Archiv für Kategorie ‘Kunst & Kultur’:

Vorsicht vor Kniechen-Näschen-Öhrchen!

Donnerstag, 19. Januar 2012

Im Jahr 1933 kam ein Film in die US-Kinos, der eine unwiderstehliche Wirkung auf sein Publikum ausübte. Fra Diavolo hieß er, und Dennis King spielte die Titelrolle des edlen Räubers. Doch das war nicht so wichtig, denn der Streifen war eh’ als Parodie ausgelegt.

So kam den Nebenfiguren Stanilo und Olivero, beide Spießgesellen Fra Diavolos, die tragende Rolle zu. Mit unerschütterlicher Komik wurden sie von Stan Laurel und Oliver Hardy verkörpert. So trägt denn auch die zentrale Szene kaum zur Handlung bei, zieht aber, als running gag fortgeschrieben, jeden Zuschauer in ihren Bann.

Um einen Wirtshausbesitzer, der Fra Diavolo erkennt, von einer möglichen Meldung abzuhalten, erfindet Stanilo das Kniechen-Näschen-Öhrchen-Spiel. Im englischen Original heißt es übrigens kneesy-earsy-nosey.

Es funktioniert wie folgt – versuchen Sie’s doch mal: Schlagen Sie sich mit beiden Handflächen auf Ihre Knie, greifen Sie anschließend gleichzeitig mit der rechten Hand ans linke Ohrläppchen und mit der linken Hand an die Nase, schlagen wieder mit den Handflächen auf die Knie und greifen danach mit der linken Hand ans rechte Ohrläppchen und gleichzeitig mit der rechten Hand an die Nase. Das wiederholen Sie möglichst oft und steigern dabei die Geschwindigkeit.

Für Stanilo ist das kein Problem, für seinen Kumpel Olivero schon. Eine wahre Katastrophe ergibt sich aus dem Spielchen für den Wirtshausbesitzer, genial gespielt vom australischen Komparsen Snub Pollard. Immer wieder werden dessen ungeschickte Bemühungen eingeblendet. Zuletzt sitzt er im Nachthemd mit Zipfelmütze auf seinem Bett, schlägt sich auf die Knie, eine Hand landet im Auge, während sich die andere in seinem riesigen Schnauzbart verfängt. Am Ende kann der gute Mann nur noch den Kopf schütteln.

Nicht aber die vorwiegend jungen Zuschauer im Kinosaal: Sie hatten schon während der Vorstellung nur noch Sinn für Kniechen-Näschen-Öhrchen, übten das Spiel auf dem Heimweg und am nächsten Tag in der Schule.

Und Sie? Hält es Sie noch am Schreibtisch? Oder ist eine Ihrer Hände schon im Monitor gelandet? Das größte Opfer der Laurel’schen Intrige kam auch nach Fra Diavolo nie über kleine Filmnebenrollen hinaus. Ob es an der verkorksten Koordination lag? Heute vor 50 Jahren ist Snub Pollard gestorben. Vermutlich hat er noch auf dem Sterbebett Kniechen-Näschen-Öhrchen geübt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Schauderhaft. Schauerlich. Grausig. Schrecklich. Grauenhaft.

Dienstag, 3. Januar 2012

„Der gierige Krieg ist um einen Heldentod reicher, aber die deutsche Kunst um einen Helden ärmer geworden“: Das schrieb der Maler Franz Marc (siehe unseren Newsletter vom 13. Juni 2007: Der Aff, der saudumme!) anlässlich des sinnlosen Sterbens eines Kollegen und engen Freundes.

August Macke, heute vor 125 Jahren geboren, fiel am 26. September 1914 in der Champagne; in einer Schlacht, die für die weitere Entwicklung des Ersten Weltkriegs bedeutungslos war und nichts am Frontverlauf ändern sollte.

Es war nicht Mackes Sache, für die er kämpfte. Kämpfen musste, denn er war eingezogen worden und hatte nicht, wie so viele seiner Altersgenossen, die sich freiwillig meldeten, in die allgemeine Begeisterung zu Beginn des Krieges mit Frankreich eingestimmt. Sein Ende hatte er schon geahnt, wie er in einem Brief an seine Frau Elisabeth realistisch anklingen lässt:

„Ich würde es als ein unerhörtes Glück betrachten, wenn ich aus diesem Krieg zurückkäme. Ich denke an all das Schöne, was ich schon erlebt habe, und was ich auch zum großen Teil Dir verdanke.“

Überhaupt zeichnen seine Berichte von der Front ein ganz anderes Bild, als es die Kriegsromantiker der Obersten Heeresleitung propagieren. Die Briefe strotzen von Adjektiven wie ’schauderhaft’, ’schauerlich’, ‘grausig’, ’schrecklich’ oder ‘grauenhaft’.

Andererseits offenbaren sie ein tief menschliches Empfinden: Macke zeigt sich auch fähig, über die getöteten, teilweise entsetzlich zugerichteten Franzosen zu trauern. Der Leichnam des im Gefecht Gefallenen wurde nie gefunden.

Begraben ist er dennoch auf dem französischen Soldatenfriedhof von Souain-Perthes-lès-Hurlus. Seit 1999 erinnert zudem ein Gedenkstein auf dem Bonner Alten Friedhof an ihn.

In Bonn – vier Jahre vor seinem Tod war Macke dorthin übergesiedelt – besteht auch das Werk des Künstlers fort. Die Stadt am Rhein bewahrt ihm mit dem August-Macke-Haus ein bleibendes Andenken.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Small Talk zwischen den Jahren

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Der Newsletter, den Sie gerade vor sich haben, erscheint nur werktags. Daher befürchte ich, dass Sie diese Zeilen, zumal in einem Jahr mit unglücklich liegenden Feiertagen, an Ihrem Arbeitsplatz lesen.

Wenn Sie schon zwischen den Jahren ins Büro oder in die Werkhalle müssen, möchte ich Ihnen wenigstens das adäquate Small Talk-Thema für diese Woche liefern.

Die „Zeit zwischen den Jahren“ geht für manche bis Neujahr, für viele aber darüber hinaus: bis zum Tag der Heiligen Drei Könige, also bis zum 6. Januar.

Das hängt mit dem Wechsel des Neujahrstermins Ende des 17. Jahrhunderts zusammen. Erst 1691 legte Papst Innozenz XII. den Jahresbeginn endgültig auf den 1. Januar fest. Die Tage dazwischen wurden weder dem alten noch dem neuen Jahr zugerechnet, lagen also zwischen den Jahren.

Gefühlt war man erst am 6. Januar im neuen Jahr angekommen. Der Volksmund beziehungsweise eine alte Bauernregel sagt ja auch, dass ab Dreikönig die Tage länger werden (natürlich nur auf der Nordhalbkugel).

Meist aber sind mit der Zeit zwischen den Jahren die Tage ab dem 27. Dezember bis einschließlich Silvester gemeint. So genannt werden sie in Ermangelung besserer Namen. Fragen Sie Ihren Gesprächspartner im Small Talk, wie er die Sache sieht:

Welche Tage fallen aus seiner Sicht in die Zeit zwischen den Jahren? Wenn Sie ihn schon um seine Meinung bitten, können Sie auch gleich die Frage dranhängen, ob er vielleicht einen geeigneteren Namen für diese Periode weiß.

Übrigens galt früher für die Zeit zwischen den Jahren manches Verbot, dass auch heutigen Arbeitnehmern gefallen dürfte. So waren nur die notwendigsten Arbeiten erlaubt. Mägde und Knechte hatten grundsätzlich frei, und Juristen wie Kaufleute verzichteten auf Geschäftsabschlüsse - wegen der Unsicherheit bei der Datierung.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Abwechslung auf der Weihnachtsfeier

Mittwoch, 7. Dezember 2011

In der zweiten Dezemberwoche häufen sich die betrieblichen Weihnachtsfeiern. Um daraus keine betrüblichen Weihnachtsfeiern entstehen zu lassen, sind Ihre Small Talk-Künste gefragt.

Genügend Gesprächsstoff liefern Ihnen zunächst die jahreszeitüblichen Themen: Advent und Weihnachten – und alles, was damit zusammenhängt: Adventskranz und Adventskalender, Weihnachtsmann und Nikolaus, Weihnachtsmärkte und die alljährliche Hektik beim Geschenkekauf. Fragen Sie Ihren Sitznachbarn beispielsweise, welche Tipps er hat, um möglichst gelassen und stressfrei durch die Vorweihnachtszeit zu kommen.

Hat er keine und ist überhaupt ein ausgesprochener Weihnachtsmuffel, wechseln Sie das Thema. Erzählen Sie eine lustige Anekdote aus dem letzten Geschäftsjahr! Oder reden Sie übers Winterwetter und seine Tücken. Vielleicht auch über den Urlaub, der fürs nächste Jahr geplant ist.

Ist Ihr Gegenüber ein ausgesprochener Gesprächsmuffel, hätten Sie rechtzeitig vorbeugen sollen. Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist vielleicht noch Zeit, folgenden Vorschlag in die Tat umzusetzen: Findet die Weihnachtsfeier im Restaurant oder in der firmeneigenen Kantine statt, könnten Sie nach jedem Gang den Sitzplatz wechseln. Fertigen Sie Namensschilder an, werfen alle in einen Topf und losen aus, wer wo Platz nimmt. Das sorgt für Abwechslung und bringt Dynamik in die Veranstaltung.

Zum Schluss noch ein Tipp, der Ihnen eine unfallfreie Veranstaltung garantiert: Nehmen Sie nach jedem Glas Bier oder Wein, das Sie konsumieren, die gleiche Menge an Wasser zu sich. Das hält den Alkoholpegel in Grenzen. Auf Schnäpse verzichten Sie lieber komplett. Übrigens gibt es auch alkoholfreien Sekt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Weltkulturerbe mit Verspätung

Dienstag, 6. Dezember 2011

Seit wann ist der Kölner Dom Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes? Um diese Frage beantworten zu können, müssten Sie zunächst einmal wissen, seit wann überhaupt eine entsprechende Liste existiert.

Die Idee, “dass Teile des Kultur- oder Naturerbes von außergewöhnlicher Bedeutung sind und daher als Bestandteil des Welterbes der ganzen Menschheit erhalten werden müssen”, entstand 1972. Sechs Jahre später fertigte die UNESCO ihre erste Aufstellung an.

Auch ein deutsches Kulturgut schaffte es auf die begehrte Liste: der Dom zu Aachen, in dem zahlreiche deutsche Kaiser gekrönt wurden. Inzwischen ist die Zahl der Weltkulturdenkmäler auf 725 angewachsen, hinzu kommen 183 Naturdenkmäler.

Nun aber zurück zur Eingangsfrage: Der Kölner Dom zählt erst seit 15 Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe. Am 6. Dezember 1996 wurde er aufgenommen. Als ob diese jahrelange Nichtbeachtung allein nicht schlimm genug gewesen wäre, kam der für Katholiken betrübliche Umstand hinzu, dass am selben Tag auch den Luther-Gedenkstätten in Wittenberg diese Ehre zuteil wurde.

Offenbar war die UNESCO an jenem Nikolaustag sehr auf Proporz gedacht, denn ein weltliches Kulturgut erhielt ebenfalls Welterberang: die Bauhaus-Gebäude in Dessau und Weimar.

Vielleicht ist es gut, dass das Weltkulturerbe breit gestreut und auf 153 Länder verteilt ist. Früher wäre das anders gewesen. Die deutsche Geschichtsschreibung beispielsweise sprach lange Zeit nur den kulturellen Leistungen der alten Griechen und Römer und allenfalls noch der Ägypter den Rang eines Welterbes zu.

So verstieg sich beispielsweise der Althistoriker Hermann Bengtson zu der Beurteilung, mit der Vernichtung Karthagos durch die Römer sei, weltgeschichtlich betrachtet, keine Lücke entstanden: „Ist doch der Beitrag der Punier (also der Karthager/Anm.) zur Geschichte der menschlichen Zivilisation mehr als bescheiden, die punische Kunst ist sogar von einer abstoßenden Hässlichkeit, für die es im Altertum schwerlich Parallelen gibt. Den karthagischen Künstlern mangelt es nicht nur an Originalität, sondern auch an jeglicher Grazie.“

Eine kleine Genugtuung für Liebhaber punischer Zivilisation und Abweichler vom hellenistisch-römischen Mainstream mag der Umstand gewesen sein, dass die Ruinen von Karthago – sie befinden sich im heutigen Tunesien – es doch noch ins Weltkulturerbe schafften, sogar schon im Jahr 1979. Was wiederum Hermann Bengtson veranlasst habe könnte, in den Teppich zu beißen: Der Doyen der Eurozentristen unter den Althistorikern starb erst ein volles Jahrzehnt später.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Bitte keinen BMW-Fahrer!

Dienstag, 29. November 2011

Der heutige Newsletter wendet sich ganz besonders an die jüngere Leserschaft – und an diejenigen, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben. In der Andreasnacht zum 30. November sollen sich Hinweise auftun, wer denn nun der künftige Lebenspartner sein wird.

Ledige Anwärterinnen pflegten vor dem Zubettgehen folgendes Sprüchlein aufzusagen: „Heiliger Andreas, ich bitt’ dich, Bettstatt, ich tritt dich, lass mir erscheinen den Herzallerliebsten meinen!“

Dann warteten sie auf ein Zeichen. Ob der malträtierte Fuß nach dem Tritt gegen das eiserne Bettgestell zur Gestalt des Zukünftigen anschwoll? Oder vielleicht zur Silhouette des Autos, das er fährt? Hinter dem (Aber-)Glauben steckt der Heilige Andreas.

Der Apostel und Bruder des Petrus war nicht nur Schutzpatron der Fischer und Fischhändler, Bergleute, Seilmacher, Metzger und Wasserträger. Später fiel noch die Ehevermittlung in sein Heiligenportfolio. Das war aber immer noch nicht alles.

Da eine Heirat kein abgeschlossener Prozess ist und die Frischvermählten nicht wissen können, wie sich das Abenteuer fortentwickelt, sollen sie weiter brav zum Andreas beten. Der sorgt dann für Eheglück und Kindersegen, denn auch dafür ist er laut Heiligenlexikon zuständig.

Allein sich auf Andreas verlassen, warnt wiederum der Arbeitskreis katholischer Glaube, darf man oder frau sich freilich nicht: „Ein zukünftiger Ehepartner sollte eine ausgeglichene Person sein, die sich allen Umständen und Bedingungen anpassen kann. Emotionen können das Urteilsvermögen oft beeinträchtigen und führen dazu, dass man nur sieht, was man sehen möchte. Ein sportliches Auto wird im Regen oder Schlamm wenig nutzen.

Also aufgepasst, liebe Heiratswilligen: Lasst euch nicht von BMW-Fahrern blenden!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein Stuhlbein weniger, über das man stolpert

Montag, 14. November 2011

Das Café Costes in Paris war eines der berühmtesten seiner Art. An Konkurrenz mangelte es ihm nicht, zumal der französischen Hauptstadt nicht gerade ein Mangel an diesen Einrichtungen nachgesagt wird. Es kommt halt auf die Gegenstände an, die letzteren die unverwechselbare Form verleihen.

Im Fall des Café Costes waren es die Stühle. Sie hatten nur 3 Beine. Das entsprach dem minimalistischen Stil des Bauhaus-Designers Philippe Starck – und tat ihrer Stabilität im übrigen keinen Abbruch.

Die Stühle mit einem Bein weniger, über das Kunden und Kellner stolpern konnten, überlebten das Etablissement, das sie beherbergte, locker. Das Costes musste 1994 für immer schließen, trotz der günstigen Lage unmittelbar neben dem Centre Pompidou. Paris’ modernes Wahrzeichen ist nach einem konservativen französischen Präsidenten benannt. Es war aber ein sozialistischer Amtskollege, der den Designer endgültig berühmt machte.

François Mitterand zeigte sich von seinen Möbeln so begeistert, dass er Starck vor 30 Jahren den Auftrag gab, die Räume des Elysee-Palasts auszustatten. Nicht die repräsentativen, sondern die privat genutzten: Der geschäftstüchtige Künstler verstand sich durchaus darauf, auch Gegenstände des täglichen Gebrauchs zu produzieren. Und das zu Preisen, die einem der Verschwendung abholden Linken offenbar gefielen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Eine Kunst, die Wissen schafft

Donnerstag, 10. November 2011

Die Nobelpreisträger werden Anfang Oktober bekanntgegeben, ihre Preise bekommen sie am 10. Dezember überreicht. Damit Ihre Profession in der Zwischenzeit nicht in Vergessenheit gerät, hat die UNESCO den 10. November zum Welttag der Wissenschaft erklärt.

Natürlich darf ein solches Datum nicht ohne Preisverleihung verstreichen. Entsprechend hat sich die Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur etwas einfallen lassen. Ich zitiere von der Webseite der Deutschen UNESCO-Kommission: In den Naturwissenschaften gibt es unter anderem den Sultan Qaboos Preis für Umweltschutz, den Kalinga Preis für die Popularisierung der Wissenschaft, den Great Man-Made River International Water Prize, den MAB-Preis für Nachwuchswissenschaftler und den Michel Batisse Preis für Manager von Biosphärenreservaten.

Um die zweite der oben aufgeführten Auszeichnungen möchte sich die Redaktion dieses Newsletters bewerben, die wissenschaftliche Themen gnadenlos populär aufzubereiten versteht. Als Beispiel sei auf die Behandlung der Systemtheorie in der Ausgabe vom 6. November 2008: Die Welt als Ganzes begreifen? verwiesen.

Allzu ernst nehmen sollten Sie die letzen beiden Sätze nicht. Eher schon die zu Luhmanns Systemtheorie passende Empfehlung des seit einigen Jahren emeritierten Literaturprofessors Harald Weinrich: „Vergessenskunst heißt heute, Methoden der Informationsauswahl zu entwickeln, die jeder Wissenschaftler beherrschen muss, wenn er nicht in der Flut der Überinformation ertrinken will.“

Erinnern Sie sich noch an die Preise, die die UNESCO an Naturwissenschaftler vergeben will?

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein anderer Name für Rock’n'Roll

Dienstag, 18. Oktober 2011

„Andere Musiker seiner Zeit mögen mehr Erfolg gehabt haben“, schreibt der US-Kritiker Jon Wiener, „aber Chuck Berry hatte mehr Einfluss“. Mit seiner Musik inspirierte er die Beatles, die Animals, die Yardbirds und die Rolling Stones. Sie spielten seine Songs nach, lange bevor sie anfingen, eigene Lieder zu komponieren. „Willst du dem Rock’n'Roll einen anderen Namen geben“, sagte einst John Lennon, „dann versuch es mal mit Chuck Berry“.

Bis heute ist sein Einfluss auf die populäre Musik ungebrochen. Stevie Wonder sagte voller Anerkennung: „Es gibt nur einen wahren König des Rock ‘n’ Roll, und der heißt Chuck Berry.“ Die Red Hot Chili Peppers, die zu seinem 75. Geburtstag aufspielten, nannten Berry „einen musikalischen Wissenschaftler, der die Heilung für den Blues entdeckt hat“.

Chuck Berry wurde am 18 Oktober 1926 in St. Louis geboren. Er lernte Friseur und Kosmetiker, geriet auf die schiefe Bahn, verbrachte 3 Jahre im Jugendknast. Nach seiner Entlassung nahm er einen Job am Fließband an, um, wie er sagte, seiner Frau und seinen Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. An Wochenenden spielte Berry in einer Blues-Band. Das machte er 3 Jahre lang – bis er glaubte, gut genug für einen Plattenvertrag zu sein.

Anfang Mai 1955 fuhr er nach Chicago, um sein Idol Muddy Waters, den legendären Blues-Sänger, kennenzulernen. Das gelang ihm auch nach einem Konzert. Waters gab ihm nicht nur das ersehnte Autogramm. Er vermittelte ihm auch d e n wichtigen weiterführenden Kontakt für seine berufliche Laufbahn. Der Tipp führte ihn zu den Produzenten von Chess Records, wo die Brüder James und Leonard Chess ein Aufnahmestudio betrieben.

„Ich spielte ihnen einige Blues-Stücke vor“, schreibt Berry in seiner Autobiographie, „von denen ich hoffte, dass sie ihnen gefallen würden. Zu meiner Überraschung gefiel ihnen aber ein Hillbilly-Song am besten: Ida Red“. Den nannte er um in Maybelline (siehe unseren Newsletter vom 19. Oktober 2006: Ein Lied das Geschichte schrieb), als ihm eine auf dem Boden herumliegende Kosmetikpackung dieses Markennamens ins Auge stach.

Es war der Startschuss einer für einen schwarzen Rock’n'Roller bis dahin beispiellosen Karriere. Wenn Chuck Berry heute seinen 85. Geburtstag feiert, werden im Radio sicher Hits wie Roll Over Beethoven Rock and Roll Music und Johnny B. Goode nochmal aufgelegt. Hoffentlich auch Maybelline!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die Folge eines Misserfolgs

Dienstag, 6. September 2011

Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige: Dieser Satz mochte für seinen Urheber gelten, Ludwig XVIII. von Frankreich. Auf den böhmischen Monarchen schien er keinerlei Eindruck gemacht zu haben. Wie sonst lässt es sich erklären, dass Leopold II. gemeinsam mit seiner Gattin über eine Stunde zu spät zur festlichen Uraufführung einer Oper in Prag kam, die eigens für ihn komponiert war?

Vielleicht lag es ja auch am Komponisten. Der hieß Wolfgang Amadeus Mozart und hatte La Clemenza de Tito, deutsch: Die Milde des Titus, sozusagen aus dem Handgelenk geschrieben. Von dem vor exakt 220 Jahren durchgefallenen Werk ist heute nur noch die Ouvertüre übrig.

Für Mozart sollte der Misserfolg freilich noch Folgen haben. Bei seinem nächsten Werk, der Zauberflöte, gab er sich mehr Mühe. Begonnen damit hatte er seit längerem. Nach seiner Rückkehr aus der böhmischen Hauptstadt legte er in Wien gleich mehrere Nachtschichten ein, sodass die Premiere bereits am 30. September erfolgen konnte. Diesmal mit Erfolg.

Leider hatte der Künstler nichts mehr davon. Wegen diverser Vorerkrankungen und eines allgemein schlechten Gesundheitszustands musste Mozart bald das Bett hüten. Er schaffte es nicht mehr, es zu verlassen, und starb, keine 36 Jahre alt, am 5. Dezember 1791.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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