Archiv für Kategorie ‘Natur’:

Auf einem Vulkan lässt sich leben

Freitag, 21. November 2014

Am 23. November 2013 sorgten 7 Vulkane für ein bis dahin nie registriertes Spektakel. Am selben Tag kam es zu Eruptionen auf der Pazifikinsel Vanuatu, auf den indonesischen Inseln Java und Sumatra sowie in Japan, Mexiko und Guatemala. Das feuerspeiende Septett komplettierte der Ätna auf der Mittelmeerinsel Sizilien. Hätte nur noch gefehlt, dass auch in der Eifel ein Vulkan ausgebrochen wäre!

Ist das denn überhaupt möglich?, werden Sie jetzt in einer Mischung aus Bange und Unglaube fragen. Tatsächlich gibt es Grund zur Besorgnis, wenn auch nicht akut. Die gute Nachricht vorweg: Nach dem gegenwärtigen Wissensstand gibt es keine Hinweise für einen aktuell bevorstehenden Vulkanausbruch in der Eifel. Das ist das Ergebnis eines Symposiums in Mayen. An dem Treffen der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft (DVG) nahmen Geowissenschaftler der Universitäten Mainz, Köln, Karlsruhe, Leipzig, Potsdam und Kiel teil.

Allerdings, so die Experten, ist die Datenlage unvollständig. Der Vulkanismus der Eifel, so viel ist sicher, begann vor 50 Millionen Jahren und hielt bis in die geologische Gegenwart an. Doch was genau ist die geologische Gegenwart? Vor 650000 Jahren waren die Vulkanfelder aktiv – und sind es aus Sicht der Geowissenschaftler bis heute.

Allerdings liegt der Beginn des jüngsten Zeitabschnitts der Erdgeschichte auch schon wieder zweieinhalb Millionen Jahre zurück: Das Quartär reicht bis in die Gegenwart. Die Vulkane der Westeifel entstanden im Vorgängerzeitalter, dem Tertiär. Sie werden heute als erloschen eingestuft. Bis in die 1970er Jahre galt dies auch für den Vulkanismus in der Osteifel. Inzwischen haben die Forscher ihr Urteil revidiert: Die der Quartärzeit entstammenden Osteifelvulkane, so die aktuelle Lesart, ruhen nur. Wie lange diese Ruhe anhalten mag?

Verglichen mit den Dimensionen eines geologischen Zeitalters sind die beiden jüngsten Eruptionen in der Eifel sooo weit nicht her. Der Vulkan unter dem Laacher See brach letztmals vor 12 900 Jahren, derjenige unter dem Ulmener Maar vor 11 000 Jahren aus. Damals entstanden die mit tiefblauem Wasser gefüllten kreisrunden Krater. Noch heute lässt sich die Asche des vorletzten Ausbruchs in Ablagerungen nachweisen. Auf der dänischen Ostseeinsel Bornholm etwa, 750 Kilometer Luftlinie von Maria Laach entfernt, befinden sich immer noch Staubpartikel der damaligen Explosion auf Äckern und Wiesen.

Eine vollständige Entwarnung möchten die Vulkanologen für die Eifel nicht geben. Vielleicht orientieren sie sich ja an einer alten Volksweisheit aus der Region? Solange der alte Schnee nicht komplett geschmolzen ist, sagt die Regel, muss immer damit gerechnet werden, dass neuer fällt. Und solange noch alter Vulkanstaub herumliegt …

„Auf einem Vulkan lässt sich leben“, beruhigt der Schriftsteller Günter Kunert seine Leser, um nachzuschieben, „besagt eine Inschrift im zerstörten Pompeji.“ Die gemeinsame Botschaft des Dichters und der Vulkanologen lautet: Es gibt keine Sicherheit!

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Die Welt, vernünftig aufgeteilt

Montag, 13. Oktober 2014

Wie teilt man die Welt auf? Keine politische, aber eine geografische Lösung hatten sich die Vertreter jener 25 Nationen vorgenommen, die heute vor 130 Jahren in Washington zu einer Konferenz zusammenkamen. Sie gingen davon aus, dass die Erde eine Kugel ist, deren größter Umfang der Äquator und den kleinsten die jeweiligen Pole bilden.

Von der zentralen Kreislinie zu den Rändern ließe sich unser Planet bequem in der Größe nach abnehmende Breitenkreise unterteilen. Fehlten in einem darauf basierenden Koordinatensystem nur die entsprechenden Längenkreise, welche die Pole mit dem Äquator verbanden! Würde man beim größten Breitenkreis einen 360 Grad-Winkel zugrunde legen und alle 15 Grad eine neue Orientierungslinie ziehen, käme man auf 24 - exakt so viele, wie der Tag Stunden hat.

Folglich ließe sich die Erdkugel in 24 von der Größe her identische Zeitzonen aufteilen. Natürlich gab es diese Berechnungen schon längst, nur waren sie bislang nicht in ein einheitliches System gemündet. Dieses Versäumnis sollte in Washington nachgeholt werden. Hauptstreitpunkt war die Frage, wo mit der Zählung der Längengrade begonnen werden sollte.

Ein so genannter Nullmeridian musste her, der künftig die geografische Länge von Null Grad darstellen sollte. Von dort aus konnte dann eine Zählung von jeweils 180 Grad in westlicher wie auch in östlicher Richtung erfolgen. Ganz von politischen Motiven befreien mochte sich keiner der Teilnehmer. Die meisten stammten vom amerikanischen Doppelkontinent und folgten in ihren Erwägungen den Vereinigten Staaten, die wiederum eine anglophile Position bezogen. Ein solches Taktieren verhinderte eine Einführung des Pariser Meridians als Nulllinie.

Stattdessen legte man sich auf den durch die Sternwarte Greenwich bei London verlaufenden Meridian als Längenbasis fest. Entsprechend wurde die Greenwich Mean Time international als Standardzeitangabe übernommen. Aachen liegt auf dem sechsten, Görlitz auf dem fünfzehnten Längengrad. Durch Görlitz verläuft auch die erste Zeitlinie östlich von Greenwich, also die Bestimmungslinie der mitteleuropäischen Zeit. In Aachen steht die Sonne eine halbe Stunde später im Zenit, im derselben Zeitzone angehörenden ostpolnischen Berdyszcze, etwa gleich weit von Görlitz entfernt, erreicht sie diesen Punkt eine Stunde früher.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Warum Sie am 8. Oktober übers Wetter reden sollten

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Small Talk übers Wetter geht immer. Small Talk übers Wetter geht am 8. Oktober am allerbesten. Warum das so ist? Ganz einfach: Nutzen Sie die Steilvorlage und verbinden Sie Thema und Anlass!

Wer aber sagt, dass der 8. Oktober der Tag der Wettergespräche ist? Die Information über das Datum stammt aus dem Büchlein Es wird eng im Kalender. Darin stellt der Autor Timo Lokoschat 365 kuriose Gedenk- und Feiertage vor. Als Initiator des heutigen Gedenktags nennt Timo Lokoschat einen gewissen Bastian Melnyk. Das tut Lokoschat immer, wenn ihm nichts Besseres einfällt. Allerdings hat Melnyk dem Small Talk auch Einiges zu bieten. Der Softwareentwickler und Karikaturist aus Stuttgart scheint ein Meister in der Kunst zu sein, dem Kalender immer wieder einen neuen bizarren Gedenktag abzuringen.

Die leicht abschätzige Bemerkung stammt übrigens nicht vom Autor dieser Zeilen. Der Nachrichtensender n-tv hat sie verbreitet, in einer Kritik zu Lokoschats Bändchen. Im selben, schwer nachvollziehbaren Zusammenhang fügt der zur RTL-Gruppe gehörende und mehr und mehr ins Infotainment abdriftende Kanal noch an, Elizabeth II. von England gelte als Königin des Small Talks. Tut sie das? Die Frage können Sie ja Ihrem Small Talk-Gegenüber stellen.

Einen Beitrag, der in jeden Wetter-Small Talk passt, lieferte die Großmutter der aktuellen Throninhaberin. Als Mary, Witwe des englischen Königs Georg V. – sie starb 1953 im Alter von 83 Jahren – die Eröffnung einer Brücke vornehmen sollte, riet man ihr wegen des schlechten Wetters ab. Auch sprach das hohe Alter der royalen Seniorin dagegen, dass sie die Zeremonie persönlich vornehmen sollte. Die Organisatoren boten Mary daher folgendes an: Das Begleitprogramm sollte erstens stark abgekürzt und die Eröffnung zweitens nur symbolisch vorgenommen werden.

Nun sind besonders die weiblichen Mitglieder der Familie Windsor für ihre körperliche Robustheit bekannt. Mary dachte gar nicht daran, die extra wegen ihr angereisten Besucher zu enttäuschen. Resolut griff sie zum Regenschirm und ließ alle Übervorsichtigen wissen: „Meine Herren, merken Sie sich eins: Wenn etwas wert ist, getan zu werden, dann ist es auch wert, gut getan zu werden.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Freiheit und Verantwortung: Reinhold Messner zum Siebzigsten

Dienstag, 16. September 2014

„Nach meiner Zeit als Felskletterer, Höhenbergsteiger, Grenzgänger, Forscher rund Politiker“ (siehe auch unseren Newsletter vom 17. September 2009: Reinhold Messner erreicht das Rentenalter), schreibt Reinhold Messner in seiner Gebrauchsanweisung für Südtirol, „bin ich nun dabei, mein Erbe einzubringen“

Dieses Erbe trägt die Buchstabe MMM und steht für Messner Mountain Museum. 5 dieser Erinnerungsorte gibt es bereits, ein sechstes entsteht gerade in Bruneck Alle sind sie verschiedenen Themen gewidmet, so, wie Messner in seinem an Erfahrungen und Handlungen reichen bisherigen Leben sich in den verschiedensten Bereichen engagiert hat.

Doch nicht nur Vergangenes ist unter dem Oberbegriff „Der Berg und dessen Kultur“ zu bestaunen. Messners montane Erlebniswelten sind zugleich auch Begegnungsstätten: mit den Menschen, die in den Bergen leben, ihren besonderen Leistungen, aber auch ihren Alltagssorgen. Da überall auf der Welt die ursprünglichen Gebirgslandschaften samt deren Bewohnern durch Tourismus und andere industrielle Eingriffe in ihrer Existenz bedroht sind, sollen die Museumsbesucher vor allem zur inneren Einkehr und zum Nachdenken bewegt werden.

Letzteres gelingt Messner nicht minder durch seine Medienpräsenz. Immer noch ist der stets blendend aussehende, beredte und von sich selbst überzeugte Südtiroler ein gerngesehener Gast in Rundfunk- und Fernsehstationen. Seine siebzig Jahre - so alt wird er heute - sieht man ihm nicht im entferntesten an, und immer wieder staunt man über den jugendlichen Elan in seinem Auftreten wie zuweilen auch die Radikalität, die seine Botschaften ausstrahlen. Messner ist kein Mensch der Kompromisse. „Die Lösung sieht für alle Berge der Welt gleich aus“, verkündete er vor ein paar Monaten in einem Interview in der Stuttgarter Zeitung: „Lassen wir den Bergen ihre Größe, ihre Gefahren und ihre Ausstrahlung! Das heißt: Bauen wir keine Seilbahnen, keine Straßen und keine Klettersteige oder Pisten bis zum Gipfel. Dann hat der Berg die Kraft, alle auszuschließen, die nicht in Eigenverantwortung hinaufsteigen. Es ist nicht möglich, die Berge sicher zu machen, indem man sie allen zugänglich macht. Man sollte die Berge Berge sein lassen und nicht versuchen, sie zu Attrappen zu verändern.“

Die Kraft, unfitte Sportler auszuschließen: Das hört sich hart an. Aber sind es nicht Extremsituationen, die vom Menschen gesucht werden? Und führt nicht auch die Vielzahl an Hilfsmitteln dazu, das durch sie leichter Erreichbare zu entwerten? Hier und heute darf Messner entspannt zurückblicken. Seine Taten - ohne Sauerstoffflasche erklomm er sämtliche Achttausender - können nicht wiederholt werden. Die Bedingungen haben sich geändert: „Die Menschen, die damals den Berg bestiegen haben“, spielt Messner auf die eigene Leistung am seinerzeit fast jungfräulichen Mount Everest an, in dem weder Haken steckten noch Tritte eingelassen waren, „haben das in Eigenverantwortung getan, ohne Piste. Und wenn einer heruntergefallen ist, hat der Rest der Welt gesagt: ‘Geschieht ihm Recht, warum geht er dort hin?’ Es war damals eine Frage der Freiheit, den Everest zu besteigen, aber auch der ganzen Verantwortung, die man auf sich nehmen musste.“

Freiheit und Verantwortung: Diese Werte prägen auch im Rentenalter Messners (Berg-)Welt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Mai und September – ein mysteriöser Zusammenhang

Mittwoch, 27. August 2014

Im Small Talk über das Wetter zu reden ist ja nicht der schlechteste Ratschlag. Gibt es beim Wetter zudem einen mysteriösen Zusammenhang – umso besser für die Kurzweil in der Konversation! Der Septemberanfang liefert Ihnen den aktuellen Aufhänger, und auch der Mai tut das Seine hinzu. Ja, ihr Small Talk-Gegenüber hat richtig verstanden: Mai und September hängen, was das Wetter betrifft, sehr eng zusammen.

„Durch des Septembers heitren Blick“, besagt eine alte Bauernregel, „schaut noch mal der Mai zurück.“ Bestimmt kann sich Ihr Gegenüber noch daran erinnern, ob er einen sonnigen Wonnemonat oder einen regenreichen verspäteten April erlebt hat. Entsprechend darf er sich auf den September freuen – oder die kommenden Wochen schon einmal vorab verfluchen. Auf jeden Fall kommt der Small Talk schön in Fahrt.

Vom Mai können Sie direkt in den aktuellen Monat springen. Betrachten Sie den September nicht nur aus der Sicht des vergangenen Mai, sondern auch aus der des fast abgelaufenen August. Auf die Sprünge hilft Ihnen Johann Wolfgang von Goethe. Unser Dichterfürst hält Trost für alle diejenigen bereit, die in den letzten Wochen zu kurz gekommen sind: „Was der August nicht tut, macht der September gut.“ Goethe selber war mit dem August vermutlich im Reinen. In seinem Werk Dichtung und Wahrheit spricht er „guten Aspekten“, welche ihm die Astrologen für das Ende jenes Monats in Aussicht stellten:

„Am 28. August 1749, mittags mit dem Glockenschlage 12, kam ich in Frankfurt am Main auf die Welt. Die Konstellation war glücklich; die Sonne stand im Zeichen der Jungfrau, und kulminierte für den Tag; Jupiter und Venus blickten sie freundlich an, Merkur nicht widerwärtig; Saturn und Mars verhielten sich gleichgültig.“

Zurück zum September, einmal losgelöst vom Mai: Gibt es auch eine vorausblickende Prognose bezüglich des Wetters im kommenden Monat? Es gibt sie. Wie fast immer erfolgt sie in Form einer Bauernregel. Sie rät uns, gleich am ersten Septembertag besonders wachsam zu sein: „Gib auf Ägidius Acht“, lautet die Empfehlung: „Er sagt dir, was der Monat macht!“

Der 1. September, das noch zur Erläuterung, ist der Tag des Schutzheiligen Ägidius. In der katholischen Kirche zählt der Gründer des Klosters Saint Gilles in der Provence zu den 14 Nothelfern. Vor allem zur Ablegung einer guten Beichte wird der südfranzösische Benediktiner-Abt gern angerufen. Ob auch der Wettergott bei Wohlverhalten der Erdenbürger ein Einsehen hat? Ihn ernstlich zu bemühen, könnte der Einwand Ihres Gegenübers im Small Talk lauten, wäre vielleicht doch etwas zu blasphemisch.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Ein Thema für mindestens 28 Millionen

Mittwoch, 13. August 2014

Rund 28 Millionen Deutsche besitzen einen Garten. Da scheint es so wahrscheinlich nicht, dass Ihr Small Talk-Gegenüber darunter ist.

Ideal für den Einstieg in den Garten-Small Talk eignet sich ein Zitat. Vielleicht dieses hier: „Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage.“ Wer das gesagt hat? Der Schweizer Landschaftsarchitekt Dieter Kienast. Seine kühne These begründete der leider sehr früh verstorbene Professor in Karlsruhe und Zürich wie folgt: „Denn er [der Garten] erfordert das, was in unserer Gesellschaft am kostbarsten ist: Zeit, Zuwendung und Raum.“

Zeit, Zuwendung und Raum: Besitzt Ihr Gesprächspartner davon ausreichend? So viel, dass es für einen Schrebergarten reicht? Oder nutzt er den Wohnungsbalkon, um wenigstens ein paar Küchenkräuter hochzuziehen? Oder Tomaten zu züchten?

Der Garten ist übrigens nicht nur im Schrebergartenparadies Deutschland ein Thema. „Willst du für eine Stunde glücklich sein, so betrinke dich. Willst du für 3 Tage glücklich sein, so heirate. Willst du für 8 Tage glücklich sein, so schlachte ein Schwein und gib ein Festessen. Willst du aber ein Leben lang glücklich sein, so lege dir einen Garten an.“ Diese Weisheit stammt aus China. Als sehr erdverbunden erweisen sich immer wieder die Skandinavier. Das Lebensmotto der Finnen eignet sich für den Small Talk über die warme Jahreszeit hinaus. Es lautet: „Dem Fröhlichen ist jedes Unkraut eine Blume. Dem Betrübten ist jede Blume ein Unkraut.“

Sie können sich im Small Talk sogar ins Reich der Philosophie versteigen! Beim Thema Garten finden sogar Intellektuelle zu erfreulich einfachen und verständlichen Worten. Ein Zitat, das in jeden Frühling- oder Sommer-Small Talk passt, stammt vom indischen Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger des Jahres 1913. Rabindranath Tagore meinte: „Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten.“

Zurück nach Deutschland! Nach einem hiesigen Sprichwort beginnt das wahre Leben erst mit dem Tag, an dem man einen Garten anlegt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Ein grüner Umweltminister, den die CDU beschämte

Freitag, 25. Juli 2014

Als Jürgen Trittin 1998 Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit wurde, schien für die deutsche Atomindustrie das Sterbeglöcklein geschlagen zu haben. Doch weit gefehlt!

Alles, was der frühere grüne Bürgerschreck erreichen sollte, war eine Begrenzung der Laufzeit aller Kernkraftwerke auf maximal 35 Jahre. Verglichen mit dem Bombenabwurf aus Bundeswehrjets auf die serbischen Städte Belgrad, Niš und Kragujevač unter einem Außenminister Fischer war dies nur die zweitgrößte Kröte, die Grünenwähler schlucken mussten. Trittin versuchte seinen lauen Kompromiss dennoch als Erfolg zu verkaufen.

Wie es richtig geht, zeigte die Regierung Merkel und ihr CDU-Umweltminister Norbert Röttgen nach der Katastrophe von Fukushima: Innerhalb kürzester Zeit wurde der Ausstieg aus der Kernkraft dingfest gemacht. Zugegeben, er kommt dem Steuerzahler teuer zu stehen, weil es die Atomlobby mit Hilfe des Bundesverfassungsgerichts geschafft hat, die Kosten auf die Bürger abzuwälzen. Doch wirtschaftspolitisch sind die Weichen für die Zukunft gestellt – weg vom mit Risiko produzierten und kaum sicher zu entsorgenden Atomstrom hin zu umweltfreundlichen, erneuerbaren Energiequellen.

Komische Fußnote der Geschichte: Trittin blieb 7 Jahre lang im Amt, Röttgen wurde als Minister nach 30 Monaten aus taktischen Gründen entlassen, die nichts mit seiner Umweltpolitik zu tun hatten. Doch auch Trittin hat keine politische Zukunft mehr, obwohl er morgen erst sein 60. Lebensjahr vollenden wird. Seine Nachfolge in der Partei hat Anton Hofreiter angetreten, der vom äußeren Erscheinungsbild durchaus in die Reihe jener grünen Wilden passen würde, die sich 1983 aufmachten, die parlamentarische Landschaft radikal zu verändern. Doch sind die Erwartungen mittlerweile beträchtlich gesunken. Hofreiter wird kaum noch jemand enttäuschen, so wie es Trittin, um eine grüne Lieblingsvokabel zu bemühen, nachhaltig getan hat.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Eine Erfolgsgeschichte zweier Einwandererfamilien

Freitag, 11. April 2014

„Gemäß § 60 des Jagdgesetzes erteile ich die Genehmigung, dass im Forstamt Vöhl im Distrikt der Försterei Asel 2 Paare Waschbären ausgesetzt werden. Ich ersuche, die Tiere genau zu beobachten und mir nach Ablauf eines Jahres zum 1. April 1935 Bericht zu erstatten, wie das Verhalten der ausgesetzten Tiere gewesen ist, und ob irgendwelche forstwirtschaftlichen oder sonstige wirtschaftliche Schäden durch die ausgesetzten Waschbären entstanden sind.“

Walter von Keudell, als Landjägermeister direkter Untergebener des Reichsjägermeisters Hermann Göring, nahm Bezug auf ein heute vor 80 Jahren gestartetes Experiment. Was würde, fragte sich der aus einem alten hessischen Adelsgeschlecht stammende Forstbeamte, aus den 4 aus Nordamerika eingeführten Pelzträgern werden, die man in seiner alten Heimat, am Edersee südwestlich von Kassel, ausgewildert hatte? Eine Erfolgsgeschichte!

Zumindest aus Sicht der Einwanderer mit den schwarzweiß geringelten Schwänzen: Längst ist der Waschbär in Hessen zu Hause und hat sich auch in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg ausgebreitet. Wie viele Exemplare insgesamt in Deutschland leben, entzieht sich der genauen Kenntnis. Einen Anhaltspunkt liefert die Statistik des Deutschen Jagdverbandes, der zu Folge 2012/2013 erstmals mehr als 100 000 Waschbären erlegt wurden - die 30-fache Menge der Abschüsse ein Jahrzehnt zuvor.

Selbst in Großstädten sind die Anpassungskünstler heimisch geworden. In Kassel etwa tummeln sich rund 50 Waschbären auf einem Quadratkilometer. Leider richten die Räuber, wie vom damaligen Landjägermeister befürchtet, immense Schäden an - vor allem bei der Jungbrut anderer Arten. Neben Obst, Eicheln, Nüsse und Bucheckern stehen bei den Allesfressern auch Regenwürmer, Insekten, Fische, Frösche, Mäuse, Ratten, Igel sowie Enten und Hühner und deren Eier auf dem Speiseplan.

Ihren Namen haben die etwa einen dreiviertel Meter langen Kleinbären aus der Angewohnheit, ihr häufig im oder am Wasser gefundenes Fressen vor dem Verzehr mehrfach zwischen den Vorderpfoten zu drehen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Alles eine Frage der Perspektive!

Freitag, 28. März 2014

Der 28. März ist der Tag des Unkrauts. Das heißt freilich nicht, dass Hobbygärtner allen nutzlosen oder schädlichen Pflanzen den Garaus machen werden. Im Gegenteil: Das heutige Datum begehen sie als Ehrentag.

„Unkraut“, wusste schon der amerikanische Philosoph Ralph Waldo Emerson, „nennt man die Pflanzen, deren Vorzüge noch nicht erkannt worden sind.“

Werfen wir doch mal einen genaueren Blick auf einzelne Exemplare. Die Mistel beispielsweise gilt häufig als Schmarotzer. Sie zieht ihre Nahrung aus dem Baum, auf dem sie wächst. Doch ist die Mistel auch eine Heilpflanze! Nicht nur in der Medizin, auch in der Liebe: Unter dem Mistelzweig wird geküsst, auf dass die Beziehung lange hält. Das Symbol, das hinter der Mistel steht, heißt Beharrlichkeit.

Weitere Beispiele gefällig? „Der Pfirsich war einmal eine Bittermandel, und die Blume ist nichts anderes als ein Kohlkopf mit akademischer Bildung.“ Sagte Mark Twain und fügte zur Erklärung hinzu: „Erziehung ist alles.“

Die Erziehung des Unkrautvernichters zum Pflanzenliebhaber befeuert auch ein Zitat des Schriftsteller Wilhelm Raabe: „Wie kahl und jämmerlich würde manches Stückchen Erde aussehen, wenn kein Unkraut darauf wüchse.“ Ein Kollege Raabes schlägt wiederum den Bogen zurück zur Philosophie: „Dem Traurigen ist jede Blume ein Unkraut“, fand Clemens von Brentano, eine geniale Antithese anhängend, „dem Glücklichen jedes Unkraut eine Blume.“

Auch über den 28. März hinaus sollte nach Brentanos zweitem Halbsatz gehandelt werden. Als leuchtendes Beispiel gehen die Schotten voran: Das raue Volk im Norden hat die Distel zu seinem nationalen Symbol erkoren. Damit zeigen sie wieder einmal, wie ähnlich sie den Engländern sind - und doch verschieden! Die Nachbarn im Süden der Insel verehren ebenfalls eine Pflanze mit Stacheln: die Rose.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern

Montags nie

Donnerstag, 13. März 2014

Sie bescherte nicht nur Österreichern und Bayern eine tägliche Städteverbindung zwischen Wien, Linz und Passau, sondern auch der deutschen Sprache ihr wohl größtes Wortungetüm. Rund 300 Kilometer sind es von Österreichs Haupt- bis Bayerns Dreiflüssestadt. Die schönste Art, die Strecke zu bereisen, ist per Schiff auf Europas zweitgrößtem Strom. Heute vor 185 Jahren wurde eine entsprechende Kompanie gegründet und ein täglicher Linienverkehr eingerichtet.

Nur Montags fuhren die Dampfer nicht, da durften sich die Flussungetüme ausruhen. Die Strecke wurde zügig ausgebaut. Bald gab es auch eine Verbindung von Wien in die andere Richtung, nach Bratislava und Budapest. Das Geschäft florierte. Im Jahr 1889 beispielsweise nahmen mehr als 1,6 Millionen Passagiere den Donaubeförderungsdienst mit seinen rund zweihundert Dampfschiffen in Anspruch, was die Betreiber der Kompanie zur größten Binnenreederei der Welt machte.

Auf dem Mississippi waren zu dieser Zeit zwar fünfmal mehr Dampfschiffe unterwegs als auf der Donau, aber es gab keine alles beherrschende Gesellschaft, unter deren Flagge fast sämtliche Passagiere transportiert wurden. Ein gutes Jahrhundert später war dann leider Schluss mit dem Donaubeförderungsmonopol.

Anno 1991 wurde das bislang staatlich geführte Unternehmen in private Hand überführt und umgehend in verschiedene selbständig operierende Bereiche zerstückelt. Die altehrwürdige Donaudampfschiffahrtsgesellschaft hatte aufgehört zu existieren. Nur im Duden durfte sie ihre Existenz fortführen. Das Wort gilt als das längste der deutschen Sprache. Manchmal wird ein weiterer Bestandteil angehängt, etwa der Kapitän. Mag diese Erweiterung eventuell noch angehen, sind alle weiteren Komposita - siehe auch den Eintrag „Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitän“ in Wikipedia - Fantasieprodukte und entbehren jeder Grundlage in der Wirklichkeit. Die Sprache, zumindest die im Duden akzeptierte, soll die Realität abbilden und keine neuen Wortgebilde schöpfen. Für letzteres sind Gedichte und Romane zuständig.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

Post to Twitter Beitrag twittern