Ein Bär von geringem Verstand
Dienstag, 17. Januar 2012Morgen ist der Tag eines Bären von geringem Verstand. Erfunden hat ihn der vor 130 Jahren geborene Schriftsteller Alan Alexander Milne. Seitdem hat Pu der Bär mit seinen Geschichten nicht nur Millionen auf der britischen Insel, sondern in der ganzen Welt durch die Kindheitsjahre begleitet. Der erste Band mit dem gleichnamigen Titel wurde in 50 Sprachen übersetzt. Kein Wunder, dass Milnes Anhänger den 18. Januar zum, wie es auf Englisch lautet, Winnie the Pooh Day ausgerufen haben.
Eignetlich wollte der Autor nur seinen kleinen Sohn Christopher Robin mit Zeichnungen von dessen Stofftier Eduard erfreuen. Irgendwann verselbständigten sich die Bilder, und in Milnes Geschichten geriet der kleine Bär, ständig auf der Suche nach Honig, in alle möglichen Abenteuer. Zunächst schließt er Freundschaft mit Ferkel, einem furchtsamen Schweinchen, das manchmal ungeahnten Mut aufbringt. Zu seinen weiteren Bekanntschaften zählen ein depressiver Esel, ein besserwisserisches Kaninchen, ein tapsiges Tigerjunges, eine nicht immer weise Eule und ein noch im Beutel wohnendes Kängurubaby samt Mutter.
All das passiert im Hundertsechzig-Morgen-Wald (englisch: Hundred Acre Wood), der in Wirklichkeit fünfmal so groß ist, Ashdown Forest heißt und sich in der Nähe von Milnes Wohnsitz im Osten der englischen Grafschaft Sussex befindet. Bleibt noch die Frage zu klären, warum Pu der Bär außer Stroh wenig im Kopf hat – und nicht nur deswegen so gut wie nie auf den Namen Eduard hört.
Schuld an letzterem ist ein Zoobär namens Winnie, der offenbar Eindruck auf den kleinen Christopher Robin gemacht hatte. Die Geistesschwäche seines Protagonisten erklärt der Autor gleich am Anfang von Pu der Bär: „Hier kommt nun Eduard Bär die Treppe herunter, rumpel-di-pumpel, auf dem Hinterkopf, hinter Christopher Robin. Es ist dies, soweit er weiß, die einzige Art, treppab zu gehen, aber manchmal hat er das Gefühl, als gäbe es in Wirklichkeit noch eine andere Art, wenn er nur mal einen Augenblick lang mit dem Gerümpel aufhören und darüber nachdenken könnte.“
Pu kann sich trösten: Auch anderen ergeht es so, dass sie einfach nie zum Nachdenken kommen. Aus welchem Grund auch immer …
Autor von Small-Talk-Themen.de


