Das einzige Land, das bislang aus der EU austrat
Donnerstag, 23. Februar 2012Grönland war bereits mehrfach Gegenstand dieses Newsletters. Da ging es um Fußball (Ausgabe vom 21. Juni 2007: Gnade für Grönland?) oder auch um den nördlichsten Golfplatz der Welt (Newsletter vom 12. Oktober 2005:In Grönland spielt man mit roten Bällen Golf).
Das Ereignis, das wir im Zusammenhang mit der größten Insel der Welt heute würdigen, ist politischer Natur: Vor 30 Jahren tat Grönland einen bis dahin nie dagewesenen Schritt – oder Schnitt, je nach Lesart.
Bislang hat keine europäische Regierung gewagt, ihn zu wiederholen. Bevor Sie jetzt lange herumrätseln, welcher Schritt oder Schnitt dies gewesen sein könnte, verrate ich es Ihnen lieber: Grönland entschied sich am 23. Februar 1982, aus dem großen europäischen Staatenbund auszutreten.
Der Bestand seinerzeit aus 10 Mitgliedern: Zu den 6 Gründerländern hatten sich 1973 Dänemark, Großbritannien und Irland gesellt, 1981 war Griechenland hinzugestoßen. Letzterem wurde ja schon öfters ein EU-Austritt nahegelegt. Vollzogen hat ihn bislang nur Dänemark, genauer gesagt dessen nordpolares Anhängsel.
Als Teil Dänemarks hatte Grönland den Eintritt seiner früheren Kolonialmacht in die Europäische Gemeinschaft, wie die heutige Union sich damals noch nannte, mitgemacht. Doch schon nach neun Jahren war für die 60 000 Insulaner das Maß voll. Deutsche und britische Flotten räuberten ihre Fischbestände leer, und Konzerne aus diversen EG-Staaten durften in grönländischer Erde nach Herzenslust nach Bodenschätzen stöbern. Eventuelle Gewinnbeteiligungen wären in Kopenhagen gelandet, nicht aber der nach mehr Autonomie strebenden einheimischen Regierung in der Hauptstadt Nuuk zugutegekommen.
Mit der Emanzipation vom Mutterland einher ging auch die Loslösung von der großen europäischen Familie. Die Volksabstimmung vom 23. Februar stellte die Weichen, der offizielle Austritt ging am 1 Januar 1985 über die Bühne.
Besonders aufmerksame Leser werden an dieser Stelle einwenden, dass auch die Dänemark unterstehenden Färöer nicht zur EU zählen. Das ist zweifellos richtig. Allerdings hat die zwischen Schottland und Island gelegene Inselgruppe nie der Europäischen Gemeinschaft beziehungsweise Union angehört. Als Dänemark 1973 beitrat, entschieden sich die Bewohner anders als die Grönländer von vornherein gegen eine Ko-Mitgliedschaft. Daher mussten die Färinger auch nie ein Kündigungsschreiben nach Brüssel schicken.
Autor von Small-Talk-Themen.de


