Archiv für Kategorie ‘Interessantes’:

Wetterprognose vom Murmeltier

Donnerstag, 2. Februar 2012

Vor 4 Jahren berichteten wir an dieser Stelle erstmals über Punxsutawney Phil (siehe unseren Newsletter vom 1. Februar 2008: Morgen ist Groundhog Day).

jenes Waldmurmeltier aus einem bis auf die ersten Februartage gottverlassenen Nest im US- Bundesstaat Pennsylvania, das nicht nur den Frühlingsbeginn vorhersagt, sondern auch dem Hollywood-Erfolgsfilm Und täglich grüßt das Murmeltier als Vorlage diente.

Doch wie weit her ist es mit der Zuverlässigkeit von Phils Prognosen? Die 100 %, die das murmeltiereigene Webportal groundhog.org vorgibt, werden gelegentlich von altklugen Institutionen wie dem Nachrichtensender CBS oder der größten US-Tageszeitung USA Today angezweifelt. Letztere beruft sich auf eine Studie das renommierten National Climatic Data Center. Das im Bundesstaat North Carolina ansässige Institut verfügt über die größte Sammlung von Wetterdaten weltweit.

Als die Experten ihre Analyse – nicht der wirklichen Wetterdaten, sondern der real existierenden Waldmurmeltierprognosen seit 1988 letztes Jahr öffentlich bekanntgaben, machte sich unter Phils Anhängerschaft eine gewisse Ernüchterung breit: 13 Mal lag der pelzige Wahrsager aus Punxsutawney daneben; nur zehnmal sah das Tierchen richtig vorher, ob dem 2. Februar ein rascher Frühling oder noch 6 Wochen Winter folgen würden.

Um es wissenschaftlich auszudrücken: Phils Trefferwahrscheinlichkeit lag bei 39 %. Eine Steilvorlage für Murmeltierskeptiker wie den CBS-Korrespondenten Barry Leibowitz: Der behauptete frech, Phil sei als Vorhersagemedium nicht besser geeignet als des Reporters eigenes arthritisches Knie. Nach Punxsutawney sollte sich Leibowitz am heutigen 2. Februar lieber nicht bewegen. Sonst läuft er Gefahr, dass Phil unter Vernachlässigung des von ihm geworfenen Schattens, Nagezähne voraus, dem Journalisten ein zweites lädiertes Knie bereitet.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Ein absolut befriedigendes Gefühl samt begleitendem Geräusch

Montag, 30. Januar 2012

Gibt es Dinge, die Sie absolut nicht lassen können?

Stellen Sie sich doch folgende Situation vor:

Sie haben ein Paket bekommen, dessen zerbrechlicher Inhalt nicht in Watte, aber doch in eine Luftbläschenfolie eingehüllt wurde. Der Paketinhalt spielt bald keine Rolle mehr. Doch von der Verpackung können Sie sich so schnell nicht mehr lösen. Eine innere Stimme befiehlt Ihnen, sich nicht eher von der Folie zu trennen, bis Sie sämtliche Luftbläschen zerdrückt haben.

Es gibt schlimmere Zwänge. Die meisten sind zudem nicht von jenem äußerst befriedigenden Plopp-Geräusch begleitet. Die Verpackung wurde erstmals Mitte der 1960er Jahre eingesetzt, als IBM sein 1401er Modell unfallfrei an den Mann oder auch die Frau bringen wollte. Das war angesichts des Gewichts der Geräte gar nicht so, pardon, leicht. Vielleicht wäre eine Investition in Stahlkappen für die Schuhe der Transportarbeiter sinnvoller gewesen. Jedenfalls setzte sich mit der Zeit die Schonverpackung durch.

Erfunden, freilich wider Willen, hatten sie 1957 die US-Ingenieure Alfred Fielding und Marc Chavannes auf der Suche nach neuartigen Tapeten. Das von ihnen entwickelte Material taugte schließlich viel besser als Gewächshausisolierung. Bis IBM auf den Plan trat. An Luftbläschen erfreuten sich die Menschen jedoch schon im Mittelalter. Plastikfolie gab es damals noch nicht. Doch wurden Trinkgefäße häufig so geblasen, dass an den Rändern kleine Erhebungen, so genannte Warzen, entstanden. Geübte Zecher schworen auf die selbst im fortgeschritten alkoholisierten Zustand garantierte Griffigkeit, die auch im häufig doch recht hektischen Wirtshausbetrieb die Leistung am Glas verbesserte.

Wie viel harmloser für die Gesundheit ist hingegen das Zerdrücken der luftgepolsterten Plastikfolie! Es existiert sogar eine ökologische Version dieses Zeitvertreibs ganz ohne Verpackungsabfall.

Klicken Sie einfach die Internetseite virtual-bubblewrap.com an! Oder besuchen Sie, sollten sich dort zu viele Leser dieses Newsletters tummeln, das Webportal www.puffgames.com. Dort finden Sie virtuelle Luftbläschenfolien, die Sie per Mausklick zerdrücken können – samt dem dazugehörigen befriedigenden Geräusch!

Und wenn Ihr Chef etwas dagegen hat? Sagen Sie ihm, dass immer am letzten Montag im Januar der Internationale Luftbläschentag begangen wird.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Der Tag, an dem zwei Dichter gemeinsam starben

Montag, 16. Januar 2012

Wenn der Vater Staatsanwalt ist, noch dazu beim Militär, hat es der Sohn nicht leicht mit seinen schöngeistigen Neigungen. So geschehen im Fall des 1887 geborenen Georg Heym.

Mit 12 begann er erste Gedichte zu schreiben. Die stießen im Elternhaus auf wenig Gegenliebe, zumal die schulischen Leistungen mangelhaft waren. Mit Ach und Krach bestand Heym, nach mehrmaligem erzwungenen Wechsel der Lehranstalt, das Abitur. Um dem Vater doch noch zu gefallen, begann der Filius ein Jurastudium, das er nur bis zum ersten Staatsexamen durchhielt.

Ob sich die nächste Berufswahl als glücklicher erwiesen hätte? Zu der anvisierten militärischen Laufbahn sollte es freilich nicht mehr kommen. Und die literarischen Ambitionen? Erhielten ausgerechnet beim Sport neue Nahrung: Im Berliner Tennisclub Blau-Weiß hatte Heym den Menschen kennengelernt, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband - und der auch Schuld an seinem frühzeitigen Tod hatte.

Durch die Vermittlung des gleichaltrigen Ernst Balcke gelang es Heym noch vor dem Abitur, erste Gedichte zu veröffentlichen, wenn auch nur in einer Schülerzeitung.

Mehr Beachtung erhielt sein dramatisches Werk: Heyms Debütstück Athener Ausfahrt wurde, während er noch in Würzbug studierte, von einem Memminger Verlag gedruckt. In Berlin, wohin er wechseln musste, nachdem er nach Meinung des strengen Vaters in der Fremde zu viel Geld ausgegeben hatte, kam Heym wieder mit Balcke zusammen.

Zunächst im Verlauf des Jurastudiums durch ein gemeinsames Repetitorium, später zunehmend im Neuen Club, einer Vereinigung expressionistischer Künstler. Der Kunst tat’s gut. 1911 erschien Heyms erster Gedichtband Der ewige Tag im renommierten Ernst Rowohlt-Verlag.

Sogar beruflich gab es einen Erfolg zu vermelden: Die Garnison in Metz, bei der er sich als Fahnenjunker beworben hatte, nahm Heym an. Doch der Bescheid traf erst posthum ein, als Heym gemeinsam mit Balcke tot unter dem Eis der zugefrorenen Havel lag. Beide hatten auf brüchigem Eis eine Schlittschuhtour unternommen. Zuerst war Balcke eingebrochen, dann, beim Versuch, den Freund zu retten, zog es auch Heym in die Tiefe.

Heute vor hundert Jahren verlor Deutschland zwei Dichter auf einmal. Erst nach 8 Tagen wurde Heyms Leichnam gefunden, der tote Balcke sollte noch eine weitere Woche in seinem nasskalten Grab liegen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Gesunder Aberglaube

Freitag, 13. Januar 2012

Gleich der zweite Freitag im Jahr ein Freitag der 13. – wenn das mal nicht einen schlechten Start für 2012 bedeutet! Keineswegs möchte der Schreiber dieser Zeilen der Paraskavedekatriaphobie das Wort reden. Doch muss die Angst vor dem ominösen Datum nicht zwangsläufig krankhafter Einbildung entstammen.

Gründe, sich gegen alle Eventualitäten zu wappnen, gibt es genug. Oder doch nicht? Das Phänomen, schreibt die Online-Enzyklopädie Wikipedia, “kann im Einzelfall so weit führen, dass Betroffene Reisen und Termine absagen oder sich an einem Freitag, dem Dreizehnten, nicht aus dem Bett trauen.”

Und gibt gleichzeitig Entwarnung: “Auswertungen von Unfalldaten haben ergeben, dass sich an einem Freitag dem 13. nicht mehr Verkehrsunfälle mit schwerem Sachschaden ereignen als an einem Freitag dem 6. oder 20. Eine Untersuchung der Unfallmeldungen im Jahr 2009 durch den ADAC hat ergeben, dass an einem Freitag dem 13. die Anzahl der Unfallmeldungen 894 betrug, während an anderen Tagen 975 Unfälle zur Meldung kamen.”

Leider hat Wikipedia nur diese eine Statistik zu Rate gezogen – und dabei eine andere völlig außer Acht gelassen. Laut einer Erhebung der Kaufmännischen Krankenkasse, kurz: KKH, liegt der Krankenstand in der Bundesrepublik an einem Freitag dem 13. drei- bis fünfmal über dem Monatsdurchschnitt. Gemäß der KKH-Studie bleiben deutschlandweit rund eine Million Arbeitnehmer an diesem Datum zu Hause oder gleich im Bett.

Was auch seine Vorteile hat: Ist der Anteil der Abstinenzler an einem Freitag den 13. wirklich so hoch, verursachen die übriggebliebenen Paraskavedekatriaphobieresistenten eine im Verhältnis zu anderen Freitagen viel größere Zahl von Unfällen. Dies wiederum lässt den Schluss zu, dass ein gesunder Aberglaube in Hinblick auf das gefährliche Freitagsdatum tatsächlich das Schlimmste verhindern hilft.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Schauderhaft. Schauerlich. Grausig. Schrecklich. Grauenhaft.

Dienstag, 3. Januar 2012

„Der gierige Krieg ist um einen Heldentod reicher, aber die deutsche Kunst um einen Helden ärmer geworden“: Das schrieb der Maler Franz Marc (siehe unseren Newsletter vom 13. Juni 2007: Der Aff, der saudumme!) anlässlich des sinnlosen Sterbens eines Kollegen und engen Freundes.

August Macke, heute vor 125 Jahren geboren, fiel am 26. September 1914 in der Champagne; in einer Schlacht, die für die weitere Entwicklung des Ersten Weltkriegs bedeutungslos war und nichts am Frontverlauf ändern sollte.

Es war nicht Mackes Sache, für die er kämpfte. Kämpfen musste, denn er war eingezogen worden und hatte nicht, wie so viele seiner Altersgenossen, die sich freiwillig meldeten, in die allgemeine Begeisterung zu Beginn des Krieges mit Frankreich eingestimmt. Sein Ende hatte er schon geahnt, wie er in einem Brief an seine Frau Elisabeth realistisch anklingen lässt:

„Ich würde es als ein unerhörtes Glück betrachten, wenn ich aus diesem Krieg zurückkäme. Ich denke an all das Schöne, was ich schon erlebt habe, und was ich auch zum großen Teil Dir verdanke.“

Überhaupt zeichnen seine Berichte von der Front ein ganz anderes Bild, als es die Kriegsromantiker der Obersten Heeresleitung propagieren. Die Briefe strotzen von Adjektiven wie ’schauderhaft’, ’schauerlich’, ‘grausig’, ’schrecklich’ oder ‘grauenhaft’.

Andererseits offenbaren sie ein tief menschliches Empfinden: Macke zeigt sich auch fähig, über die getöteten, teilweise entsetzlich zugerichteten Franzosen zu trauern. Der Leichnam des im Gefecht Gefallenen wurde nie gefunden.

Begraben ist er dennoch auf dem französischen Soldatenfriedhof von Souain-Perthes-lès-Hurlus. Seit 1999 erinnert zudem ein Gedenkstein auf dem Bonner Alten Friedhof an ihn.

In Bonn – vier Jahre vor seinem Tod war Macke dorthin übergesiedelt – besteht auch das Werk des Künstlers fort. Die Stadt am Rhein bewahrt ihm mit dem August-Macke-Haus ein bleibendes Andenken.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Noch ein Klassiker für den vorweihnachtlichen Small Talk

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Einen vorweihnachtlichen Small Talk-Klassiker haben wir Ihnen letzte Woche vorgestellt: den Weihnachtsbaum. Eine weitere Frage an Ihr Gegenüber, die sich im Small Talk aufdrängt, lautet: Haben Sie schon alle Weihnachtsgeschenke besorgt?

Leider sieht man den meisten Last-Minute-Weihnachtsgeschenken an, dass sie auf den letzten Drücker besorgt wurden. Falls Ihr Gesprächspartner immer noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk ist und fürchtet, der Zeitdruck gehe zu Lasten von Stil und Qualität, können Sie ihn mit ungewöhnlichen Vorschlägen überraschen. Zumindest heben sie sich positiv von den üblichen Last-Minute-Geschenken ab.

Nehmen Sie daher Abstand von den notorischen Parfüms, Socken oder Krawatten. Diesen fehlt zur kompletten Eintönigkeit nur noch der Aufdruck “Hauptsache irgendwas”. Da liegen Sie mit Geld oder einem Gutschein schon besser. Geld oder Gutschein?, wird Ihr Gegenüber entsetzt einwenden das geht doch gar nicht!.

Geht doch! Wichtig auch beim Last-Minute-Weihnachtsgeschenk ist das Individuelle und Außergewöhnliche. Bei einer Notlösung verhindert vor allem die Verpackung, dass sie ihren Charakter offenbart. Bleibt für andere Ideen wirklich keine Zeit mehr, darf es als Weihnachtsgeschenk auch Geld oder ein Gutschein sein.

Beim Geldpräsent, das wird Ihnen Ihr Small Talk-Gesprächspartner bestätigen, kommt alles auf die äußere Form an. Sie können bankfrische Scheine gerollt, gefaltet oder in einem fantasievollen Umschlag gesteckt verschenken. Neue, glänzende Münzen finden in einem dekorativen Weihnachtssäckchen oder in einer Dose mit Weihnachtsmotiv Platz.

Bliebe noch der Gutschein. Auch diese Idee können Sie Ihrem Gegenüber im Small Talk vermitteln. Warum nicht eine Einladung für ein Abendessen in einem italienischen Restaurant? Karte oder Gutschein passen ideal zwischen 2 Lasagneplatten, die Sie vorsichtig mit grün-weiß-rotem Geschenkband zusammenbinden und vielleicht mit einer Schmetterlingsnudel, einer Farfalla, verbinden. Das Geschenk perfekt macht ein Text, in welchem Sie vielleicht noch anbieten, an jenem Abend das Babyhüten zu übernehmen.

Vielleicht hat Ihr Gesprächspartner noch bessere Ideen für ein Last-Minute-Weihnachtsgeschenk? Fragen Sie ihn!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Jeden Tag ein Türchen

Mittwoch, 30. November 2011

Letzten Sonntag durften Sie die erste Kerze an Ihrem Adventskranz anzünden. Morgen, am 1. Dezember, steht dann das erste Türchen in Ihrem Adventskalender – oder dem Ihrer Kinder – zur Öffnung an. Auch für Ihren Smalltalk hält der Adventskalender einiges an Gesprächsstoff bereit.

Erzählen Sie Ihrem Gegenüber die Geschichte des Adventskalenders! Dessen früheste Erwähnung findet sich in einem Kinderbuch, das eine gewisse Elise Averdieck bereits im Jahr 1851 verfasst hat. Damals waren die Menschen und die Haustüren zwar um einiges kleiner als heute. Doch derart kleine Türchen, die in Kartons hineingeschnitten wurden und hinter denen sich gleichzeitig eine Schokoladenfigur verstecke konnte, kannte man noch nicht. Ursprünglich wurde ab dem 1. Dezember täglich ein Bild an die Wand gehängt. Oder man malte an eine Wand – es durfte auch eine Tür sein – 24 Kreidestriche, von denen die Kinder jeden Tag einen wegwischen durften.

Kommerziell hergestellt wird der Adventskalender in Deutschland seit 1903. Zu jener Zeit enthielt er statt der Türchen farbenprächtige Zeichnungen, die ausgeschnitten und auf einen Pappkarton geklebt werden konnten. Initiator dieses Kalenders war der Münchner Verleger Gerhard Lang. Der erste Türchen-Kalender kam 1920 auf den Markt. Im Zweiten Weltkrieg wurden Bildkalender verboten: wegen der Papierknappheit. Doch als alles vorbei war, im Jahr 1946, stellte der Verleger Richard Sellmer schon wieder Adventskalender für den Verkauf her.

Einen Vorteil hatten die Adventskalender von damals: Sie enthielten weniger Kalorien als die heutigen Exemplare. Stellen Sie die Schokoladenfrage auch im Small Talk: Darf ein Adventskalender Süßigkeiten enthalten? Ist das Präsentieren von Bildchen nicht viel gesünder? Als Kompromiss könnten Sie ja wieder zu den guten alten Kreidestrichen an der Wand greifen, die Ihre Kinder anschließend ablecken dürfen. Werden Sie am 6. Dezember von Nikolaus gefragt, ob sie denn auch brav gewesen seien, können die lieben Kleinen guten Gewissens antworten, sie würden schon seit einer Woche Kreide fressen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

11. 11. 11

Freitag, 11. November 2011

Am elften Elften um elf Uhr elf beginnt bekanntlich die fünfte Jahreszeit. Falls Ihnen diese Zahlenspielerei zu, wie der Rheinländer sagt, jeck ist, muss ich Ihnen leider sagen, dass es gleich noch toller kommt.

Das heutige Datum kann närrischer nicht sein: 11. 11. 11! Ohnehin ist in der Karnevalszeit nichts mehr gerade und ordentlich; man lässt sich gehen, trinkt mehr als gewöhnlich und beginnt die Dinge doppelt zu sehen.

Die Zahl 1, mit der die Ordnung aller Dinge beginnt, wird zur Schnapszahl 11, die alles durcheinander bringt. Das Verständnis für diese Erklärung, warum die 11 als närrische Zahl verehrt wir, bedarf zugegebenermaßen eines gewissen Quantums Alkohols.

Doch sind die anderen auch nicht so viel besser. Die glaubwürdigste geht auf die christliche Mythologie zurück und verweist die 11 ins Reich der Sünde: Sie überschreitet als erste Zahl das zehnte Gebot. Damit einher geht die Überzeugung, den Narren habe die letzte Stunde geschlagen. Offenbar merken alle erst nach elf Minuten, dass es kurz vor zwölf ist, und feiern eingedenk der Vergänglichkeit umso ausgiebiger.

Das Gefühl, bald sei alles vorbei, scheint so schlecht nicht zu sein. Warum sonst wird es jedes Jahr aufs Neue ausgekostet? Richtig in Schwung kommt der Karneval erst nach dem Dreikönigsfest am 6. Januar, bis schließlich an Weiberfastnacht sämtliche gesellschaftlichen Fesseln abgestreift werden.

Der 11. 11. ist lediglich ein Vorgeschmack. Doch am sechsstelligen Schnapszahldatum wird der Karnevalsbeginn sicher ausgiebiger gefeiert als in anderen Jahren. Als würde das nicht genügen, sind zahlreiche Jecken auf die Idee gekommen, sich an diesem Tag zu vermählen.

In Köln etwa wird sich im Zwanzigminutenrhythmus im Historischen Rathaus getraut. Statt der üblichen Tagesdosis von 40 Hochzeiten werden es heute 144 sein. Das ist selbst der närrischen Redaktion dieses Newsletters zu viel. 111 hätten auch gereicht.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Ein Land, das kaum Schlagzeilen macht

Freitag, 9. September 2011

Heute vor 20 Jahren wurde ein Land unabhängig, das den wenigsten Deutschen etwas sagt. Eingefleischten Beziehern dieses Newsletters schon: Sie wissen, dass der dortige Nationalsport Buzkashi heißt und der vor dieser Bundesligasaison vom 1. FC Nürnberg zu Werder Bremen gewechselte Innenverteidiger Andreas Wolf in der vormals Leninabad genannten Stadt Chudschand geboren wurde (siehe unsere Ausgabe vom 12. Juni 2008 Wer wohl mit dem Wolf tanzt?).

Wenn ich den weniger treuen, aber geografie- und politikkundigen unter den Lesern noch verrate, dass die Hauptstadt des gesuchten Landes Duschanbe und der Präsident Emomali Rachmonow heißt, werden diese messerscharf schließen, dass es sich um Tadschikistan handelt.

Die weit östlich des Ural gelegene, unter anderem an China und Afghanistan grenzende Republik gehörte bis 1991 zur Sowjetunion. Aus dieser Zeit stammen die auch im unabhängigen Tadschikistan noch lange Zeit üblichen slawischen Namensendungen auf -ow und -ew. Sie wurden inzwischen abgeschafft. So hat sich der früher dreisilbige Nachname des Staatsoberhauptes zu einem schlichten Rachmon verschlankt.

Der Präsident möchte sein Land kulturell und sprachlich zu seinen traditionellen Wurzeln zurückführen, die persischer Natur sind. Der sehr geringe Anteil eines anderen Volkes – siehe Andreas Wolf – an der Landesbevölkerung schwindet dagegen zusehends. Lebten gegen Ende der Sowjetzeiten noch knapp 20 000 Deutschstämmige in Tadschikistan, ist ihre Zahl laut Angaben des Auswärtigen Amtes auf aktuell 1200 geschrumpft.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Ein nützliches Hobby, das sogar Leben retten kann

Donnerstag, 8. September 2011

Wenn es bei der Schulstudie Pisa um das Leseverständnis geht, schneidet Deutschland regelmäßig schlecht ab. Dazu scheint eine Untersuchung der Stiftung Lesen zu passen: 70 % der Eltern, die selbst zu Büchern greifen, legen in der Erziehung Wert darauf, ihren Kindern Lesefreude zu vermitteln. Unter Eltern, die selbst nicht lesen, sind es nur 37 %.

Fragt sich, welche Zahl schlimmer ist. Dass nur wenig mehr als 2 von 3 bibliophilen Eltern ihre Begeisterung an ihre Sprösslinge weitergeben, würde, konsequent weitergerechnet, zu einer stetig weiteren Abnahme dieses schönen und lohnenswerten Hobbys führen.

Umgekehrt ist es fast schon ein wenig tröstlich, dass mehr als ein Drittel aller Eltern, die Bücher allenfalls von außen anfassen, finden, wenigstens ihre Kinder sollten auch mal hineinschauen. Das Lesen ist einer der Schlüssel zur Vermeidung des Analphabetismus. Ein Fünftel der Erdbevölkerung leidet unter diesem Defizit. Mit anderen Worten: 1,4 Milliarden Menschen können weder lesen noch schreiben. Ihnen wird am heutigen Weltalphabetisierungstag gedacht.

In Deutschland kommen zu der halben Million totaler mindestens 4 Millionen so genannter funktionaler Analphabeten hinzu, die so schlecht lesen und schreiben können, dass sie schwere berufliche Nachteile in Kauf nehmen müssen. Die Zahl von 20 000 Erwachsenen, die an deutschen Volkshochschulen Alphabetisierungskurse besuchen, erscheint im Vergleich dazu äußerst bescheiden. Tatsächlich ist es zum Lesen lernen nie zu spät.

Der französische Schauspieler Gérard Depardieu – er spielte zuletzt im Kino einen langjährigen Analphabeten, der erst spät zu Büchern findet – kam privat zu einer ähnlichen Erkenntnis: „Dass ich das Lesen entdeckt habe, hat mir das Leben gerettet.”

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern