Lassen Sie mich heute mit einer fremdsprachigen Anekdote beginnen: Das Englische ist ja durchaus eine Sprache, die ihre Tücken hat. Zum Beispiel kennt sie das Wort ‘water’ als Haupt- und als Zeitwort: ‘water’ bedeutet Wasser, ‘to water’ heißt Wasser geben, wie man es etwa einer Pflanze angedeiht. Ob das im Englischen auch mit Milch funktioniert?
Ein kleines Mädchen, beginnt unsere Geschichte, fragt ihre Mutter: “Is it correct to say ‘water a horse’ when it is thirsty?“ Die Mutter antwortet: “Yes, dear, quite correct.“ Darauf die Kleine: “All right, then, I am going to milk the cat.“ Katzen werden in unseren Breiten nicht gemolken, Kühe schon. Damit das so bleibt, gibt es den Weltmilchtag am 1. Juni. An diesem Datum soll weltweit das Nahrungsmittel Milch als natürliches und gesundes Getränk für alle Nationen und Altersstufen in Erinnerung gerufen werden. Mit anderen Worten: Der Tag der Milch ist eine Propaganda- Veranstaltung der Centralen Marketing-Gesellschaft, kurz CMA, um das Image der den Tieren geraubten Milch aufzubessern. So sehen es jedenfalls die verschiedenen Veganerorganisationen, die den Konsum tierischer Produkte ebenso ablehnen wie Nutztierhaltung und Tierversuche.
Am Weltmilchtag soll in diesem Newsletter beiden Seiten ein Forum gegeben werden.
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„Ich soll eine Autobiographie schreiben? Ich bin doch erst Siebzig. Das ist grad mal die Hälfte!“ So sprach Rüdiger Nehberg anno 2005. Seitdem sind fünf Jahre vergangenund zwei Autobiographien erschienen.
Die zweite trägt den Titel Sir Vival blickt zurück – eine Verballhornung seines Ehrentitels, denn der Mann gilt als Überlebenskünstler. Seinen Ruf zementierte Nehberg 1981 mit einer Fußwanderung von Hamburg nach Obersdorf. Für die tausend Kilometer brauchte er 23 Tage und ernährte sich dabei ausschließlich von dem, was er im Wald fand. Ganz allein war Nehberg freilich nicht auf seinem „Deutschlandmarsch“: Ein Fernsehteam begleitete ihn, anschließend wurde die Dokumentation im ZDF ausgestrahlt. Vielleicht half dem Asketen sein früherer Beruf bei der neuen Enthaltsamkeit: Ein Vierteljahrhundert lang hatte Nehberg zuvor als selbständiger Konditor in Hamburg gearbeitet. Aus dieser Zeit stammt wohl seine Abneigung gegen Zucker, nach Ansicht des Experten ein Nahrungsmittel, das in erster Linie Karies hervorbringt.
Heute feiert Nehberg seinen 75. Geburtstag. Wir werden wohl noch weitere Autobiographien über uns ergehen lassen müssen.
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„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus, da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus:“ So heißt es in Emanuel Geibels 1841 entstandenen Wanderlied.
Morgen beginnt der Mai, das Wandern hat hierzulande schon seit längerem Konjunktur. 40 Millionen Deutsche, so eine Untersuchung des deutschen Wanderverbandes, verbringen ihre Freizeit auf Schusters Rappen. Das sagt natürlich überhaupt nichts aus. Aufschlussreicher wird die Studie, indem sie zwischen Tagesausflügen und mehrtägigen Wandertouren unterscheidet. Bei letzteren bringen es die Deutschen auf 8,7 Millionen jährlich, wobei im Schnitt dreieinhalb Übernachtungen pro Wanderurlaub anfallen. Das freut die einheimischen Urlaubsregionen nicht weniger als die auf der Wanderwelle mitschwimmende Freizeitindustrie. 144 000 Arbeitsplätze wurden durch das so gesundheitsfördernde wie umweltfreundliche Hobby geschaffen und 7,5 Milliarden Euro an Umsätzen generiert.
Hinzu kommt noch einmal die Hälfte dieser Summe für Ausrüstung wie Wanderschuhe und Wanderkarten. Nicht zu vergessen die Kosten, welche die gebeutelten Krankenkassen durch die höhere Fitness und geringere Anfälligkeit ihrer Mitglieder einsparen.
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Heute vor 100 Jahren starb Samuel Langhorne Clemens. Kennen Sie nicht? Dann vielleicht sein Pseudonym: Unter diesem veröffentlichte der Autor seine Romane um Tom Sawyer und Huckleberry Finn.
Letzterer ist ein Stromer und lebt konsequenterweise am größten Fließgewässer Nordamerikas. Der ideale Ort für ihn ist ein Floß auf dem Mississippi; sein Leben ist so lange in Ordnung, wie er nicht darüber nachdenkt. Hucks bester Freund ist der entlaufene Negersklave Jim. Die beiden verstehen sich prima. Wären da nur nicht die schlimmen Selbstzweifel, die Huck regelmäßig befallen: Er hält sich für einen zutiefst schlechten Mensch, weil er seiner Bürgerpflicht nicht nachkommt und es nicht über sich bringt, Jim beim Sheriff anzuzeigen.
Am Ende akzeptiert Huck sein Verdorbensein, was nicht nur für Jim ein Glück ist. Die bissige Zivilisationskritik setzte sich auch diesseits der Romanwelt fort, im wirklichen Leben des Autors. So haben unzählige seiner Sinnsprüche bis in unsere Zeit überlebt. Einem davon möchte ich Ihnen noch mit auf den Weg geben: „Gesetzeslücken“, fand Mark Twain, „lassen sich durch beständigen Gebrauch beträchtlich erweitern.“
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Bei den Tieren macht’s die Masse, dass man sie nicht mag. Die einzelne Ratte erscheint dem Menschen als durchaus putzig. Sieht er sich einer ganzen Horde gegenüber – und steht die Meute zudem in Verdacht, Krankheiten zu übertragen oder die Nahrung wegzunehmen – lässt die Sympathie merklich nach.
Wie gut, dass der durchschnittliche Leser dieses Newsletters in Deutschland und nicht im Osten Kanadas beheimatet ist. Die Bundesrepublik gilt nicht gerade als Elchland. Wenn doch einmal eines dieser schaufelförmigen Wesen in teutonischen Wäldern auftaucht, ist ihm die Sympathie eines ganzen Volkes sicher. Auf diesen Newsletter übertragen heißt das: Wenn wieder einmal von unserem gehörnten Freund die Rede ist, erreichen die Redaktion doppelt so viele positive Lesermeldungen wie an normalen Tagen, nämlich zwei. Auf der ostkanadischen Insel Neufundland hingegen leben 120 000, nach anderen Schätzungen sogar 150 000 Elche. Die futtern täglich einen halben Zentner, vorzugsweise in Form junger Fichten und Birken. Das schadet dem Wald und betrübt die Spaziergänger, erfüllt Ökologen mit Sorge und bringt die Anwohner in Rage: „Es gibt zu viele verdammte Elche in Neufundland“, zitiert die Süddeutsche Zeitung einen von ihnen, „sie laufen herum wie die Ratten.“
Ob der Rat helfen würde, es gegenüber den Tieren wie bei den Menschen zu handhaben und das Individuum in den Vordergrund zu stellen? Eher nicht, denn eine mächtige Lobby hat sich in die Phalanx der Elchhasser eingereiht: Nicht weniger als 800 Verkehrsunfälle mit Elchen gab es im vergangenen Jahr auf der Insel.
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Der April ist – nach den Worten des Aphoristikers Wolfram Weidner – der Monat, in dem das Wetter so unzuverlässig ist, dass es manchmal mit den Vorhersagen übereinstimmt. Und die lauten, um möglichst sicher zu gehen, meistens: Regen. Da das Wetter im April so wechselhaft ist, schlägt es sich häufig in Form kurzer Schauer nieder. Meistens treffen uns diese Kapriolen immer dann, wenn wir keinen Schirm mitführen.
Immer wieder stellt sich in solchen Situationen die Frage der Schadensbegrenzung: Wie schaffen wir es, möglichst wenig nass zu werden? Sollte wir dazu schnell oder langsam durch den Regen laufen? Dazu hat die Redaktion der WDR5-Wissenschaftssendung Leonardo folgende Überlegung angestellt: Wenn Sie eine Strecke von A nach B zurücklegen, befindet sich der Regen nicht nur über Ihrem Kopf, sondern überall um Sie herum. Mit der Vorderseite des Körpers nehmen Sie das gesamte Wasser auf, das sich zwischen den Punkten A und B gerade in Brust- und Bauchhöhe befindet – ganz gleich wie schnell Sie sich bewegen. Wenn Sie also Ihren Kopf möglichst trocken halten wollen, dann legen Sie einen Zahn zu. Der einzige Nachteil: Je schneller Sie gehen, desto größer die Durchschlagskraft der Regentropfen. Und umso stärker spüren Sie den Regen.
Soweit die Experten. Am besten, Sie gewöhnen sich an, immer einen Satz trockener Leibwäsche im Rucksack mitzuführen. Vielleicht auch eine dünne Ersatzhose. Und ein Handtuch.
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Stellen Sie sich vor, Sie spazieren durch den Wald, und Ihnen begegnet eine fünfköpfige Familie. Alle sind braun gekleidet, recht schweigsam und fallen durch ihre ungewöhnliche Fortbewegungsart auf. Die findet auf allen Vieren statt, denn bei dem Quintett handelt es sich um Braunbären. Bis zum 17. Jahrhundert hat Meister Petz in der Eifel gelebt und wurde unlängst wieder dort angesiedelt.
Seine neue Heimat ist der Nationalpark Nordeifel nahe der belgischen Grenze. In dem über Jahrzehnte naturbelassenen Gebiet hielt früher die Armee des Nachbarlandes ihre Manöver ab. Nach Ansicht der Nationalparkverwaltung eignet es sich bestens für die Wiederansiedlung zwischenzeitlich ausgestorbenen Wildes. Die Braunbären stammen aus Rumänien, wo sie in einer Vorstadt von Cluj hausten, dem ehemals deutschsprachigen Klausenburg. Die putzigen Tiere ernährten sich von dem, was die Einheimischen wegwarfen, und richteten allenfalls an Mülltonnen Schäden an, berichtet Viorel Veterinescu, der selbst aus Rumänien stammt und seit einem Jahr Chef der Eifeler Nationalparkverwaltung ist. Befürchtungen, die ausgesetzten Bären könnte eine Gefahr für Parkbesucher darstellen, verweist Veterinescu ins Reich der Fabel: „In den letzten zehn Jahren gab es in Nordrumänien exakt einen Bärenzwischenfall mit Personenschaden: Ein Bauer wollte verhindern, dass ein Bär seinen Wertstoffbehälter nach Essbarem durchsuchte. Kurzerhand schob er ihn in die Tonne und verriegelte den Deckel. Unklug nur, dass er nach einer halben Stunde nachschaute, ob der Bär immer noch da war.“
Besuchern, die unvermittelt einem oder mehreren Mitgliedern der Bärenfamilie begegnen, rät Veterinescu, das im Rucksack mitgeführte Essen zu teilen: “Dabei sollte es unbedingt gerecht zugehen. Bären können sehr empfindlich sein!” Im übrigen lägen am Eingang zum Nationalpark Exemplare von Joshua Pivens und David Borgenichts Bestseller Das Survival-Buch: Überleben in Extremsituationen zur kostenlosen Mitnahme bereit. Als weitere Maßnahme erwägt Veterinescu, eine Ausgabe von Tony Buzans erfolgreichem Ratgeber Wie lese ich ein Buch in 10 Minuten hinzuzugeben. Dafür müsste allerdings ein kleiner Obolus von ein paar Euro entrichtet werden.
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Vom deutschen Wolf berichteten wir zuletzt vor zwei Jahren (siehe unsere Newsletter vom 14. Juli „Dein Feind, der Wolf?“ und 11. Juni 2008 „Das Tier des Jahres 2003, für alle zugänglich“). Damals war in Schleswig-Holstein ein aus Sachsen eingewandertes ier überfahren worden. Die Biologin Ute Kröger vom ostholsteinischen Wildpark Eekholt hatte anschließend ihre Landsleute aufgefordert, darüber nachzudenken, wie man bei einer Einwanderung mit Meister Isegrim umgehen will. Es wurde nachgedacht.
Sogar an allerhöchster Stelle: Umweltministerin Juliane Rumpf präsentierte jetzt ein Konzept, wie das scheue Tier in Schleswig-Holstein wieder heimisch gemacht werden kann. Der so genannte Wolfsmanagementplan sieht vor, die Bevölkerung für eine Wiederansiedlung zu sensibilisieren. Welche Gegenleistung der Wolf anbieten soll, ist nicht bekannt. Doch so schlimm soll der Räuber gar nicht sein: Immerhin leben inzwischen wieder 50 Wölfe in Deutschland, in 5 Rudeln. Zu Zwischenfällen ist es noch nicht gekommen.
Spezielle Wolfsbetreuer sollen dafür sorgen, dass die Ängste vor dem wilden Vetter unseres liebsten Haustiers abgebaut werden. Die Betreuer werden im Wildpark Eekholt angesiedelt. Dort soll sich, so wünscht es sich Ministerin Rumpf, ein zentraler Wolfsstützpunkt entwickeln.
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Eine farblose Flüssigkeit, die schwarz wird, wenn man sein Gesicht darin wäscht: So definierte Mickey Mouse das Lebensmittel, das wir alle am dringendsten brauchen.
Leider hat es nicht jeder zur Verfügung: 1,2 Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern besitzen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, und jedes Jahr sterben zehnmal so viele Menschen durch verschmutztes Wasser als durch militärische Auseinandersetzungen. Das liegt beileibe nicht daran, dass es so wenig Krieg auf dieser Welt gibt.
Wohl aber ausreichend Wasser: Der weitaus größte Teil davon weist jedoch eine Ingredienz auf, die es ungenießbar macht. Um das Schmutziggraue - so die Bedeutung des indogermanischen Wortstamms sal - wieder herauszuwaschen, wird großer Aufwand betrieben.
Rund um den Globus sind über 14.000 Meerwasserentsalzungsanlagen in Gebrauch. Den größten Teil des auf diese Weise aufbereiteten Trinkwassers konsumieren die Bewohner der Arabischen Halbinsel. Dort ist die Entsalzung längst zu einem Umweltproblem geworden, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Die Anlagen am Golf spülen täglich 24 Tonnen Chlor, 300 Kilogramm Kupfer und 65 Tonnen anderer chemischer Substanzen in die Gewässer.“ Und durch die täglich zur Entsalzung entnommenen zwölf Millionen Kubikmeter Wasser wird den Fischen - und indirekt ihren tierischen und menschlichen Verwertern - die Nahrungsgrundlage in Form überlebenswichtiger Mikroorganismen entzogen.
Was gegen einen solchen Raubbau hilft? Weniger Wasser verbrauchen! Nicht nur am heutigen Weltwassertag sollte darüber nachgedacht werden.
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Vom Eise befreit sind zwar weder Strom noch Bäche, dennoch zieht am Wochenende der Frühling bei uns ein. Selbst Johann Wolfgang von Goethe, hieß es vor 4 Jahren in diesem Newsletter (siehe Ausgabe vom 20. März 2006 „Vom Eise befreit?!“) dürfte nur wenige Winter erlebt haben, die so lang und hart waren, dass er es zu ungemütlich für einen Aufenthalt in seinem Gartenhaus fand.
Nun, diesen Winter hätte er noch weniger Tage im Park an der Ilm in Weimar verbracht; es sei denn, unser Dichterfürst wäre ein Freund bizarrer Schneelandschaften gewesen. Was Goethe an Schnee faszinierte, waren die farbigen Schatten, die er – so der Dichter in seiner Farbenlehre – warf: „Der Schnee erscheint im Schatten blau, ebenso erscheint er auch bei eintretender Nacht, je dunkler es wird, desto tiefer wird die Farbe desselben werden“.
Goethes Farbenlehre zählt nicht zu den stärksten Werken des bedeutendsten deutschen Autors, weswegen statt auf die dunklen lieber auf die hellen Tage verwiesen wird, welche die neue Jahreszeit mit sich bringt. „Das holde Tal“, schreibt der Dichter in Reichthum und Blüthe, „hat schon die Sonne wieder/Mit Frühlingsblüt- und Blumen angefüllt,/Die Nachtigall singt immer neue Lieder/Dem Hochgefühl, das ihr entgegenquillt.“
Wie schön, dass Goethe die alte Journalistenregel beherrschte, immer dort, wo etwas einzusparen ist, dies auch zu tun – und seien es nur zwei Buchstaben.
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