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„Was den guten Journalisten ausmacht“, haben wir Ihnen letzte Woche anhand des Beispiels von Egon Erwin Kisch nähergebracht. Was aber macht den schlechten Journalisten aus?

Laut dem früheren Fernsehmoderator Robert Lembke handelt es sich dabei um einen Mann, der die eine Hälfte des Lebens damit verbringt, über Dinge zu schreiben, von denen er nichts weiß und die andere Hälfte, nicht über Dinge zu schreiben, die er genau weiß. Der Satiriker Karl Kraus meinte, keinen Gedanken zu haben und ihn ausdrücken zu können, mache den Journalisten, und ein besonders schlechter sei derjenige, der nachher alles vorher gewusst hat. Der britische Kriminalautor Gilbert Keith Chesterton behauptete gar, Journalismus bestehe in erster Linie darin, Leuten zu erzählen, Lord Jones sei gestorben, die vorher nicht einmal gewusst hätten, dass Lord Jones überhaupt existierte. Und der deutsche Publizist Ulrich Erckenbrecht verstieg sich zu folgendem Vergleich: Wer Stil und Ideen hat, ist ein Schriftsteller. Wer Stil hat, aber keine Ideen, wird Journalist. Wer weder Stil noch Ideen hat, wird Germanist.

Beinahe überflüssig zu sagen, dass Erckenbrecht sich meist als Schriftsteller bezeichnet. Lassen wir die Journalisten jetzt in Frieden, heute ist der Internationale Tag der Pressefreiheit

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus, da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus:“ So heißt es in Emanuel Geibels 1841 entstandenen Wanderlied.

Morgen beginnt der Mai, das Wandern hat hierzulande schon seit längerem Konjunktur. 40 Millionen Deutsche, so eine Untersuchung des deutschen Wanderverbandes, verbringen ihre Freizeit auf Schusters Rappen. Das sagt natürlich überhaupt nichts aus. Aufschlussreicher wird die Studie, indem sie zwischen Tagesausflügen und mehrtägigen Wandertouren unterscheidet. Bei letzteren bringen es die Deutschen auf 8,7 Millionen jährlich, wobei im Schnitt dreieinhalb Übernachtungen pro Wanderurlaub anfallen. Das freut die einheimischen Urlaubsregionen nicht weniger als die auf der Wanderwelle mitschwimmende Freizeitindustrie. 144 000 Arbeitsplätze wurden durch das so gesundheitsfördernde wie umweltfreundliche Hobby geschaffen und 7,5 Milliarden Euro an Umsätzen generiert.

Hinzu kommt noch einmal die Hälfte dieser Summe für Ausrüstung wie Wanderschuhe und Wanderkarten. Nicht zu vergessen die Kosten, welche die gebeutelten Krankenkassen durch die höhere Fitness und geringere Anfälligkeit ihrer Mitglieder einsparen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Der April ist – nach den Worten des Aphoristikers Wolfram Weidner – der Monat, in dem das Wetter so unzuverlässig ist, dass es manchmal mit den Vorhersagen übereinstimmt. Und die lauten, um möglichst sicher zu gehen, meistens: Regen. Da das Wetter im April so wechselhaft ist, schlägt es sich häufig in Form kurzer Schauer nieder. Meistens treffen uns diese Kapriolen immer dann, wenn wir keinen Schirm mitführen.

Immer wieder stellt sich in solchen Situationen die Frage der Schadensbegrenzung: Wie schaffen wir es, möglichst wenig nass zu werden? Sollte wir dazu schnell oder langsam durch den Regen laufen? Dazu hat die Redaktion der WDR5-Wissenschaftssendung Leonardo folgende Überlegung angestellt: Wenn Sie eine Strecke von A nach B zurücklegen, befindet sich der Regen nicht nur über Ihrem Kopf, sondern überall um Sie herum. Mit der Vorderseite des Körpers nehmen Sie das gesamte Wasser auf, das sich zwischen den Punkten A und B gerade in Brust- und Bauchhöhe befindet – ganz gleich wie schnell Sie sich bewegen. Wenn Sie also Ihren Kopf möglichst trocken halten wollen, dann legen Sie einen Zahn zu. Der einzige Nachteil: Je schneller Sie gehen, desto größer die Durchschlagskraft der Regentropfen. Und umso stärker spüren Sie den Regen.

Soweit die Experten. Am besten, Sie gewöhnen sich an, immer einen Satz trockener Leibwäsche im Rucksack mitzuführen. Vielleicht auch eine dünne Ersatzhose. Und ein Handtuch.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Auf die Sommerzeit müssen Sie sich schon seit zehn Tagen einstellen. In Deutschland wurde sie heute vor dreißig Jahren wieder eingeführt. Versuche, sie zu starten, hatte es seit 1916 immer wieder gegeben (siehe unsere Newsletter vom 26. März 2007 „Wer hat an der Uhr gedreht?“).

Dahinter stand eine wirtschaftliche Überlegung: Der teuer gewordene Energieverbrauch sollte gedrosselt werden. So etwas geht in Deutschland sehr bürokratisch vonstatten. Für die Sommerzeit brauchte es extra eines Zeitgesetzes, das wirklich so hieß. Der Bundestag verabschiedete es am 25. Juli 1978, wie es in dem Beschluss hieß, „zur besseren Ausnutzung der Tageshelligkeit und zur Angleichung der Zeitzählung an diejenige benachbarter Staaten. Tatsächlich hatte bis dato nur Dänemark die Sommerzeit noch nicht eingeführt. Anfangs galt die Sommerzeit in Deutschland und den meisten anderen Staaten nur von Ende März bis Ende September.

Eine Ausnahme bildete Großbritannien: Auf der Insel dachte man pragmatisch und fand, auch im Oktober ließe sich Energie sparen. Dieser Überlegung schlossen sich später die übrigen europäischen Regierungen an. Seit 1996 gibt es für die Sommerzeit eine einheitliche Regelung in ganz Europa: Sie reicht vom letzten Wochenende im März bis zum letzten Wochenende im Oktober.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Vom Eise befreit sind zwar weder Strom noch Bäche, dennoch zieht am Wochenende der Frühling bei uns ein. Selbst Johann Wolfgang von Goethe, hieß es vor 4 Jahren in diesem Newsletter (siehe Ausgabe vom 20. März 2006 „Vom Eise befreit?!“) dürfte nur wenige Winter erlebt haben, die so lang und hart waren, dass er es zu ungemütlich für einen Aufenthalt in seinem Gartenhaus fand.

Nun, diesen Winter hätte er noch weniger Tage im Park an der Ilm in Weimar verbracht; es sei denn, unser Dichterfürst wäre ein Freund bizarrer Schneelandschaften gewesen. Was Goethe an Schnee faszinierte, waren die farbigen Schatten, die er – so der Dichter in seiner Farbenlehre – warf: „Der Schnee erscheint im Schatten blau, ebenso erscheint er auch bei eintretender Nacht, je dunkler es wird, desto tiefer wird die Farbe desselben werden“.

Goethes Farbenlehre zählt nicht zu den stärksten Werken des bedeutendsten deutschen Autors, weswegen statt auf die dunklen lieber auf die hellen Tage verwiesen wird, welche die neue Jahreszeit mit sich bringt. „Das holde Tal“, schreibt der Dichter in Reichthum und Blüthe, „hat schon die Sonne wieder/Mit Frühlingsblüt- und Blumen angefüllt,/Die Nachtigall singt immer neue Lieder/Dem Hochgefühl, das ihr entgegenquillt.“

Wie schön, dass Goethe die alte Journalistenregel beherrschte, immer dort, wo etwas einzusparen ist, dies auch zu tun – und seien es nur zwei Buchstaben.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die Olympischen Spiele sind seit Sonntag passé. Was bleibt im Gedächtnis haften? Vielleicht die Tatsache, dass Kanada erstmalig und völlig überraschend die Medaillenwertung gewann. Aber das interessiert im Land des Ahornblatts niemanden. Viel wichtiger ist den eishockeyverrückten Kanadiern, dass ihre Stars um Sidney Crosby Gold gewannen.

Dieser Newsletter blickt heute auf eine kleine Wintersportnation, die Platz 23 in der Länderrangliste belegt: Dabei hat Lettland in Vancouver doppelt so viel Medaillen eingeheimst wie bei allen Spielen zuvor zusammengenommen; bislang war lediglich eine bronzene in Turin 2006 herausgesprungen, für den Rodler Mārtiņš Rubenis. In Kanada 2010 wurde das Edelmetall wie gewohnt mit heißen Kufen gewonnen: Die befanden sich unter dem Skeleton-Fahrer Mārtiņš Dukurs und den Rennrodlern Andris und Juris Sics.

In Erinnerung bleiben wird jedoch ein lettischer Athlet, der bei Olympia keine Medaille gewann: Haralds Silovs heißt er und startete, wie es sich für tüchtige lettische Sportler gehört, auf Kufen: zunächst über die 5000 Meter-Strecke im Eisschnellauf im Olympic Oval, viereinhalb Stunden später dann über 1500 Meter im Shorttrack. Der Wettbewerb wurde wie alle Entscheidungen auf der Kurzbahn im Pacific Coliseum ausgetragen; die Entfernung zwischen beiden Wettkampfstätten beträgt zwanzig Kilometer. Glücklicherweise durfte Silovs diese Distanz mit dem Auto zurücklegen. So reichte es im Shorttrack noch zu einem guten zehnten Platz. In die Olympia-Geschichte geht der 23-jährige Silovs als der Athlet ein, der als erster in zwei unterschiedlichen Disziplinen am selben Tag startete.

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Der politische Aschermittwoch geht auf eine niederbayerische Tradition von 1580 zurück (siehe unseren Newsletter vom 1. März 2006 „Woher stammt der politische Aschermittwoch?“). Bundesweit bekannt wurde das Politspektakel jedoch erst mit den Auftritten von Franz Josef Strauß. Der CSU-Vorsitzende nahm sich am ersten Tag nach Fasching gerne den politischen Gegner vor. Der hieß SPD und war, zum Ärger der Christsozialen, lange Zeit Regierungspartei.

So auch 1975. Damals ließ es Strauß bei seiner Aschermittwochrede in Passau so richtig krachen: Die Sozis, „die ausgezogen waren, Deutschland zu reformieren, und einen Saustall ohnegleichen angerichtet haben“, bekamen so richtig ihr Fett weg. Doch Strauß konnte auch anders. Einst bekannte er, obwohl alle, die zum politischen Aschermittwoch in die Nibelungenhalle geströmt waren, Deftiges erwarteten, in ungewohnter Zurückhaltung: „Es stimmt nicht, dass ich jeden Tag zum Frühstück einen Sozi esse.“ Bevor die Passauer ungläubig ihre Stirn runzeln konnten, schob Strauß einen klärenden Satz hinterher: „Ich esse nur, was ich mag.“

Heute wird es wieder hitzig zugehen in den Hallen und Bierzelten. Wünschen wir den Aschermittwochsrednern, dass sie, was den Humor betrifft, Strauß’sches Niveau erreichen.

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Dass der Valentinstag keine Erfindung der Geschäftsleute ist, haben wir Ihnen bereits in einem früheren Newsletter (siehe unsere Ausgabe vom 14. Februar 2006 „Der Valentinstag – eine Erfindung der Geschäftsleute?“) bewiesen. Doch wie wurde der 14. Februar zum Tag der Verliebten?

Der Brauch, am Valentinstag handschriftliche Grüße auszutauschen und sich eine Kleinigkeit zu schenken, ist im 17. Jahrhundert in Großbritannien entstanden. Ende des 18. Jahrhunderts gab es auf der Insel dann die ersten gedruckten Karten. Der lukrative Brauch schwappte über den Großen Teich und fand in den Vereinigten Staaten seine Fortsetzung. In den 1840er Jahren begann Esther Howland im Mutterland der Geschäftstüchtigkeit mit der Massenproduktion gedruckter Valentines.

Weltweit werden inzwischen mehr als eine Milliarde Karten so versandt, dass sie am 14. Februar ankommen. 2010 allerdings ist dies schlecht möglich, da fällt der Valentinstag auf einen Sonntag. 85 % der Valentinskartenkundschaft sind übrigens Frauen. Doch waren es Männer, die den Brauch zu uns brachten: US-Soldaten, die im Zuge des Zweiten Weltkriegs in Deutschland einmarschierten. Was für Valentinskarten am Sonntag unmöglich ist, wird auch für diesen Newsletter tags darauf nicht gehen: Da bekommen Sie nämlich keinen: Montag ist Rosenmontag – und für die gesamte Redaktion arbeitsfrei.

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Vom Dop zum Doping

11. Februar 2010

Morgen wird im kanadischen Vancouver die Winter-Olympiade eröffnet. 16 Tage lang kämpfen in 86 Wettbewerben die Athleten um 258 Medaillen. Vor 4 Jahren in Turin war Deutschland die erfolgreichste Wintersportnation. Noch wichtiger als der Erfolg ist allerdings die Tatsache, dass er mit sauberen Mitteln erzielt wurde. Und damit wären wir bei einer Brisanz, die eigentlich nicht in den Small Talk gehört. Doch lässt sich das Thema Doping in Zusammenhang mit den Olympischen Spielen leider nicht aussparen (siehe unseren Newsletter vom 22. Juli 2009 „Als Doping noch legal war“).

Der Versuch, die Materie smalltalktauglich zu gestalten, könnte mit einer Begriffserklärung starten. Das Wort stammt aus der Sprache der Kaffern, die im Südosten Afrikas leben. Bei Kulthandlungen und religiösen Feiern tranken sie den starken Schnaps Dop, um sich in Stimmung zu bringen. Das Wort wurde von den Kolonialmächten – den Buren und später den Briten – übernommen und allgemein für stimulierende Getränke verwendet.

Die Welt-Anti-Doping Agentur WADA hat das Doping gleich mehrmals neu definiert. Inzwischen ist nicht nur der Besitz, sondern auch der versuchte Gebrauch eines verbotenen Mittels verboten. Zudem ist die Verweigerung einer Kontrolle ebenso wenig statthaft wie die Verfälschung einer Probe, etwa durch einen Stoff, der ein verbotenes Mittel verschleiert. Sogar die Nichtmeldung des Aufenthaltsorts eines Athleten wird von der WADA nicht mehr geduldet: Er könnte sich auf diese Weise einer unangemeldeten Kontrolle entziehen. Sie sehen, die Gesetze gegen Doping sind gut. Bleibt nur noch dafür Sorge zu tragen, dass sie auch eingehalten werden.

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Punxsutawney Phils erstes Auftauchen im Jahr ist in den Vereinigten Staaten immer ein Gesprächsthema. Nicht nur für den Smalltalk, auch in Hollywood. Davon zeugt der Streifen Und täglich grüßt das Murmeltier (siehe unseren Newsletter vom 1. Februar 2008 „Morgen ist Groundhog Day“). Eine Prognose über die Reaktion des haarigen Gesellen, wenn die Klappe zu seinem Bau für einen Moment geöffnet wird, ist nicht schwer: Er wird seinen Schatten sehen und vor Schrecken zusammenzucken.

Letzteres ist jederzeit, das Erblicken des eigenen Ebenbildes nur an sehr klaren und kalten Tag möglich. Nicht unwahrscheinlich, dass das vorherrschende Hoch stabil und die Kälte von Dauer ist. Sechs Wochen soll der Winter in Phils Heimat, dem Nordosten der USA, noch dauern, wenn das Tier Nerven zeigt. Schade, dass es bei uns keinen Groundhog Day wie in Amerika gibt! Murmeltiere gibt’s in Oberbayern an der Zahl. Vielleicht könnte man auch ein anderes Tier zu einer Prognose bewegen – warum nicht einen Dachs, der sieht ebenfalls sehr possierlich aus.

Am besten, wir fragen Jörg Kachelmann. Der ist zwar nur Spezialist für Nordbayern (siehe unseren Newsletter vom 15. Juli 2008 „Wetter und Wetterfrösche“), hat aber immer eine gute Idee. Nicht so gut für Prognosen eignet sich der Verantwortliche für diese Zeilen; doch das ist ein ganz anderes Thema, das morgen an dieser Stelle näher beleuchtet wird.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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