Archiv für Kategorie ‘Feiertage’:

Ein Bär von geringem Verstand

Dienstag, 17. Januar 2012

Morgen ist der Tag eines Bären von geringem Verstand. Erfunden hat ihn der vor 130 Jahren geborene Schriftsteller Alan Alexander Milne. Seitdem hat Pu der Bär mit seinen Geschichten nicht nur Millionen auf der britischen Insel, sondern in der ganzen Welt durch die Kindheitsjahre begleitet. Der erste Band mit dem gleichnamigen Titel wurde in 50 Sprachen übersetzt. Kein Wunder, dass Milnes Anhänger den 18. Januar zum, wie es auf Englisch lautet, Winnie the Pooh Day ausgerufen haben.

Eignetlich wollte der Autor nur seinen kleinen Sohn Christopher Robin mit Zeichnungen von dessen Stofftier Eduard erfreuen. Irgendwann verselbständigten sich die Bilder, und in Milnes Geschichten geriet der kleine Bär, ständig auf der Suche nach Honig, in alle möglichen Abenteuer. Zunächst schließt er Freundschaft mit Ferkel, einem furchtsamen Schweinchen, das manchmal ungeahnten Mut aufbringt. Zu seinen weiteren Bekanntschaften zählen ein depressiver Esel, ein besserwisserisches Kaninchen, ein tapsiges Tigerjunges, eine nicht immer weise Eule und ein noch im Beutel wohnendes Kängurubaby samt Mutter.

All das passiert im Hundertsechzig-Morgen-Wald (englisch: Hundred Acre Wood), der in Wirklichkeit fünfmal so groß ist, Ashdown Forest heißt und sich in der Nähe von Milnes Wohnsitz im Osten der englischen Grafschaft Sussex befindet. Bleibt noch die Frage zu klären, warum Pu der Bär außer Stroh wenig im Kopf hat – und nicht nur deswegen so gut wie nie auf den Namen Eduard hört.

Schuld an letzterem ist ein Zoobär namens Winnie, der offenbar Eindruck auf den kleinen Christopher Robin gemacht hatte. Die Geistesschwäche seines Protagonisten erklärt der Autor gleich am Anfang von Pu der Bär: „Hier kommt nun Eduard Bär die Treppe herunter, rumpel-di-pumpel, auf dem Hinterkopf, hinter Christopher Robin. Es ist dies, soweit er weiß, die einzige Art, treppab zu gehen, aber manchmal hat er das Gefühl, als gäbe es in Wirklichkeit noch eine andere Art, wenn er nur mal einen Augenblick lang mit dem Gerümpel aufhören und darüber nachdenken könnte.“

Pu kann sich trösten: Auch anderen ergeht es so, dass sie einfach nie zum Nachdenken kommen. Aus welchem Grund auch immer …

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Trost für alle Zukurzgekommenen

Freitag, 23. Dezember 2011

Haben Sie das Gefühl, im fast zu Ende gegangenen Jahr zu kurz gekommen zu sein? Ich möchte Ihnen weder Pessimismus anheim – noch Ihnen unterstellen, ein Profijammerer zu sein.

Aber was die arbeitsfreien Tage 2011 betraf, sah es doch recht mau aus. Der 1. Mai fiel auf den Tag, an dem bei uns aus religiösen Gründen die Arbeit ruht. Heiligabend und der erste Weihnachtsfeiertag füllen das anstehende Wochenende aus.

Und es kommt noch schlimmer: Silvester fällt auf einen Samstag, Neujahr auf einen Sonntag. Im vorangegangenen Jahr sah es übrigens nicht viel besser aus: Der 1. Mai fiel auf einen Samstag, der 3. Oktober auf einen Sonntag, der erste wie der zweite Weihnachtstag ebenfalls auf ein Wochenende, Neujahr auf einen Samstag.

Da hilft nur der Blick auf 2012. Zum Glück sorgt das Einschalten des 29. Februar in den Kalender für einen kleinen Sprung, der uns dem unglücklichen Zusammentreffen von Feiertagen und Wochenenden entkommen hilft. Danke, liebes Schaltjahr, möchte man sagen. Doch es war uns noch einen Gefallen schuldig.

Vor 4 Jahren hatte der Sprung dafür gesorgt, dass der 1. Mai uns wieder mal keinen zusätzlichen arbeitsfreien Tag bescherte. Anno 2008 waren der Tag der Arbeit und Christi Himmelfahrt auf dasselbe Datum gefallen.

Apropos Sprung: Im Englischen wird jener Schaltjahreigenschaft viel besser Ausdruck verliehen als im Deutschen. So heißt bei unseren Nachbarn auf der großen Insel und jenseits des noch viel größeren Teichs das Jahr mit dem Extratag leap year, Sprungjahr. Doch noch ist es nicht so weit. Daher wünsche ich Ihnen erst mal ein schönes und geruhsames Fest mit nicht mehr Ärger als dem darüber, dass 2 der weihnachtlichen Tage auf ein Wochenende fallen.

Die nächste Ausgabe unseres Newsletters erscheint am Dienstag, den 27. Dezember. Den Werktätigen aus der Leserschaft bleibt als einziger Trost: Wenigstens der zweite Weihnachtsfeiertag des Jahres 2011 ist ein zusätzlicher arbeitsfreier Tag.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Noch ein Klassiker für den vorweihnachtlichen Small Talk

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Einen vorweihnachtlichen Small Talk-Klassiker haben wir Ihnen letzte Woche vorgestellt: den Weihnachtsbaum. Eine weitere Frage an Ihr Gegenüber, die sich im Small Talk aufdrängt, lautet: Haben Sie schon alle Weihnachtsgeschenke besorgt?

Leider sieht man den meisten Last-Minute-Weihnachtsgeschenken an, dass sie auf den letzten Drücker besorgt wurden. Falls Ihr Gesprächspartner immer noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk ist und fürchtet, der Zeitdruck gehe zu Lasten von Stil und Qualität, können Sie ihn mit ungewöhnlichen Vorschlägen überraschen. Zumindest heben sie sich positiv von den üblichen Last-Minute-Geschenken ab.

Nehmen Sie daher Abstand von den notorischen Parfüms, Socken oder Krawatten. Diesen fehlt zur kompletten Eintönigkeit nur noch der Aufdruck “Hauptsache irgendwas”. Da liegen Sie mit Geld oder einem Gutschein schon besser. Geld oder Gutschein?, wird Ihr Gegenüber entsetzt einwenden das geht doch gar nicht!.

Geht doch! Wichtig auch beim Last-Minute-Weihnachtsgeschenk ist das Individuelle und Außergewöhnliche. Bei einer Notlösung verhindert vor allem die Verpackung, dass sie ihren Charakter offenbart. Bleibt für andere Ideen wirklich keine Zeit mehr, darf es als Weihnachtsgeschenk auch Geld oder ein Gutschein sein.

Beim Geldpräsent, das wird Ihnen Ihr Small Talk-Gesprächspartner bestätigen, kommt alles auf die äußere Form an. Sie können bankfrische Scheine gerollt, gefaltet oder in einem fantasievollen Umschlag gesteckt verschenken. Neue, glänzende Münzen finden in einem dekorativen Weihnachtssäckchen oder in einer Dose mit Weihnachtsmotiv Platz.

Bliebe noch der Gutschein. Auch diese Idee können Sie Ihrem Gegenüber im Small Talk vermitteln. Warum nicht eine Einladung für ein Abendessen in einem italienischen Restaurant? Karte oder Gutschein passen ideal zwischen 2 Lasagneplatten, die Sie vorsichtig mit grün-weiß-rotem Geschenkband zusammenbinden und vielleicht mit einer Schmetterlingsnudel, einer Farfalla, verbinden. Das Geschenk perfekt macht ein Text, in welchem Sie vielleicht noch anbieten, an jenem Abend das Babyhüten zu übernehmen.

Vielleicht hat Ihr Gesprächspartner noch bessere Ideen für ein Last-Minute-Weihnachtsgeschenk? Fragen Sie ihn!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Ein Klassiker für den vorweihnachtlichen Small Talk

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Wer Weihnachten nicht im Herzen hat, findet es auch nicht unter einem Baum. Und doch gehört die geschmückte Fichte oder Tanne zum Fest einfach dazu. Beginnen Sie Ihren Vorweihnachts-Small Talk mit der Frage an Ihr Gegenüber, ob er bereits einen Weihnachtsbaum für sich und seine Familie besorgt hat. Daran lässt sich die eine oder andere Anekdote anreihen, welche Pannen Ihnen oder Ihrem Small Talk-Partner bei der Auswahl, beim Transport oder beim Schmücken des nadeligen Gewächses in der Vergangenheit unterlaufen sind.

Sie können im Small Talk auch auf die Geschichte des Weihnachtsbaums eingehen. Der festliche Brauch rund um die immergrüne Geschenkablage begann im späten Mittelalter. Als Paradiesbaum erinnerte die sperrige Pflanze bei den Krippenspielen während der Festtagsmessen an die Erbsünde. Außerhalb der Kirche fand der Weihnachtsbaum ab dem 16. Jahrhundert Verbreitung. Zunächst interessierten sich nur die auf Repräsentation erpichten europäischen Königshöfe dafür. Um 1800 hielt er dann Einzug in bürgerliche Wohnstuben.

Im Lauf des 19. Jahrhunderts wurde der Weihnachtsbaum in allen Kreisen der Bevölkerung zu dem Symbol der Advents- und Weihnachtszeit schlechthin. Dabei erfolgte die Verbreitung regional sehr unterschiedlich. In protestantischen Regionen zeigte man sich dem Weihnachtsbaum als Gegensymbol zur – katholischen – Krippe wesentlich aufgeschlossener als in katholischen Gebieten. Schließlich trugen die beiden Weltkriege entscheidend zur Popularisierung der christlichen Weihnacht unter dem Tannenbaum bei: In Lazaretten und selbst in Schützengräben wurde der Baumschmuck aufgestellt. So lernten Soldaten aus allen Teilen Europas den Brauch kennen und trugen ihn nach Hause – als Symbol des Friedens. Schade, dass zuerst ein Krieg geführt werde musste.

Kommen wir noch einmal zu den kleinen Katastrophen zurück. Viele Menschen machen sich sorgen, ihr Weihnachtsbaum sei zu klein. Darüber müsse sich wirklich niemand Gedanken machen, gibt der US-Komiker Larry Wilde Entwarnung: „In den Augen der Kinder sind sie alle mindestens 10 Meter hoch.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Alles Tomtar, oder was? Nein, nur Tärnor, Stjärngossar und Pepparkaksgubbar!

Dienstag, 13. Dezember 2011

Sind die Schweden wirklich so langweilig? Klar, würde jetzt nicht nur ein Norweger antworten. Viele Briten finden das auch. So besuchten einmal die Punkrocker der Gruppe Stranglers voller Hoffnung auf Abenteuer das Land der Mitternachtsonne – und schrieben ein Lied über die Enttäuschung, die sie erlebten: Sweden. All quiet on the Eastern front.

So ruhig war es in Schweden, dass ihr Fazit lautete: Die Wolken sind in Schweden das bei weitem Interessanteste. Immerhin soll es in Skandinaviens größtem Staat 2 Tage geben, an denen richtig was los ist. Der eine ist gleichzeitig der längste des Jahres und hat als Mittsommerfest den Ruf, dass die Einheimischen rund um die Sonnenwende alle Hemmungen fallen lassen.

Etwas gesitteter, aber für schwedische Verhältnisse überaus fröhlich geht es am heutigen Höhepunkt des Winters zu, wie auf der Webseite skandinavien.eu zu lesen ist:

„Schon früh am Morgen beginnen die Feierlichkeiten in den Familien. Da es sich eben nicht um einen gesetzlichen Feiertag handelt, werden die Feierlichkeiten im Kindergarten oder in der Schule wieder fortgesetzt.

Auch am Arbeitsplatz der Erwachsenen läuft an diesem Tag nicht alles so wie immer. In der Familie ist die älteste Tochter traditionell die Lucia. Sie muss ein weißes Gewand tragen, um die Taille bekommt sie ein rotes Band geschlungen.
Auf den Kopf kommt ein Kranz mit Kerzen.

Dem Mädchen folgen andere Mädchen, die als tärnor bezeichnet werden. Sie halten Kerzen in den Händen. Außerdem gehören die Sternknaben dazu, die stjärngossar. Dann gibt es noch die pepparkaksgubbar – die Pfefferkuchenmännchen – und die tomtar, die Wichte. Sie allen folgen der Lucia in einer Art Prozession.“

Natürlich darf auf einer schwedischen Webseite folgender Hinweis nicht fehlen: „Die Kerzen von einst wurden für die Kinder heute aber durch elektrische Kerzen ersetzt.“ Klar, würde ein Norweger hinzufügen, sonst würde das Luciafest für die Schweden zu aufregend.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Abwechslung auf der Weihnachtsfeier

Mittwoch, 7. Dezember 2011

In der zweiten Dezemberwoche häufen sich die betrieblichen Weihnachtsfeiern. Um daraus keine betrüblichen Weihnachtsfeiern entstehen zu lassen, sind Ihre Small Talk-Künste gefragt.

Genügend Gesprächsstoff liefern Ihnen zunächst die jahreszeitüblichen Themen: Advent und Weihnachten – und alles, was damit zusammenhängt: Adventskranz und Adventskalender, Weihnachtsmann und Nikolaus, Weihnachtsmärkte und die alljährliche Hektik beim Geschenkekauf. Fragen Sie Ihren Sitznachbarn beispielsweise, welche Tipps er hat, um möglichst gelassen und stressfrei durch die Vorweihnachtszeit zu kommen.

Hat er keine und ist überhaupt ein ausgesprochener Weihnachtsmuffel, wechseln Sie das Thema. Erzählen Sie eine lustige Anekdote aus dem letzten Geschäftsjahr! Oder reden Sie übers Winterwetter und seine Tücken. Vielleicht auch über den Urlaub, der fürs nächste Jahr geplant ist.

Ist Ihr Gegenüber ein ausgesprochener Gesprächsmuffel, hätten Sie rechtzeitig vorbeugen sollen. Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist vielleicht noch Zeit, folgenden Vorschlag in die Tat umzusetzen: Findet die Weihnachtsfeier im Restaurant oder in der firmeneigenen Kantine statt, könnten Sie nach jedem Gang den Sitzplatz wechseln. Fertigen Sie Namensschilder an, werfen alle in einen Topf und losen aus, wer wo Platz nimmt. Das sorgt für Abwechslung und bringt Dynamik in die Veranstaltung.

Zum Schluss noch ein Tipp, der Ihnen eine unfallfreie Veranstaltung garantiert: Nehmen Sie nach jedem Glas Bier oder Wein, das Sie konsumieren, die gleiche Menge an Wasser zu sich. Das hält den Alkoholpegel in Grenzen. Auf Schnäpse verzichten Sie lieber komplett. Übrigens gibt es auch alkoholfreien Sekt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Nikolaus oder Weihnachtsmann?

Montag, 5. Dezember 2011

„Sagt der Nikolaus zum Weihnachtsmann: Es muss endlich was gescheh’n! Dass man uns so oft verwechselt, das darf nicht so weitergeh’n!“

So heißt es in einem Kinderlied von Rolf Zuckowski. Was ist denn nun der Unterschied zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann?

Nun, der große Auftritt des Nikolaus erfolgt am 6. Dezember oder in der Nacht davor. Der Brauch geht auf den Heiligen Nikolaus von Myra zurück (siehe unseren Newsletter vom 5. Dezember 2005:Der heilige Mann aus der Türkei). Im 12. Jahrhundert entstand in Frankreich die Tradition, Kinder armer Familien am Abend seines Todestages, also am 5. Dezember, zu beschenken.

In Norddeutschland wurde später aus dem Nikolaus der Weihnachtsmann: Calvinistische Protestanten bestanden darauf, die Geschenke zur Weihnachtsfeier und nicht schon am Nikolaustag zu verteilen. Im Gegensatz zur katholischen lehnen die evangelischen Kirchen die Heiligenverehrung ab. Der Weihnachtsmann dürfte also erst am 24. Dezember erscheinen.

Tatsächlich taucht er in nicht mehr zählbarer Vervielfältigung schon Wochen vorher in unseren Städten auf, um Kindern – welch Frevel! – Geschenke zu überreichen. Ob das etwas mit der Kommerzialisierung des christlichen Fests zu tun hat? Ach was!

Es handelt sich nur um Synergieffekte, die für alle Beteiligten vorteilbringend eingesetzt werden und so eine Win-Win-Situation schaffen. Am meisten wird das Weihnachtsmannbüro an der Ware Weihnacht verdienen, ein deutschlandweit operierender Verbund, der mit der Vermittlung von Weihnachtsmännern u n d Nikoläusen sein Geld macht.

Flexibel sind sie ja, die Rotröcke! Und einer von ihnen, da beißt keine Kirchenmaus einen Faden ab, hat auf jeden Fall seine Existenzberechtigung. Jörg Lorenzen, der in Deutschlands hohem Norden, im Raum Kiel, unterwegs ist, hat seinen Segen von fast ganz oben: Ihn hat der authentischste aller Weihnachtsmänner, nämlich der von Grönland, höchstpersönlich autorisiert.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Kein vorweihnachtliches Drücken der Tränendrüse

Freitag, 2. Dezember 2011

Im Jahr 2007 wurde der Gedenktag „Internationaler Tag der Behinderten“ umbenannt. Seitdem wird der 3. Dezember als “Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung” begangen.

Das war für die Betroffenen ein großer Schritt nach vorn: Suggerierte die Klassifizierung ‘behindert’ doch gleichzeitig, dass Menschen mit einem derartigen Handicap von der Gesellschaft nicht ernst genommen wurden. Die positive Entwicklung ist mit ein Verdienst der Aktion Mensch.

Früher hieß sie einmal Aktion Sorgenkind. Mitleid ist allerdings das letzte, das die Aktivisten gebrauchen können – auch nicht in der Vorweihnachtszeit, wie Raúl Krauthausen in seinem Blog schreibt: „Um schöne Geschichten zu erzeugen sind auch Menschen mit Behinderung ein gutes Motiv: die armen Menschen, die ‘an den Rollstuhl gefesselt’ sind oder ‘an ihrer Behinderung leiden’ schaffen ‘Außergewöhnliches’. Solche Geschichten lesen sich gut und helfen auch den Menschen mit Behinderungen – glauben zumindest die Verfasser.

In der Realität ist oft das Gegenteil der Fall: Ich selbst betrachte mich nicht als jemanden, um den man sich ‘Sorgen’ machen sollte. Genauso wenig bin ich an den ‘Rollstuhl gefesselt’, sondern ich schnalle mich freiwillig an. Die wirkliche Fesselung wäre erst dann da, wenn ich keinen Rollstuhl hätte. Denn ein Rollstuhl bedeutet für mich Freiheit und nicht Einschränkung.“

Krauthausen kritisiert auch die schreibenden Zunft: An deren falsches Mitleid heischender emotionaler Berichterstattung „zeigt sich, dass die eigenen Vorurteile und Ängste gegenüber Menschen mit Behinderungen direkt (der Journalist selbst) oder indirekt (der Leser/Zuschauer) eine Berichterstattung prägen und somit Stereotype bedienen.“

Auf meinen Weihnachtswunschzettel steht daher jedes Jahr:

Lieber Weihnachtsmann,
lass bitte mehr Artikel und Medien erscheinen, die emotional weniger aufgeladen sind und richtige Bilder die Aufmerksamkeit bekommen.

Lieber Raúl Krauthausen,
die Redaktion dieses Newsletters wird sich bemühen, Ihrer Vorgabe gerecht zu werden.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Jeden Tag ein Türchen

Mittwoch, 30. November 2011

Letzten Sonntag durften Sie die erste Kerze an Ihrem Adventskranz anzünden. Morgen, am 1. Dezember, steht dann das erste Türchen in Ihrem Adventskalender – oder dem Ihrer Kinder – zur Öffnung an. Auch für Ihren Smalltalk hält der Adventskalender einiges an Gesprächsstoff bereit.

Erzählen Sie Ihrem Gegenüber die Geschichte des Adventskalenders! Dessen früheste Erwähnung findet sich in einem Kinderbuch, das eine gewisse Elise Averdieck bereits im Jahr 1851 verfasst hat. Damals waren die Menschen und die Haustüren zwar um einiges kleiner als heute. Doch derart kleine Türchen, die in Kartons hineingeschnitten wurden und hinter denen sich gleichzeitig eine Schokoladenfigur verstecke konnte, kannte man noch nicht. Ursprünglich wurde ab dem 1. Dezember täglich ein Bild an die Wand gehängt. Oder man malte an eine Wand – es durfte auch eine Tür sein – 24 Kreidestriche, von denen die Kinder jeden Tag einen wegwischen durften.

Kommerziell hergestellt wird der Adventskalender in Deutschland seit 1903. Zu jener Zeit enthielt er statt der Türchen farbenprächtige Zeichnungen, die ausgeschnitten und auf einen Pappkarton geklebt werden konnten. Initiator dieses Kalenders war der Münchner Verleger Gerhard Lang. Der erste Türchen-Kalender kam 1920 auf den Markt. Im Zweiten Weltkrieg wurden Bildkalender verboten: wegen der Papierknappheit. Doch als alles vorbei war, im Jahr 1946, stellte der Verleger Richard Sellmer schon wieder Adventskalender für den Verkauf her.

Einen Vorteil hatten die Adventskalender von damals: Sie enthielten weniger Kalorien als die heutigen Exemplare. Stellen Sie die Schokoladenfrage auch im Small Talk: Darf ein Adventskalender Süßigkeiten enthalten? Ist das Präsentieren von Bildchen nicht viel gesünder? Als Kompromiss könnten Sie ja wieder zu den guten alten Kreidestrichen an der Wand greifen, die Ihre Kinder anschließend ablecken dürfen. Werden Sie am 6. Dezember von Nikolaus gefragt, ob sie denn auch brav gewesen seien, können die lieben Kleinen guten Gewissens antworten, sie würden schon seit einer Woche Kreide fressen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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11. 11. 11

Freitag, 11. November 2011

Am elften Elften um elf Uhr elf beginnt bekanntlich die fünfte Jahreszeit. Falls Ihnen diese Zahlenspielerei zu, wie der Rheinländer sagt, jeck ist, muss ich Ihnen leider sagen, dass es gleich noch toller kommt.

Das heutige Datum kann närrischer nicht sein: 11. 11. 11! Ohnehin ist in der Karnevalszeit nichts mehr gerade und ordentlich; man lässt sich gehen, trinkt mehr als gewöhnlich und beginnt die Dinge doppelt zu sehen.

Die Zahl 1, mit der die Ordnung aller Dinge beginnt, wird zur Schnapszahl 11, die alles durcheinander bringt. Das Verständnis für diese Erklärung, warum die 11 als närrische Zahl verehrt wir, bedarf zugegebenermaßen eines gewissen Quantums Alkohols.

Doch sind die anderen auch nicht so viel besser. Die glaubwürdigste geht auf die christliche Mythologie zurück und verweist die 11 ins Reich der Sünde: Sie überschreitet als erste Zahl das zehnte Gebot. Damit einher geht die Überzeugung, den Narren habe die letzte Stunde geschlagen. Offenbar merken alle erst nach elf Minuten, dass es kurz vor zwölf ist, und feiern eingedenk der Vergänglichkeit umso ausgiebiger.

Das Gefühl, bald sei alles vorbei, scheint so schlecht nicht zu sein. Warum sonst wird es jedes Jahr aufs Neue ausgekostet? Richtig in Schwung kommt der Karneval erst nach dem Dreikönigsfest am 6. Januar, bis schließlich an Weiberfastnacht sämtliche gesellschaftlichen Fesseln abgestreift werden.

Der 11. 11. ist lediglich ein Vorgeschmack. Doch am sechsstelligen Schnapszahldatum wird der Karnevalsbeginn sicher ausgiebiger gefeiert als in anderen Jahren. Als würde das nicht genügen, sind zahlreiche Jecken auf die Idee gekommen, sich an diesem Tag zu vermählen.

In Köln etwa wird sich im Zwanzigminutenrhythmus im Historischen Rathaus getraut. Statt der üblichen Tagesdosis von 40 Hochzeiten werden es heute 144 sein. Das ist selbst der närrischen Redaktion dieses Newsletters zu viel. 111 hätten auch gereicht.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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