Archiv für Kategorie ‘Natur’:

Wetterprognose vom Murmeltier

Donnerstag, 2. Februar 2012

Vor 4 Jahren berichteten wir an dieser Stelle erstmals über Punxsutawney Phil (siehe unseren Newsletter vom 1. Februar 2008: Morgen ist Groundhog Day).

jenes Waldmurmeltier aus einem bis auf die ersten Februartage gottverlassenen Nest im US- Bundesstaat Pennsylvania, das nicht nur den Frühlingsbeginn vorhersagt, sondern auch dem Hollywood-Erfolgsfilm Und täglich grüßt das Murmeltier als Vorlage diente.

Doch wie weit her ist es mit der Zuverlässigkeit von Phils Prognosen? Die 100 %, die das murmeltiereigene Webportal groundhog.org vorgibt, werden gelegentlich von altklugen Institutionen wie dem Nachrichtensender CBS oder der größten US-Tageszeitung USA Today angezweifelt. Letztere beruft sich auf eine Studie das renommierten National Climatic Data Center. Das im Bundesstaat North Carolina ansässige Institut verfügt über die größte Sammlung von Wetterdaten weltweit.

Als die Experten ihre Analyse – nicht der wirklichen Wetterdaten, sondern der real existierenden Waldmurmeltierprognosen seit 1988 letztes Jahr öffentlich bekanntgaben, machte sich unter Phils Anhängerschaft eine gewisse Ernüchterung breit: 13 Mal lag der pelzige Wahrsager aus Punxsutawney daneben; nur zehnmal sah das Tierchen richtig vorher, ob dem 2. Februar ein rascher Frühling oder noch 6 Wochen Winter folgen würden.

Um es wissenschaftlich auszudrücken: Phils Trefferwahrscheinlichkeit lag bei 39 %. Eine Steilvorlage für Murmeltierskeptiker wie den CBS-Korrespondenten Barry Leibowitz: Der behauptete frech, Phil sei als Vorhersagemedium nicht besser geeignet als des Reporters eigenes arthritisches Knie. Nach Punxsutawney sollte sich Leibowitz am heutigen 2. Februar lieber nicht bewegen. Sonst läuft er Gefahr, dass Phil unter Vernachlässigung des von ihm geworfenen Schattens, Nagezähne voraus, dem Journalisten ein zweites lädiertes Knie bereitet.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Friede der Kreatur

Freitag, 20. Januar 2012

Haben Sie es inzwischen drauf? Kniechen-Näschen-Öhrchen meine ich. Falls ja, können Sie nebenbei sicher diesen Newsletter lesen. Heute geht es um von vielen Menschen als ekelhaft empfundene Lebewesen. „Spinnen waren mir auch zuwider“, reimte anno 1878 Gottfried Keller, „all meine jungen Jahre, ließen sich von der Decke nieder. In die Scheitelhaare, saßen verdächtig in den Ecken oder rannten, mich zu erschrecken, über Tischgefild und Hände, und das Töten nahm kein Ende.“

Ganz schön brutal, nicht wahr? Immerhin entwickelte der große Schweizer Dichter mit den Jahren eine gewisse Toleranz gegenüber den kleinen Achtbeinern: „Erst als schon die Haare grauten, begann ich sie zu schonen, mit den ruhiger Angeschauten brüderlich zu wohnen.“

Die Angst vor Spinnen, die Arachnophobie, lässt sich am ehesten mit Arachnologie besiegen. Das wusste schon lange vor den Dichtern die Wissenschaftler. So auch der Forscher, der heute vor 222 Jahren das Licht der Welt erblickte: John Blackwall beschrieb in seinem Werk Geschichte der Spinnen Großbritanniens und Irland 340 Arten – und nahm Menschen wie dem jungen Keller einen Teil ihrer Angst vor den Krabbelfüßlern.

Möglich sogar, dass der Eidgenosse das Werk des Zeitgenossen einmal in Händen gehalten hat. Blackwall führte eine Korrespondenz mit Charles Darwin, einige Spinnenarten sind nach ihm benannt, und bis zu seinem Tod 1881 im nordwalisischen Llanwrust (sprich: Chlanrust, mit Schweizer Anlaut-’Ch’; Keller hätte das sicher gut gekonnt) (die verbale Herausforderung ist ähnlich der akrobatischen bei Kniechen-Näschen-Öhrchen) zählte er zu Europas führenden Insektenexperten. Ganz in Blackwalls Sinn beendete Gottfried Keller sein Gedicht Friede der Kreatur: „Hätt’ ich nun ein Kind, ein kleines, in väterlichen Ehren, recht ein liebliches und feines, würd’ ich’s mutig lehren, Spinnen mit den Händen fassen und sie freundlich zu entlassen; früher lernt’ es Friede halten als es mir gelang, dem Alten.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein Preis, der den Erfolg übersteigt

Donnerstag, 15. Dezember 2011

„Das zwanzigste Jahrhundert blickt nieder auf geheimnislose Welt“, schreibt Stefan Zweig in seinen Sternstunden der Menschheit. „Alle Länder sind erforscht …“

Alle Länder? Nein, die Landmasse am äußersten Südrand der Erde harrte auch anno 1912 noch ihrer kompletten Erschließung. Bis dahin war kein Mensch zum Südpol vorgedrungen. Doch zwei Schiffe näherten sich dem mythischen Ort beharrlich an, und es würde nur eine Frage der Zeit sein, bis der eine Kapitän als Entdecker gefeiert und der andere auf dem Müllhaufen der Geschichte, die nur Sieger kennt, landen würde. Doch es kam anders.

Während der Norweger Roald Amundsen heute vor hundert Jahren ohne nennenswerte Komplikationen eine Punktlandung hinlegte, für die ihn die Welt feierte, kämpfte sein Rivale einen verzweifelten Kampf im Ewigen Eis.

Hätte der Engländer Robert Scott gewusst, dass er auf seiner Route vier Wochen zu spät dran war und ihm am Ziel das Objekt seiner schlimmsten Alpträume erwartete – die von Amundsen hinterlassene norwegische Flagge – er wäre vielleicht früher umgekehrt. So erfährt die Verzweiflung auf dem Heimweg noch einmal eine Steigerung. Scott und seine Gefährten haben wirklich Pech!

Schlechtes Wetter hält sie auf; sie brauchen zu viel Zeit zu den Depots, die sie auf dem Rückweg angelegt haben – wenn sie diese überhaupt finden; der Sturm lässt nicht nach; Rücksicht auf die Kranken und Schwächeren raubt zusätzliche Zeit und Kraft. Doch ist es ihr über allem stehender Edelmut und Zusammenhalt der Gruppe – auch über dem Leben des Einzelnen – der vor allem Scott unsterblich macht; „in großartigem Widerspiel“, schreibt Stefan Zweig, „entsteht aus einem heroischen Tode gesteigertes Leben, aus Untergang Wille zum Aufstieg ins Unendliche empor. Denn nur Ehrgeiz entzündet sich am Zufall des Erfolges und leichten Gelingens, nichts aber erhebt dermaßen herrlich das Herz als der Untergang eines Menschen im Kampf gegen die unbesiegbare Übermacht des Geschickes, diese allzeit großartigste aller Tragödien, die manchmal ein Dichter und tausendmal das Leben gestaltet.“

Und manchmal der Dichter und das Leben gemeinsam: Auch Amundsen ereilte wie Scott und seine Gefährten ein heroischer Tod (siehe unseren Newsletter vom 18. Juni 2008: Als Norwegen einen Volkshelden verlor ). Doch wurde weder des Norwegers Leiche noch sein Tagebuch gefunden, noch fand der Verschollene einen Anwalt mit pathetischer Feder. So lebt der bei der Rückkehr vom Südpol erfrorene Scott, besungen von Zweig & Co., als großer tragischer Held fort. Und Amundsen? Auch ein bisschen, zumal sein Tod ebenfalls tragisch war. Aber nicht dramatisch, weshalb ihm nur seine norwegischen Landsleute die Verehrung entgegenbringen, die auch er verdient.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die etwas andere Art, Südtirol zu bereisen

Freitag, 25. November 2011

Wie man sich Ländern, Städten und Regionen auch literarisch annähern kann, haben wir in unserem Newsletter vom 15. November 2011: Europa Erlesen gezeigt.

Das neueste Beispiel für eine solche Tour ist jetzt in der Edition Raetia erschienen: Südtirol. Ein literarischer Reiseführer (ISBN 978-88-7283-387-2). Geschrieben hat ihn Ferruccio Delle Cave, Germanist und profunder Kenner der deutschen Literatur. Die ergänzenden historischen Reiseberichte vereinen von Hans Christian Andersen über Goethe, Heine und Kafka bis Stefan Zweig an Schriftstellern alles, was in Mitteleuropa Rang und Namen hat.

Um nur mal die mit M beginnenden zu nennen, die Südtirol bereisten und darüber schrieben: Niccolò Machiavelli, Heinrich und Thomas Mann, Sándor Márai, Karl May, Michel de Montaigne, Alberto Moravia, Christian Morgenstern, Herta Müller und Robert Musil. Natürlich dürfen auch die Südtiroler selbst nicht fehlen. Der mittelalterliche Dichter Oswald von Wolkenstein kommt ebenso zu Wort wie der moderne Autor Franz Tumler.

Das Buch beinhaltet auch einige Überraschungen, jedenfalls für mich: Bislang kannte ich den in Brixen geborenen Lyriker Norbert Conrad Kaser kaum. Um seinem Stil gerecht zu werden, müsste man seinen Namen eigentlich n. c. kaser schreiben. Selten habe ich eine so direkte, kraftvolle, schonungslose Sprache gelesen – und beschlossen, mir so bald wie möglich eine Gesamtausgabe seiner Werke zu besorgen.
Leider wurde n. c. kaser nur 31 Jahre alt, bereits 1978 ist er in Bruneck gestorben. Dort hätten ihn die Stadtväter am liebsten vergessen. Es war das Verdienst des Innsbrucker Journalisten Hans Haider, dass n. c. kasers Werk nicht nur in Österreich, sondern auch in der alten Heimat wieder ausgegraben wurde.

Ferruccio Delle Caves Südtirol-Lektüre macht Lust, anschließend den Lesesessel zu verlassen und das Land zu erwandern oder zu erfahren. Die Litera-Tour beginnt am Brenner und endet am westlichen Ausfalltor, dem Reschenpass. Extra aufgeführt, mit Adressen, auch virtuellen, sind die Sehenswürdigkeiten der verschiedenen Orte, einschließlich Tourismuszentralen und Kulturbüros. Wer den im Buch versammelten Berühmtheiten möglichst authentisch nachreisen möchte, findet sogar die Anschriften der noch existenten historischen Herbergen, in denen die Hand-Werker die Füße hochlegten.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Bald ist der Wolf dran

Freitag, 7. Oktober 2011

Einseitigkeit kann man diesem Newsletter kaum vorwerfen, finden Sie nicht auch? Wenn beispielsweise das Lieblingstier der Redaktion wieder einmal ausführlich in einem Beitrag gewürdigt wurde, kommt in einer späteren Ausgabe dessen größter Feind zu seinem Recht.

Im Frühjahr (siehe unsere Ausgaben vom 21. April: Kein Fairplay gegenüber dem Elch und 31. März: Tierische Frühlingsboten) stand der Elch im Fokus; jetzt, wo der Herbst Einzug gehalten hat, ist endlich des Schaufeltieres Widersacher an der Reihe.

Der größte Wolf-Fan unter der werten Leserschaft ist zweifelsohne Jörg Lorenzen (siehe die Ausgaben vom 14. Juli: Dein Freind, der Wolf? und 11. Juni 2008: Das Tier des Jahres 2003, für alle zugänglich ), den ganz treue Leser auch als Kieler Weihnachtsmann (Weihnachtsmänner gibt es auch außerhalb Berlins) in Erinnerung haben.

Er hat der Redaktion einen Artikel aus der Onlineausgabe der Welt zugeschickt. Darin geht es um einen kleinen, keineswegs auf den Kopf gefallenen Jungwolf. Als einer von 5 Geschwistern machte er vor gar nicht langer Zeit schon einmal Schlagzeilen, weil er in Gefangenschaft geboren wurde: im Zoo an der Wingst, in der Nähe von Cuxhaven.

Von dort ist der junge Isegrim kürzlich ausgebüxt und hält seitdem seine Häscher zum Narren. Um den Verfolgern einen Schuss mit dem Betäubungsgewehr zu gönnen, ist der kleine Wolf zu schlau und hält genügend Abstand.

Andererseits hat es ihm im Tierpark, wo er sehr viel Platz hat, offenbar so gut gefallen, dass er sich nicht allzu weit von dort entfernen und es sich auch nicht mit dem netten Zoodirektor Rüdiger Wandrey verderben möchte.

Die Fähre nach Helgoland zu nehmen würde dem Ausreißer ohnehin nichts bringen, denn auf der roten Felseninsel gibt es kaum ein Gebüsch, in dem er sich verstecken könnte. Falls Sie in der Cuxhavener Gegend wohnen und nach dem für Spaziergänger ungefährlichen Tierchen Ausschau halten möchten: Hier ist ein aktuelles Foto. Sollten Sie den Kleinen sichten, melden Sie es dem Zoo, Telefon 04778 255. Herr Wandrey würde sich freuen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Alter Kutter trifft auf Riesenwasserstoffbombe

Donnerstag, 15. September 2011

Heute vor 40 Jahren verließ ein altersschwacher Fischkutter den Hafen von Vancouver. An Bord der Phyllis Cormack befanden sich Mitglieder einer kleinen kanadischen Bürgerinitiative, von der bis dahin noch niemand etwas gehört hatte.

Ihr Ziel war die nicht minder unbedeutende Insel Amchitka, die zur Alaska vorgelagerten Inselgruppe der Aleuten gehört und die Grenze zwischen Amerika und Asien markiert. Seit Jahrzehnten war sie unbewohnt. Allenfalls zu Jagdzwecken wurde sie bei Bedarf von Einheimischen aufgesucht.

Ein idealer Ort, um seine Atomwaffen zu testen, fand das Oberkommando der US-Streitkräfte: etwa die 5 Megatonnen schwere Wasserstoffbombe, die Anfang November 1971 unterirdisch gezündet werden sollte. Dagegen protestierten die Umweltschützer mehr als 6 Wochen lang – und interessierten ein täglich größer werdendes Publikum.

Dass die Phyllis Cormack von einem Schiff der US-Marine aufgebracht und ihre Crew zur Rückkehr in den Heimathafen gezwungen wurde, konnte die Entstehung einer neuen weltweiten Umweltschutzbewegung nicht mehr verhindern. In jenen Tagen, als in allen größeren kanadischen Städten Solidaritätskundgebungen für die Versuchsgegner stattfanden, wurde Greenpeace geboren.

3 Monate später verkündete eine geläuterte Regierung in Washington das Ende aller amerikanischen Atomtests. Es sollte nicht der einzige aufsehenerregende Erfolg von Greenpeace bleiben. Heute kann sich die internationale Organisation auf mehr als 3 Millionen zahlende Fördermitglieder stützen.

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Der Tag, an dem sich das Septemberwetter entscheidet

Donnerstag, 1. September 2011

Der September scheint der Monat der Zukurzgekommenen zu sein. Zumindest, wenn man einer landwirtschaftlichen Beobachtung und einer dichterfürstlichen Versicherung folgt.

„Durch des Septembers heitren Blick“ besagt eine alte Bauernregel, „schaut noch mal der Mai zurück.“ Johann Wolfgang von Goethe war der Ansicht: „Was der August nicht tut, macht der September gut.“

Die Rede ist natürlich vom Wetter, und das war im Verlauf des Jahres 2011 seit den ersten Frühlingswochen, die eher einem Sommer glichen, in Mitteleuropa alles andere als gut. Auch nicht im Mai, weswegen wir im gerade angebrochenen Monat gut auf eine Wiederholung dieser Regentage verzichten können. Doch was dürfen wir erwarten? Der heutige Tag sollte es Ihnen verraten: „Gib auf Ägidius Acht“, empfiehlt eine weitere Bauernregel, „er sagt dir, was der Monat macht!“

Der 1. September ist der Tag des Schutzheiligen Ägidius. In der katholischen Kirche zählt der Gründer des Klosters Saint Gilles in der Provence zu den 14 Nothelfern. Vor allem zur Ablegung einer guten Beichte wird der südfranzösische Benediktiner-Abt gern angerufen.

Ob auch der Wettergott bei Wohlverhalten der Erdenbürger ein Einsehen hat? Ihn ernstlich zu bemühen, wäre dann doch etwas zu blasphemisch.

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Das Wetter an Siebenschläfer

Montag, 27. Juni 2011

Das Wetter ist immer ein dankbares Small Talk-Thema. Heute ganz besonders, denn der Siebenschläfertag entscheidet, wie sich das Wetter in der nächsten Zeit entwickeln wird. Fällt auf Siebenschläfer Regen ein, so der Volksmund, soll’s für 7 Wochen sein (siehe dazu auch unseren Newsletter vom 26. Juni 2009 „Volksmund, bitte melden!“). Der Bauernkalender gibt noch weitere Varianten dieser Regel preis; etwa „Das Wetter am Siebenschläfertag 7 Wochen so bleiben mag“, oder „Ist Siebenschläfer ein Regentag, regnet’s noch 7 Wochen nach".

Es geht sogar noch unrhythmischer. Ein Beispiel gefällig? „Regnet es am Siebenschläfertag, der Regen 7 Wochen nicht weichen mag.“ Letzterer mit gröbstem Vorschlaghammer geschmiedeter Vers liefert den eindeutigen Beweis, dass nicht Dichter diesen Kalender gestaltet haben. Sondern Bauern. Andererseits müssen die Regeln nicht literarischen Ansprüchen genügen, sondern meteorologischen.

Doch auch hier sieht es mau aus. Die Siebenschläferregel hat laut Deutschem Wetterdienst meteorologisch überhaupt keine Aussagekraft: An einem einzelnen Tag kann unmöglich das Wetter der nächsten sieben Wochen festgemacht werden. Zur Ehrenrettung der Landwirte sei abschließend die Webseite www.bauernregeln.net zitiert: „Bauern waren schon immer besonders abhängig vom Wetter und haben es deshalb genau beobachtet. Dabei fielen ihnen gewisse Regelmäßigkeiten auf, etwa in den Wetterabläufen.“ Die haben sie dokumentiert und daraus ihre Schlüsse für die Zukunft gezogen.

Doch können auch sie noch lernen – von den Dichtern. „Erfahrene Propheten“, wusste der britische Schriftsteller Horace Walpole, „warten die Ereignisse ab.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Was in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni geschah - oder auch nicht

Freitag, 24. Juni 2011

Bei den einen heißt sie Johannisnacht, andere nennen sie Sommersonnenwende. Es kommt ganz darauf an, ob der Betrachter Christ oder Heide ist. Gemeint ist in beiden Fällen die Nacht vom 23. auf den 24. Juni. Die Letten behaupten ohnehin, ihr Volk sei nur oberflächlich christianisiert worden. So steht es jedenfalls in der Online-Zeitung www.lettische-presseschau.de.

In dem baltischen Land folgte die Taufe in den seltensten Fällen Resultat tiefer religiöser Überzeugung. Eher war sie taktischem Verhalten christlicher Missionare geschuldet. Die Weihwasserschleuderer annektierten einfach die Riten des Volksglaubens, erklärten die Sonne zum christlichen Symbol und brachten den Heiligen Johannes ins Spiel. Der hatte einst voller Demut abgelehnt, den Heiland zu taufen. Vielleicht war es ja genau diese Verweigerungshaltung, die den einheimischen Heiden gefiel.

Laut lettischer Überlieferung sprangen die widerwillig Bekehrten nach empfangenem Ritus in den größten Fluss, die Daugava, um sich die Taufe wieder abzuwaschen. Eine große Rolle nimmt in der kürzesten oder, wie die Letten sagen, weißen Nacht auch das Wasser ein, das von oben kommt. Vieles hängt davon ab, ob der – lassen wir die Adjektive einmal weg – Wettergott mitspielt. An der Ostsee regnet es nicht die auf westeuropäischen Inseln notorischen Katzen und Hunde, sondern, ebenfalls sprichwörtlich, „wie an Johannis“. In einem solchen Fall brennen die Lagerfeuer recht kümmerlich, und auch der selbstgemachte Käse will zum Bier nicht so recht schmecken.

Die Kränze aus Blumen und Gräsern, welche die Frauen ums Haar tragen, und das stolze Eichenlaub, das die Herren der Schöpfung schmückt, beginnen dann erbärmlich vor sich hin zu tropfen. Bei Regen verschwinden auch weniger Pärchen ins Gebüsch, um die ominöse Farnblume zu suchen, die angeblich nur in der weißen Nacht vom 23. auf den 24. Juni zu finden ist und, o Wunder, auf trockenem Boden besser zu gedeihen scheint.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Der Tag des Meeres

Dienstag, 7. Juni 2011

„Es bedeckt sieben Zehntel der Erde. Sein Atem ist rein und gesund. Es ist eine immense Wüste, wo ein Mann nie alleine ist, in dem er fühlen kann, wie das Leben aller in ihm bebt.

Es ist nur ein Behälter für alle die ungeheuren, übernatürlichen Dinge, die darin existieren; es ist nicht nur Bewegung und Liebe; es ist die lebende Unendlichkeit“, schrieb der französische Autor Jules Verne über das Element, das seiner Vorstellung nach alles ist. Zu lesen ist die Passage in Vernes wohl berühmtestem Roman. Darin lässt der Schriftsteller seinen Kapitän Nemo im Unterseeboot Nautilus eine Erdumrundung 20 000 Meilen unter den Meeren vornehmen und sich und seine Mannschaft während der kompletten Reise ausschließlich von dem ernähren, was die Ozeane hergeben.

Heute begehen die Vereinten Nationen den Tag des Meeres. Er soll nicht nur die Bedeutung der Ozeane für die Ernährungslage der gesamten Menschheit anmahnen. Auch der Schutz der Umwelt hängt zu einem großen Teil von der Gesundheit der Meere ab. Ebenso das Klima: Allein in Indonesien, um ein Beispiel zu nennen, gingen in den letzten Jahren wegen der Erderwärmung und des dadurch gestiegenen Meeresspiegels 24 kleinere Inseln verloren. In den nächsten beiden Jahrzehnten, befürchten die Klimaforscher, werden 2000 weitere indonesische Eilande dasselbe Schicksal erleiden. Weltweit steigen in diesem Jahrhundert die Meeresspiegel mindestens um 18, anderen Berechnungen zufolge sogar um 59 Zentimeter. „Die kleinste Bewegung ist für die ganze Natur von Bedeutung“, erkannte der französische Naturwissenschaftler und Philosoph Blaise Pascal bereits im 17. Jahrhundert, „das ganze Meer verändert sich, wenn ein Stein hineingeworfen wird.“

Ganz so extrem sind die Folgen einer solchen Aktion freilich nicht. Doch sollte der Mensch sehr darauf achten, was er alles ins Meer einleitet.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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