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Den Fall der Mauer hätte es ohne die Montagsdemonstrationen in der DDR nie gegeben – oder zumindest wesentlich später und nicht auf so friedlichem Weg. Die erste Montagsdemonstration feierte am 4. September 1989 Premiere: Vor der Nikolaikirche in Leipzig hatten sich am ersten Tag nach den Sommerschulferien rund 1200 Unzufriedene versammelt, die „Reisefreiheit statt Massenflucht“ und „Stasi raus“ forderten. Letzteres war so nötig wie gefährlich, denn die Versammlung wurde von Agenten der Staatssicherheit observiert und immer wieder gestört.

Die Montagsdemonstrationen, organisiert von oppositionellen Bürgerrechtsgruppen, entwickelte sich zur Institution: Fortan fanden an jedem ersten Werktag der Woche Kundgebungen statt. Und sie erhielten ständig neuen Zulauf: Am 16. Oktober kamen in Leipzig 120.000 Menschen zusammen, 2 Wochen später waren es schon dreimal so viele. Am 4. November wurde an einem Samstag demonstriert, 700.000 Teilnehmer kamen nach Berlin. Dann fiel die Mauer. Die Montagsdemonstrationen gingen weiter: Politische Reformen und freie Wahlen waren nun das Thema. Letztere wurden für den 18. März 1990 ausgeschrieben.

Sechs Tage zuvor, heute vor 20 Jahren, fand die letzte Montagsdemonstration in Leipzig statt. Sie war mit ihren Vorgängerinnen nicht mehr zu vergleichen. Längst hatten die politischen Parteien die Veranstaltung instrumentalisiert und die Teilnehmer für ihre Zwecke eingespannt: Wer als Redner auf einer der letzten Montagsdemonstrationen die rasche Wiedervereinigung forderte, erhielt Beifall; wer darüber anders dachte, wurde niedergebrüllt und ausgepfiffen. Die Bürgerrechtsgruppen hatten – ob dies positiv oder negativ zu bewerten ist, sei der Leserschaft überlassen – ausgedient.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen: Das soll der große Reformator Martin Luther gesagt haben. Ob es stimmt oder nicht – der Spruch bleibt eine schöne Metapher für Hoffnung und Vertrauen in die Zukunft.

Doch warum mit dem Pflanzen bis kurz vor dem Weltuntergang warten?, sagte sich John Chapman. Der 1774 im nordöstlichen US-Staat Massachusetts geborene Naturliebhaber machte sich auf den Weg nach Westen. Auf dem Kopf trug er einen Kochtopf, die Taschen hatte er voll mit Apfelkernen. Bald hatte er seinen Spitznamen weg: Johnny Appleseed. Der Philanthrop freundete sich mit landsuchenden Siedlern und einheimischen Indianern an, las aus der Bibel vor und lehrte das Leben in Einklang mit der Natur. Und natürlich pflanzte Chapman überall, wo er hinkam, ein Apfelbäumchen.

Bis heute wird er im Mittleren Westen der USA als eine Art ökologischer Pionier gefeiert. An diesem Tag ist das ganz besonders der Fall, denn es war Chapmans letzter; und ganz bestimmt hat er ihn genutzt, wie Luther es einst empfahl. John Chapman starb am 11. März 1847 in Fort Wayne, Indiana. Seinen Todestag begehen viele Amerikaner als Johnny Appleseed Day.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Als wäre das Erdbeben nicht schon schlimm genug gewesen, raste einen Tag später eine Flutwelle auf die chilenische Pazifikküste zu. Seismologen hatten zuvor darauf hingewiesen, die Bevölkerung war vorbereitet – und nahm zum Glück die Entwarnung der Meteorologen nicht ernst. Wenigstens hatte Chile durch den Tsunami kaum weitere Opfer zu beklagen.

Außer vielleicht, der Scherz sei erlaubt, die Wetterfrösche: Die befinden sich seitdem in einer handfesten Krise. Damit sind die chilenischen Meteorologen nicht allein. Auch ihre britischen Kollegen gelten seit einiger Zeit als chronisch unzuverlässig. Zugegeben, es ist nicht einfach, für die wetterwendische Atlantikküste zutreffende Prognosen abzugeben. Die Politik des Meteorological Office tut ein übriges: Das staatliche Wetteramt hatte seinen Ansagern doch tatsächlich eine geschönte Sprache beim Wetterbericht empfohlen (siehe unseren Newsletter vom 25. Oktober 2005 „Geschönte Wetterberichte in London“).

Nun rudert eine andere staatliche Einrichtung zurück. Die BBC erwägt, den seit 1927 bestehenden Vertrag mit dem amtlichen Wetterdienst nicht zu verlängern. Der Grund: Nach zahlreichen groben Fehlprognosen schenken drei von vier Briten der Wettervorhersage keinen Glauben mehr. Wenn es auf der Insel so weitergeht mit dem Misstrauen in Institutionen, schaffen sie demnächst das Königshaus ab.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die Olympischen Spiele sind seit Sonntag passé. Was bleibt im Gedächtnis haften? Vielleicht die Tatsache, dass Kanada erstmalig und völlig überraschend die Medaillenwertung gewann. Aber das interessiert im Land des Ahornblatts niemanden. Viel wichtiger ist den eishockeyverrückten Kanadiern, dass ihre Stars um Sidney Crosby Gold gewannen.

Dieser Newsletter blickt heute auf eine kleine Wintersportnation, die Platz 23 in der Länderrangliste belegt: Dabei hat Lettland in Vancouver doppelt so viel Medaillen eingeheimst wie bei allen Spielen zuvor zusammengenommen; bislang war lediglich eine bronzene in Turin 2006 herausgesprungen, für den Rodler Mārtiņš Rubenis. In Kanada 2010 wurde das Edelmetall wie gewohnt mit heißen Kufen gewonnen: Die befanden sich unter dem Skeleton-Fahrer Mārtiņš Dukurs und den Rennrodlern Andris und Juris Sics.

In Erinnerung bleiben wird jedoch ein lettischer Athlet, der bei Olympia keine Medaille gewann: Haralds Silovs heißt er und startete, wie es sich für tüchtige lettische Sportler gehört, auf Kufen: zunächst über die 5000 Meter-Strecke im Eisschnellauf im Olympic Oval, viereinhalb Stunden später dann über 1500 Meter im Shorttrack. Der Wettbewerb wurde wie alle Entscheidungen auf der Kurzbahn im Pacific Coliseum ausgetragen; die Entfernung zwischen beiden Wettkampfstätten beträgt zwanzig Kilometer. Glücklicherweise durfte Silovs diese Distanz mit dem Auto zurücklegen. So reichte es im Shorttrack noch zu einem guten zehnten Platz. In die Olympia-Geschichte geht der 23-jährige Silovs als der Athlet ein, der als erster in zwei unterschiedlichen Disziplinen am selben Tag startete.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Essen Sie morgens gelegentlich ein Hörnchen? Ein solches Frühstück gönnt man sich, wenn’s einen nicht pressiert. Und manchmal bleibt sogar noch Zeit, darüber nachzudenken, woher das Wort kommt.

Werfen wir zu dessen Klärung doch mal einen Blick über die Grenze: In unserem Nachbarland Tschechien ist der rohlík, das Hörnchen also, eine Ableitung von Horn – vermutlich weil es so aussieht wie ein Kuhhorn. Ganz anders verhält es sich bei unseren westlichen Nachbarn: Die Hörnchen der Franzosen werden nicht nur aus einem anderen Teig gefertigt, sondern haben auch eine von der deutschen oder tschechischen Ausführung verschiedene Form. Deshalb heißen sie croissants.

Was aber ist ein croissant? Woher kommt der Name? Bevor Sie jetzt lange herumrätseln und wild spekulieren (Kreuz? Schleife? Hörnchen?), sage ich’s Ihnen lieber gleich. Ein croissant ist etwas Wachsendes. Und was wächst und nimmt dabei solche Form an? Der Halbmond! Mit croissant bezeichnen die Franzosen sowohl ihr Lieblingsfrühstück als auch den zunehmenden Erdtrabanten.

Und die Briten? Das englische Wort für Halbmond ist aus dem Französischen entlehnt: crescent. Ein Hörnchen heißt aber auf der Insel keineswegs crescent. Die Briten sagen dazu roll. Oder croissant.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Karl V. wurde am 24. Februar 1530, exakt an seinem 30. Geburtstag, in Bologna zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt. Zuvor war er bereits Herrscher über Spanien, Burgund, Brabant, Luxemburg, Limburg, Flandern, Elsass, Schwaben, beide Sizilien, Ungarn, Dalmatien, Kroatien, Spanisch-Ostindien sowie alle spanischen Besitztümer in Mittel- und Südamerika. Als Oberhaupt der Habsburger thronte Karl natürlich auch über die österreichischen Erblande, in denen allerdings sein jüngerer Bruder Ferdinand als Statthalter regierte. Sein Reich war auch ohne den transatlantischen Zuwachs das größte seit Karl dem Großen, auch wenn die Macht nicht so unangetastet war wie die des Namensvetters mit der Ordnungszahl I.

Schuld waren die Franzosen, die Türken und die Reformation. Immerhin war zum Zeitpunkt der Kaiserkrönung die osmanische Belagerung Wiens ebenso abgewehrt wie der Aufstand der Bauern in Süddeutschland und in Teilen Österreichs und der Schweiz. Dafür hatten Physis und Psyche des Monarchen stark gelitten. Mit 56 Jahren war Karl gesundheitlich so am Ende, dass er zugunsten des jüngeren Bruders abdankte. So wurde sein Statthalter zum Nachfolger als Kaiser. Karl ging ins Kloster, nicht ohne vorher der staunenden Welt in einem Aufsehen erregenden Brief seine Gründe mitzuteilen: Große Hoffnung hatte ich; nur wenige haben sich erfüllt, und nur wenige bleiben mir – und um den Preis welcher Mühen! Das hat mich schließlich müde und krank gemacht. 2 Jahre später war Karl tot. Sein Riesenreich, das Habsburger Imperium, zerfiel endgültig in eine österreichische und eine spanische Linie.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Das Los des Lyrikers

19. Februar 2010

Kleine Denksportaufgabe: Nennen Sie einen griechischen Dichter von Weltrang. Einen neuzeitlichen bitte, der nicht Nikos Kazantzakis (siehe unseren Newsletter vom 18. Februar 2008 „Der Kopfmensch und der Lebemann“) heißt. Lord Byron (siehe die Ausgabe vom 22. Januar 2010 „Leider nicht der erhoffte Tod“), das möchte ich Ihnen gleich sagen, zählt nicht; der war allenfalls Wahlgrieche.

Ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen und werfe jetzt einfach einen Namen auf den Bildschirm, auf den Sie starren: Odysseas Elytis. Kennen Sie nicht? Da geht es Ihnen wie vielen Literaturexperten. Immerhin gewann der Lyriker den Literaturnobelpreis. Das war 1979, was seinem viel berühmteren Landsmann Kazantzakis – beide stammen aus Heraklion, dem Hauptort der Insel Kreta – nie vergönnt war. Kazantzakis schrieb einen berühmten Roman, Alexis Sorbas, der auch verfilmt wurde. Elytis schrieb Lyrik, seine Gedichte lassen sich nicht so gut verfilmen und fast noch schlechter übersetzen.

Ein Schicksal übrigens, das viele hellenische Musiker teilen: Sie produzieren ausschließlich für den einheimischen Markt; ihre Musik gelangt im Ausland seltenst in die Läden und wird nur in griechischen Restaurants gespielt. Eine Ausnahme ist Mikos Theodorakis. Der war zuerst auch Lyriker, dann wechselte er das Fach – nicht zu seinem finanziellen Schaden. Seiner Popularität außerhalb der Heimat hat’s auch gutgetan.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Fluch oder Segen?

16. Februar 2010

Bescheidenheit sei keine Zier, wurde vor einem Jahr an dieser Stelle behauptet (siehe unseren Newsletter vom 16. Februar 2009). Selbiges behauptet auch ein Sprichwort, verbunden mit der Versicherung, ohne diese Eigenschaft bringe man es im Leben viel weiter.

Dass man manchmal auch mit Bescheidenheit weiterkommt, bewies vor langer Zeit ein Wettstreit unter Wiener Bäckern. In einer Straße in Wien buhlten einst nicht weniger als vier Bäckereien um Kundschaft. Um sich von der Konkurrenz abzusetzen, hängte die erste ein Plakat neben den Eingang, auf dem sie für „das feinste Gebäck in ganz Wien“ warb. Die zweite Bäckerei antwortete auf einer großen Tafel mit dem „erlesensten Backwerk in ganz Österreich“. Die dritte schließlich schoss den Vogel ab und pries auf ihrem riesigen Transparent „die besten Backwaren der Welt“ an. Den größten Erfolg verbuchte jedoch der vierte Bäcker. Er hängte ein Schild auf, das bescheiden vermeldete: „Hier erhalten Sie die besten Backwaren in dieser Straße.“

Das war, versprochen, der letzte Witz, den sie für eine Zeitlang in diesem Newsletter vernommen haben. In der morgen beginnenden Fastenzeit werden wir uns ernsteren Themen widmen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Dass der Valentinstag keine Erfindung der Geschäftsleute ist, haben wir Ihnen bereits in einem früheren Newsletter (siehe unsere Ausgabe vom 14. Februar 2006 „Der Valentinstag – eine Erfindung der Geschäftsleute?“) bewiesen. Doch wie wurde der 14. Februar zum Tag der Verliebten?

Der Brauch, am Valentinstag handschriftliche Grüße auszutauschen und sich eine Kleinigkeit zu schenken, ist im 17. Jahrhundert in Großbritannien entstanden. Ende des 18. Jahrhunderts gab es auf der Insel dann die ersten gedruckten Karten. Der lukrative Brauch schwappte über den Großen Teich und fand in den Vereinigten Staaten seine Fortsetzung. In den 1840er Jahren begann Esther Howland im Mutterland der Geschäftstüchtigkeit mit der Massenproduktion gedruckter Valentines.

Weltweit werden inzwischen mehr als eine Milliarde Karten so versandt, dass sie am 14. Februar ankommen. 2010 allerdings ist dies schlecht möglich, da fällt der Valentinstag auf einen Sonntag. 85 % der Valentinskartenkundschaft sind übrigens Frauen. Doch waren es Männer, die den Brauch zu uns brachten: US-Soldaten, die im Zuge des Zweiten Weltkriegs in Deutschland einmarschierten. Was für Valentinskarten am Sonntag unmöglich ist, wird auch für diesen Newsletter tags darauf nicht gehen: Da bekommen Sie nämlich keinen: Montag ist Rosenmontag – und für die gesamte Redaktion arbeitsfrei.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Vom Dop zum Doping

11. Februar 2010

Morgen wird im kanadischen Vancouver die Winter-Olympiade eröffnet. 16 Tage lang kämpfen in 86 Wettbewerben die Athleten um 258 Medaillen. Vor 4 Jahren in Turin war Deutschland die erfolgreichste Wintersportnation. Noch wichtiger als der Erfolg ist allerdings die Tatsache, dass er mit sauberen Mitteln erzielt wurde. Und damit wären wir bei einer Brisanz, die eigentlich nicht in den Small Talk gehört. Doch lässt sich das Thema Doping in Zusammenhang mit den Olympischen Spielen leider nicht aussparen (siehe unseren Newsletter vom 22. Juli 2009 „Als Doping noch legal war“).

Der Versuch, die Materie smalltalktauglich zu gestalten, könnte mit einer Begriffserklärung starten. Das Wort stammt aus der Sprache der Kaffern, die im Südosten Afrikas leben. Bei Kulthandlungen und religiösen Feiern tranken sie den starken Schnaps Dop, um sich in Stimmung zu bringen. Das Wort wurde von den Kolonialmächten – den Buren und später den Briten – übernommen und allgemein für stimulierende Getränke verwendet.

Die Welt-Anti-Doping Agentur WADA hat das Doping gleich mehrmals neu definiert. Inzwischen ist nicht nur der Besitz, sondern auch der versuchte Gebrauch eines verbotenen Mittels verboten. Zudem ist die Verweigerung einer Kontrolle ebenso wenig statthaft wie die Verfälschung einer Probe, etwa durch einen Stoff, der ein verbotenes Mittel verschleiert. Sogar die Nichtmeldung des Aufenthaltsorts eines Athleten wird von der WADA nicht mehr geduldet: Er könnte sich auf diese Weise einer unangemeldeten Kontrolle entziehen. Sie sehen, die Gesetze gegen Doping sind gut. Bleibt nur noch dafür Sorge zu tragen, dass sie auch eingehalten werden.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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