Archiv für Kategorie ‘Natur’:

Ein Apfel am Tag

Freitag, 18. Januar 2013

An apple a day keeps the doctor away: Wer könnte die Gültigkeit eines solchen Spruchs, auch wenn er auf Englisch verfasst ist, besser bestätigen als ein Arzt? Theodor Engelbrecht, heute vor 200 Jahren auf Gut Monplaisir bei Wolfenbüttel geboren, war ausgebildeter Mediziner, Professor für Physiologie am Braunschweiger chirurgisch-anatomischen Institut und Sanitätsrat des Herzogtums Braunschweig.

Neben der ärztlichen Versorgung lag Engelbrecht eine gesunde Ernährung der Bevölkerung am Herzen. Der einfachste Weg zur vitaminreichen Nahrungsaufnahme war damals in unseren Breiten, wie die Eingangszeile verrät, der tägliche Verzehr eines Apfels. Davon gab es hierzulande bereits im 19. Jahrhundert eine Menge Sorten.

Engelbrecht trug sie zusammen und beschrieb sie in seinem 1889 erschienenen, 778 Seiten starken Werk Deutschlands Apfelsorten. Sie müssen nicht in die Bibliothek rennen, um alle zu bestaunen. Einfacher geht es online: Auf der Internetseite obstsortendatenbank.de hat die Ortsgruppe Lemgo des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sämtliche von Engelbrecht gesammelten 481 Apfelsorten aufgeführt - von Adams Parmäne über Luxemburger und Mandel- bis hin zur Zitzenrenette und zum Zwiebelborsdorffer: einfach anklicken, und eine saubere Bleistiftzeichnung samt detaillierter Beschreibung erscheint.

Engelbrechts hobbymäßig, aber sehr sorgfältig betriebene Wissenschaft heißt übrigens Pomologie; auf Deutsch: die Lehre von den Äpfeln. Auf der BUND-Seite finden sie neben dem Engelbrecht-Eintrag die Biografien 36 weiterer namhafter Pomologen, vornehmlich des 18. und 19. Jahrhunderts. Alle haben offenbar nicht nur geforscht und klassifiziert, sondern auch ihr Fach gelebt. Wie sonst lässt es sich erklären, dass sie im Schnitt ein Alter von 72,2 Jahren erreicht haben? Das waren satte 17 Jahre mehr, als Erwachsene - der Säuglings- und Kindersterblichkeit glücklich entronnen - in jener Zeit üblicherweise erleben durften.

Engelbrecht wurde sogar 79 Jahre alt. „Der regelmäßige Konsum von Äpfeln“, lautet das Fazit der Betreiber des BUND-Portals, müsse „doch etwas sehr Positives bewirken.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Das Novemberwetter und die geeignete Kleidung

Mittwoch, 14. November 2012

Das Wetter als Small Talk-Thema zieht immer. Vor allem der November hält Kapriolen bereit, die Ihnen einiges an Vorlagen bieten. Beispielsweise die Kleiderfrage: Sie stellt vermutlich auch Ihren Gesprächspartner vor mancherlei Probleme. Regenjacke oder Regenmantel? Winterstiefel oder Business-Schuhe? Mütze oder Schirm?

Die erste Überlegung für den Novemberwetter-Small Talk lautet: Wählen Sie beziehungsweise Ihr Gesprächspartner die praktische oder die modische Form? Regenjacken und Anoraks sind eigentlich für die Business-Kleidung zu kurz, da darunter das Jackett hervorlugt. Legen Sie Wert auf eine elegante Erscheinung, bleibt nur der Regenmantel! Den wiederum können Sie über allen Kleidungsstücken tragen, auch über dem Jackett. Fragen Sie im Small Talk Ihr Gegenüber, welche Lösung er bevorzugt.

Die Entscheidung für oder gegen praktische Kleidung am Fuß ist ebenfalls nicht so einfach, birgt aber Diskussionsstoff für die Unterhaltung. Wintertreter halten Regen ab und ihre Träger warm. Leider wirken sie wenig elegant. Andererseits sind durchnässte Schuhe und Strümpfe im Büro auch kein Vergnügen.

Vielleicht weiß Ihr Small Talk-Gesprächspartner einen Ausweg?

Bleibt noch die Kopfbedeckung. Manche schwören auf Wollmützen, andere auf Baseballkappen. In der Freizeit sind diese Kleidungsstücke völlig okay. Aber auf dem Weg zu einer Gala oder auch einem etwas weniger vornehmen gesellschaftlichen Anlass? Hüte andererseits lassen Sie zwar elegant erscheinen, aber auch altmodisch. Und der Schirm? Nervt auf Dauer nicht nur den Träger, sondern auch die Menschen, denen Sie auf engen Bürgersteigen begegnen.

Sie sehen, das Novemberwetter bietet reichlich Kontroversen für einen abwechslungsreichen Small Talk. Ihrem Gegenüber wird es bestimmt ein Vergnügen sein, wenn er Ihnen den einen oder anderen guten Tipp bezüglich der Kleiderfrage mit auf den Heimweg geben kann.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Ein Tag wie geschaffen, um übers Wetter zu reden

Montag, 8. Oktober 2012

Der 8. Oktober ist der Tag der Wettergespäche und des Small Talks. Nachgelesen habe ich das in Timo Lokoschats Es wird eng im Kalender (siehe unseren Newsletter vom 27. März 2012: Kontroverses Konfekt in Zurückhaltung gebietender Zeit).

Als Initiator des Gedenktags ist Bastian Melnyk aufgeführt, ein Softwareentwickler und Karikaturist aus Stuttgart, der offenbar dem Hobby nachgeht, immer wieder neue kuriose Gedenktage auszurufen. Schreibt jedenfalls der Nachrichtensender ntv auf seiner Webseite, um noch einen Satz hinzuzufügen: „Als Königin des Small Talks gilt Queen Elizabeth II.“

Letzteres ist der Redaktion dieses Newsletters noch nicht aufgefallen, obwohl, das müssen wir zugeben, das britische Könighaus immer für einen Beitrag in der Sparte „Seichte Unterhaltung“ gut ist. Selbstverständlich auch in Verbindung mit dem Wetter. Bestes Beispiel ist die Witwe des englischen Königs Georg V., Mary. Als die 1953 im Alter von 83 Jahren verstorbene Großmutter der aktuellen Throninhaberin einmal die Eröffnung einer Brücke vornehmen sollte, riet man ihr wegen des schlechten Wetters und angesichts ihres hohen Alters ab: Das ursprünglich vorgesehene Programm sollte stark abgekürzt, die Eröffnung nur symbolisch vorgenommen werden.

Nun sind besonders die weiblichen Mitglieder der Familie Windsor für ihre körperliche Robustheit bekannt. Mary dachte gar nicht daran, die zum Teil extra wegen ihr angereisten Besucher zu enttäuschen. Resolut griff die Königingroßmutter zum Regenschirm. „Meine Herren“, beschied sie den allzu vorsichtigen Mahnern, „merken Sie sich eins: Wenn etwas wert ist, getan zu werden, dann ist es auch wert, gut getan zu werden.“

Der Tag wurde trotz des schlechten Wetters zu einem großen Erfolg. Merken Sie sich die Geschichte für Ihren Small Talk, wenn das Datum nichts Besonderes hergibt und es obendrein noch wie aus Eimern gießt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Kein trüber Small Talk zum Herbstbeginn

Mittwoch, 19. September 2012

Es muss im Herbst nicht immer düster und melancholisch zugehen. Zumindest nicht im Small Talk. Wählen Sie eine fröhliche Eröffnung, etwa indem Sie Ihrem Gegenüber folgende Frage stellen: Wie heißt die Jahreszeit, in der die Tage kürzer und die Bremswege länger werden? Daran prima anknüpfen ließe sich ein munteres Gespräch.

Wie aber reagieren Sie, wenn Ihr Gesprächspartner Ihnen im Small Talk mit Rainer Maria Rilke kommt: „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.“ So beschrieb der österreichische Dichter, der nach dem Ersten Weltkrieg tschechoslowakischer Staatsbürger wurde, den Herbst.

Da hat Ihr Gegenüber freilich schweres Geschütz aufgefahren. Kontern Sie mit ähnlichem literarischen Kaliber. Zitieren Sie einen für seine Melancholie bekannten Salzburger Dichter. Und überraschen Sie Ihr Small Talk-Pendant! Georg Trakl wusste dem Herbst durchaus Positives abzugewinnen: „Es ist der Liebe milde Zeit. Im Kahn den blauen Fluss hinunter - wie schön sich Bild an Bildchen reiht. Das geht in Ruh und Schweigen unter.“

Wollen Sie vom hohen literarischen Ross wieder herunterkommen? Versuchen Sie es im Small Talk mit folgender recht erdverbundener Definition: Ein perfekter Herbsttag ist einer, an dem der Rasen nicht mehr gemäht zu werden braucht und die Blätter noch nicht von den Bäumen fallen.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Späte Anerkennung

Donnerstag, 19. Juli 2012

„Ich bin überzeugt, dass es nicht lange dauern wird, da die ganze Welt die Ergebnisse dieser Arbeiten anerkennen wird.“ Diesen Satz (siehe unseren Newsletter vom 8. Februar 2010: Karriere innerhalb und außerhalb der Klostermauern) sagte Gregor Mendel kurz vor seinem Tod.

Der Vater der Vererbungslehre, am 22. Juli im nordmährischen Hynčice 1822 geboren, starb 1884 in Brünn. Seine in mehr als 10 000 Versuchen hinter Klostermauern - Mendel war Abt der Augustinermönche - zunächst mit Erbsen, später Bohnen, schließlich mit Habichtskraut gewonnenen Erkenntnisse hatte er in Versuche über Pflanzen-Hybriden dokumentiert.

Das Werk fand Einzug in zahlreiche Bibliotheken - und gammelte meist ungelesen vor sich hin. Das änderte sich erst mit Anbruch des neuen Jahrhunderts, als gleich drei Wissenschaftler Mendel wiederentdeckten und, unabhängig voneinander, darüber publizierten: Hugo de Vries an der Amsterdamer, Carl Correns an der Tübinger und Erich Tschermak-Seysenegg an der Wiener Universität.

Ihre Abhandlungen erschienen innerhalb von 3 Monaten, im Frühjahr 1900. Alle 3 Wissenschaftler beriefen sich ausdrücklich auf Mendel, ohne dessen Vorarbeiten ihre Forschungsergebnisse laut eigener Aussage nie zustande gekommen wären. Es gab noch einen vierten Genetiker, der Bezug nahm auf den Brünner Augustinerabt: William Bateson, anders als Mendel mehr in der Tier- als in der Pflanzenwelt zu Hause, ließ dessen Buch ins Englische übersetzen.

Er reiste sogar nach Brünn, um sich vor Ort einen Eindruck von Mendels Forschungen zu verschaffen. Die Mönche in der Abtei waren ob so viel wissenschaftlichen Interesses wenig erfreut; offenbar hielten sie es lieber mit der Schöpfungslehre.

Ganz anders die Fachwelt: Sie nahm Mendels Arbeiten begeistert auf. 1908 schon gab es den ersten Nobelpreisträger auf dem Gebiet der Genetik. Thomas Hunt Morgan hatte an der New Yorker Columbia University mit Fruchtfliegen experimentiert. Da mochten sich auch die Kirchenoberen in Mendels Heimat nicht mehr zurückhalten. Am Ende des Jahrzehnts setzten sie ihm im Brünner Augustinerkloster das verdiente Denkmal.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ohne Uhr schätzen, wie viel Zeit vergangen ist

Montag, 16. Juli 2012

Haben Sie sich schon mal überlegt, sich einschließen zu lassen? In einen Raum ohne Tageslicht, ohne Uhr, ohne Geräusche, die von außen in Ihre abgeschiedene Welt dringen? Und anschließend, wenn Sie wieder raus dürfen, zu schätzen, wie viel Zeit vergangen ist?

Heute vor 50 Jahren startete Michel Siffre ein solches Experiment. Der französische Geologe stieg hinab in eine Gletscherhöhle, die sich unterhalb des Seealpenmassivs an der Grenze seines Heimatlandes zu Italien erstreckte. 2 Monate Aufenthalt in dem unterirdischen Refugium waren geplant.

Doch als sein Helferteam ihn wieder nach oben expedieren und er das Datum schätzen sollte, gab er den 20. August an. In Wirklichkeit war schon der 14. September angebrochen. Ob die Zeit unter Tage und ohne Orientierung entsprechend kurzweilig war? Weit gefehlt!

Zwar hatte sich Siffre neben Proviant, Batterien und Gaskocher mit seinen Lieblingsschallplatten und -büchern eingedeckt und ein relativ komfortables Zelt aufgebaut. Eine konstante Temperatur von null Grad und eine Luftfeuchtigkeit von nahezu 100 %, die Schlafsack und Klamotten ständig feucht hielt, erschwerten ihm jedoch das Leben.

Vollends zur Hölle wurde es, als er das Zeitgefühl verlor. Per Telefon gab Siffre regelmäßig Schätzungen von Datum und Uhrzeit durch: immer wenn er wach wurde, nachdem er etwas gegessen hatte und bevor er schlafen ging. Seinen üblichen Rhythmus von 8 Stunden Schlaf und doppelt so langem Wachsein hielt er, ohne es zu wissen, bei. Die innere Uhr funktionierte also.

Doch ordnete Siffre die Zeit zwischen Aufstehen und Zubettgehen völlig falsch ein. Während er schätzte, nur wenige Stunden wach gewesen zu sein, war in Wirklichkeit das Doppelte und Dreifache der veranschlagten Zeit vergangen. Nicht nur psychisch litt der Forscher während des Experiments. Unternahm er anfänglich noch ausgedehnte Touren in dem unterirdischen Höhlensystem, hielt er sich bald nur noch in unmittelbarer Nähe seines Zeltes auf.

Das Tagebuchschreiben half ihm, doch der Verlust des Zeitgefühls hätte ihn langfristig zermürbt gemacht. Während der 2 Monate unter der Erde allerdings verbuchte Siffre nur einen einzigen Anflug von Wahnsinn. Später unternahm der Franzose noch weitere Versuche in völliger Abgeschiedenheit. Vor allem von der US-Weltraumforschung wurden sie aufmerksam registriert.

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Mobiler Autismus

Dienstag, 5. Juni 2012

Die Konferenz von Rio de Janeiro 1992 (siehe unseren Newsletter vom 9. Dezember 2009: Eine Wolke ohne Regen) gilt als Meilenstein der internationalen Umweltpolitik. Die damals gefassten Beschlüsse vor allem in Bezug auf den Klimawandel gelten als bahnbrechend - unbeachtet der Tatsache, dass sie niemals vollständig umgesetzt wurden.

Zuvor gab es schon einmal einen bedeutenden Umweltgipfel. Er fand heute vor 40 Jahren in Stockholm statt. Festgelegt wurde in der schwedischen Hauptstadt die Klimarahmenkonvention. Sie mündete später im Kyoto-Protokoll, das den weltweiten Treibgasausstoß regulieren soll. Längst ist der wegweisende 5. Juni von den Vereinten Nationen zum Weltumwelttag ausgerufen worden.

An diesem Datum soll das Bewusstsein möglichst vieler Menschen hinsichtlich drängender Umweltprobleme geschärft werden. Eindrucksvoll gelang dies Yann Arthus-Bertrand mit seinem Dokumentarfilm Home, der vor 2 Jahren pünktlich zum 5. Juni in die Kinos kam.

Der französische Regisseur beschränkte sich weitgehend auf Luftaufnahmen, die er über sämtlichen Kontinenten drehte. Darin plastisch sichtbar wurden die Folgen von Erderwärmung, Wassermangel und Bodenerosion, aber auch von der Zerstörung durch Raubbau an der Natur, industrialisierte Landwirtschaft und Massenproduktion, Wasser- und Energieverschwendung.

Zum Schluss richtet Arthus-Bertrand einen eindringlichen Appell an sein Publikum, das eigene Konsumverhalten zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern. Immerhin gelang es ihm, seine Zuschauer aufzurütteln. Auch werden sich viele an die eigene Nase gefasst haben. Ob sich der Prozess bis zu den Händen und Füßen fortsetzte, darf bezweifelt werden.

Noch immer werden letztere hauptsächlich dazu benutzt, um ins eigene Auto zu steigen. Das belegt eindrucksvoll die jüngste Studie des VCÖ. Hinter dem Kürzel steck der der Verkehrsclub Österreich. Der hat ausgerechnet, dass jede 11 Autofahrt in unserem Nachbarland kürzer als ein Kilometer und jede zweite kürzer als 5 Kilometer ist. Als wäre dies noch nicht Umweltsünde genug, sitzen pro Fahrt durchschnittlich 1,07 Insassen im Wagen. Automobilismus ist wohl doch, wie schon der 1935 geborene Schweizer Satiriker Felix Renner feststellte, mobiler Autismus.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Wie viel Mal passt Finnland in Argentinien hinein?

Montag, 5. März 2012

Beim Betrachten einer etwas älteren Weltkarte müssten Ihnen einige Ungereimtheiten auffallen. Die größte Insel etwa, Grönland, erscheint von der Fläche her kaum kleiner als der kleinste Kontinent, Australien.

Dabei ist Australien dreieinhalb Mal so groß wie Grönland. Auch sieht es, um ein weiteres Beispiel zu nennen, auf einer solchen Karte nicht so aus, als würde Finnland mehr als achtmal in Argentinien hineinpassen. Eher dreimal. Tatsächlich weist das Land im Hohen Norden gerade mal 338 000 Quadratkilometer auf, während sich das achtgrößte Land der Erde über knapp 2,8 Millionen Quadratkilometer erstreckt.

Schuld an der verzerrten Wahrnehmung ist die so genannte Mercator-Projektion. Diese kartographische Darstellung ist zwar in der Mitte flächentreu, in Richtung Norden jedoch nicht. Die Länder in der vom Betrachter aus gesehenen oberen Kartenhälfte wirken größer als diejenigen der südlichen Erdhälfte.

Messen Sie mal mit einem Lineal den Abstand vom Äquator zum Nord- und anschließend diejenige zum Südpol! Zudem stehen die Längen- und Breitengrade nach Mercator-Projektion – das erhöht die Lesbarkeit der Karte – fast im rechten Winkel zueinander.

Ganz anders bei der Winkel’schen Projektion: Hier sind Längen- und Breitengrade stark gekrümmt und die beiden Erdhälften ausgeglichener repräsentiert. Deshalb orientieren sich die modernen Karten an der 1913 erstmals veröffentlichten Projektion des Leipziger Geografen Oswald Winkel.

Doch auch sie hat Nachteile: Die europäischen Staaten werden viel größer dargestellt, als sie in Wirklichkeit sind. Doch ohne diese eurozentristische Sichtweise würden die meisten vermutlich auf keiner Weltkarte wahrgenommen.

Kehren wir noch mal zu Gerhard Mercator zurück. Es ist der Verdienst des Niederländers, zum ersten Mal Karten in einem Atlas zusammengefasst zu haben. Heute vor genau einem halben Jahrtausend wurde der Geograf in der Nähe des flämischen Antwerpen geboren. Lange Zeit war er in Duisburg beschäftigt. Dort sollte eine Universität gegründet werden, mit Mercator als Professor.

Unterrichtet hat er am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr tatsächlich, allerdings keine Studenten: Die feierliche Eröffnung der Hochschule – erst 1655 war es nach vielen Verzögerungen so weit – erlebte er nicht mehr mit. Gerhard Mercator starb 1594. Erst vierhundert Jahre später bekam Duisburgs alma mater seinen Namen verpasst.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Wetterprognose vom Murmeltier

Donnerstag, 2. Februar 2012

Vor 4 Jahren berichteten wir an dieser Stelle erstmals über Punxsutawney Phil (siehe unseren Newsletter vom 1. Februar 2008: Morgen ist Groundhog Day).

jenes Waldmurmeltier aus einem bis auf die ersten Februartage gottverlassenen Nest im US- Bundesstaat Pennsylvania, das nicht nur den Frühlingsbeginn vorhersagt, sondern auch dem Hollywood-Erfolgsfilm Und täglich grüßt das Murmeltier als Vorlage diente.

Doch wie weit her ist es mit der Zuverlässigkeit von Phils Prognosen? Die 100 %, die das murmeltiereigene Webportal groundhog.org vorgibt, werden gelegentlich von altklugen Institutionen wie dem Nachrichtensender CBS oder der größten US-Tageszeitung USA Today angezweifelt. Letztere beruft sich auf eine Studie das renommierten National Climatic Data Center. Das im Bundesstaat North Carolina ansässige Institut verfügt über die größte Sammlung von Wetterdaten weltweit.

Als die Experten ihre Analyse – nicht der wirklichen Wetterdaten, sondern der real existierenden Waldmurmeltierprognosen seit 1988 letztes Jahr öffentlich bekanntgaben, machte sich unter Phils Anhängerschaft eine gewisse Ernüchterung breit: 13 Mal lag der pelzige Wahrsager aus Punxsutawney daneben; nur zehnmal sah das Tierchen richtig vorher, ob dem 2. Februar ein rascher Frühling oder noch 6 Wochen Winter folgen würden.

Um es wissenschaftlich auszudrücken: Phils Trefferwahrscheinlichkeit lag bei 39 %. Eine Steilvorlage für Murmeltierskeptiker wie den CBS-Korrespondenten Barry Leibowitz: Der behauptete frech, Phil sei als Vorhersagemedium nicht besser geeignet als des Reporters eigenes arthritisches Knie. Nach Punxsutawney sollte sich Leibowitz am heutigen 2. Februar lieber nicht bewegen. Sonst läuft er Gefahr, dass Phil unter Vernachlässigung des von ihm geworfenen Schattens, Nagezähne voraus, dem Journalisten ein zweites lädiertes Knie bereitet.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Friede der Kreatur

Freitag, 20. Januar 2012

Haben Sie es inzwischen drauf? Kniechen-Näschen-Öhrchen meine ich. Falls ja, können Sie nebenbei sicher diesen Newsletter lesen. Heute geht es um von vielen Menschen als ekelhaft empfundene Lebewesen. „Spinnen waren mir auch zuwider“, reimte anno 1878 Gottfried Keller, „all meine jungen Jahre, ließen sich von der Decke nieder. In die Scheitelhaare, saßen verdächtig in den Ecken oder rannten, mich zu erschrecken, über Tischgefild und Hände, und das Töten nahm kein Ende.“

Ganz schön brutal, nicht wahr? Immerhin entwickelte der große Schweizer Dichter mit den Jahren eine gewisse Toleranz gegenüber den kleinen Achtbeinern: „Erst als schon die Haare grauten, begann ich sie zu schonen, mit den ruhiger Angeschauten brüderlich zu wohnen.“

Die Angst vor Spinnen, die Arachnophobie, lässt sich am ehesten mit Arachnologie besiegen. Das wusste schon lange vor den Dichtern die Wissenschaftler. So auch der Forscher, der heute vor 222 Jahren das Licht der Welt erblickte: John Blackwall beschrieb in seinem Werk Geschichte der Spinnen Großbritanniens und Irland 340 Arten – und nahm Menschen wie dem jungen Keller einen Teil ihrer Angst vor den Krabbelfüßlern.

Möglich sogar, dass der Eidgenosse das Werk des Zeitgenossen einmal in Händen gehalten hat. Blackwall führte eine Korrespondenz mit Charles Darwin, einige Spinnenarten sind nach ihm benannt, und bis zu seinem Tod 1881 im nordwalisischen Llanwrust (sprich: Chlanrust, mit Schweizer Anlaut-’Ch’; Keller hätte das sicher gut gekonnt) (die verbale Herausforderung ist ähnlich der akrobatischen bei Kniechen-Näschen-Öhrchen) zählte er zu Europas führenden Insektenexperten. Ganz in Blackwalls Sinn beendete Gottfried Keller sein Gedicht Friede der Kreatur: „Hätt’ ich nun ein Kind, ein kleines, in väterlichen Ehren, recht ein liebliches und feines, würd’ ich’s mutig lehren, Spinnen mit den Händen fassen und sie freundlich zu entlassen; früher lernt’ es Friede halten als es mir gelang, dem Alten.“

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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