Archiv für Kategorie ‘Jahreszeit’:

Die Autobahn neben dem Dienstweg

Freitag, 9. Dezember 2011

‘Bestechlichkeit’, ‘Filz’, ‘Klüngel’, ‘Seilschaften’, ‘Veruntreuung’, ‘Vetternwirtschaft’, ‘Wettbewerbsbetrug’: es gibt viele Synonyme für den Begriff ‘Korruption’. Heute wird der Weltantikorruptionstag begangen.

Ins Leben gerufen hat ihn vor 8 Jahren die UNO gemeinsam mit der Organisation Transparency International, um weltweit auf Korruption aufmerksam zu machen und auch deren Folgen ins Bewusstsein zu rufen.

In Staaten wie Somalia, Birma oder Afghanistan wird dies besonders nötig sein, denn sie zieren das Ende der Transparency-Bestechlichkeitsliste. Die saubersten Länder sind Dänemark, Neuseeland und Singapur, die sich Rang 1 teilen, gefolgt von Finnland. Deutschland liegt auf Platz 15. Korruptester europäischer Staat ist Russland an Position 154 (von 178).

Auffällig: Island, das immer in den Top 10 lag, ist nur noch auf Rang 11 zu finden. Ob dies an der Wirtschaftskrise liegt, die viele Isländer zwar nicht gerade in Armut stürzte, doch eines beträchtlichen Teils ihrer Barschaft beraubte?

Korruption ist übrigens keine neuzeitliche Errungenschaft. „Keine Festung ist so stark“, wusste bereits der große römische Staatsmann, Rechtsgelehrte und Philosoph des ersten vorchristlichen Jahrhunderts, Marcus Tullius Cicero, „dass Geld sie nicht einnehmen kann.“ Etwas moderner liest sich dieses Zitat in der Version des Wirtschaftswissenschaftlers Helmar Nahr: „Korruption ist die Autobahn neben dem Dienstweg.“

Ein moderner Comic, der die Antike zum Thema hat, befasst sich ebenfalls mit der Wettbewerbsverzerrung – und ist gar nicht so fern der Realität. In Asterix bei den Olympischen Spielen gewinnt der kleine Gallier in seiner Laufdisziplin, weil sämtliche Gegner nach Genuss des berüchtigten Zaubertranks disqualifiziert werden. Hauptbetrugsvergehen in der Antike war freilich nicht das unerlaubte Schmieren von Blut, Muskeln oder Gelenken, sondern dasjenige von Gegnern und Kampfrichtern.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Der Tag, an dem sich das Septemberwetter entscheidet

Donnerstag, 1. September 2011

Der September scheint der Monat der Zukurzgekommenen zu sein. Zumindest, wenn man einer landwirtschaftlichen Beobachtung und einer dichterfürstlichen Versicherung folgt.

„Durch des Septembers heitren Blick“ besagt eine alte Bauernregel, „schaut noch mal der Mai zurück.“ Johann Wolfgang von Goethe war der Ansicht: „Was der August nicht tut, macht der September gut.“

Die Rede ist natürlich vom Wetter, und das war im Verlauf des Jahres 2011 seit den ersten Frühlingswochen, die eher einem Sommer glichen, in Mitteleuropa alles andere als gut. Auch nicht im Mai, weswegen wir im gerade angebrochenen Monat gut auf eine Wiederholung dieser Regentage verzichten können. Doch was dürfen wir erwarten? Der heutige Tag sollte es Ihnen verraten: „Gib auf Ägidius Acht“, empfiehlt eine weitere Bauernregel, „er sagt dir, was der Monat macht!“

Der 1. September ist der Tag des Schutzheiligen Ägidius. In der katholischen Kirche zählt der Gründer des Klosters Saint Gilles in der Provence zu den 14 Nothelfern. Vor allem zur Ablegung einer guten Beichte wird der südfranzösische Benediktiner-Abt gern angerufen.

Ob auch der Wettergott bei Wohlverhalten der Erdenbürger ein Einsehen hat? Ihn ernstlich zu bemühen, wäre dann doch etwas zu blasphemisch.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Das Wetter an Siebenschläfer

Montag, 27. Juni 2011

Das Wetter ist immer ein dankbares Small Talk-Thema. Heute ganz besonders, denn der Siebenschläfertag entscheidet, wie sich das Wetter in der nächsten Zeit entwickeln wird. Fällt auf Siebenschläfer Regen ein, so der Volksmund, soll’s für 7 Wochen sein (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 26. Juni 2009 „Volksmund, bitte melden!“). Der Bauernkalender gibt noch weitere Varianten dieser Regel preis; etwa „Das Wetter am Siebenschläfertag 7 Wochen so bleiben mag“, oder „Ist Siebenschläfer ein Regentag, regnet’s noch 7 Wochen nach".

Es geht sogar noch unrhythmischer. Ein Beispiel gefällig? „Regnet es am Siebenschläfertag, der Regen 7 Wochen nicht weichen mag.“ Letzterer mit gröbstem Vorschlaghammer geschmiedeter Vers liefert den eindeutigen Beweis, dass nicht Dichter diesen Kalender gestaltet haben. Sondern Bauern. Andererseits müssen die Regeln nicht literarischen Ansprüchen genügen, sondern meteorologischen.

Doch auch hier sieht es mau aus. Die Siebenschläferregel hat laut Deutschem Wetterdienst meteorologisch überhaupt keine Aussagekraft: An einem einzelnen Tag kann unmöglich das Wetter der nächsten sieben Wochen festgemacht werden. Zur Ehrenrettung der Landwirte sei abschließend die Webseite www.bauernregeln.net zitiert: „Bauern waren schon immer besonders abhängig vom Wetter und haben es deshalb genau beobachtet. Dabei fielen ihnen gewisse Regelmäßigkeiten auf, etwa in den Wetterabläufen.“ Die haben sie dokumentiert und daraus ihre Schlüsse für die Zukunft gezogen.

Doch können auch sie noch lernen – von den Dichtern. „Erfahrene Propheten“, wusste der britische Schriftsteller Horace Walpole, „warten die Ereignisse ab.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Romantisch oder prosaisch? Ihr Small Talk im Mai

Mittwoch, 11. Mai 2011

Jugend, Liebe, Gesang und all das, was schön ist im Leben: Das ist der Mai. So sah es der amerikanische Dichter Henry Longfellow, der im 19. Jahrhundert lebte. Tatsächlich hält der Mai für den Romantiker alles bereit – einschließlich zahlreicher Gedichte, die komplett zu zitieren allerdings jeden Small Talk-Partner überfordern würden.

Dass auch Intellektuelle Zugang zur Mairomantik haben, zeigt ein Zitat eines deutschen Dichters: „Ein Maitag“, fand Friedrich Hebbel, ein Zeitgenosse Longfellows, „ist ein kategorischer Imperativ der Freude.“ Bekanntlich wusste auch der Begründer des Idealismus, Immanuel Kant, die Freuden des Lebens zu schätzen (siehe unseren Newsletter vom 22. April 2009 – Wider den Egoismus).

Doch muss sich der Small Talk nicht in der Mairomantik erschöpfen. Es locken, gerade im Mai, auch handfeste wirtschaftliche Themen: Den schönsten aller Monate für den Naturfreund ist alles andere als ein Erfolgsgarant für den prosaischen Börsianer. „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus, da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus“, dichtete vor 150 Jahren Emanuel Geibel.

Ganz meiner Meinung, würde der besonnene Aktienhändler zustimmen, den Mai sollten Sie nutzen, um irgendwohin ins Grüne zu fahren – und bloß nicht, um ein Börsenparkett zu betreten. Eine alte Maklerweisheit empfiehlt: „Sell in May – and go away …“ Auch in den Sommermonaten danach werden auf dem Aktienmarkt keine günstigen Geschäfte erwartet – erst wieder zu Beginn des Herbstes. Daher lautet der zweite Teil des Börsianergesetzes, den Sie in Ihrem nächsten Small Talk zum Besten geben können: „… but remember to come back in September.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Der Mai als Small-Talk-Thema

Mittwoch, 4. Mai 2011

Alles neu macht der Mai – und liefert Ihrem Small Talk jede Menge frische Themen. Es beginnt bereits mit dem Namen: ‚Wonnemonat’ wird der Mai bei uns auch genannt. Die Bezeichnung stammt aus dem 8. Jahrhundert und geht auf Karl den Großen zurück. Der fränkische König und spätere Kaiser erfreute sich der steigenden Temperaturen und der sprießenden Vegetation. Später setzte sich bei uns die lateinische Monatsbezeichnung durch: Der Mai ist nach der römischen Göttin Maia benannt.

Statt der lateinischen Adaption hat sich in einem unserer Nachbarländer die Naturtradition durchgesetzt: Das Tschechische kennt für den Mai nur den Namen ‚Blumenmonat’, wegen der Hauptblütezeit der meisten Pflanzen in dieser Jahreszeit.

Die deutschsprachigen Alpenländer kennen den Mai als ‚Weidemonat’: In Österreicher, Liechtenstein und der Zentralschweiz wie auch in Oberbayern ist dieser Begriff neben dem offiziellen ‚Mai’ fester Bestandteil des Wortschatzes: Im Weidemonat wird das Vieh auf die im Gebirge gelegenen Almwiesen getrieben.

Eng verbunden mit dem Mai ist ein weiteres Naturphänomen: die Eisheiligen. Das sind die christlichen Märtyrer Pankratius, Servatius und Bonifatius. Alle starben im 4. Jahrhundert für ihren Glauben. Zu dem Trio gesellt sich die „kalte Sophie“, ebenfalls eine Märtyrerin, als Patronin des Spätfrostes. Ihr Namenstage Ihre Feiertage sind der 12., 13., 14. und 15. Mai.

Warum Eisheilige? Die Bezeichnung hat mit dem Säen und Auspflanzen in Feld und Garten zu tun: Beides sollte bei frostempfindlichen Kulturen – wegen der Mitte Mai durchaus noch zu erwartenden Temperaturstürze – erst nach dem 15. Mai erfolgen: „Vor Nachtfrost du nicht sicher bist“, sagt die entsprechende Bauernregel, „bis Sophie vorüber ist.“ Die Eisheiligen bremsen Schrebergärtner – und befeuern Ihren Small Talk.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Das Wetter vor hundert Jahren

Dienstag, 5. April 2011

Im Small Talk bietet sich als Thema immer mal wieder das Wetter an. Gibt es aktuell nichts her, schaut man in die Zukunft oder blickt zurück. Der Gegenstand der Unterhaltung wandelt sich dann zum Klima.

Heute vor 100 Jahren tauchte kräftiger Schneefall die spanische Hauptstadt in eine Farbe, welche die Madrileños bislang vor allem von den Trikots ihres über alles geliebten Fußballklubs kannten. Real, aber für derartige Breiten, noch dazu im April, äußerst ungewöhnlich. Inzwischen haben sich auch die Südländer an derartige Wetterkapriolen gewöhnt. Sie werden dem Klimawandel angelastet. Dieser führt wiederum im nördlichen Europa zu einer schleichenden Erwärmung, an welcher auch ungewöhnlich kalte Dezember wie der des Jahres 2010 nichts ändern. Nehmen wir als Beispiel den niederländischen Volkssport Elfstedentocht (siehe unseren Newsletter vom 12. Januar 2010 „Voorlopig geen Elfstedentocht …“).

Das 200-Kilometer-Rennen durch 11 Städte auf den zugefrorenen Kanälen der Nordprovinz Friesland findet im Hundertjahrvergleich immer seltener statt. So hat es das niederländische Planbureau voor de Leefomgeving (PBL), vergleichbar mit unserem Umweltbundesamt, herausgefunden. Nach einer im letzten Jahr veröffentlichten Studie konnte man im Jahr 1950 noch davon ausgehen, dass alle vier Jahre ein Elfstädtelauf ausgetragen wird. Mittlerweile ist die wahrscheinliche Häufigkeit auf alle achtzehn Jahre gesunken.

Erstmals wurde das Rennen 1909 ausgetragen; bis einschließlich 1963 gab es insgesamt zwölf. Danach nur noch drei: in unmittelbarer Folge 1985 und 1986 sowie ein bislang letztes Mal 1997. In den Niederlanden waren die Jahre 2006 und 2007 die wärmsten seit Beginn der Messungen anno 1706. Auch das Jahr 2010 hätte in diese Bereiche vorstoßen können - wären die ersten sehr kalten drei Monate nicht gewesen. Doch gab es im gesamten 20. Jahrhundert nicht weniger als fünfzehn Winter, die kälter waren als diese drei ungewöhnlichen Monate! Und der 5. April 1911? War nur ein Ausreißer, der klimatisch nicht ins Gewicht fällt. Allenfalls sportlich: Real spielt nach weiter in schneeweißen Trikots.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Finnen und Briten fürchten jetzt schon den nächsten Sommer

Freitag, 1. April 2011

Nebel und Nieselregen sind unsere ersten Gedanken, wenn vom Londoner Winter die Rede ist. Das Bild einer ganz in grau gehüllten Themsemetropole entsteht in unseren Köpfen, und wir empfinden nur deshalb kein Mitleid mit ihren Bewohnern, weil sie wegen ihrer Spleenigkeit ohnehin nicht wetterfühlig sind.

Doch da liegen wir falsch, sagt uns das renommierte British Medical Journal und weist auf die wirklichen Gefahren hin, die auf unsere westlichen Nachbarn lauern. Was sind schon Nebel und Regen verglichen mit der sommerlichen Hitze, die alljährlich ihren Tribut fordert und kräftig unter dem Inselvolk aufräumt! Wir sollten Abschied nehmen von gängigen Klischees (dem Vorbild britischer Boulevardzeitungen folgend, die ihre Leitartikel längst nicht mehr mit einem but we won the war abschließen) und realitätsnäheren Bildern Platz einräumen. London im Sommer müssen wir uns etwa so vorstellen: Bangen Blickes starren vor allem die über 65-Jährigen ab Ende Juni auf die Quecksilbersäule: Übersteigt die Lufttemperatur die Grenze von 72,14 Grad Fahrenheit, müssen sie umgehend Vorsichtsmaßnahmen einleiten: 72,14 Grad Fahrenheit sind der kritische Wert; ab dieser Temperatur ist in der Inselhauptstadt mit den ersten Hitzetoten zu rechnen. Luftfeuchtigkeit und Windaktivität, so haben Forscher vom Queen Mary and Westfield College der Universität London herausgefunden, haben keinen Einfluss auf das körperliche Befinden. Allein die Außentemperatur ist verantwortlich, deshalb sprechen die Mediziner in diesem Zusammenhang von Hitzetoten.

Darüber können die Griechen nur lachen. Auch sie wurden im Rahmen einer europäischen Studie über den Treibhauseffekt untersucht, und sie erwiesen sich als wesentlich hitzeresistenter als ihre nördlichen EU-Partner. 72,14 Grad Fahrenheit, für Briten eine ernst zu nehmende Bedrohung, bedeuten für Athener wahre Wohlfühltemperaturen. 72,14 Grad Fahrenheit sind gerade einmal 22,3 Grad Celsius. In Griechenland bedarf es mindestens weiterer vier Grad auf der Messskala, bis sich erste Anzeichen einer Hitzeanfälligkeit bemerkbar machen. Doch das hilft den Briten wenig. Den wegen ihrer Unterkühltheit oft bewunderten, unter der Hitze aber scheinbar weich werdenden Insulanern drängt sich die Frage auf, ob angesichts des weltweiten Treibhauseffekts Grund zur Panik besteht. Keep cool, wiegeln die Forscher ab. Zwar sei durch die globale Erwärmung generell mit höheren Sommertemperaturen als in der Vergangenheit zu rechnen, doch übersteige in Europa die Zahl der Kältetoten die der Hitzeopfer bei weitem. Aufgrund der zu erhoffenden milden Winter werde daher die allgemeine Lebenserwartung der Briten in den nächsten Jahrzehnten sogar steigen. Noch einen weiteren Trost haben die Wissenschaftler für ihre gebeutelten Landsleute bereit: In Nordfinnland fordert die Sommerhitze bereits ab 17,3 Grad Celsius die ersten Opfer. Dabei sind die Finnen nicht gerade als Weichlinge verschrien. Berühmt ist ihr Kampfgeist, Sisu in der Sprache der Einheimischen. Beflügelt vom Sisu konnten sie sich im Zweiten Weltkrieg Stalins Rote Armee vom Leib halten.

Solche Zeiten sind längst passé, und die Finnen, gleich den Briten, scheinen auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Der Krieg gegen die Sowjetunion fand vor sieben Jahrzehnten statt: 1939/40. Im Winter.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Tierische Frühlingsboten

Montag, 21. März 2011

In der Eifel sind es springende Frösche (siehe unseren Newsletter von vor vier Tagen „Nicht nur der Tag des Heiligen Patrick“), im Osten der USA grüßt ein Murmeltier (Ausgabe vom 1. Februar 2008 „Morgen ist Groundhog Day“). Tierische Frühlingsboten erfreuen den Menschen. Meistens jedenfalls.

Wenn sie sich freilich so viel Zeit lassen wie der Siebenschläfer und volle sieben Monate verpennen, sorgen sie nicht nur für heitere Mienen. Vor allem, falls es an ihrem Kalendertag (siehe dazu auch den Newsletter vom 27 Juni 2006 „Oben grau, unten weiß – und sorgt nur für Verwirrung“) in Strömen gießt und dies laut Bauernregel in den folgenden Wochen so bleiben soll. Wenig beliebt sind auch die Störche. Zwar wird die Ankunft der stilvollen Segler auf dem Dach eines Dorfbauernhofs freudig registriert. Wenn die Rotschnäbel dann aber beginnen, haarlose und hüpfende Frühlingsboten zu verspeisen und aus dem geplanten Laichgang einen Leichgang machen, hört die Sympathie rasch auf.

Ein weiterer Frühlingsbote, dem man nach dem Aufwachen nicht so gern begegnet, kommt Gottseidank nur in entlegenen Bergregionen vor. Slowenien ist das der rheinischen Newsletterredaktion nächstgelegene Domizil des Braunbären, die dieser Tage aus dem Winterschlaf erwacht.

Wesentlich harmloser ist die Begegnung mit einem anderen Ende-März-Erwacher. Doch auch die kann für sämtliche Beteiligten schmerzhaft sein, wenn man in aller Frühjahrsmüdigkeit nur mit Socken bekleidet auf die Veranda und dort unversehens auf einen Igel tritt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Nicht nur der Tag des Heiligen Patrick

Donnerstag, 17. März 2011

Heute ist der Tag, an dem der Heilige Patrick angeblich geboren und auch gestorben ist. Am 17. März feiern die Iren deshalb den St. Patrick’s Day – nicht nur in der Heimat, sondern auch in den zahlreichen Irish Pubs, die wie sie selbst über die ganze Welt verstreut sind (siehe auch unseren Newsletter vom 17. März 2008 „Wo der St. Patrick’s Day zuerst gefeiert wurde“). Da dürfen Veranstaltungen in Deutschland selbstverständlich nicht fehlen (siehe unsere Ausgabe vom 17. März 2009 „Der St. Patrick’s Day wird auch in Deutschland gefeiert“).

Die Katholische Kirche weist in ihrem Heiligenkalender für den 17. März freilich nicht nur den Patrick auf. Dasselbe Datum ist auch der Tag der Heiligen Gertrud. Die lebte im 7. Jahrhundert im belgischen Kloster Nivelle, das sie später leitete. Mönche kehrten auf ihren Wanderungen gerne dort ein, weshalb Gertrud bald den Status einer Patronin aller Reisenden und Pilger erlangte. Auch zu Tieren muss die Äbtissin gut gewesen sein. Speziell zu Katzen vermutlich: Die Heilige wurde immer dann angerufen, wenn es eine Ratten- oder Mäuseplage zu bekämpfen gab. Tiere mit runden Ohren und langen Schwänzen mochte Gertrud offenbar nicht so gerne.

Nicht weit von ihrer belgischen Heimat wird die Niveller Äbtissin mit haarlosen Wesen in Verbindung gebracht – und gemeinsam mit diesen als Botin einer sehnlich erwarteten Jahreszeit geschätzt. „An Jertrudendaach“, heißt es in der Eifel, „jonn de Höppelen en de Baach.“ Die von lautem Quaken begleitete Laichprozession der so schön bewegungsmalerisch beschriebenen Hüpftalente läutet im Westen unserer Republik den Frühling ein.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Eine Erfindung der Post

Montag, 14. Februar 2011

Ist der Valentinstag eine Erfindung der Geschäftsleute? Für diese These spricht, dass sich Verliebte auf der ganzen Welt am 14. Februar Blumen, Süßigkeiten und andere kleine Aufmerksamkeiten schenken. Für eine andere These spricht die Tatsache, dass jedes Jahr weltweit mehr als eine Milliarde Karten so versandt werden, dass sie am 14. Februar beim Empfänger oder bei der Empfängerin des Herzens ankommen (siehe auch unseren Newsletter vom 12. Februar 2010 – Wie der 14. Februar zum Tag der Verliebten wurde).

Letzteres Faktum würde doch eher dafür sprechen, dass der Valentinstag eine Erfindung der Post ist. Inzwischen hat der Kartenversand virtuelle Konkurrenz bekommen: Im Internet-Zeitalter erfreut sich die elektronische Grußkarte zunehmender Beliebtheit. Doch als längst privatisiertes und damit gewinnorientiertes  Unternehmen weiß die Post auch aus diesem Trend Kapital zu schlagen: Auf ihrem Webportal hat sie eine Rubrik eingerichtet mit „Versandideen zum Valentinstag“. Dort heißt es scheinheilig: „Wem das alles zuviel Kommerz ist, kann immer noch den guten, alten Kartengruß versenden. Ganz klassisch handgeschrieben per Post oder aber als elektronische Grußkarte. e-Card-Anbieter haben auch eine Rubrik für Liebespost bzw. zum Valentinstag.“ Da haben die e-Card-Anbieter offenbar von der Post gelernt!

„Wofür man sich auch entscheidet“, heißt es am Ende des postbetriebenen Webauftritts, „der Valentinstag ist ein schöner Anlass, mal wieder den Briefkasten seiner Lieben zu füllen.“ Und die Kassen der Post, möchte man hinzufügen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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