Archiv für Kategorie ‘Feiertage’:

Winkt morgen ein neues Rekordergebnis?

Donnerstag, 13. November 2014

non plus ultra: Übersetzt bedeuten diese 3 Wörter „nicht mehr weiter“. Aneinandergereiht werden sie heute als Synonym für das Größte, das Höchste oder auch das Unübertreffbare verwendet (siehe unseren Newsletter vom 16. September 2009: Das Nonplusultra).

Der Sage nach hat ein antiker griechischer Recke den Schriftzug am Felsen von Gibraltar angebracht. Das Naturdenkmal zählte als „Säulen des Herakles“ zu den sieben Weltwundern. Es sollte Reisende davon abhalten, die Meerenge zwischen Nordafrika und Europa zu durchfahren und die damals bekannte Welt zu verlassen. Der Spruch war so wirkungsvoll, dass Kaiser Karl V. – er machte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Spanien zum Weltreich – sich bemüßigt fühlte, ein symbolisches ‘plus ultra’ auf seine Fahnen zu schreiben: Das Ende der bewohnten Welt war noch nicht erreicht, es sollte noch weiter gehen.

Weiter gehen muss es auch für die deutsche Fußballnationalmannschaft nach 2 sieglosen Spielen hintereinander in der Qualifikation für die Europameisterschaft 2016. Doch dürfte der nächste Gegner keine allzu hohe Hürde sein. Gibraltar weist in der aktuellen Tabelle der Gruppe D nach 3 punkt- und torlosen Spielen eine Torbilanz von -17 auf. Den 0:7-Packungen gegen Polen und Irland könnte morgen Abend in Nürnberg eine noch größere Schlappe folgen.

Zur Erinnerung. Die letzte zweistellige Niederlage in einem EM-Qualifikationsspiel gab es vor 3 Jahren: Am 2. September 2011 besiegten die Niederlande San Marino mit 11:0. Das Rekordergebnis in diesem Wettbewerb datiert vom 6. September 2006. Wieder hieß das Opfer San Marino. 13 Treffer mussten die Mannen aus der Minirepublik im Norden Italiens schlucken und erzielten wieder mal keinen eigenen.

Und wer war der Gegner? Richtig, die Deutschen! Ob die DFB-Elf in Nürnberg den eigenen Rekord zu brechen vermag? Nach der Niederlage in Polen und dem dürftigen Heimremis gegen Irland in den letzten beiden Qualifikationsspielen haben Jogis Löwen einiges gutzumachen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Small Talk über Toleranz

Mittwoch, 12. November 2014

Seit gestern sind im Rheinland die Narren wieder unterwegs. Fünfte Jahreszeit werden die je nach Kalender 3 bis 4 Monate genannt, in denen manches erlaubt und wenig unmöglich scheint. „Jeder Jeck is’ anders“, lautet der närrische Wahlspruch. Wenn das mal keine gelebte Toleranz ist!

Schlagen Sie im Small Talk den Bogen vom Karneval zur UNESCO, denn auch die Weltkulturorganisation befasst sich mit der Frage, wie man mit seinem Nächsten umgehen sollte. Die UNESCO hat den 16. November zum Internationalen Tag der Toleranz ausgerufen. Begangen wird er seit 1995.

Noch ein wenig früher als die UNESCO widmete sich Johann Wolfgang von Goethe dem Leben und dem Leben lassen. Der Menschheit vermachte der Schöngeist ein Zitat, über das nachzudenken sich lohnt. „Dulden heißt beleidigen“: Die dürren Worte des Dichterfürsten wirken beim ersten Hören reichlich schroff. Dabei war der durchaus liberale Goethe alles andere als ein Toleranzgegner. Freilich sah er die durchaus ehrenwerte Eigenschaft nur als ersten Schritt, um auf andere zuzugehen. Bliebe es langfristig bei der Toleranz, würde deren Wirkung bald nicht mehr zum Tragen kommen. Um wirklich eine Beziehung zu den Mitmenschen aufzubauen, müsse der Einzelne sein Gegenüber auch akzeptieren.

Wie eng Dulden und Nichtdulden beieinander liegen können, demonstrierte der Welt ein Physiker. Albert Einstein erwartete auf seine neu entwickelte Relativitätstheorie folgende Reaktionen: „Werde ich Recht behalten, werden die Deutschen sagen, ich sei Deutscher, die Franzosen, ich sei Europäer und die Amerikaner, ich sei Weltbürger. Werde ich nicht Recht behalten, werden die Amerikaner sagen, ich sei Europäer, die Franzosen, ich sei Deutscher und die Deutschen, ich sei ein Jude.“

Beenden Sie den Small Talk mit einem Preußen. Angehörigen dieses Volksstamms werden den Rheinländern diametral entgegengesetzte Qualitäten nachgesagt. Bei einem sehr prominenten Landsmann schien dies anders gewesen zu sein. „In meinem Staate“, sagte Friedrich der Zweite, „kann jeder nach seiner Fasson selig werden.“ Diesen Individuen und Völker verbindenden Satz würde in Köln oder Düsseldorf jede Karnevalsgesellschaft bedenkenlos auf ihre Fahnen schreiben.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Es war in Königswinter

Dienstag, 11. November 2014

Seit heute morgen 11 Uhr 11 ist es im Rheinland endlich wieder erlaubt, Karnevalshits zu grölen. Höchste Zeit, Ihnen mein Lieblingslied aus diesem Genre vorzustellen. Es trägt den schlichten Titel Es war in Königswinter. Melodie und Text sind sogar noch schlichter. Die erste Strophe lautet: „Es war in Königswinter, nicht davor und nicht dahinter. Es war gleich mittendrin, als ich damals auf dich reingefallen bin.“

Gleich in der Eingangszeile wird die nicht vorhandene Größe (des Ortes, wohlgemerkt, an was haben Sie denn gedacht!?) zum Thema gemacht, indem der Autor diese mit einer nicht vorhandenen Aussage spiegelt. Genialer kann ein Lied mit geografischem Namen im Titel nicht beginnen, oder?

Dabei ist die Stadt Königswinter so unbedeutend nicht. Eduard Rhein (siehe unseren Newsletter vom 23. August 2011: Multitalent aus Königswinter) stammt von dort, Konrad Adenauer hatte im Vorort Rhöndorf sein Domizil, und den ebenfalls im Stadtgebiet beheimateten Drachenfels hat jeder Niederländer schon mal in seinem Leben erklommen, so dass der gar nicht mal so steile, aber anmutige Zahn über dem an dieser Stelle nicht minder pittoresken Rhein als höchster Berg Hollands gehandelt wird.

Die aus Sicht eines Oberbayerns allenfalls als Hügel durchgehende Erhebung ist dann auch Gegenstand der zweiten Strophe: „Auf dem Drachenfels, da hab ich mich verliebt, doch ich wusste nicht, dass es noch Drachen gibt. Heute hab ich ihn zu Haus, und verzweifelt ruf ich aus: ‚Es war in …‘.“

Der Rheinländer weiß den Reizen seiner Landschaft weniger abzugewinnen als der Tourist, da er sie täglich vor sich hat. So verwundert die prosaische Diktion in den Zeilen nicht. Die mangelnde politische Korrektheit darf dem Komponisten getrost nachgesehen werden. Im Karneval scheint es Wichtigeres zu geben. Der Autor des Königswinter-Songs heißt übrigens Dieter Steudter, ist gelernter Bäcker, verdient seine Brötchen aber längst als Liedtexter und -interpret. Die dritte Strophe erspare ich Ihnen. Nur so viel: Es kommen 2 Esel darin vor, mit zusammen 6 Beinen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Attentat auf Indira Gandhi

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Ein 30 Jahre altes Foto zeigt Indira Gandhi auf dem Totenbett. Neben dem Leichnam wacht, am weißen Turban deutlich erkennbar, ein Sikh. Es war ein Zeichen der Familie Gandhi und der damals in Indien regierenden linksgemäßigten Kongresspartei, den Konflikt mit der Religionsgemeinschaft (siehe auch unseren Newsletter vom 5. Juni 2014: Ein schlimmer Tag für jeden Sikh) nicht weiter eskalieren zu lassen.

Das tödliche Attentat auf die Premierministerin war eine Reaktion auf die Erstürmung des Goldenen Tempels in Amritsar durch die Bundesarmee. Radikale Sikhs hatten im Frühjahr das Heiligtum besetzt, um für eine freie Religionsausübung zu demonstrieren. Hunderte von ihnen waren bei der Militäraktion ums Leben gekommen, darunter auch ihr Anführer Jarnail Singh Bindranwhale.

Aus Rache entleerten am 31. Oktober 1984 zwei Sikhs aus der Leibgarde die Magazine ihrer Maschinenpistolen auf ihre Chefin, die von 30 Kugeln getroffen wurde. Nach dem Massaker von Amritsar hatte Indira Gandhi darauf verzichtet, die Sikhs in der Garde auszutauschen – mit dem optimistischen Hinweis, Indien sei ja ein säkularer Staat.

Die konsequente Haltung der Kongresspartei, die nach dem Attentat ihre Politik nicht änderte, rettete Indien womöglich vor einem Bürgerkrieg. Allerdings hatte die Kongresspartei ihre Galionsfigur verloren. Indira Gandhi war die Tochter des Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru, der das Land 17 Jahre lang, von der Unabhängigkeit bis 1964, regiert hatte.

Mit dem Vater des modernen Indien – Mahatma Gandhi hatte sich als fast 78-Jähriger zur Zeit der Staatsgründung als zu alt für das oberste Regierungsamt empfunden – stand Indira Gandhi nicht in Beziehung. Ihr Nachnahme rührt aus der Heirat mit dem Politiker Firoze Gandhi, der nicht mit Mahatma Gandhi verwandt war, aber Nehrus Kongresspartei angehörte.

Indira Gandhi war von 1966 bis zu ihrem gewaltsamen Tod Indiens Ministerpräsidenten, mit einer kurzen Unterbrechung von 3 Jahren, als 1977 ein konservatives, wirtschaftsliberales Oppositionsbündnis die Parlamentswahl gewann. In ihre Regierungszeit fiel der gewonnene Krieg gegen Pakistan mit der Unabhängigkeit Bangladeshs. Innenpolitisch war sie recht erfolgreich bei der Hebung des Bildungsstandards und der Bekämpfung der Armut, scheiterte allerdings mit ihrem Bemühen, die Bürokratie zu entschlanken und die Staatsverschuldung merklich zu senken.

Politische Gegner wie auch Befürworter brachte sie mit ihrem autoritären Regierungsstil gegen sie auf. Das indische Ministerpräsidentenamt blieb in der Familie. Nachfolger Indiras wurde, nachdem ihr ursprünglich auserkorener Sohn Sanjay bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war, der zweitgeborene Rajiv. Auch er fiel später einem Attentat zum Opfer, als eine Angehörige der benachteiligten tamilischen Volksgruppe sich vor ihm in die Luft sprengte.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Von einer Abhängigkeit in die andere

Donnerstag, 21. August 2014

Heute ist lettischer Nationalfeiertag. Anlass ist die nach dem Verlassen der Sowjetunion 1991 erlangte Souveränität. Dass es mit der staatlichen Unabhängigkeit so weit nicht her ist, beweist ein Vorfall aus jüngerer Vergangenheit. Um die verheerenden Auswirkungen der Finanzkrise halbwegs in den Griff zu bekommen, plante die lettische Regierung eine Abwertung ihrer Währung.

Ökonomisch eine durchaus sinnvolle Maßnahme: War doch die Inflationsrate in dem von Importen abhängigen kleinen Ostseestaat EU-weit eine der höchsten und hatte der heimischen Wirtschaft ein viel zu hohes Preisniveau beschert. Lettische Firmen erwiesen sich als nicht mehr konkurrenzfähig, der heimische Konsum lag darnieder, weil sich kaum noch jemand die teuren Waren leisten konnte. Doch eine Abwertung wollte eine mächtige Interessenlobby verhindern.

Sie kam nicht aus dem eigenen Land, sondern vom großen skandinavischen Bruder. Schwedische Banken hatten ihrer lettischen Kundschaft Euro-Kredite in Milliardenhöhe gewährt, deren Rückzahlung im Falle einer Abwertung problematisch geworden wäre. Der lettische Wirtschaftsminister Vjaceslavs Dombrovskis gab in einem Interview mit dem TV-Sender arte zu: „Eine recht zynische Geschichte. 2009 wollten wir angesichts der Krise unsere Währung um 40 % abwerten. Das wäre ein harter Schlag für die skandinavischen Banken gewesen, die immense Aktiva in Lettland halten. Deshalb waren sie gegen eine Abwertung. Und so blieb aus ihrer Sicht nur eine Lösung: Wir mussten der Eurozone beitreten.“

Was hieß das konkret? Statt die Wirtschaft anzukurbeln mussten harte Sparanstrengungen unternommen werden. „Innere Abwertung“ nannte man die Schocktherapie beschönigend. Staatliche Gehälter wurden bis auf die Hälfte gekürzt, Angestellte entlassen, Sozialleistungen gekürzt, Schulen und Krankenhäuser geschlossen. Noch heute kranken große Teile der Bevölkerung an dieser Rosskur. Dafür haben die Letten den Euro.

Eine Bankenpleite gab es doch noch: Es erwischte die heimische Parex-Bank. Schwedische Geldinstitute, die ebenfalls fragwürdige Kredite vergeben hatten, sind auch infolge der Euroeinführung in Lettland noch mal davongekommen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein dreiviertel Jahrtausend altes religiöses Fest

Montag, 11. August 2014

Fronleichnam hat zwar schon vor einiger Zeit stattgefunden, genauer gesagt am 19. Juni. Dafür, dass das bewegliche Datum überhaupt als religiöses Fest gefeiert wird, sorgte Papst Urban IV. heute vor 750 Jahren. Die Idee für den kirchlichen Feiertag hatte der römische Pontifex, heißt es im Ökumenischen Heiligenlexikon, aus seiner alten Heimat: Im heute belgischen Liège (Lüttich) war Jacques Pantaléon vor seiner Papstwahl als Erzdiakon tätig. Dort wurde damals bereits nach den Visionen der Johanna von Lüttich, die dem Kloster auf dem Mont Cornillon vorstand, ein Fest zu Ehren der Eucharistie, der Leibwerdung Christi in Gestalt der geweihten Hostie, gefeiert.

Der Name stammt aus dem Mittelhochdeutschen: vron bedeutet ‘Herr’ und lichnam ‘Leib’; an Fronleichnam wird also dem Leib des Herrn gedacht. Im Jahr 1277 – andere Quellen geben als Debüt 1279 an – zog bereits die erste Fronleichnamsprozession durch Deutschland. Als Ort, da ist man sich einig, wird Köln bezeugt. Ein festes Datum hat der Fronleichnam nie bekommen. 1317 legte Urbans christlicher Amtskollege Johannes XXII. lediglich fest, dass die Eucharistiefeier am jeweils zweiten Donnerstag nach Pfingsten begangen wird.

In ganz Deutschland hat sich das religiöse Fest ohnehin nie durchgesetzt. Dafür sorgte Martin Luther. Der Reformator bezeichnete Fronleichnam als „allerschädlichstes Jahresfest.“ Auch mit der Symbolik konnte der Zweifler aus Wittenberg nichts anfangen. Die Transsubstantiation, also die Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi, sei ein vereinfachendes Erklärungsmodell. „Dies ist der Leib Christi“, heiße es bei den Katholiken. Christus werde jedoch nicht durch die Hostie verkörpert, sondern sei allgegenwärtig. Darüber hinaus beanstandete Luther, dem Feiertag Fronleichnam entbehre jegliche Grundlage in der Bibel.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Bundesfeiertag statt Nationalfeiertag

Mittwoch, 30. Juli 2014

Die Schweiz hat keine Hauptstadt. Bern ist, seit 1848, offiziell nur Bundessitz. Die Schweiz hat auch keinen Nationalfeiertag. Sondern einen Bundesfeiertag, den sie jedes Jahr am 1. August begeht. Für Ihren Small Talk ist der 1. August ebenso ein Thema wie der 4. Juli (siehe unseren Newsletter vom 2. Juli 2014: Patriotisch, aber unaufgeregt in den Nationalfeiertag).

Warum der 1. August? Die Eidgenossen feiern übermorgen den Bundesbrief aus dem Jahr 1291 (siehe unsere Ausgabe vom 1. August 2013: Der erfundene Nationalfeiertag). Ob dieser tatsächlich am 1. August ausgestellt wurde, scheint alles andere als gesichert. Das Datum ist Legende, den Schweizern ist es egal. Sie halten mit diesem Tag ihr Ideal hoch: den Zusammenschluss freier Völker zu einem Staatenbund, dem jeder beitreten durfte. Als letzte der 26 Kantone kamen 1815, nach dem Zusammenbruch von Napoleons Regime, Genf, Neuenburg und Wallis hinzu. Vor 125 Jahren setzte die Schweizer Regierung den ersten Augusttag willkürlich als Bundesfeiertag fest; zum ersten Mal begangen wurde er am 1. August 1891.

Vor 20 Jahren kam eine wichtige Regelung hinzu. Eine Volksabstimmung wurde abgehalten, bei der eine selten große Mehrheit von 84 % mit ‘Ja’ stimmte. Was gefragt wurde? Ob der Bundesfeiertag künftig arbeitsfrei sein sollte! Die 16 % Nein-Stimmen, da wird Ihr Small Talk-Gegenüber zustimmen, sind wohl nur in einem Land mit zahlreicher calvinistischer Bevölkerung möglich.

Wie verläuft ein typisch eidgenössischer 1. August? Wenn in Deutschland der Gong zur Tagesschau ertönt, läuten überall in der Schweiz die Kirchenglocken. Sie hören erst wieder auf, wenn bei uns der Wetterbericht vorbei ist. Schon früh am Morgen sind alle öffentlichen und die meisten privaten Gebäude mit rotweißen Fähnchen geschmückt. Wenn es dunkel wird, brennen auf den Gipfeln zahlreicher Berge und den Anhöhen in den flacheren Regionen die Augustfeuer. Gefeiert wird den ganzen Tag über, mit Umzügen, einheimischer Musik, beispielsweise von Jodler- oder auch Alpenhorngruppen, Singen der Bundeshymne, Reden auf öffentlichen Plätzen, Lichterketten, Feuerwerken oder sinfonischen Konzerten.

Wie leiten Sie den Small Talk zum Bundesfeiertag ein? Mit einem Zitat. Etwa dem folgenden des Schriftstellers Peter Bichsel: „Die Schweizer leben in der Legende, die man um sie gemacht hat.“ Am 1. August stimmt dieser Satz mehr denn je.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Patriotisch, aber unaufgeregt in den Nationalfeiertag

Mittwoch, 2. Juli 2014

„Man muss eine Nation einfach lieben, die ihre Unabhängigkeit an jedem 4. Juli feiert. Nicht mit einer Parade von Panzern und schießeisenreckenden Soldaten. Auch nicht von Truppen, die am Weißen Haus vorbeidefilieren, um Muskeln zu zeigen und Stärke zu demonstrieren. Sondern mit Familienpicknicks, bei denen Kinder sich Frisbees zuwerfen. Bei denen der Kartoffelsalat langsam verdirbt. Und bei denen die Fliegen vor lauter Glück sterben. Du denkst, du hast dich überfressen. Aber es ist nur Patriotismus.“

So beschreibt Erma Bombeck den amerikanischen 4. Juli. Ihr Small Talk -Gegenüber muss sie nicht kennen. Die deutschstämmige Schriftstellerin ist im Mittleren Westen der USA aufgewachsen. Berühmt wurde die 1996 verstorbene Autorin mit humorvollen Familiengeschichten. Etwa Nur der Pudding hört mein Seufzen oder Wenn meine Welt voll Kirschen ist, was tu ich mit den Kernen?

Der 4. Juli – Ihr Small Talk-Gesprächspartner wird’s vielleicht wissen – ist der amerikanische Unabhängigkeitstag. Der Independence Day erinnert an die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776. Die ehemals 13 Kolonien an der amerikanischen Ostküste hatten sich gegen das britische Mutterland erhoben. Nur ein Jahr dauerte der Krieg gegen die Kolonialmacht. Am Ende schlossen sich die abtrünnigen Gebiete zu den Vereinigten Staaten von Amerika zusammen.

Verlesen wurde die Deklaration von Thomas Jefferson, dem späteren US-Präsidenten, im Kongress in Philadelphia. Darin heißt es: Alle Menschen sind gleich geschaffen und wurden von ihrem Schöpfer mit bestimmten unantastbaren Rechten ausgestattet, darunter das Leben, die Freiheit und das Streben nach Glück.

Von allem etwas wollen die Amerikaner an ihrem 4. Juli genießen. Es ist ein unaufgeregter, unbeschwerter Nationalfeiertag im Kreis der Lieben. Was hält Ihr Small Talk-Gegenüber davon? Ist der 4. Juli ein Modell für Deutschland? Oder haben wir die amerikanische Gelassenheit sogar schon längst übernommen?

Im Small Talk können Sie anschließend noch den Bogen zu unserem 3. Oktober spannen. Wie läuft der deutsche Nationalfeiertag ab? Hat Ihr Gesprächspartner ein besonderes Ritual, diesen zu begehen? Oder ist er schon zufrieden, wenn er am 3. Oktober anders als an Werktagen einmal ausschlafen kann?

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Fronleichnam fast im Sommer!

Mittwoch, 18. Juni 2014

Fronleichnam verbinden wir eher mit Frühling. Dieses Jahr fällt das Fest beinahe auf den Sommeranfang. Fronleichnam ist der letzte bewegliche Feiertag des Jahres – und 2014 sehr spät dran. 2 Tage darauf, am 21. Juni, beginnt bereits der Sommer.

Schlecht für alle, die unter Hitze leiden und an einer der traditionellen Prozessionen teilnehmen. Die erste in Deutschland fand im Jahr 1279 statt. Schauplatz war damals das rheinische Köln. vronlichnam, auch darauf können Sie im Small Talk kurz eingehen, ist die altdeutsche Bezeichnung für den Leib des Herrn. In der Fronleichnamsprozession schreiten gläubige Katholiken hinter einer geweihten Hostie her.

Falls Sie wieder auf das Wetter zurückkommen möchten, können Sie mit dem christlichen Fest den Bogen schlagen. Verlassen Sie im Small Talk das Rheinland und gehen in ein weiter südlich gelegenes Zentrum des deutschen Katholizismus: Nichts ausmachen kann die Sommerhitze den Oberbayern: Auf Chiemsee und Staffelsee finden die Prozessionen an Fronleichnam zu Wasser statt, auf christlich-festlich geschmückten Schiffen.

Das schöne Fronleichnamwetter lässt sich am besten genießen, wenn man nicht zur Arbeit muss. Leider ist das religiöse Fest nur in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ein gesetzlicher Feiertag mit Arbeitsruhe. In den protestantischen Bundesländern zieht es die Erwachsenen dagegen an diesem Tag an die Werkbank oder ins Büro. Ihre Kinder dürfen nicht minder erfreut die Schulbank drücken.

Kompliziert erscheint die Situation in Sachsen. In Deutschlands östlichstem Bundesland ist an Fronleichnam nur in einzelnen Gemeinden im Landkreis Bautzen und im Westlausitzkreis arbeitsfrei. Dort leben zahlreiche Katholiken, von denen sich wiederum viele der Minderheit der Sorben (siehe unseren Newsletter vom 27. Mai 2008: ) zugehörig zählen. Auch in Thüringen mit seiner gemischt katholisch-evangelischen Bevölkerung ist morgen nur in bestimmten Teilen Feiertag.

Sie sehen, der Fronleichnam liefert reichlich Stoff für den Small Talk!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Island wird Siebzig

Dienstag, 17. Juni 2014

Bis Island 1911 seine Universität bekam, schreibt Marie Krüger in ihrem Länderporträt über Europas große Insel im Norden (Marie Krüger, Island. Christoph Links Verlag, Berlin 2011), mussten die Einheimischen zum Studieren nach Kopenhagen.

Und bis Island heute vor 70 Jahren unabhängig und Republik wurde, gingen die Huldigungsadressen ebenfalls nach Kopenhagen, zum Schloss Amalienborg, dem Sitz des Monarchen; denn das Eiland gehörte seit 1662 zum Königreich Dänemark. Was es für einen Isländer bedeutete, unter dänischer Herrschaft zu leben, ist in Halldór Laxness’ nobelpreisgekröntem Roman Islandglocke nachzuempfinden.

Die Mischung aus Profitgier und Desinteresse seitens der Kolonialmacht schürte die Unzufriedenheit auf der Insel, deren Bewohner, wie Marie Krüger schreibt, nach „einer schlimmen Pockenepidemie, Hungersnöten infolge kalter Sommer und bitterer Winter, einer Schafsseuche und einer Reihe heftiger Vulkanausbrüche zusätzlich demoralisiert“ wurden und sich „in ihrer Isolation von Dänemark alleingelassen“ fühlten.

Wenigstens im Zweiten Weltkrieg kam den Insulanern ihre abgeschiedene Lage auch einmal zugute: Das Mutterland Dänemark wurde 1940 von Hitlers Wehrmacht besetzt, eine Expedition in den Nordatlantik wäre für die deutsche Flotte wegen der starken Präsenz britischer und amerikanischer Kriegsschiffe zu gefährlich gewesen. Dafür hatten die Isländer die Vereinigten Staaten am Hals, deren Militärs die Insel zu einer Marinebasis ausbauten, die sie auch nach Kriegsende so rasch nicht wieder aufgeben würden.

So gesehen kam die Unabhängigkeit am 17. Juni 1944 genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Zugehörigkeit zum westlichen Verteidigungspakt war das einzige Zugeständnis, das die neue Regierung in Reykjavik gegenüber Washington einräumen musste. Auch mit der ehemaligen Kolonialmacht sind die Isländer längst im Reinen und die Beziehungen freundschaftlich.

Nur mit Brüssel gibt es häufig Ärger, etwa was die Fischereizone und die Fangquoten um Island herum betrifft. Eine Mitgliedschaft in der EU würde von vielen Inselbewohnern als Rückschritt in alte Zeiten der Bevormundung angesehen und ist daher in allernächster Zukunft nicht zu erwarten.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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