Archiv für Kategorie ‘Länder’:

Das einzige Land, das bislang aus der EU austrat

Donnerstag, 23. Februar 2012

Grönland war bereits mehrfach Gegenstand dieses Newsletters. Da ging es um Fußball (Ausgabe vom 21. Juni 2007: Gnade für Grönland?) oder auch um den nördlichsten Golfplatz der Welt (Newsletter vom 12. Oktober 2005:In Grönland spielt man mit roten Bällen Golf).

Das Ereignis, das wir im Zusammenhang mit der größten Insel der Welt heute würdigen, ist politischer Natur: Vor 30 Jahren tat Grönland einen bis dahin nie dagewesenen Schritt – oder Schnitt, je nach Lesart.

Bislang hat keine europäische Regierung gewagt, ihn zu wiederholen. Bevor Sie jetzt lange herumrätseln, welcher Schritt oder Schnitt dies gewesen sein könnte, verrate ich es Ihnen lieber: Grönland entschied sich am 23. Februar 1982, aus dem großen europäischen Staatenbund auszutreten.

Der Bestand seinerzeit aus 10 Mitgliedern: Zu den 6 Gründerländern hatten sich 1973 Dänemark, Großbritannien und Irland gesellt, 1981 war Griechenland hinzugestoßen. Letzterem wurde ja schon öfters ein EU-Austritt nahegelegt. Vollzogen hat ihn bislang nur Dänemark, genauer gesagt dessen nordpolares Anhängsel.

Als Teil Dänemarks hatte Grönland den Eintritt seiner früheren Kolonialmacht in die Europäische Gemeinschaft, wie die heutige Union sich damals noch nannte, mitgemacht. Doch schon nach neun Jahren war für die 60 000 Insulaner das Maß voll. Deutsche und britische Flotten räuberten ihre Fischbestände leer, und Konzerne aus diversen EG-Staaten durften in grönländischer Erde nach Herzenslust nach Bodenschätzen stöbern. Eventuelle Gewinnbeteiligungen wären in Kopenhagen gelandet, nicht aber der nach mehr Autonomie strebenden einheimischen Regierung in der Hauptstadt Nuuk zugutegekommen.

Mit der Emanzipation vom Mutterland einher ging auch die Loslösung von der großen europäischen Familie. Die Volksabstimmung vom 23. Februar stellte die Weichen, der offizielle Austritt ging am 1 Januar 1985 über die Bühne.

Besonders aufmerksame Leser werden an dieser Stelle einwenden, dass auch die Dänemark unterstehenden Färöer nicht zur EU zählen. Das ist zweifellos richtig. Allerdings hat die zwischen Schottland und Island gelegene Inselgruppe nie der Europäischen Gemeinschaft beziehungsweise Union angehört. Als Dänemark 1973 beitrat, entschieden sich die Bewohner anders als die Grönländer von vornherein gegen eine Ko-Mitgliedschaft. Daher mussten die Färinger auch nie ein Kündigungsschreiben nach Brüssel schicken.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Zwei NATO-Staaten führen gegeneinander Krieg

Freitag, 17. Februar 2012

Morgen jährt sich zum sechzigsten Mal der Tag, an dem die Türkei und Griechenland der NATO beitraten. Für das nordatlantische Verteidigungsbündnis ein großer Erfolg: Hatte man doch mit der Verpflichtung der weit im Osten des Kontinents gelegenen Mitgliedstaaten die Festung Europa sicherer gemacht.

Dem vermeintlichen Expansionsstreben Moskaus und seiner Verbündeten war direkt vor der Nase ein neuer Riegel vorgeschoben: Beide Länder stießen an das Territorium des Warschauer Pakt-Mitglieds Bulgarien. Die Türkei hatte zudem am Kaukasus eine gemeinsame Grenze mit der Sowjetunion. Doch ging, anders als erwartet, in Südosteuropa keine unmittelbare Kriegsbedrohung von den kommunistischen Staaten aus. Die Gefahr eines militärischen Konflikts lauerte in den eigenen Reihen.

Zankapfel war die von Griechen und Türken besiedelte Mittelmeerinsel Zypern. Als dort im Juli 1974 das seit 7 Jahren in Athen herrschende faschistische Militärregime einen Armeeputsch gegen die Regierung des Erzbischofs Makarios unterstützte, sah sich die Türkei auf den Plan gerufen.

Ihr sozialdemokratischer Ministerpräsident Bülent Ecevit erteilte seiner Armee den Marschbefehl. In den nächsten Tagen nahmen die überlegenen türkischen Streitkräfte ein Drittel der Insel ein. Es war das erste und bislang einzige Mal, dass sich 2 NATO-Staaten miteinander im Krieg befanden.

Schließlich musste die UNO schlichten und stationierte Blauhelm-Soldaten, die bis heute auf Zypern ihren Dienst verrichten. Die Trennlinie zwischen dem griechischen Teil der Insel und der international von keiner Regierung außerhalb Ankaras anerkannten Türkischen Republik Nordzypern verläuft mitten durch die Hauptstadt Nikosia.

Ein wenig sieht es dort immer noch aus wie in Berlin zur Zeit des kalten Kriegs. Ein Gutes hatte die türkische Invasion freilich auch für die Griechen: Die Niederlage im Zypern-Konflikt bedeutete gleichzeitig das Ende der Militärdiktatur. Seitdem zogen in Athen, wo einst die Wiege der Demokratie stand, endlich auch wieder demokratische Verhältnisse ein.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Danke, ich kann klagen!

Donnerstag, 12. Januar 2012

Treffen sich zwei Staatsanwälte. “Wie geht’s?”, fragt der eine. “Danke”, kommt die Antwort, “ich kann klagen!”

Was sich wie ein Festtag für die Herren in den schwarzen Roben anhört, gibt es in Russland wirklich. Zurück geht der Tag der Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft auf den 12. Januar 1722. Vor 290 Jahren führte Zar Peter I. per Erlass das neue Organ ein. Es sollte der Staatsmacht jeglichen Ruch der Willkür nehmen, die einem absoluten Herrscher jener zeit anhaftete. Gleichzeitig wollte Peter mit dem Schritt demonstrieren, dass auch die Ideen der Aufklärung Einzug in ein modernes Russland hielten.

Die Wirklichkeit sah anders aus: Leider erwies sich die Staatsanwaltschaft nicht nur im Zarenreich immer wieder als Handlanger der Macht. Im Kommunismus war das nicht anders. Am schlimmsten waren die Auswüchse einer manipulierten Herrscherjustiz in den berüchtigten Schauprozessen unter Stalin – mit vorher feststehenden Urteilen und absurden, unter Folter vorbereiteten “Geständnissen” der Angeklagten.

Erst unter dem demokratischen Ex-Präsidenten Boris Jelzin war die russische Staatsanwaltschaft endlich auf dem Weg zu einer Integrität, die sie in ihrer langen Geschichte zuvor kaum gekannt hatte. Mit der Machtübernahme Wladimir Putins änderte sich das Bild. Stellvertretend für eine wieder willfährige Justiz im größten Land der Erde ist der Umgang mit dem Unternehmer Michail Chodorkowski. Zunächst wurde dessen Ölkonzern liquidiert und der Chef selbst der Steuerhinterziehung und des Betrugs angeklagt. Am Ende eines fragwürdigen Prozesses lautete das Urteil auf neun Jahre Straflager. Als sich die Haftzeit dem Ende neigte, bastelte die Staatsanwaltschaft – in wessen Auftrag sie wohl handelte? – erneut eine fadenscheinige Anklage. Dieses Mal musste als Vorwand das Vergehen der Geldwäsche herhalten. Seit 2003 ist Chodorkowski in Haft, bis 2016 darf er die Zellengitter von innen betrachten. Es sei denn, es findet sich wieder ein findiger Staatsanwalt: Dann wird Russlands prominentester Sträfling noch ein Weilchen länger sitzen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Warten Sie nicht bis zum Frühling!

Mittwoch, 11. Januar 2012

“Der Frühling ist die Zeit der Pläne, der Vorsätze”, heißt es im Roman Anna Karenina. So lange sollten Sie freilich nicht mehr warten. Das Thema der guten Absichten drängt sich im Small Talk zu Jahresbeginn geradezu auf. Wäre doch schade, wenn Sie dazu nichts beisteuern könnten!

In Leo Tolstois Sittenbild aus dem vorrevolutionären Russland läuft ohnehin alles schief. Zuerst ist die Titelheldin mit dem falschen Mann verheiratet. Dann verliebt sie sich – wieder in den Falschen. Gut, dass es im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts bereits Züge gab, in die man oder frau einsteigen konnte, um alles zu vergessen. Und bestimmt wieder einen neuen Vorsatz zu fassen …

Mit Tolstois Roman hätten Sie schon mal einen guten Einstieg in den Vorsätze-Small Talk . Falls Sie es weniger literarisch mögen, greifen Sie doch zum Zitat eines gewissen Klaus Müller: “Vorsätze sind wie Aale: leicht zu fassen, aber schwer zu halten.” Müller war übrigens Vorstandsvorsitzender der Moto Meter AG. Die kennen Sie nicht? Müssen Sie auch nicht, denn das Autozuliefererunternehmen ging bereits 1995 pleite. Trotz aller guten Vorsätze.

Ein dritter Einstieg in den Small Talk stammt von einem deutschen Schauspieler: “Ein guter Vorsatz”, fand Siegfried Lowitz, “ist ein Startschuss, dem meist kein Rennen folgt.” Da empfiehlt es sich, den Startschuss möglichst früh ins Jahr zu legen. Dann bleibt Ihnen von den guten Vorsätzen wenigstens etwas für den Januar-Small Talk. Bis zum Frühjahr haben Sie ohnehin schon vergessen, was Sie sich vorgenommen haben.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Zu wenig russisch

Donnerstag, 5. Januar 2012

Der Mann, der heute vor 250 Jahren Zar wurde, „war weder geisteskrank noch unintelligent“, was für einen europäischen Throninhaber schon mal ganz gute Voraussetzungen bedeuteten.

Leider, setzt der Historiker und Russlandkenner Günther Stökl seine Beschreibung Peters III. fort, sei er „niemals zum Manne ausgereift. Neben „einer abstoßenden Infantilität“ bescheinigt der strenge Professor dem jungen Zaren „völligen Mangel an Anpassungsvermögen.“

Wenig verwunderlich, möchte man Stökl entgegenhalten, Peter wuchs in Holstein auf, sprach, dachte und fühlte eher deutsch als russisch und bewunderte den aufgeklärten Preußenkönig Friedrich II. Seinen größten Fehler beging Peter jedoch schon lange vor der Thronbesteigung am 5. Januar 1762: Er hatte eine Frau geehelicht, die, so Stökl, „ihm geistig in jeder Beziehung überlegen und die in siebzehnjähriger Ehe seine Todfeindin geworden war.“

Das lässt ahnen, wie die Beziehung endete. Überraschend nur, wie bald nach der Zarwerdung dies geschah: Gerade mal ein halbes Jahr auf dem Thron, war Peter bereits ein toter Mann. Da half auch nichts, dass er kurz zuvor abgedankt hatte; unter Zwang natürlich und – wer hätte das gedacht? – zum Vorteil seiner Gattin.

Für Sophie Friederike von Anhalt-Zerbst-Dornburg hätte die zeitliche Abfolge günstiger nicht sein können. Die Geschichtsschreibung hält Katharina II., wie die Zarin sich fortan nannte, zugute, dass sie Russland besser regierte als fast jeder andere männliche oder auch weibliche Herrscher dieses Riesenreichs.

Dies ändert freilich nichts am verbrecherischen Charakter ihrer Machtübernahme, bei der ihr Liebhaber, der Armeeoffizier Grigori Orlow, wie auch beim Mord an Peter kurz darauf eine entscheidende Rolle spielte. Es gibt freilich Historiker, die den unglücklichen Zaren in einem besseren Licht darstellen, als Stökl es tut.

Danach war Peter ein Reformer, der sein Land demokratisierte, die Folter abschaffte, Korruption bekämpfte, das Beamtentum deckelte und sogar die Leibeigenschaft aufzuheben plante. Mit seiner aufgeklärten Haltung und seiner Bewunderung für Preußen einher ging freilich eine Eigenschaft, welche die Zahl seiner Fürsprecher in dem Maße reduzierte, wie sie ihn seinem eigenen Todesurteil näherbrachte: Auch in seiner kurzen Zeit als Herrscher verharrte Peter, um noch einmal Stökl zu zitieren, „vom ersten Tage an in einer Haltung des Protestes gegen seine russische Umwelt und der überheblichen Verachtung gegenüber allem Russischen.“

Seine Phobie brachte Peter einen Eintrag in die Geschichtsbücher: als Zar mit der kürzesten Regierungszeit.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Alles Tomtar, oder was? Nein, nur Tärnor, Stjärngossar und Pepparkaksgubbar!

Dienstag, 13. Dezember 2011

Sind die Schweden wirklich so langweilig? Klar, würde jetzt nicht nur ein Norweger antworten. Viele Briten finden das auch. So besuchten einmal die Punkrocker der Gruppe Stranglers voller Hoffnung auf Abenteuer das Land der Mitternachtsonne – und schrieben ein Lied über die Enttäuschung, die sie erlebten: Sweden. All quiet on the Eastern front.

So ruhig war es in Schweden, dass ihr Fazit lautete: Die Wolken sind in Schweden das bei weitem Interessanteste. Immerhin soll es in Skandinaviens größtem Staat 2 Tage geben, an denen richtig was los ist. Der eine ist gleichzeitig der längste des Jahres und hat als Mittsommerfest den Ruf, dass die Einheimischen rund um die Sonnenwende alle Hemmungen fallen lassen.

Etwas gesitteter, aber für schwedische Verhältnisse überaus fröhlich geht es am heutigen Höhepunkt des Winters zu, wie auf der Webseite skandinavien.eu zu lesen ist:

„Schon früh am Morgen beginnen die Feierlichkeiten in den Familien. Da es sich eben nicht um einen gesetzlichen Feiertag handelt, werden die Feierlichkeiten im Kindergarten oder in der Schule wieder fortgesetzt.

Auch am Arbeitsplatz der Erwachsenen läuft an diesem Tag nicht alles so wie immer. In der Familie ist die älteste Tochter traditionell die Lucia. Sie muss ein weißes Gewand tragen, um die Taille bekommt sie ein rotes Band geschlungen.
Auf den Kopf kommt ein Kranz mit Kerzen.

Dem Mädchen folgen andere Mädchen, die als tärnor bezeichnet werden. Sie halten Kerzen in den Händen. Außerdem gehören die Sternknaben dazu, die stjärngossar. Dann gibt es noch die pepparkaksgubbar – die Pfefferkuchenmännchen – und die tomtar, die Wichte. Sie allen folgen der Lucia in einer Art Prozession.“

Natürlich darf auf einer schwedischen Webseite folgender Hinweis nicht fehlen: „Die Kerzen von einst wurden für die Kinder heute aber durch elektrische Kerzen ersetzt.“ Klar, würde ein Norweger hinzufügen, sonst würde das Luciafest für die Schweden zu aufregend.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Endlich daheim

Donnerstag, 8. Dezember 2011

„Reisen veredelt den Geist“, fand der irische Schriftsteller Oscar Wilde, „und räumt mit allen unseren Vorurteilen auf.“

Diese Einschätzung ist schon über ein Jahrhundert alt. Wer heute in fremden Länder unterwegs ist – ob physisch oder nur im Kopf, indem er zur Reiseliteratur greift – tut dies manchmal auch, um eigene Vorurteile bestätigt zu sehen.

Letzteres kann großes Vergnügen bereiten, besonders durch die Brille von Bill Bryson (siehe auch unseren Newsletter vom 23. März 2006: Es war einmal ein Elch) gesehen.

Beispielsweise, wenn der US-Amerikaner über seine Vettern schreibt: „Bis zum heutigen Tage beeindruckt mich die Fähigkeit von Briten aller Altersgruppen und sozialer Herkunft immer wieder, bei der Aussicht auf ein heißes Getränk echt aufgeregt zu werden.“

Die Rede in Brysons Klassiker Reif für die Insel: England für Anfänger und Fortgeschrittene ist vom Tee. Der ist neben Bier das Lieblingsgesöff der Insulaner, wird aber niemals pur und leider nur selten allein serviert.

Doch selbst diesem an sich betrüblichen Umstand können Pragmatiker wie Bryson Positives abgewinnen: „Schamerfüllt nippte ich an meinem Tee und knabberte meinen Keks. Ich hatte noch nie Tee mit Milch getrunken oder ein so kümmerliches, steinhartes Stück Gebäck gegessen. Man hätte es einem Wellensittich zum Schnabelwetzen geben sollen.“

(Die Übersetzerin von Brysons bei Goldmann erschienenem Britenbuch heißt übrigens Sigrid Ruschmeier. Hut ab, eine solche Wendung im Deutschen muss man erst einmal hinbekommen!).

Wer weiß, vielleicht hätte der Käfigvogel das gute Stück lieber, statt daran zu knabbern, in seinem Badewasser versenkt. Zu knabbern wird auch Bill Bryson haben, und zwar am heutigen 8. Dezember. Der ist zugleich sein sechzigster Geburtstag. Somit kommt der Autor in ein für Reiseschriftsteller kritisches Alter, in dem man nicht mehr so gerne unterwegs ist. Jedenfalls lässt dies der Titel von Brysons jüngstem Buch vermuten. Im englischen Original lautet er schlicht: At home.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Nikolaus oder Weihnachtsmann?

Montag, 5. Dezember 2011

„Sagt der Nikolaus zum Weihnachtsmann: Es muss endlich was gescheh’n! Dass man uns so oft verwechselt, das darf nicht so weitergeh’n!“

So heißt es in einem Kinderlied von Rolf Zuckowski. Was ist denn nun der Unterschied zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann?

Nun, der große Auftritt des Nikolaus erfolgt am 6. Dezember oder in der Nacht davor. Der Brauch geht auf den Heiligen Nikolaus von Myra zurück (siehe unseren Newsletter vom 5. Dezember 2005:Der heilige Mann aus der Türkei). Im 12. Jahrhundert entstand in Frankreich die Tradition, Kinder armer Familien am Abend seines Todestages, also am 5. Dezember, zu beschenken.

In Norddeutschland wurde später aus dem Nikolaus der Weihnachtsmann: Calvinistische Protestanten bestanden darauf, die Geschenke zur Weihnachtsfeier und nicht schon am Nikolaustag zu verteilen. Im Gegensatz zur katholischen lehnen die evangelischen Kirchen die Heiligenverehrung ab. Der Weihnachtsmann dürfte also erst am 24. Dezember erscheinen.

Tatsächlich taucht er in nicht mehr zählbarer Vervielfältigung schon Wochen vorher in unseren Städten auf, um Kindern – welch Frevel! – Geschenke zu überreichen. Ob das etwas mit der Kommerzialisierung des christlichen Fests zu tun hat? Ach was!

Es handelt sich nur um Synergieffekte, die für alle Beteiligten vorteilbringend eingesetzt werden und so eine Win-Win-Situation schaffen. Am meisten wird das Weihnachtsmannbüro an der Ware Weihnacht verdienen, ein deutschlandweit operierender Verbund, der mit der Vermittlung von Weihnachtsmännern u n d Nikoläusen sein Geld macht.

Flexibel sind sie ja, die Rotröcke! Und einer von ihnen, da beißt keine Kirchenmaus einen Faden ab, hat auf jeden Fall seine Existenzberechtigung. Jörg Lorenzen, der in Deutschlands hohem Norden, im Raum Kiel, unterwegs ist, hat seinen Segen von fast ganz oben: Ihn hat der authentischste aller Weihnachtsmänner, nämlich der von Grönland, höchstpersönlich autorisiert.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die etwas andere Art, Südtirol zu bereisen

Freitag, 25. November 2011

Wie man sich Ländern, Städten und Regionen auch literarisch annähern kann, haben wir in unserem Newsletter vom 15. November 2011: Europa Erlesen gezeigt.

Das neueste Beispiel für eine solche Tour ist jetzt in der Edition Raetia erschienen: Südtirol. Ein literarischer Reiseführer (ISBN 978-88-7283-387-2). Geschrieben hat ihn Ferruccio Delle Cave, Germanist und profunder Kenner der deutschen Literatur. Die ergänzenden historischen Reiseberichte vereinen von Hans Christian Andersen über Goethe, Heine und Kafka bis Stefan Zweig an Schriftstellern alles, was in Mitteleuropa Rang und Namen hat.

Um nur mal die mit M beginnenden zu nennen, die Südtirol bereisten und darüber schrieben: Niccolò Machiavelli, Heinrich und Thomas Mann, Sándor Márai, Karl May, Michel de Montaigne, Alberto Moravia, Christian Morgenstern, Herta Müller und Robert Musil. Natürlich dürfen auch die Südtiroler selbst nicht fehlen. Der mittelalterliche Dichter Oswald von Wolkenstein kommt ebenso zu Wort wie der moderne Autor Franz Tumler.

Das Buch beinhaltet auch einige Überraschungen, jedenfalls für mich: Bislang kannte ich den in Brixen geborenen Lyriker Norbert Conrad Kaser kaum. Um seinem Stil gerecht zu werden, müsste man seinen Namen eigentlich n. c. kaser schreiben. Selten habe ich eine so direkte, kraftvolle, schonungslose Sprache gelesen – und beschlossen, mir so bald wie möglich eine Gesamtausgabe seiner Werke zu besorgen.
Leider wurde n. c. kaser nur 31 Jahre alt, bereits 1978 ist er in Bruneck gestorben. Dort hätten ihn die Stadtväter am liebsten vergessen. Es war das Verdienst des Innsbrucker Journalisten Hans Haider, dass n. c. kasers Werk nicht nur in Österreich, sondern auch in der alten Heimat wieder ausgegraben wurde.

Ferruccio Delle Caves Südtirol-Lektüre macht Lust, anschließend den Lesesessel zu verlassen und das Land zu erwandern oder zu erfahren. Die Litera-Tour beginnt am Brenner und endet am westlichen Ausfalltor, dem Reschenpass. Extra aufgeführt, mit Adressen, auch virtuellen, sind die Sehenswürdigkeiten der verschiedenen Orte, einschließlich Tourismuszentralen und Kulturbüros. Wer den im Buch versammelten Berühmtheiten möglichst authentisch nachreisen möchte, findet sogar die Anschriften der noch existenten historischen Herbergen, in denen die Hand-Werker die Füße hochlegten.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Fast bankrott und doch nicht am Ende

Donnerstag, 17. November 2011

Wissen Sie noch, welches Land die Wirtschafts- und Finanzkrise als erstes traf? Es ist so groß wie die Ex-DDR, liegt am Rand unseres Kontinents und heißt nicht Griechenland.

Seine Währung, die Krone, hat gegenüber dem Euro zwischenzeitlich die Hälfte an Wert verloren, die Arbeitslosigkeit beträgt zuvor nie dagewesene 8 %.

Immerhin: Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist mit 31 500 Euro gegenüber 30 500 Euro weiterhin höher als das deutsche. Doch was nützt das, wenn die durch den Zusammenbruch dreier privater Banken jedem Steuerzahler hinterlassenen Schulden das Fünffache betragen?

Das ehemals fünftreichste Land der Welt stand vor 3 Jahren am Rand des Ruins. Gerade berappelt es sich wieder, indem es sich auf seine Wurzeln besinnt, von denen es sich in den Jahren des ökonomischen Booms doch allzu weit entfernt hatte.

Wie alles zusammenbrach und warum es sich jetzt wieder bessert, erfahren Sie, wenn Sie Island. Ein Länderporträt lesen.

Die Autorin Marie Krüger hat in Island studiert, die schwierige Sprache erlernt und fährt immer wieder hin. Sie attestiert dem überaus gebildeten Volk, „dass es in Krisenzeiten zu einer Rückbesinnung auf das kommt, was immer schon isländisch war und Niedergänge überdauert hat.“ Die Isländer waren halt immer etwas Besonderes. Die Insel verfügte ursprünglich über keine eigene Bevölkerung, sondern wurde erst im Mittelalter von Norwegen aus besiedelt.

Trotzdem entwickelten die Isländer sehr früh eine eigene Schriftsprache. Den Vorsprung gegenüber anderen Ländern hielten sie bis heute. In keinem anderen der Welt ist die Dichte an Schriftstellern so hoch.

Zu den 7 Nationalhelden, die Marie Krüger ausgemacht hat, zählen überwiegend Literaten: Egill Skallagrímsson und Snorri Sturlusson verfassten im 10. beziehungsweise 12. Jahrhundert Chroniken ihres Landes und leiteten auch die politischen Geschicke; Jon Sigurdsson sammelte und archiviere die altisländischen Handschriften und leitete die Loslösung von der jahrhundertelangen dänischen Kolonialherrschaft ein; Jónas Halgrimsson begründete die isländische Romantik und verfestigte das Nationalbewusstsein; der Nobelpreisträger Halldór Laxness und die frühere Staatspräsidentin Vigdís Finnbogadóttir (siehe unseren Newsletter vom 15. April 2010: Die erste demokratisch gewählte Präsidentin) sind die berühmtesten Isländer des 20. Jahrhunderts.

Eine berühmteste Isländerin des 21. Jahrhunderts gibt es auch schon: Die Sängerin Björk Gudmundsdóttir komplettiert das Septett. Wenn Sie 16 Euro 90 sinnvoll investieren wollen, empfehle ich die 192 Seiten von Marie Krügers Islandbuch uneingeschränkt: Auf jeder einzelnen erfahren Sie garantiert etwas Neues. Endlich ein fundierter, umfassender, fachkundiger Band über das unbekannte Land im Norden Europas, das vor kurzem noch Ehrengast der Frankfurter Buchmesse war!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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