Als wäre das Erdbeben nicht schon schlimm genug gewesen, raste einen Tag später eine Flutwelle auf die chilenische Pazifikküste zu. Seismologen hatten zuvor darauf hingewiesen, die Bevölkerung war vorbereitet – und nahm zum Glück die Entwarnung der Meteorologen nicht ernst. Wenigstens hatte Chile durch den Tsunami kaum weitere Opfer zu beklagen.
Außer vielleicht, der Scherz sei erlaubt, die Wetterfrösche: Die befinden sich seitdem in einer handfesten Krise. Damit sind die chilenischen Meteorologen nicht allein. Auch ihre britischen Kollegen gelten seit einiger Zeit als chronisch unzuverlässig. Zugegeben, es ist nicht einfach, für die wetterwendische Atlantikküste zutreffende Prognosen abzugeben. Die Politik des Meteorological Office tut ein übriges: Das staatliche Wetteramt hatte seinen Ansagern doch tatsächlich eine geschönte Sprache beim Wetterbericht empfohlen (siehe unseren Newsletter vom 25. Oktober 2005 „Geschönte Wetterberichte in London“).
Nun rudert eine andere staatliche Einrichtung zurück. Die BBC erwägt, den seit 1927 bestehenden Vertrag mit dem amtlichen Wetterdienst nicht zu verlängern. Der Grund: Nach zahlreichen groben Fehlprognosen schenken drei von vier Briten der Wettervorhersage keinen Glauben mehr. Wenn es auf der Insel so weitergeht mit dem Misstrauen in Institutionen, schaffen sie demnächst das Königshaus ab.
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Die Olympischen Spiele sind seit Sonntag passé. Was bleibt im Gedächtnis haften? Vielleicht die Tatsache, dass Kanada erstmalig und völlig überraschend die Medaillenwertung gewann. Aber das interessiert im Land des Ahornblatts niemanden. Viel wichtiger ist den eishockeyverrückten Kanadiern, dass ihre Stars um Sidney Crosby Gold gewannen.
Dieser Newsletter blickt heute auf eine kleine Wintersportnation, die Platz 23 in der Länderrangliste belegt: Dabei hat Lettland in Vancouver doppelt so viel Medaillen eingeheimst wie bei allen Spielen zuvor zusammengenommen; bislang war lediglich eine bronzene in Turin 2006 herausgesprungen, für den Rodler Mārtiņš Rubenis. In Kanada 2010 wurde das Edelmetall wie gewohnt mit heißen Kufen gewonnen: Die befanden sich unter dem Skeleton-Fahrer Mārtiņš Dukurs und den Rennrodlern Andris und Juris Sics.
In Erinnerung bleiben wird jedoch ein lettischer Athlet, der bei Olympia keine Medaille gewann: Haralds Silovs heißt er und startete, wie es sich für tüchtige lettische Sportler gehört, auf Kufen: zunächst über die 5000 Meter-Strecke im Eisschnellauf im Olympic Oval, viereinhalb Stunden später dann über 1500 Meter im Shorttrack. Der Wettbewerb wurde wie alle Entscheidungen auf der Kurzbahn im Pacific Coliseum ausgetragen; die Entfernung zwischen beiden Wettkampfstätten beträgt zwanzig Kilometer. Glücklicherweise durfte Silovs diese Distanz mit dem Auto zurücklegen. So reichte es im Shorttrack noch zu einem guten zehnten Platz. In die Olympia-Geschichte geht der 23-jährige Silovs als der Athlet ein, der als erster in zwei unterschiedlichen Disziplinen am selben Tag startete.
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Essen Sie morgens gelegentlich ein Hörnchen? Ein solches Frühstück gönnt man sich, wenn’s einen nicht pressiert. Und manchmal bleibt sogar noch Zeit, darüber nachzudenken, woher das Wort kommt.
Werfen wir zu dessen Klärung doch mal einen Blick über die Grenze: In unserem Nachbarland Tschechien ist der rohlík, das Hörnchen also, eine Ableitung von Horn – vermutlich weil es so aussieht wie ein Kuhhorn. Ganz anders verhält es sich bei unseren westlichen Nachbarn: Die Hörnchen der Franzosen werden nicht nur aus einem anderen Teig gefertigt, sondern haben auch eine von der deutschen oder tschechischen Ausführung verschiedene Form. Deshalb heißen sie croissants.
Was aber ist ein croissant? Woher kommt der Name? Bevor Sie jetzt lange herumrätseln und wild spekulieren (Kreuz? Schleife? Hörnchen?), sage ich’s Ihnen lieber gleich. Ein croissant ist etwas Wachsendes. Und was wächst und nimmt dabei solche Form an? Der Halbmond! Mit croissant bezeichnen die Franzosen sowohl ihr Lieblingsfrühstück als auch den zunehmenden Erdtrabanten.
Und die Briten? Das englische Wort für Halbmond ist aus dem Französischen entlehnt: crescent. Ein Hörnchen heißt aber auf der Insel keineswegs crescent. Die Briten sagen dazu roll. Oder croissant.
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Karl V. wurde am 24. Februar 1530, exakt an seinem 30. Geburtstag, in Bologna zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt. Zuvor war er bereits Herrscher über Spanien, Burgund, Brabant, Luxemburg, Limburg, Flandern, Elsass, Schwaben, beide Sizilien, Ungarn, Dalmatien, Kroatien, Spanisch-Ostindien sowie alle spanischen Besitztümer in Mittel- und Südamerika. Als Oberhaupt der Habsburger thronte Karl natürlich auch über die österreichischen Erblande, in denen allerdings sein jüngerer Bruder Ferdinand als Statthalter regierte. Sein Reich war auch ohne den transatlantischen Zuwachs das größte seit Karl dem Großen, auch wenn die Macht nicht so unangetastet war wie die des Namensvetters mit der Ordnungszahl I.
Schuld waren die Franzosen, die Türken und die Reformation. Immerhin war zum Zeitpunkt der Kaiserkrönung die osmanische Belagerung Wiens ebenso abgewehrt wie der Aufstand der Bauern in Süddeutschland und in Teilen Österreichs und der Schweiz. Dafür hatten Physis und Psyche des Monarchen stark gelitten. Mit 56 Jahren war Karl gesundheitlich so am Ende, dass er zugunsten des jüngeren Bruders abdankte. So wurde sein Statthalter zum Nachfolger als Kaiser. Karl ging ins Kloster, nicht ohne vorher der staunenden Welt in einem Aufsehen erregenden Brief seine Gründe mitzuteilen: Große Hoffnung hatte ich; nur wenige haben sich erfüllt, und nur wenige bleiben mir – und um den Preis welcher Mühen! Das hat mich schließlich müde und krank gemacht. 2 Jahre später war Karl tot. Sein Riesenreich, das Habsburger Imperium, zerfiel endgültig in eine österreichische und eine spanische Linie.
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Kleine Denksportaufgabe: Nennen Sie einen griechischen Dichter von Weltrang. Einen neuzeitlichen bitte, der nicht Nikos Kazantzakis (siehe unseren Newsletter vom 18. Februar 2008 „Der Kopfmensch und der Lebemann“) heißt. Lord Byron (siehe die Ausgabe vom 22. Januar 2010 „Leider nicht der erhoffte Tod“), das möchte ich Ihnen gleich sagen, zählt nicht; der war allenfalls Wahlgrieche.
Ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen und werfe jetzt einfach einen Namen auf den Bildschirm, auf den Sie starren: Odysseas Elytis. Kennen Sie nicht? Da geht es Ihnen wie vielen Literaturexperten. Immerhin gewann der Lyriker den Literaturnobelpreis. Das war 1979, was seinem viel berühmteren Landsmann Kazantzakis – beide stammen aus Heraklion, dem Hauptort der Insel Kreta – nie vergönnt war. Kazantzakis schrieb einen berühmten Roman, Alexis Sorbas, der auch verfilmt wurde. Elytis schrieb Lyrik, seine Gedichte lassen sich nicht so gut verfilmen und fast noch schlechter übersetzen.
Ein Schicksal übrigens, das viele hellenische Musiker teilen: Sie produzieren ausschließlich für den einheimischen Markt; ihre Musik gelangt im Ausland seltenst in die Läden und wird nur in griechischen Restaurants gespielt. Eine Ausnahme ist Mikos Theodorakis. Der war zuerst auch Lyriker, dann wechselte er das Fach – nicht zu seinem finanziellen Schaden. Seiner Popularität außerhalb der Heimat hat’s auch gutgetan.
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Bescheidenheit sei keine Zier, wurde vor einem Jahr an dieser Stelle behauptet (siehe unseren Newsletter vom 16. Februar 2009). Selbiges behauptet auch ein Sprichwort, verbunden mit der Versicherung, ohne diese Eigenschaft bringe man es im Leben viel weiter.
Dass man manchmal auch mit Bescheidenheit weiterkommt, bewies vor langer Zeit ein Wettstreit unter Wiener Bäckern. In einer Straße in Wien buhlten einst nicht weniger als vier Bäckereien um Kundschaft. Um sich von der Konkurrenz abzusetzen, hängte die erste ein Plakat neben den Eingang, auf dem sie für „das feinste Gebäck in ganz Wien“ warb. Die zweite Bäckerei antwortete auf einer großen Tafel mit dem „erlesensten Backwerk in ganz Österreich“. Die dritte schließlich schoss den Vogel ab und pries auf ihrem riesigen Transparent „die besten Backwaren der Welt“ an. Den größten Erfolg verbuchte jedoch der vierte Bäcker. Er hängte ein Schild auf, das bescheiden vermeldete: „Hier erhalten Sie die besten Backwaren in dieser Straße.“
Das war, versprochen, der letzte Witz, den sie für eine Zeitlang in diesem Newsletter vernommen haben. In der morgen beginnenden Fastenzeit werden wir uns ernsteren Themen widmen.
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Dass der Valentinstag keine Erfindung der Geschäftsleute ist, haben wir Ihnen bereits in einem früheren Newsletter (siehe unsere Ausgabe vom 14. Februar 2006 „Der Valentinstag – eine Erfindung der Geschäftsleute?“) bewiesen. Doch wie wurde der 14. Februar zum Tag der Verliebten?
Der Brauch, am Valentinstag handschriftliche Grüße auszutauschen und sich eine Kleinigkeit zu schenken, ist im 17. Jahrhundert in Großbritannien entstanden. Ende des 18. Jahrhunderts gab es auf der Insel dann die ersten gedruckten Karten. Der lukrative Brauch schwappte über den Großen Teich und fand in den Vereinigten Staaten seine Fortsetzung. In den 1840er Jahren begann Esther Howland im Mutterland der Geschäftstüchtigkeit mit der Massenproduktion gedruckter Valentines.
Weltweit werden inzwischen mehr als eine Milliarde Karten so versandt, dass sie am 14. Februar ankommen. 2010 allerdings ist dies schlecht möglich, da fällt der Valentinstag auf einen Sonntag. 85 % der Valentinskartenkundschaft sind übrigens Frauen. Doch waren es Männer, die den Brauch zu uns brachten: US-Soldaten, die im Zuge des Zweiten Weltkriegs in Deutschland einmarschierten. Was für Valentinskarten am Sonntag unmöglich ist, wird auch für diesen Newsletter tags darauf nicht gehen: Da bekommen Sie nämlich keinen: Montag ist Rosenmontag – und für die gesamte Redaktion arbeitsfrei.
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Morgen wird im kanadischen Vancouver die Winter-Olympiade eröffnet. 16 Tage lang kämpfen in 86 Wettbewerben die Athleten um 258 Medaillen. Vor 4 Jahren in Turin war Deutschland die erfolgreichste Wintersportnation. Noch wichtiger als der Erfolg ist allerdings die Tatsache, dass er mit sauberen Mitteln erzielt wurde. Und damit wären wir bei einer Brisanz, die eigentlich nicht in den Small Talk gehört. Doch lässt sich das Thema Doping in Zusammenhang mit den Olympischen Spielen leider nicht aussparen (siehe unseren Newsletter vom 22. Juli 2009 „Als Doping noch legal war“).
Der Versuch, die Materie smalltalktauglich zu gestalten, könnte mit einer Begriffserklärung starten. Das Wort stammt aus der Sprache der Kaffern, die im Südosten Afrikas leben. Bei Kulthandlungen und religiösen Feiern tranken sie den starken Schnaps Dop, um sich in Stimmung zu bringen. Das Wort wurde von den Kolonialmächten – den Buren und später den Briten – übernommen und allgemein für stimulierende Getränke verwendet.
Die Welt-Anti-Doping Agentur WADA hat das Doping gleich mehrmals neu definiert. Inzwischen ist nicht nur der Besitz, sondern auch der versuchte Gebrauch eines verbotenen Mittels verboten. Zudem ist die Verweigerung einer Kontrolle ebenso wenig statthaft wie die Verfälschung einer Probe, etwa durch einen Stoff, der ein verbotenes Mittel verschleiert. Sogar die Nichtmeldung des Aufenthaltsorts eines Athleten wird von der WADA nicht mehr geduldet: Er könnte sich auf diese Weise einer unangemeldeten Kontrolle entziehen. Sie sehen, die Gesetze gegen Doping sind gut. Bleibt nur noch dafür Sorge zu tragen, dass sie auch eingehalten werden.
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„Neben den Anstrengungen der Werbewirtschaft“, meinte der US-Krimiautor Raymond Chandler, „ist Schach die größte Verschwendung menschlicher Intelligenz.“ Der Satz stimmt so nicht mehr: Inzwischen verschwenden auch Computer ihre Intelligenz an diesen Sport (siehe unseren Newsletter vom 11. Mai 2007 „Mensch gegen Maschine“).
Bevor die Elektronenhirne die Macht im Schach übernahmen – heute vor vierzehn Jahren besiegte mit Deep Blue erstmals in einer Partie ein Computer einen amtierenden Weltmeister (obwohl Kasparow die Serie noch mit 4:2 für sich entscheiden konnte) – nahmen Russen die Rolle der Schachmaschine ein: Von 1948 bis 2007 stellten sie ununterbrochen die Weltmeister – mit Ausnahme der Jahre 1972 bis 1975, als das Spiel dem Amerikaner Bobby Fischer die Krone aufsetzte.
Von Fischer stammt übrigens der Ausspruch: „Schach ist ein geistiges Catch-as-catch-can, bei dem sich nur der Brutale durchsetzen kann.“ Zu Sowjetzeiten besaßen die Russen den Ruf, besonders brutal zu sein. Davor hatten ihn die Deutschen. Kein Wunder, dass von 1894 bis 1921 der Schachweltmeister einer der ihren war, in Person des studierten Mathematikers Emanuel Lasker. Länger als diese 27 Jahre hat sich niemand an der Spitze des gehobenen Brettsports gehalten, auch weil Lasker heute vor 100 Jahren erst mit einem Sieg in der allerletzten Partie seinen Titel gegen den österreichischen Herausforderer Karl Schlechter verteidigen konnte.
Um einen alten Ka(r)lauer zu bemühen: Karl war nicht schlechter, doch das 5:5-Remis reichte dem Titelträger. Wenigstens stammt der aktuelle Schachweltmeister aus einer Nation, der seit Mahatma Gandhis Zeiten eher ein Hang zum Pazifismus nachgesagt wird: Der Inder Viswanathan Anand eroberte vor drei Jahren den Schachthron.
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In Los Angeles wird selten zu Fuß gegangen. Tut man es doch, noch dazu in besseren Vierteln wie Beverly Hills oder Laurel Canyon, macht man sich gleich verdächtig und kann sicher sein, in den nächsten Minuten einer Polizeikontrolle unterworfen zu werden. Erwünscht sind Fußgänger dagegen auf dem Hollywood Boulevard und den von ihm abgehenden Straßen.
Um das Flanieren interessanter zu machen und das Verweilen auf der Straße zu verlängern, kamen die Stadtoberen auf die Idee, die Gehsteige mit vereinzelten Sternen zu bepflastern. Oder war es doch eher ein PR-Gag der Filmbosse? Die 2400 bislang eingelassenen fünfzackigen Terrazzo-Muster mit Bronzeaufschrift sind ausschließlich Personen gewidmet, die sich um die US-Unterhaltungsindustrie verdient gemacht haben.
Ein kleines Geschäft dürfte ebenfalls hinter der Idee stecken: Für die Aufnahme in den erlauchten Sternenkreis müssen sich die Stars und Sternchen selbst bewerben. Im Falle eines Verstorbenen dürfen es auch andere tun, allerdings erst fünf Jahre nach dessen Ableben. Dass dies nicht komplett ohne Gebühr abgeht, versteht sich von selbst.
Heute vor 50 Jahren wurde der erste Stern in den Hollywood Boulevard eingelassen, zu Ehren der Schauspielerin Joanne Woodward. Wie viel sie dafür bezahlt hat, ist nicht bekannt.
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