch „Befriedigung über viel Paketlagerung auf der Diele und im Verandazimmer“ fest. Im Jahr 1938 schließlich monierte der Erfolgsschriftsteller die „gänzlich mit Geschenken verstellte Weihnachtshalle“.
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Mittwoch, 15. Dezember 2010
Advent und Weihnachten eignen sich naturgemäß als Themen für den Dezember-Smalltalk – und alles, was damit zusammenhängt: Adventskranz und Adventskalender, Weihnachtskarten und Weihnachtslieder, Weihnachtsmärkte und Weihnachtsmänner.
- Weihnachtskarten beispielsweise gehören zum Fest wie der Weihnachtsbaum und die Geschenke. Fragen Sie Ihren Smalltalk-Gesprächspartner, ob er seine Weihnachtskarten schon geschrieben und abgeschickt hat. Gemeinsam können Sie erörtern, welches denn das ideale Datum für das Absenden solcher festlicher Grüße ist. Schließlich haben die Briefträger vor den Feiertagen besonders viel zu tun, und da kann es schon mal vorkommen, dass eine Postkarte etwas länger als die von der Post gewöhnlich veranschlagten 2 Tage unterwegs ist.
- Eine andere Möglichkeit, in den vorweihnachtlichen Small Talk einzusteigen, ist die Frage an Ihr Gegenüber, ob er schon einen Weihnachtsbaum für sich beziehungsweise für seine Familie besorgt hat. Daran anschließen kann sich ein kleiner Diskurs, wie in der jeweiligen Familie das Weihnachtsfest begangen wird.
- Ein weiteres Thema sind Weihnachtslieder. So stimmt man zur Weihnachtszeit in unserem Nachbarland Tschechien den „lichten, seligen Traum“ ein. Die Portugiesen in ihrem so gut wie schneefreien Atlantikküstenstaat besingen lieber eine „zarte Mondnacht“, und die Franzosen trällern unterm geschmückten Baum selig von der „Nacht der Liebe“. Hinter allem steckt – in der jeweiligen Übersetzung – das vom österreichischen Organisten Franz Xaver Gruber komponierte Stille Nacht, heilige Nacht.
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Mittwoch, 8. Dezember 2010
Der Dezember ist nicht nur der Monat des Weihnachtsfests, sondern auch die große Zeit der betrieblichen Weihnachtsfeiern. Um zu verhindern, dass die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung zum Fiasko wird und hinterher Ihnen und Ihrer Familie das Fest vermiest, nehmen Sie sich folgende Ratschläge zu Herzen:
- Fallen Sie nicht in den Tratsch über abwesende Mitglieder der Belegschaft oder auch weit entfernt von Ihnen sitzende Teilnehmer der Feier ein.
- Verzichten Sie auf Profilierungsversuche: Für Kritik oder überzogene Komplimente an die Adresse von Vorgesetzten sind Weihnachtsfeiern der falsche Ort.
- Ebenso wenig ratsam ist es, die gute Stimmung an einem solchen Nachmittag oder Abend als Plattform für eine Gehaltserhöhungen anzustreben.
- Annäherung an Kolleginnen und Kollegen sollten unterbleiben. Dafür haben sie 364 Tage im Jahr Zeit – falls Sie und die andere Person dies tatsächlich wünschen. Warum muss es ausgerechnet die Weihnachtsfeier sein, die unter Hinweis auf die Einmaligkeit der Situation als Vorwand herhalten muss?
In normalem Zustand dürfte all dies kein Problem sein. Anders sieht es unter Mitwirkung von Alkohol aus.
Daher: Trinken Sie erst einmal ein Wasser oder ein alkoholfreies Bier. Es gibt auch alkoholfreien Sekt. Und legen Sie im weiteren Verlauf der Feier immer mal wieder ein alkoholfreies Getränk ein!
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Freitag, 26. November 2010
Adventsgedichte gibt es viele, und sie werden ab Sonntag wieder fleißig zitiert. Dann wird die erste von vier Kerzen auf dem Adventskranz entzündet und dazu ein mehr oder weniger frommer Spruch aufgesagt.
Als treuer Leser dieses Newsletters oder eingedenk unseres letztjährigen Beitrags um diese Zeit (siehe unsere Ausgabe vom 27. November 2009 Der erste Adventskranz) denken Sie bestimmt, dass wir es mit den weniger frommen Sprüchen halten. Das ist tatsächlich so. Daher möchte ich Sie auf ein Internetportal verweisen, auf der Sie ungewöhnliche, aber durchaus zitierfähige Zeilen zum Advent finden.
Bei Achim Schmidtmanns Gedichten stimmt nicht nur das Vermaß, auch der Inhalt vermag zu überzeugen. Eine Kostprobe:
“Im Advent, der Zeit der Lichter,
wird ein jeder schnell zum Dichter,
denn in dieser stillen Zeit,
reicht ein leises Wort sehr weit.”
Gar nicht so schlecht, oder? Zugegeben, das zweite ‘Zeit’ hätte man durch ein eleganteres Wort ersetzen können. Doch so eng soll die Angelegenheit auch wieder nicht betrachtet werden, schließlich ist Weihnachten eine – pardon, schon wieder! – Zeit der Harmonie.
Wollen Sie sich mehr von Achim Schmidtmanns Gereimtem zu Gemüte führen, empfehle ich den Besuch der Seite spruecheportal.de/adventssprueche.
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Montag, 20. September 2010
„Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer.“ Das ist doch ein ganz alter Spruch!, werden Sie jetzt womöglich einwenden. Da haben Sie freilich Recht: Er stammt aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert. Losgelassen hat ihn ein gewisser Sokrates, damals ein nicht ganz unbedeutender Philosoph.
Inzwischen sieht die Wissenschaft, vor allem die Pädagogik, die Angelegenheit auch aus anderem Blickwinkel. Danach ist ein Kind ein Lebewesen, dem, kaum dass es gelernt hat zu sprechen, sofort der Mund verboten wird. Welche Beurteilung ist denn nun richtig? Die Wahrheit wird wohl, wie so häufig, irgendwo dazwischen liegen.
Am besten fasste das Dilemma Clarence Seward Darrow in Worte. Der Mitte des 19. Jahrhunderts geborener amerikanische Jurist befand: „Die erste Hälfte unseres Lebens wird von den Eltern ruiniert, die zweite von den Kindern.“ Die schwarze Zunft kann halt nur mit Erwachsenen etwas anfangen; gegen Minderjährige lassen sich schlecht Urteile sprechen.
Dass aber auch Kinder zu Ihrem Recht kommen, darauf achten die Vereinten Nationen. Sie haben den 21. September zum Weltkindertag gemacht. In Deutschland wird er immer schon einen Tag vorher begangen.
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Mittwoch, 21. Juli 2010
Frage: Was hört der Mensch am liebsten? Antwort: Seinen eigenen Namen! Um den im Smalltalk mit einem Unbekanten herauszufinden, müssen Sie Ihr Gegenüber natürlich danach fragen. Mit der Antwort haben Sie sogleich einen guten Anknüpfungspunkt gefunden, von dem aus Sie das Gespräch fortspinnen können.
- Stellen Sie sich Ihrem Gegenüber vor und fragen Sie nach seinem Namen. Damit geben Sie Ihrem Gesprächspartner die Möglichkeit, sich einzubringen: Er darf gleich sein Lieblingswort benutzen.
- Bekunden Sie weiteres Interesse. Besitzt Ihr Gegenüber einen schwierigen Namen, dürfen Sie ruhig nachfragen, ob Sie ihn richtig verstanden beziehungsweise korrekt ausgesprochen haben. Das zeigt Respekt und gehört zum guten Ton.
- Ein weiterer Vorteil eines ungewöhnlichen Namens: Sie können nach dessen Herkunft fragen. Ihr Gegenüber wird gern antworten!
- Ein Kompliment wirkt bei einem ungewöhnlichen Namen auch nicht schlecht. Sagen Sie beispielsweise: "Gewöhnliche Menschen heißen Bauer oder Ackermann. Darf ich daraus schließen, dass Sie kein gewöhnlicher Mensch sind?"
Und wenn es sich bei Ihrem Gesprächspartner doch um einen gewöhnlichen Namen handelt? Auch dann haben Sie die Möglichkeit, ein wenig nachzuforschen.
Ein Beispiel: Ihr Gegenüber heißt Schumacher. Übt er den Beruf noch aus? Nein, der Name schreibt sich doch ohne ‚h’! Aha. Warum eigentlich? Schon hat Ihr Gegenüber einen weiteren Anknüpfungspunkt und wird Ihnen gerne über die Herkunft seines Familiennamens berichten.
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Dienstag, 8. Juni 2010
Es ist des Lernens kein Ende, sagte einmal der heute vor 200 Jahren im sächsischen Zwickau geborene Robert Schumann. Der Musiker wusste, wovon er sprach: Als eine Fingerlähmung die Beweglichkeit seiner Hände beeinträchtigte, musste er seine Karriere als Klaviervirtuose aufgeben. Immerhin blieb ihm noch das Komponieren. Für das Flügelspiel in der Familie war seitdem Frau Clara zuständig, ebenfalls eine begnadete Pianistin.
Schumann hatte sie während seines Studiums in Leipzig kennengelernt. Der verhinderte Tastenartist schuf nunmehr bedeutende Kammermusikwerke und Liederzyklen. Auch die Mitte des 19 Jahrhunderts entstandene Oper Genoveva entstammt seiner Feder. Zu diesem Zeitpunkt stand es mit Schumanns Gesundheit nicht mehr zum Besten: Tobsuchtanfälle wechselten mit apathischen Schüben, zur Schlaflosigkeit gesellten sich Wahnvorstellungen - möglicherweise alles Folgen einer Syphilis. 1854 ließ sich der Künstler, mittlerweile zum Musikdirektor der rheinischen Metropole Düsseldorf aufgestiegen, in eine flussaufwärts gelegene Heilanstalt einweisen.
In Endenich, heute ein Stadtteil Bonns, starb Robert Schumann am 29. Juli 1856. Seinen 200. Geburtstag feiern die Orte seines Wirkens mit zahlreichen Veranstaltungen und Konzerten. Mehr dazu finden Sie auf der Internetseite www.schumannjahr2010.de.
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Mittwoch, 12. Mai 2010
„Wenn ich meine Mutter selber pflegen würde, müsste ich meinen Beruf aufgeben, hätte kein Einkommen mehr und würde dadurch wahrscheinlich selbst zum Sozialfall werden.“ So wird in einer Sendung des Bayerischen Rundfunks ein Angehöriger zitiert, der eine illegale Pflegehilfe in Anspruch genommen hat.
Mindestens 100.000 von ihnen soll es in der Bundesrepublik geben. Meistens kommen sie aus Osteuropa, kümmern sich, oft im Wechsel mit Kolleginnen, rund um die Uhr um Pflegebedürftige und kassieren monatlich 800 bis 1000 Euro. Schwarz, versteht sich. Legale Angebote belaufen sich auf das Vier- bis Sechsfache. Deutschland mit seiner alternden Gesellschaft hat zu viele Patienten und zu wenig professionell Pflegende.
Von 1,5 Millionen Bedürftigen wird gerade mal ein Drittel von einem ambulanten Pflegedienst versorgt. Um den großen Rest kümmern sich Angehörige – oder Schwarzarbeiter. Die Zahlungsbereitschaft der potenziellen Kundschaft ist gering, sagt eine Studie des Instituts Arbeit und Technik (IAT), die mittlerweile auch schon wieder 5 Jahre alt ist. Geändert hat sich seitdem nicht viel: Pflegepatienten wünschen sich eine individuelle, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Betreuung, die große Anbieter mit ihren standardisierte Angeboten häufig nicht leisten können. „Hier werden Chancen für die Entstehung neuer qualifizierter Arbeitsplätze verschenkt“, sagt Claudia Weinkopf vom IAT. „Dies ist umso bedauerlicher, als hiervon auch ältere Beschäftigte, die auf dem Arbeitsmarkt besonders schlechte Karten haben, profitieren könnten. Denn diese bringen oft gerade diejenigen Fähigkeiten und Kompetenzen mit, auf die Senioren besonderen Wert legen.“
Heute, zum Internationalen Tag der Pflege, ist es an der Zeit, sich über dieses drängende Problem wieder einmal Gedanken zu machen.
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Montag, 3. Mai 2010
„Was den guten Journalisten ausmacht“, haben wir Ihnen letzte Woche anhand des Beispiels von Egon Erwin Kisch nähergebracht. Was aber macht den schlechten Journalisten aus?
Laut dem früheren Fernsehmoderator Robert Lembke handelt es sich dabei um einen Mann, der die eine Hälfte des Lebens damit verbringt, über Dinge zu schreiben, von denen er nichts weiß und die andere Hälfte, nicht über Dinge zu schreiben, die er genau weiß. Der Satiriker Karl Kraus meinte, keinen Gedanken zu haben und ihn ausdrücken zu können, mache den Journalisten, und ein besonders schlechter sei derjenige, der nachher alles vorher gewusst hat. Der britische Kriminalautor Gilbert Keith Chesterton behauptete gar, Journalismus bestehe in erster Linie darin, Leuten zu erzählen, Lord Jones sei gestorben, die vorher nicht einmal gewusst hätten, dass Lord Jones überhaupt existierte. Und der deutsche Publizist Ulrich Erckenbrecht verstieg sich zu folgendem Vergleich: Wer Stil und Ideen hat, ist ein Schriftsteller. Wer Stil hat, aber keine Ideen, wird Journalist. Wer weder Stil noch Ideen hat, wird Germanist.
Beinahe überflüssig zu sagen, dass Erckenbrecht sich meist als Schriftsteller bezeichnet. Lassen wir die Journalisten jetzt in Frieden, heute ist der Internationale Tag der Pressefreiheit
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