Heute ist Internationaler Frauentag. Eine schöne Gelegenheit, einer Boulevardzeitung zu gedenken, die keineswegs immer politisch korrekt ist und dies leider nicht durch das nötige Quantum Humor auszugleichen in der Lage ist - im Gegensatz zu einer Frau, die sich einmal sehr elegant gegen Bild zu wehren wusste.
Miriam Meckel hatte als Regierungssprecherin der letzten sozialdemokratisch geführten nordrhein-westfälischen Landesregierung für Ihre Redekünste den Cicero-Preis bekommen. In ihrer Dankesrede gab sie sich, für viele überraschend, sogleich als Bild-Leserin zu erkennen. Deutschlands meistgelesene Tageszeitung hatte kurz zuvor herausgefunden, dass „Frauen das Plapper-Gen“ besitzen: Angeblich reden sie am Tag 23.000 Wörter; während die Männer mit durchschnittlich 12.000 auskommen. Miriam Meckel, die über das Thema „Austauschbarkeit von Fiktion und Wahrheit in unserer Mediengesellschaft“ referierte, begann ihre Rede mit genau diesem Bild-Zitat.
Zum Schluss schlug sie wieder den Bogen zu ihrem Einstieg: „Ich habe jetzt 1235 Wörter gesprochen“, beendete Meckel ihre Ausführungen, um noch eine letzte hinzuzufügen: „Den Rest meiner Tagesration erlasse ich Ihnen.“
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Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen: Von wem stammt diese Einsicht? Treue Leser dieses Newsletters (siehe Ausgabe vom 5. Januar 2009 „Krise als Chance?“) wissen Bescheid: von Erich Kästner.
Der Schriftsteller und Dichter wurde heute vor 111 Jahren in Dresden geboren. Von ihm stammen unsterblich gewordene Kinderbücher wie Das fliegende Klassenzimmer, Pünktchen und Anton, Das doppelte Lottchen oder Emil und die Detektive (mehr über diese Geschichten finden Sie auf der Internetseite www.kaestnerfuerkinder.net).
Doch auch den Erwachsenen hat Kästner manch schönen Stoff geliefert. Etwa den satirischen Roman Fabian über einen Gutmenschen, der sich im Berlin der 1920er Jahre zunächst über die Raubtiergesellschaft amüsiert und später an ihr scheitert. Zurück in seiner Heimatstadt geht der Titelheld endgültig unter: Als er einen Ertrinkenden sieht, springt er hinterher. Leider kann er selber nicht schwimmen.
Eine höhere Meinung als von den Menschen – prinzipiell hielt Kästner sie für gut, doch waren seiner Meinung nach die Leute schlecht – hatte der Autor von anderen Lebewesen. Ihnen hat er die Die Konferenz der Tiere gewidmet, denen es eines schönen Tages zu dumm wurde. Einer der dort Vertretenen, der Löwe Alois, resümierte: „O diese Menschen! Wenn ich nicht so blond wäre, könnte ich mich auf der Stelle schwarz ärgern!“
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Am 18. Februar gedenkt die katholische Kirche gleich sieben Heiliger: Angilibert, Fra Angelico, Konstantia, Simon, Alexander, Heladius, Colmann. Nicht alle sind der Redaktion dieses Newsletters bekannt, wohl aber den Verantwortlichen der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Mit Simon ist der Bruder des Herrn gemeint; wer aber ist Colmann? Das tut in diesem Zusammenhang nichts zur Sache, zumal wir es lieber mit den Außenseitern halten.
Die repräsentiert, was den heutigen Gedenktag angeht, eindeutig die Evangelische Kirche. Mit ihrem einzigen Eintrag steht sie sogar klar hinter der orthodoxen Kirche zurück. Die gedenkt eine ganzen Schar: Johannes dem IV., Leo dem Großen, dem Heiligen Maruthas von Tagrith und den Heiligen von Martyropolis. Die Protestanten gedenken nur ihrem Reformator: An diesem tag im Jahr 1483 wurde in Eisleben Martin Luther geboren. Was der wohl zur heutigen Heiligenflut gesagt hätte? Vielleicht dies: „Gott will nicht, dass man nicht Geld und Gut haben und nehmen solle, oder, wenn man’s hat, wegwerfen solle, wie etliche unter den Philosophen und tolle Heilige unter den Christen gelehrt und getan haben.“
Nein, Gott will, dass man das Geld gut anlegt und die Zinsen gewinnbringend investiert, auf das man bereits im Diesseits so erfolgreich ist, wie es uns manch tüchtiger Protestant vorgemacht hat. Philosophen haben das Nichts begründet, Heilige füllen es aus.
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Der politische Aschermittwoch geht auf eine niederbayerische Tradition von 1580 zurück (siehe unseren Newsletter vom 1. März 2006 „Woher stammt der politische Aschermittwoch?“). Bundesweit bekannt wurde das Politspektakel jedoch erst mit den Auftritten von Franz Josef Strauß. Der CSU-Vorsitzende nahm sich am ersten Tag nach Fasching gerne den politischen Gegner vor. Der hieß SPD und war, zum Ärger der Christsozialen, lange Zeit Regierungspartei.
So auch 1975. Damals ließ es Strauß bei seiner Aschermittwochrede in Passau so richtig krachen: Die Sozis, „die ausgezogen waren, Deutschland zu reformieren, und einen Saustall ohnegleichen angerichtet haben“, bekamen so richtig ihr Fett weg. Doch Strauß konnte auch anders. Einst bekannte er, obwohl alle, die zum politischen Aschermittwoch in die Nibelungenhalle geströmt waren, Deftiges erwarteten, in ungewohnter Zurückhaltung: „Es stimmt nicht, dass ich jeden Tag zum Frühstück einen Sozi esse.“ Bevor die Passauer ungläubig ihre Stirn runzeln konnten, schob Strauß einen klärenden Satz hinterher: „Ich esse nur, was ich mag.“
Heute wird es wieder hitzig zugehen in den Hallen und Bierzelten. Wünschen wir den Aschermittwochsrednern, dass sie, was den Humor betrifft, Strauß’sches Niveau erreichen.
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Dass der Valentinstag keine Erfindung der Geschäftsleute ist, haben wir Ihnen bereits in einem früheren Newsletter (siehe unsere Ausgabe vom 14. Februar 2006 „Der Valentinstag – eine Erfindung der Geschäftsleute?“) bewiesen. Doch wie wurde der 14. Februar zum Tag der Verliebten?
Der Brauch, am Valentinstag handschriftliche Grüße auszutauschen und sich eine Kleinigkeit zu schenken, ist im 17. Jahrhundert in Großbritannien entstanden. Ende des 18. Jahrhunderts gab es auf der Insel dann die ersten gedruckten Karten. Der lukrative Brauch schwappte über den Großen Teich und fand in den Vereinigten Staaten seine Fortsetzung. In den 1840er Jahren begann Esther Howland im Mutterland der Geschäftstüchtigkeit mit der Massenproduktion gedruckter Valentines.
Weltweit werden inzwischen mehr als eine Milliarde Karten so versandt, dass sie am 14. Februar ankommen. 2010 allerdings ist dies schlecht möglich, da fällt der Valentinstag auf einen Sonntag. 85 % der Valentinskartenkundschaft sind übrigens Frauen. Doch waren es Männer, die den Brauch zu uns brachten: US-Soldaten, die im Zuge des Zweiten Weltkriegs in Deutschland einmarschierten. Was für Valentinskarten am Sonntag unmöglich ist, wird auch für diesen Newsletter tags darauf nicht gehen: Da bekommen Sie nämlich keinen: Montag ist Rosenmontag – und für die gesamte Redaktion arbeitsfrei.
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Punxsutawney Phils erstes Auftauchen im Jahr ist in den Vereinigten Staaten immer ein Gesprächsthema. Nicht nur für den Smalltalk, auch in Hollywood. Davon zeugt der Streifen Und täglich grüßt das Murmeltier (siehe unseren Newsletter vom 1. Februar 2008 „Morgen ist Groundhog Day“). Eine Prognose über die Reaktion des haarigen Gesellen, wenn die Klappe zu seinem Bau für einen Moment geöffnet wird, ist nicht schwer: Er wird seinen Schatten sehen und vor Schrecken zusammenzucken.
Letzteres ist jederzeit, das Erblicken des eigenen Ebenbildes nur an sehr klaren und kalten Tag möglich. Nicht unwahrscheinlich, dass das vorherrschende Hoch stabil und die Kälte von Dauer ist. Sechs Wochen soll der Winter in Phils Heimat, dem Nordosten der USA, noch dauern, wenn das Tier Nerven zeigt. Schade, dass es bei uns keinen Groundhog Day wie in Amerika gibt! Murmeltiere gibt’s in Oberbayern an der Zahl. Vielleicht könnte man auch ein anderes Tier zu einer Prognose bewegen – warum nicht einen Dachs, der sieht ebenfalls sehr possierlich aus.
Am besten, wir fragen Jörg Kachelmann. Der ist zwar nur Spezialist für Nordbayern (siehe unseren Newsletter vom 15. Juli 2008 „Wetter und Wetterfrösche“), hat aber immer eine gute Idee. Nicht so gut für Prognosen eignet sich der Verantwortliche für diese Zeilen; doch das ist ein ganz anderes Thema, das morgen an dieser Stelle näher beleuchtet wird.
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Der Weltkuscheltag war zwar bereits letzten Donnerstag, doch hatten wir an diesem Datum ein noch bedeutenderes Ereignis zu vermelden. Jetzt aber zu dem Tag, an dem sich alle lieb haben sollen. Über dessen Herkunft und Geschichte konnte die Redaktion dieses Newsletters leider nichts herausbekommen. Sogar auf der Wikipedia-Seite, die doch über alles Wichtige und Unwichtige zu berichten weiß, fand sich kein entsprechender Eintrag.
Dafür aber in einigen Internetforen, beispielsweise auf dem Portal www.sms-sprueche.ws unter der Rubrik ‚Anmache’. Natürlich hat der Redakteur hier allerlei Flachsinniges zu entdecken befürchtet, wurde aber angenehm enttäuscht. Eine Kostprobe gefällig? „Wusstest du, dass Polen und Indianer die besten Liebhaber sind? Ach, übrigens, ich heiße Winnetou Koslowski“ Das ist doch schon recht lustig, oder? Am besten fand ich aber diese Zeilen: „Wusstest Du, dass heute Weltkuscheltag ist? Ein Wort von Dir und ich verlasse meine Mutti!“
Falls die SMS-Anmache – das könnte vor allem die weibliche Hälfte der werten Leserschaft betreffen – doch keine Gnade findet, hat das späte Befassen mit dem Weltkuscheltag zumindest ein Gutes: Die beiden heute vorgestellten Sprüche kämen erst in 361 Tagen zum Einsatz.
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… meldet der Koninklijke Nederlandsche Schaatsenrijders Bond (KNSB), die unter der Patenschaft der Königin stehende Vereinigung der Niederländischen Natureisläufer. Was es mit dem Elfstedentocht auf sich hat, wissen treue Leser dieses Newsletters; weniger treue müssen die Ausgabe vom 12. Januar 2009 „Die Frage, um die sich dieser Tage alles in Friesland dreht“ zu Rate ziehen. Vor genau einem Jahr stand unser Nachbarland vor derselben Frage wie heute: Findet der Elfstedentocht nun statt oder nicht?
Um die fast 200 Kilometer lange Strecke durch elf friesische Städte auf Schlittschuhen bewältigen zu können, bedarf es tief zugefrorener Kanäle. Zwar hat es in Friesland in letzter Zeit kräftig und andauernd gefroren, doch ist das Eis noch nicht dick genug, um alle Sicherheitsbedenken auszuräumen. „Warum das?“, werden Nichtfriesen vielleicht einwenden, es schneit doch zurzeit kräftig, sogar in den Niederlanden. Das ist zweifellos richtig, doch wirkt sich der Schnee negativ auf die Dicke der Eisdecke aus. Zum einen ist es relativ warm, wenn Schnee fällt; dann gefriert weniger Wasser als bei starkem Frost. Hinzu kommt die kristalline Struktur des Schnees: Bleibt er auf der Eisfläche liegen und scheint die Sonne darauf, wird deren Effekt verstärkt – und das Eis beginnt an der Oberfläche zu schmilzen.
Wünschen wir unseren Nachbarn also viel Frost und wenig Schnee! Es ist an der Zeit, dass endlich wieder einmal ein Elfstedentocht über die Bühne geht. Den letzten durften die eislaufverrückten Friesen vor dreizehn Jahren erleben.
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Der Geburtstag, das haben Sie in unserem Newsletter vom 5. Januar erfahren „Das neue Jahr und die guten Vorsätze“, ist die zweite Chance nach Silvester, gute Vorsätze in die Tat umzusetzen. Beispielsweise könnte zum Wiegenfest der Entschluss reifen, endlich einmal ein gutes Buch zu lesen, für dessen Lektüre man sich bislang zu unreif gefühlt hat: etwa den Zauberberg von Thomas Mann, der in einem Schweizer Sanatorium spielt, oder, falls der Schauplatz zu sehr an die eigenen Gebrechen erinnert, Lotte in Weimar, wo derselbe Schriftsteller Goethes Werther aufgreift und das Objekt aller Sehnsüchte, Werthers große Liebe Charlotte – die im wirklichen Leben natürlich Goethes große Liebe war – im Weimarer Hotel Elephant logieren lässt.
Beide Werke sind zu Beginn recht zähe Angelegenheiten, weswegen Sie versucht sein könnten, beim Werther lieber zum Original zu greifen und – trotz schlechter Erinnerungen an die Schule? – mit dem leidenden Protagonisten vielleicht auch ein Stück eigene Jugend Revue passieren zu lassen. In der Pennälerzeit desjenigen, der die Zeilen, die Sie gerade lesen, verbrochen hat, stand Hermann Hesse hoch im Kurs.
Hinsichtlich Geburtstagen hat Thomas Manns Nobelpreisträgerkollege geschrieben: „Von der Wiege bis zur Bahre sind es fünfzig Jahre, dann beginnt der Tod. Man vertrottelt, man verbauert, man verwahrlost, man versauert, und zum Teufel gehen die Haare. Auch die Zähne gehen flöten, und statt dass wir mit Entzücken junge Mädchen an uns drücken, lesen wir ein Buch von Goethen.“ Oder doch lieber eins von Thomas Mann?
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Als Feiertag ist der Dreikönigstag in Deutschland nördlich der Mainlinie fast überall abgeschafft. Ausnahme ist das Bundesland Sachsen-Anhalt. Im Süden halten Baden-Württemberg und Bayern ebenso wie das tief katholische Österreich weiterhin an der christlichen Tradition fest, die aus Köln stammt (siehe dazu unseren Newsletter vom 6. Januar 2006 „C + M + B“). Traurig für die Domstädter, dass sie heute an den Schreibtisch oder an die Werkbank müssen – und das bei eisigen Temperaturen, die sie selbst winters nicht gewohnt sind.
Immerhin winkt demnächst eine Entschädigung, die außerhalb des Rheinlands kaum ein Arbeitnehmer für sich beanspruchen darf: Am Rosenmontag wird überhaupt nicht gearbeitet, und auch an Weiberfastnacht läuft ab 11 Uhr in den meisten Büros und Betrieben nichts mehr. Bis dahin dauert es zwar noch ein Weilchen – der Sturm der jecken Weiber auf die Rathäuser findet dieses Jahr am 11. Februar statt, selbstverständlich um 11 Uhr 11 – doch haben allerorten die ersten Karnevalssitzungen bereits begonnen.
Verständlich, dass die Traurigkeit nicht lange anhält: Die 2010er Session ist kurz, da muss bis zum Aschermittwoch jeder Tag genutzt werden.
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