Archiv für Kategorie ‘Gesundheit’:

Freitag, 17. Oktober 2014

„Die Menschheit“, befand der Abbé de Saint-Pierre, „besteht aus Habenichtsen und Gebenichtsen.“ Seine Analyse aus der Zeit der französischen Aufklärung hat wenig von ihrer Aktualität verloren. Einer Berechnung der britische Hilfsorganisation Oxfam zufolge verfügt die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung über gerade mal ein so großes Vermögen wie die 85 reichsten Bewohner dieser Erde.

Es sei erschütternd, wird Oxfam-Geschäftsführerin Winnie Byanyima in der britischen Zeitung The Guardian zitiert, dass im 21. Jahrhundert „dreieinhalb Milliarden Menschen nicht mehr besitzen als eine winzige Elite, die bequem in einem Doppeldeckerbus Platz finden würde.“ Alles anderen aus der großen Gruppe außerhalb des beliebten Verkehrsmittels müssen im Durchschnitt mit weniger als 2 Euro am Tag auskommen. Zwar kosten in ihren Heimatländern die meisten Waren weniger als in Deutschland und in vergleichbaren Industrienationen, doch gilt dies leider nicht für Lebensmittel.

Selbst Trinkwasser ist in vielen Ländern keineswegs umsonst zu haben. Die Preise für Nahrungsmittel sind in den letzten Jahren zusätzlich gestiegen, seit Bauern rund um den Globus lieber alternative Energieträger wie Raps und Biomasse anbauen als essbare Produkte. Die enorm gestiegene Nachfrage nach natürlichen Kraftstoffen hat laut Oxfam die Ernährungssituation verschärft und weltweit 30 Millionen Menschen (die Vereinten Nationen zählen sogar noch 20 Millionen mehr) in die Armut getrieben. Weitere 100 Millionen, assistiert die Weltbank, hätten heute schon große Probleme, die im Sog der steigenden Biospritpreise - verbunden mit der Verknappung der Anbauflächen für Getreide, Kartoffeln und Reis - teurer werdenden Lebensmittel in naher Zukunft noch bezahlen zu können.

Um an diejenigen zu erinnern, die unter solchen Bedingungen ihren Alltag bewältigen müssen, haben die Vereinten Nationen den 17. Oktober als Internationalen Tag zur Beseitigung der Armut ausgerufen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Kein Klassiker: Wer hinter der Kampagne für Zahngesundheit steckt

Donnerstag, 25. September 2014

„Ich sagte meinem Zahnarzt, dass meine Zähne gelb würden. Er sagte mir, ich solle eine braune Krawatte dazu tragen.“ Nicht jeder geht mit seinen Zahnproblemen so locker um wie der US-Komiker Rodney Dangerfield.
Schon William Shakespeare litt wohl an dentalen Gebrechen. In seinem Bühnenstück Viel Lärm um nichts lässt er Leonato, den Gouverneur von Messina, seinem Bruder Antonio anvertrauen, „bis jetzt gab’s keinen Philosophen, der mit Geduld das Zahnweh konnt’ ertragen.“ Shakespeares deutscher Dichterkollege Theodor Fontane barmte gar: „Was macht man sich aus der Liebe der ganzen Menschheit, wenn man Zahnweh hat!“
Damit es nicht so weit kommt, haben Krankenkassen, Landesarbeitsgemeinschaften und Gesundheitsämter den Tag der Zahngesundheit ins Leben gerufen. Unter der Maxime „Gesund beginnt im Mund - ein Herz für Zähne!“ findet heute eine bundesweite Hygiene-Kampagne statt. Federführend für die Kampagne und wohl auch für das Motto ist der in Darmstadt ansässige Verein für Zahnhygiene e.V. Man möchte ihm einen besseren Texter wünschen!

Ein Herz für Zähne: Wie kommt man nur auf ein solches Sprachbild? Vielleicht, indem man Schiller-Fan ist und sein Lied von der Glocke wörtlich nimmt: „Da werden Weiber zu Hyänen Und treiben mit Entsetzen Scherz, Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen, Zerreißen sie des Feindes Herz.“

Herz beiseite - befassen wir uns lieber mit den Zähnen. Die sind den Darmstädter Hygienikern teuer und einen Appell ans Verantwortungsgefühl wert. Vor allem dasjenige der Eltern: Sie sollen für das Zahnwohl ihrer Sprösslinge sorgen und die Kids zur täglichen Pflege sowohl der ersten als auch der zweiten Beißerchen anhalten, damit möglichst spät oder, noch besser, niemals ein drittes Sortiment benötigt wird.

Den vollständigen Text lesen Sie auf der Webseite. Er liefert übrigens auch die Begründung, warum der Slogan gewählt wurde: „Ein Herz für Zähne“ rufe als allererste Assoziation „Kinder“ hervor. Man muss den Kampagnenmacher zugestehen: Vermutlich hat die BILD-Zeitung mehr Leser als unsere Klassiker.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Bloß nicht schweigen

Donnerstag, 14. August 2014

Ein nicht erwarteter 50. Geburtstag“, titelte dieser Newsletter vor 5 Jahren. Es ging um den US-Basketballprofi Earvin Johnson, der von allen nur Magic genannt wird. Gottseidank gibt es zum 55. nichts gravierend Neues zu vermelden.

Noch immer ist der Patient HIV-positiv, und nach wie vor ist die Krankheit AIDS, die durch eine solche Virusinfektion hervorgerufen werden kann, nicht ausgebrochen. Vielleicht sollte man Johnson einfach nur in Ruhe und ihn seine Gesundheit genießen lassen. Doch damit täte man ihm keinen Gefallen. Magic sah sich stets als Hoffnungsträger: der Schwarzen, für die der amerikanische Traum oft einer bleibt, der Arbeiterklasse, welcher der Spross einer zwölfköpfigen Familie aus der Industrieregion an den Großen Seen entstammt, der Stigmatisierten, die aus Angst, diskriminiert zu werden, ihre HIV-Infektion verschweigen oder sich trotz auftretender erster Symptome erst gar nicht testen lassen.

Zu letzterem rät Johnson dringend. Ist er selber doch der beste Beweis, dass HIV und AIDS zwei verschiedene Paar Schuhe sind und die Infektion nicht zwangsläufig zum Ausbruch führt. Selbstverständlich spricht sich Johnson auch gegen die Diskriminierung von an AIDS Leidenden aus. Am meisten beunruhigt den Aktivisten, dass HIV und AIDS in westlichen Gesellschaften – von denen der Dritten Welt ganz zu schweigen – kaum noch ein Thema ist und daher auch der Aspekt der Prävention in den Hintergrund tritt.

Die braucht es jedoch, um die stark verbesserten Behandlungsmöglichkeiten überhaupt anwenden zu können. „Als ich vor 22 Jahren meine HIV-Infektion öffentlich bekanntmachte“, erinnert sich Johnson, „gab es exakt ein Medikament. Heute gibt es mehr als 30. Auch Ärzte und medizinisches Personal besitzen verglichen mit früher so viel mehr Wissen über die Krankheit.“

Tatsächlich ließe sich sagen, dass ein medizinisch gut überwachter und behandelter HIV-Patient inzwischen über keine geringere Lebenserwartung verfüge als ein nicht Infizierter. Gelegenheiten für Johnson, sich in der Öffentlichkeit zu melden und seinen Standpunkt vorzutragen, ergeben sich zum Glück häufig. Zuletzt wetterte der Rassismusvorwürfen ausgesetzte Besitzer des Basketballclubs Los Angeles Clippers speziell gegen Johnson: Der solle sich schämen, meinte Donald Sterling, sich für sein zur Infektion führendes früheres Fehlverhalten entschuldigen und künftig die Klappe halten. Genau das wird Magic nicht tun.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Norovirus, Schweinegrippe & Co.

Montag, 5. Mai 2014

Man hätte den Tag in den Spätherbst legen sollen. Zu Beginn des Winters sind die meisten Viren im Umlauf und die Gefahren einer Infektion am akutesten. Doch nicht nur Grippe- und Erkältungserreger lauern uns auf. Vor Ansteckungen sollten Sie ständig auf der Hut sein.

Norovirus, Schweinegrippe & Co. halten sich nicht an bestimmte Jahreszeiten, und auch die gefürchteten antibiotikaresistenten Keime in Krankenhäusern machen keine Sommerpause. Die Weltgesundheitsorganisation hat den heutigen 5. Mai zum Tag der Händehygiene ausgerufen.

Häufiges Waschen der Kontaktaufnahmeextremitäten ist die wohl wichtigste Maßnahme zur Vermeidung und gegen die Verbreitung von Infektionen. Doch ist nicht immer ein Waschbecken in der Nähe. Auch andere vorbeugende Maßnahmen lassen sich nicht so leicht anwenden. Was beispielsweise würde Ihr Gegenüber von Ihnen halten, reichten Sie ihm zur Begrüßung nur noch die behandschuhte Hand?

Ideal wäre es, Gedanken an das eigene Wohlergehen mit Respekt vor den Menschen, denen Sie begegnen, zu kombinieren. Zwei unverfängliche Schritte schützen Ihre Gesundheit, ohne jemand andere zu beleidigen. Vor allem dürfen Sie, nachdem Sie eine Hand geschüttelt haben, sich auf gar keinen Fall ins Gesicht fassen!

So vermeiden Sie den Kontakt potenziell aufgenommener Schädlinge mit Ihren Schleimhäuten. Als dann sollten Sie die nächste Gelegenheit zum Händewaschen nutzen. Falls diese sich nicht so bald einstellt, gäbe es eine Notlösung: Reiben Sie eine halbe Minute lang Ihre Hände kräftig aneinander. Die Hitze tötet Bakterien und Viren ab. Gelingt es Ihnen, diese scheinbar banalen Maßnahmen zur Gewohnheit und zum Teil Ihres Alltags zu machen, haben Sie Ihr Ansteckungsrisiko bereits beträchtlich reduziert. Im Small Talk dürfen Sie dies, möglichst unaufdringlich, zum Thema machen. Gut möglich, dass andere Ihrem Beispiel folgen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein Menschenrecht, das selbst in der EU nicht für alle da ist

Freitag, 22. März 2013

Das Slowakische Paradies ist eine der schönsten Landschaften in Europa, vergleichbar der Sächsischen Schweiz (siehe unseren Newsletter vom 20. November 2012: Die Erfindung der Sächsischen Schweiz) oder dem Grand Canyon du Verdon in der französischen Provence.

Die bizarre Felsenlandschaft lockt jährlich Hunderttausende Touristen an. Zugänglich ist sie nur von wenigen Stellen aus, weswegen die Verwaltung es sich sogar erlauben kann, ein Eintrittsgeld zu erheben Es gibt aber auch einen kostenlosen Schleichweg dorthin.

Der beginnt in Spišski Štvrtok, wohin der Reisende bequem mit Auto oder Bus gelangt und von dort den Weg zu Fuß fortsetzen sollte. Bis zu den ersten Felsen dauert es etwas mehr als eine halbe Stunde. Auf einer Forststraße geht es zunächst an Feldern und Wiesen vorbei. Dann, unmittelbar vor dem Einstieg ins so genannte Paradies, wartet am Waldrand eine kleine Siedlung, die in Mitteleuropa wohl niemand erwartet hätte:

Häuser mit Vorhängen statt Türen, Wellblechbuden, keine Kanalisation, keine geteerte Straße, überall Pfützen. Sämtliches Leben scheint sich draußen abzuspielen, Musik plärrt aus geöffneten Fenstern, ein paar Feuerchen brennen. Kinder wuseln herum, Erwachsene transportieren Hausrat auf Leiterwagen, die sie per Hand ziehen. Wäsche wird im Fluss gewaschen, gekocht wird draußen, kleinere und größere Geschäfte werden im Wald erledigt. Ein Elendsquartier in der Dritten Welt sieht kaum elender aus.

Den Roma, die in der Siedlung kurz vorm Paradies wohnen, bleibt ein solches auf Erden verwehrt. Sie haben nicht einmal sauberes Trinkwasser zur Verfügung oder funktionierende sanitäre Anlagen - Dinge, die zu den Grundlagen des Lebens gehören sollten. So wie den Bewohnern des Slums bei Spišski Štvrtok geht es zwei Millionen Menschen in den 27 EU-Staaten. Heute ist Weltwassertag, und auf das Schicksal dieser Unterprivilegierten macht die Initiative Wasser ist Menschenrecht der Gewerkschaft ver.di aufmerksam. Sie können sie unterstützen. Mehr darüber erfahren Sie im Internet unter verdi.de

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die Erfindung des Streichholzes

Dienstag, 27. November 2012

Ohne Feuer ist eine Geschichte der menschlichen Zivilisation undenkbar. Dennoch dauerte es bis zum ersten Viertel des 19. Jahrhunderts, ehe die Möglichkeit bestand, die Utensilien zum Feuermachen in der Hosentasche mit sich zu tragen.

Zündhölzer gab es in China bereits im 6. Jahrhundert. Sie waren jedoch nicht leicht zu handhaben. Holzspäne wurden in flüssigen Schwefel getaucht und anschließend an einem trockenen Schwamm gerieben, der zuvor kurz ins Feuer gehalten werden musste. Ohne wenn auch nur kleinste Funken führte diese Vorgehensweise nicht zum gewünschten Ergebnis. Statt des Schwammes tat es manchmal auch ein gedörrter Pilz.

Die Methode drang nicht nach Europa vor – ob wegen des unangenehmen Geruchs oder der beim Kontakt erzeugten hohen Stichflamme, welche die Finger gleich mit verbrannte, ist nicht bekannt.

Das erste streichbare Zündholz wurde 1669 in Hamburg erfunden, wenn auch mehr zufällig. Der Alchimist Henning Brand war auf der Suche nach einem Material, das flüssiges Metall in Gold verwandelte. Dabei fand er heraus, dass weißer Phosphor stundenlang brannte und sich bei Berührung mit Schwefel entzündete. Den Phosphor sondierte er aus Harn. Fragen Sie mich bitte nicht, wie Brand dies herausgefunden hat. Ob er zuvor auf die Idee verfallen war, sein Feuer auszupinkeln?

Jedenfalls hielt Brand seine Forschungsergebnisse solange geheim, bis sein ursprünglicher Plan in die Tat umgesetzt war. Also bis an sein Lebensende. Auf die Idee, Phosphor und Schwefel aneinander zu reiben, kam um dieselbe Zeit der anglo-irische Chemiker Robert Boyle. Das funktionierte, doch fiel auch seine Idee des Feuermachens nicht auf fruchtbaren Boden.

Weitere anderthalb Jahrhunderte gingen ins Land, bis im nordöstlichen Städtchen Stockton-on-Tees, unweit von Middelsbrough, der Zufall der Wissenschaft zu Hilfe kam. Nach dem Herummengen in einem Topf mit chemischen Substanzen blieb auf dem Rührholz des Apothekers John Walker ein getrockneter Klumpen übrig. Phosphor war darin nicht enthalten, aber Antimonsulfid, Potassiumchlorat, ein wenig Gummi und Wäschestärke. Beim Versuch, den Klumpen am rauen Fußboden abzustreifen, entzündete sich das Material. Das Zündholz war erfunden.

Walker begann, seine „Reibelichter“ zu vertreiben. Die knapp 8 cm langen, ziemlich übel riechenden Papphölzchen, verpackt in eine Dose mit einem aufgeklebtem rauen Streifen aus Sandpapier, verkauften sich recht gut. Vor allem sprach es sich herum, dass die Eisenbahngesellschaft, welche die Linie von Stockton nach Darlington betrieb, einen größeren Posten aufgekauft hatte. Leider hatte Walker versäumt, seine Erfindung patentieren zu lassen. Von der späteren industriellen Herstellung der Hölzer konnte er daher nicht profitieren.

Mehr Fortune in dieser Beziehung hatte der Engländer Samuel Jones mit einem leicht veränderten Verfahren. Erst dessen patentierte „Luzifer-Hölzer“ entwickelten sich zu einem kommerziell erfolgreichen Produkt.

Der heutige Tag des Streichholzes ist jedoch John Walker gewidmet, der seine Entdeckung angeblich am 27. November 1826 machte.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Der Mensch als Maß

Freitag, 14. September 2012

Der Mensch ist das Maß aller Dinge: Dieses Zitat des Protagoras aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert markiert angeblich den Beginn der abendländischen Philosophie. Skeptischere Kollegen des antiken Griechen sehen die Rolle des Menschen inzwischen als weit weniger herausragend und ihn selbst kaum noch als Krone der Schöpfung.

Eine Wissenschaft, die ihn klon- und damit beliebig reproduzierbar macht, sei an anderem interessiert als an moralischen oder ethischen Potenzialen. Vielleicht an den biologischen? Die meiste DNA, nämlich ein volles Pikogramm (die Maßeinheit entspricht 0, 000000001 Gramm), findet sich in den Zellen der Leber - dreimal so viel wie in sämtlichen Spermien.

Das für den Stoffwechsel zuständige Organ macht übrigens 3,41 % des Körpergewichts aus und ist nach der Lunge (4,15 %) das zweitschwerste. Wie klein ist dagegen das Herz! Gerade mal 0,69 % beträgt sein Anteil - so viel wie Nieren und Milz zusammen. Hirn und Rückenmark kommen gemeinsam auf 2,52 %.

Wenn Sie alles fix im Kopf addieren, kommen Sie auf nicht einmal 12 % dessen, was der Mensch auf die Waage bringt. Wo bleibt der Rest? Für die Oberflächenausstattung sorgen Haut (7,81 %) und Skelett (14,84 %), das Fett- und das übrige Gewebe (jeweils 13,63 %).

Den Löwenanteil der menschlichen Masse stellt die quergestreifte Muskulatur. Mit fast einem Drittel Gewichtsanteil (31,56 %) ist sie zuständig für das äußere Erscheinungsbild. Der Rest verteilt sich auf den Darm und die Körperflüssigkeiten wie Blut und Lymphe. Die Zähne wiegen vernachlässigenswerte 0,6 %.

Nach dem wir den Menschen so vermessen haben, gebührt das letzte Wort in diesem Newsletter weder einem Geistes- noch einem Naturwissenschaftler. Sondern einem Künstler, dessen Geburtstag sich am Sonntag zum 125. Mal jährt: „Der Mensch“, fand der Dadaist Hans Arp, „ist das Maß aller Schneider.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein Thema, das viel zu selten zur Sprache kommt

Montag, 10. September 2012

Heute mal kein Smalltalk-Thema. Sondern eins, das im wahrsten Sinne des Wortes gerne totgeschwiegen wird: Es geht um die hohe Zahl der Selbstmorde in unserer Gesellschaft.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Zahl der Suizide im letzten halben Jahrhundert weltweit um 60 % zugenommen. Alle 47 Minuten bringt sich in Deutschland ein Mensch um. Noch viel höher ist die Zahl der Versuche, sich das Leben zu nehmen. Alle 4 Minuten ist es hierzulande so weit.

Der Hauptgrund liegt in einer klinischen Depression, an der 80 bis 95 % aller Suizidpatienten leiden. Doch hier liegt auch die beste Chance, präventiv tätig zu werden. Depressionen werden nicht immer erkannt; wenn doch, werden sie häufig nicht ernst genommen.

Vor allem die Hausärzte sind mit der Diagnose überfordert. Eine Studie aus Ungarn, einem Land, in dem sich traditionell viele Menschen umbringen, setzt an dieser Stelle an. Hausärzte aus 2 Regionen im Südwesten Ungarns mit überdurchschnittlich hoher Selbstmordrate wurden über 5 Jahre hinweg bezüglich Diagnose und Therapie geschult.

Mit großem Erfolg: Während in den umliegenden Regionen, im nationalen Vergleich wie auch in denjenigen der angrenzenden Nachbarländer Kroatien, Serbien und Rumänien die Rate weiter stieg, sank sie in der Versuchsregion um 20 % - in der Selbstmordstatistik ein sehr hoher Wert. Die Studie gibt’s im Internet, leider nur auf Englisch; ihre Leiterin, die Psychiaterin Katalin Szanto, praktiziert mittlerweile in den Vereinigten Staaten, in Pittsburgh.

Heute ist der Weltsuizidpräventionstag. Ins Leben gerufen hat ihn die WHO. Sie will das immer noch viel zu häufig ignorierte Thema ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, aber auch der Ärzte und der Angehörigen von Betroffenen bringen. Allein über Selbstmord zu reden, so die WHO, sei schon ein erster Schritt auf dem Weg zur Bekämpfung des Problems.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Fragen an Ihren Arbeitsplatz

Freitag, 27. April 2012

Morgen ist der Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Ins Leben gerufen hat ihn die in Genf ansässige Internationale Arbeitsorganisation. Die ILO, wobei das L für das englische Labour steht, hat sich die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen aller Menschen auf die Fahnen geschrieben.

Zudem soll mit weltweit anerkannten Sozialstandards verhindert werden, dass sich Unternehmen Wettbewerbsvorteile verschaffen: etwa indem sie die Rechte ihrer Arbeitnehmer abbauen oder mit der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen Kosten einsparen. Durch eine internationale Vernetzung des sozialpolitischen Regelwerks sollen bessere Kontrollmöglichkeiten geschaffen werden.

Doch beginnt die Gesundheit am Arbeitsplatz bereits im Kleinen. Fangen wir doch mal mit Ihrem Büro an: Wie ergonomisch ist beispielsweise Ihr Schreibtisch?

Um optimale Arbeitsbedingungen zu gewährleisten, sollte dieser in der Höhe verstellbar sein und eine neigbare Platte haben. Empfohlen Maße für verstellbare Tische sind: mindestens 120 Zentimeter breit (optimal sind 160 Zentimeter), 68 bis 75 Zentimeter hoch, mit mindestens 65 Zentimetern Fußraum in der Höhe und 80 Zentimetern in der Breite. Die Abstellfläche für die Füße sollte mindestens 65 Zentimeter betragen. Ist Ihr Tisch in der Höhe nicht verstellbar, empfiehlt sich eine Höhe von zirka 72 Zentimetern. Die Tastatur sollte etwa 75 Zentimeter über dem Boden sein.

Kommen wir zum Bürostuhl: Der sollte in jedem Fall höhenverstellbar sein und stabil stehen. Eine abgerundete Tischvorderkante erhöht das bequeme Sitzen.

Doch was nutzen Ihnen gute Möbel, wenn Sie an einem minderwertigen Monitor arbeiten müssen?

Wählen Sie einen Bildschirm mit möglichst hoher Auflösung. 15-Zoll- Flachbildschirme arbeiten mit der Standard-Auflösung von 1024 x 768 Pixel, bei 17- und 18-Zoll-Geräten ist die Standardauflösung 1280 x 1024 Pixel. Ihr Monitor sollte eine Bildwiederholfrequenz von mindestens 70 Hertz aufweisen, um Flimmerfreiheit zu gewährleisten.

Denken Sie morgen, am hoffentlich arbeitsfreien Samstag, einmal über diese Vorschläge nach. Und nehmen Sie die Verbesserung Ihres persönlichen Arbeitsumfeldes gleich am Montag in Angriff.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Kurt Tucholsky, Small Talk, Themen, Gespräch, Menschen

Mittwoch, 20. Juli 2011

Wie reden Menschen mit Menschen? Aneinander vorbei, meinte der Schriftsteller Kurt Tucholsky. Für Ihren Small Talk wäre ein solches Szenario denkbar schlecht. Um es zu verhindern, sollten Sie ein Thema finden, zu dem jeder Beteiligte in etwa gleich viel zu sagen hat. Einen solchen gemeinsamen Nenner habe ich Ihnen im Eingangssatz bereits vorgestellt. Richtig: der Mensch!

„Welche Chimäre ist doch der Mensch!“, stellte der Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal fest, „welch Unerhörtes, welch Ungeheuer, welch Chaos, welch widersprüchliches Wesen, welch Wunder!“ Pascal war Wissenschaftler und hielt sich nicht lange mit Wundern auf. Im Jahr 1642 entwickelte der Franzose die erste Rechenmaschine. Wenn er damals bereits die Möglichkeiten gehabt hätte, wäre ihm wohl ähnliches in den Sinn gekommen wie einem modernen Naturforscher.

Der Biologieprofessor Konrad Kunsch liefert in seinem Buch Der Mensch in Zahlen den endgültigen Beweis für die Komplexität des menschlichen Wesens. Demzufolge besteht unser Körper aus folgenden Elementen:

  • Sauerstoff: 63 Prozent
  • Kohlenstoff: 20 Prozent
  • Wasserstoff: 10 Prozent
  • Stickstoff: 3 Prozent
  • Kalzium: 1,5 Prozent
  • Phosphor: 1 Prozent
  • Kalium: 0,25 Prozent
  • Schwefel: 0,2 Prozent
  • Chlor: 0,1 Prozent
  • Natrium: 0,1 Prozent
  • Magnesium: 0,04 Prozent
  • Eisen: 0,004 Prozent
  • Übrige Stoffe: 0,81 Prozent

Dazu passt eine Erkenntnis des irischen Dramatikers Samuel Beckett (siehe auch unseren Newsletter vom 13. April 2006 „Das Nichtereignis zum Thema gemacht“): „Man muss versuchen, bis zum Äußersten ins Innere zu gehen Der Feind des Menschen ist die Oberfläche.“ Im Small Talk freilich ist es anders: Bevor Sie derart in die Tiefe gehen, sollten Sie ein wenig an der Oberfläche bleiben. Doch ist es immer hilfreich, etwas Gesprächsstoff in Reserve zu haben. Man weiß nie, wie lange der Abend noch werden wird.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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