Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen: Das soll der große Reformator Martin Luther gesagt haben. Ob es stimmt oder nicht – der Spruch bleibt eine schöne Metapher für Hoffnung und Vertrauen in die Zukunft.
Doch warum mit dem Pflanzen bis kurz vor dem Weltuntergang warten?, sagte sich John Chapman. Der 1774 im nordöstlichen US-Staat Massachusetts geborene Naturliebhaber machte sich auf den Weg nach Westen. Auf dem Kopf trug er einen Kochtopf, die Taschen hatte er voll mit Apfelkernen. Bald hatte er seinen Spitznamen weg: Johnny Appleseed. Der Philanthrop freundete sich mit landsuchenden Siedlern und einheimischen Indianern an, las aus der Bibel vor und lehrte das Leben in Einklang mit der Natur. Und natürlich pflanzte Chapman überall, wo er hinkam, ein Apfelbäumchen.
Bis heute wird er im Mittleren Westen der USA als eine Art ökologischer Pionier gefeiert. An diesem Tag ist das ganz besonders der Fall, denn es war Chapmans letzter; und ganz bestimmt hat er ihn genutzt, wie Luther es einst empfahl. John Chapman starb am 11. März 1847 in Fort Wayne, Indiana. Seinen Todestag begehen viele Amerikaner als Johnny Appleseed Day.
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„Das Rad an meines Vaters Mühle brauste und rauschte schon wieder recht lustig, der Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Türschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen, mir war so recht wohl in dem warmen Sonnenscheine. Da trat der Vater aus dem Hause; er hatte schon seit Tagesanbruch in der Mühle rumort und die Schlafmütze schlief auf dem Kopfe, der sagte zu mir: Du Taugenichts! Da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde und lässt mich alle Arbeit allein tun. Ich kann dich hier nicht länger füttern. Der Frühling ist vor der Tür, geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber dein Brot.“
So beginnt die 1826 geschriebene Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts, die Sie vielleicht aus seligen Schulzeiten kennen. Dem Autor, Joseph Freiherr von Eichendorff, heute vor 222 Jahren geboren, verhalf sie zum Durchbruch. Eichendorffs Titelheld macht sich tatsächlich aus dem Staub der Mühle und lässt die Mühen des Alltags hinter sich. Endlich ist er frei und kann tun und lassen, was er will. Alles, was er zum Leben braucht, liefert ihm die Natur – laut Definition des Autors „das große Bilderbuch, das der liebe Gott uns draußen aufgeschlagen hat“ – einschließlich ein paar netter Menschen, die dafür sorgen, dass der Träumer nie vom rechten Weg abkommt.
Natürlich endet das Experiment glücklich; der Stromer findet zu einem weiblichen Wesen, das er nicht weniger verehrt als die Natur. Als echter Romantiker will der Taugenichts die Liebe keineswegs im stillen Kämmerlein genießen, sondern bewahrt sich seine soziale Ader und zieht weiter herum in der Welt. Die Hochzeitsreise geht nach Rom; aber die Prager Studenten, mit denen er sich angefreundet und den Portier, der ihm geholfen hat, nimmt er mit. Die Angebetete und Erhörte selbstverständlich auch: „Sie lächelte still und sah mich recht vergnügt und freundlich an“, und am Ende „war alles, alles gut!“
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Als wäre das Erdbeben nicht schon schlimm genug gewesen, raste einen Tag später eine Flutwelle auf die chilenische Pazifikküste zu. Seismologen hatten zuvor darauf hingewiesen, die Bevölkerung war vorbereitet – und nahm zum Glück die Entwarnung der Meteorologen nicht ernst. Wenigstens hatte Chile durch den Tsunami kaum weitere Opfer zu beklagen.
Außer vielleicht, der Scherz sei erlaubt, die Wetterfrösche: Die befinden sich seitdem in einer handfesten Krise. Damit sind die chilenischen Meteorologen nicht allein. Auch ihre britischen Kollegen gelten seit einiger Zeit als chronisch unzuverlässig. Zugegeben, es ist nicht einfach, für die wetterwendische Atlantikküste zutreffende Prognosen abzugeben. Die Politik des Meteorological Office tut ein übriges: Das staatliche Wetteramt hatte seinen Ansagern doch tatsächlich eine geschönte Sprache beim Wetterbericht empfohlen (siehe unseren Newsletter vom 25. Oktober 2005 „Geschönte Wetterberichte in London“).
Nun rudert eine andere staatliche Einrichtung zurück. Die BBC erwägt, den seit 1927 bestehenden Vertrag mit dem amtlichen Wetterdienst nicht zu verlängern. Der Grund: Nach zahlreichen groben Fehlprognosen schenken drei von vier Briten der Wettervorhersage keinen Glauben mehr. Wenn es auf der Insel so weitergeht mit dem Misstrauen in Institutionen, schaffen sie demnächst das Königshaus ab.
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Vierbeiner haben einen guten Stand in der Redaktion dieses Newsletters. Von wilden Tieren und ihren domestizierten Vettern war schon öfters die Rede, und eine Art schaffte es sogar, in beiden Kategorien erwähnt zu werden: der Elch. Die in freier Wildbahn lebenden Exemplare gelangten leider fast ausschließlich als Opfer des zunehmenden Straßen- und Schienenverkehrs auf dieses Portal.
Als Haustier wurde der gehörnte Freund des dänischen Astronomen Tycho Brahe porträtiert (siehe dazu unsere Ausgabe vom 27. Juni 2007 „Was macht eigentlich der Elch?“), den eine große Leidenschaft mit seinem Besitzer verband: das Biertrinken. Kein Angst, hier soll keineswegs dem Konsum von Alkohol das Wort geredet werden. Hilfreich für Mensch und Tier ist es allerdings, wenn deren Interessen nicht allzu sehr entgegengesetzt sind. Vegetariern etwa fällt es regelmäßig schwer, für Hund oder Katze fleischhaltige Kost besorgen zu müssen.
Hier bietet sich eine andere Spezies Vierbeiner zur Haltung an, die sich nicht nur an vegetarischen Verzehrrichtlinien orientiert, sondern sogar die noch strengeren Essensregeln der Rohkost-Veganer befolgt. Na ja, nicht ganz: Hauskaninchen müssen noch davon überzeugt werden, dass Tapeten, Teppiche und Türrahmen zwar weder tierische noch gekochte Speisen sind, aber auch nicht unter pflanzliche Nahrungsmittel fallen.
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Die Leidenschaft für die Pflanzen hatte er vom Vater geerbt. Der züchtete Obstbäume, die er durch Aufpfropfen von Reisern anderer Sorten veredelte. Obwohl die Eltern einfache, ihrem Gutsbesitzer tributpflichtige Bauersleute waren, besuchte der 1822 geborene Sohn die höhere Schule und schloss daran sogar ein Philosophiestudium an. Eine brotlose Kunst, da der frischgebackene Absolvent sich alsbald „gezwungen sah, in einen Stand zu treten, der ihn von den bitteren Nahrungssorgen befreite.“
Der junge Mann bekam eine Mönchskutte und einen zweiten Vornamen verpasst: Statt Johann hieß er jetzt Gregor. Das Augustinerkloster vor den Toren des mährischen Brünn erwies sich jedoch als Glücksfall: Hier konnte Gregor ungestört seiner alten Leidenschaft frönen: den Pflanzen. Es gab ein Herbarium, meteorologische Messinstrumente und eine Bibliothek mit 20 000 Bänden. Er experimentierte mit Erbsen, kreuzte rot- mit weißblühenden und beobachtete, wie sich die Blütenfarben weitervererbten. Die Nachkommen der ersten waren allesamt rot. Dann kreuzte Mönch Gregor die roten untereinander, und, oh Wunder, ein Teil der neuen Pflanzen war wieder weiß. Es gab also dominante und rezessive Anlagen, und daraus leitete unser Mönch die erste seiner insgesamt drei Vererbungsregeln ab.
Heute vor 145 Jahren veröffentlichte er die Ergebnisse im von ihm mitgegründeten Naturforschenden Verein. Die Reaktionen der vierzig Zuhörer waren skeptisch – und blieben es, nachdem in den nächsten Jahren eine weitere Versuchsreihe mit Habichtskraut scheiterte. Da war Gregor schon Abt des Klosters, und die Zeit für Forschungen wurde knapper Dennoch machte er weiter: „Ich bin überzeugt“, meinte er selbstbewusst, „dass es nicht lange dauern wird, da die ganze Welt die Ergebnisse dieser Arbeiten anerkennen wird.“ Gregor Mendel sollte Recht behalten.
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Punxsutawney Phils erstes Auftauchen im Jahr ist in den Vereinigten Staaten immer ein Gesprächsthema. Nicht nur für den Smalltalk, auch in Hollywood. Davon zeugt der Streifen Und täglich grüßt das Murmeltier (siehe unseren Newsletter vom 1. Februar 2008 „Morgen ist Groundhog Day“). Eine Prognose über die Reaktion des haarigen Gesellen, wenn die Klappe zu seinem Bau für einen Moment geöffnet wird, ist nicht schwer: Er wird seinen Schatten sehen und vor Schrecken zusammenzucken.
Letzteres ist jederzeit, das Erblicken des eigenen Ebenbildes nur an sehr klaren und kalten Tag möglich. Nicht unwahrscheinlich, dass das vorherrschende Hoch stabil und die Kälte von Dauer ist. Sechs Wochen soll der Winter in Phils Heimat, dem Nordosten der USA, noch dauern, wenn das Tier Nerven zeigt. Schade, dass es bei uns keinen Groundhog Day wie in Amerika gibt! Murmeltiere gibt’s in Oberbayern an der Zahl. Vielleicht könnte man auch ein anderes Tier zu einer Prognose bewegen – warum nicht einen Dachs, der sieht ebenfalls sehr possierlich aus.
Am besten, wir fragen Jörg Kachelmann. Der ist zwar nur Spezialist für Nordbayern (siehe unseren Newsletter vom 15. Juli 2008 „Wetter und Wetterfrösche“), hat aber immer eine gute Idee. Nicht so gut für Prognosen eignet sich der Verantwortliche für diese Zeilen; doch das ist ein ganz anderes Thema, das morgen an dieser Stelle näher beleuchtet wird.
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Die Dinosaurier mussten die Erde verlassen, weil sie zu groß geworden waren. Dieser Spruch hätte von Kenneth Boulding stammen können, jenem Wirtschaftswissenschaftler, der heute vor 100 Jahren im englischen Liverpool geboren wurde und später in die Vereinigten Staaten auswanderte. Von Boulding stammt allerdings der schöne Satz: „Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum kann unendlich lange andauern in einer endlichen Welt, ist entweder ein Irrer oder ein Ökonom.“
Boulding war Ökonom und erkannte auch die Grenzen seiner Wissenschaft. Er plädierte für den Austausch mit anderen Disziplinen, vor allem der Philosophie und der Religion. Schon 1966 sah er das industrielle Wachstum an seine Grenzen gekommen, ebenso die Belastbarkeit der Umwelt. Um seinen Beitrag zur Rettung des Planeten zu leisten, engagierte sich Boulding zudem in der Friedensbewegung.
Letzteres tat er bereits während des Zweiten Weltkriegs, und später gehörte er zu den Mitorganisatoren des ersten Teach-Ins einer amerikanischen Universität gegen den Vietnamkrieg. Sein Engagement zur Verhinderung militärischer Konflikte wurde letztlich sogar höher bewertet als die Leistungen in seinem ursprünglichen Fach: Boulding war für den Friedensnobelpreis nominiert, hat ihn aber nie bekommen. Er starb 1993 in Boulder im US-Bundesstaat Colorado, wo er bis zu seinem Ende an der Universität lehrte.
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Heute vor 30 Jahren gründeten Umweltschützer und Friedensaktivisten die Partei der Grünen. Die Überlegung dahinter: Im Parlament könnten sie ihre Interessen besser vertreten. Es blieb beim Konjunktiv. Drei Jahrzehnte und ein wackliger Atomausstieg (unter einem grünen Umweltminister) sowie ein Bombenkrieg gegen Jugoslawien (unter einem grünen Außenminister) später fällt die Bilanz ernüchternd aus.
Vielleicht kommen an dieser Stelle Einwände, diese Kritik habe in einem Newsletter für Small Talk nichts zu suchen. Dem wäre zu erwidern, dass sich die Grünen in ihrer politischen Diktion dem Small Talk angenähert haben und nicht umgekehrt. Oder hat der Schreiber dieser Zeilen auf der Webseite der Bundestagsfraktion etwas falsch verstanden: „Die Regierung gibt wirklich keinen Anlass zu Optimismus für das beginnende neue Jahrzehnt. Optimistisch aber stimmt der grüne Start in die nächste Legislatur: Wir haben uns in den ersten Monaten erfolgreich als die kraftvollste, schnellste und ideenreichste der drei Oppositionsfraktionen in Stellung gebracht. Daran werden wir im nächsten Jahr anknüpfen.“? Um Einwänden, der Text sei aus dem Zusammenhang gerissen, vorzubeugen: Sie finden ihn unter www.gruene-bundestag.de.
Wenigstens die Redaktion dieses Newsletters freut es, dass die harten politischen Themen nicht nur in Wahlkampfzeiten weichgespült daherkommen. So kann sie sich mehr auf das aus ihrer Sicht Wesentliche konzentrieren und ihr Themenspektrum getrost auf das Gebiet der Politik ausweiten, die der Grünen eingeschlossen. Weniger erfreulich ist diese Beliebigkeit für Parteimitglieder der ersten Stunde. Einer von ihnen wird den heutigen Beitrag mit einem gewissen Schmunzeln lesen. Vor Jahren kehrte er zuerst der Partei den Rücken, dann wanderte er aus. Inzwischen züchtet er Lamas in Peru. Die Wolle verarbeitet und vertreibt er nach streng ökologischen Prinzipien, versteht sich.
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Der heutige 21. Dezember ist der Tag der Wintersonnenwende und somit der kürzeste des Jahres. Jedenfalls in Deutschland. Was die Länge der Nacht betrifft, gilt es regionale Unterschiede zu beachten: Die mit 16 Stunden und 51 Minuten längste Nacht hat Flensburg zu ertragen. Die Stadt nahe der dänischen Grenze ist Deutschlands nördlichste. Erheblich kürzer ist die Nacht auf den 22. Dezember in Bayern, vor allem in Garmisch-Partenkirchen: Ganz im Süden des Freistaats müssen die Bewohner nur 15 Stunden und 34 Minuten lang auf das Tageslicht warten.
Ab morgen werden die Tage dann wieder länger und die Nächte kürzer – bis am 21. März, dem Beginn des Frühjahres, Tag und Nacht exakt gleich lang sind. Mit der Wintersonnenwende bricht kalendarisch der Winter an, obwohl unsere Wetterfrösche den Anbruch der kältesten Jahreszeit auf den Beginn des Monats Dezember gelegt haben. Anders ausgedrückt: Der 1. Dezember ist meteorologischer Winteranfang. Kälte und Dunkelheit gemeinsam lassen sich nur schwer ertragen. Trösten Sie sich mit dem Gedanken, dass es von heute an – zumindest was die Länge der Tage betrifft – wieder aufwärts geht.
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Es war einmal ein Umweltgipfel. Der wurde 1992 in der schönen Stadt Rio de Janeiro abgehalten. Die Teilnehmer stellten fest, dass der Klimawandel ein ernstes Problem und die Staatengemeinschaft zum Handeln gezwungen ist. Auf der daraufhin einberufenen ersten UN-Klimakonferenz, 1995 in Berlin, beschloss man, die Gemeinschaft zu festigen und den Zwang zu verschärfen.
Auf dem dritten Weltklimagipfel 2 Jahre später im japanischen Kyoto wurden erstmals Ziele für eine Reduktion des Treibstoffausstoßes festgelegt, die für alle Industrienationen rechtlich verbindlich sein sollten. Das konnten sie aber nur, wenn die Staaten, die zusammen für 55 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich sind, das so genannte Kyoto-Protokoll auch ratifizieren. Das ist inzwischen geschehen. Leider ist der größte Verursacher der treibgasgesteuerten Erderwärmung wieder ausgestiegen: Die Vereinigten Staaten haben das Kyoto-Protokoll zwar unterzeichnet, aber sie haben es nicht ratifiziert.
Seit Montag findet im dänischen Kopenhagen die mittlerweile fünfzehnte UN-Klimakonferenz statt, und sie dauert noch bis zum 18. Dezember. Was dort beschlossen wird, zeigt die Erfahrung, ist zwar wichtig. Noch wichtiger ist jedoch, dass die Regierungen später auch zu ihren eingegangenen Verpflichtungen stehen. Die US-Regierung sollte die Worte eines amerikanischen Schriftstellers beherzigen: „Ein Weiser ohne Taten“, meinte John Steinbeck, „ist eine Wolke ohne Regen.“ Das Volk wiederum sollte seine Regierung – vor allem, was die Umweltpolitik betrifft – stärker an Taten statt an Worten messen. Sonst wird nicht nur der Regen sauer.
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