Lange Nase, riesige Schneidezähne, meist eine Flasche Bier in der Hand und ein Motorrad unterm Hintern: So präsentiert sich, seit 1982, Werner seinen Lesern. Die Comic-Figur ist das Alter Ego des Zeichners Rötger Feldmann alias Brösel.
Eine erste Begegnung des Schreibers dieser Zeilen mit Brösel und Werner hatte zwei Jahre zuvor stattgefunden, in der Satirezeitschrift Pardon. In dem Cartoon sitzt Werner mit seinem Kumpel Hannes in der Kneipe und albert rum. Beide schüttelreimen, was das Zeug hält und der nicht sooo ausgeprägte Verstand hergibt: „Der Koalabär, der Koalabär, trank 15 Flaschen Cola leer!“, beginnt Hannes. Werner kontert: „Das Schwein, das Schwein, war abgefüllt mit Wein!“ Hannes setzt noch einen drauf: „Der Kormoran, der Kormoran, fuhr einen Opel Caravan!“ Solange die Beiden in der Tierwelt bleiben, geht alles gut. Doch dann macht Werner einen schweren Fehler: „Der Idiot, der Idiot, trug einen Pullover rot!“ Hannes schaut schon ganz entsetzt, weil hinter Werner ein kräftiger Typ mit rotem Pullover sitzt. Der mischt sich in den Wettbewerb ein und fällt ein vernichtendes Urteil: „Der Dichter, der Dichter, der kriegt was auf die Lichter!“ Die nonverbale Fortsetzung folgt sogleich. Zum Glück haftete nur Werner, nicht aber seinem Zeichner das Verliererimage weiter an.
Feldmann war damals arbeitslos und gab den ersten Werner-Band im Selbstverlag heraus, mit einer Auflage von 10.000. Bis heute, am 60. Geburtstag von Rötger Feldmann, sind 10 Millionen Werner-Exemplare verkauft.
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Nennen Sie einen deutschen Literaturnobelpreisträger: Wenn Sie eine solche Frage gestellt bekommen, denken Sie vielleicht an Thomas Mann, Günter Grass oder Herta Müller. An Paul von Heyse denken Sie eher nicht. Das könnte daran liegen, dass seine Geburt schon ein Weilchen her ist: auf den Tag genau 180 Jahre.
Auch seit der Preisverleihung ist bereits ein Jahrhundert vergangen. Sie fand 1910 statt; zu einer Zeit, als die Nobelpreise – so möchte man vermuten – meist in den Naturwissenschaften nach Deutschland vergeben wurden. Stimmt aber nicht: Jeweils 2 Jahre vor und nach Heyse gewannen ebenfalls Deutsche den Literaturnobelpreis: Rudolf Eucken und Gerhart Hauptmann. Heyse erhielt die begehrte Auszeichnung „in Anerkennung der vollendeten, von Idealismus durchleuchteten Kunst, für die er während langer fruchtbarer Jahre als Lyriker, Dramatiker, Romancier und Verfasser von weltberühmten Novellen Beweise gegeben hatte.“
Heyse sah sich als Künstler in der Nachfolge Goethes und war wie dieser Italien sehr verbunden. In Bonn hatte er Romanistik studiert, in Italien ein Auslandssemester eingelegt. Auch in seinen Werken war das Land südlich der Alpen immer wieder ein Thema: Seine bekanntesten Novellen – insgesamt schrieb er mehr als 120 – trugen die Titel L’Arrabbiata und Andrea Delfin, oder sie erschienen gleich in gesammelter Form unter Überschriften wie Meraner Novellen oder Novellen vom Gardasee.
Das Jahr 1910 hielt zwei weitere Höhepunkte für den Dichter bereit: Der bayerische Prinzregent Luitpold erhob ihn in den Adelsstand, und Herr von Heyse wurde Ehrenbürger von München. Nach seinem Tod ließ das Interesse an seiner Kunst nach. Paul von Heyse starb am 2. April 1914 in München.
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Den Fall der Mauer hätte es ohne die Montagsdemonstrationen in der DDR nie gegeben – oder zumindest wesentlich später und nicht auf so friedlichem Weg. Die erste Montagsdemonstration feierte am 4. September 1989 Premiere: Vor der Nikolaikirche in Leipzig hatten sich am ersten Tag nach den Sommerschulferien rund 1200 Unzufriedene versammelt, die „Reisefreiheit statt Massenflucht“ und „Stasi raus“ forderten. Letzteres war so nötig wie gefährlich, denn die Versammlung wurde von Agenten der Staatssicherheit observiert und immer wieder gestört.
Die Montagsdemonstrationen, organisiert von oppositionellen Bürgerrechtsgruppen, entwickelte sich zur Institution: Fortan fanden an jedem ersten Werktag der Woche Kundgebungen statt. Und sie erhielten ständig neuen Zulauf: Am 16. Oktober kamen in Leipzig 120.000 Menschen zusammen, 2 Wochen später waren es schon dreimal so viele. Am 4. November wurde an einem Samstag demonstriert, 700.000 Teilnehmer kamen nach Berlin. Dann fiel die Mauer. Die Montagsdemonstrationen gingen weiter: Politische Reformen und freie Wahlen waren nun das Thema. Letztere wurden für den 18. März 1990 ausgeschrieben.
Sechs Tage zuvor, heute vor 20 Jahren, fand die letzte Montagsdemonstration in Leipzig statt. Sie war mit ihren Vorgängerinnen nicht mehr zu vergleichen. Längst hatten die politischen Parteien die Veranstaltung instrumentalisiert und die Teilnehmer für ihre Zwecke eingespannt: Wer als Redner auf einer der letzten Montagsdemonstrationen die rasche Wiedervereinigung forderte, erhielt Beifall; wer darüber anders dachte, wurde niedergebrüllt und ausgepfiffen. Die Bürgerrechtsgruppen hatten – ob dies positiv oder negativ zu bewerten ist, sei der Leserschaft überlassen – ausgedient.
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Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen: Das soll der große Reformator Martin Luther gesagt haben. Ob es stimmt oder nicht – der Spruch bleibt eine schöne Metapher für Hoffnung und Vertrauen in die Zukunft.
Doch warum mit dem Pflanzen bis kurz vor dem Weltuntergang warten?, sagte sich John Chapman. Der 1774 im nordöstlichen US-Staat Massachusetts geborene Naturliebhaber machte sich auf den Weg nach Westen. Auf dem Kopf trug er einen Kochtopf, die Taschen hatte er voll mit Apfelkernen. Bald hatte er seinen Spitznamen weg: Johnny Appleseed. Der Philanthrop freundete sich mit landsuchenden Siedlern und einheimischen Indianern an, las aus der Bibel vor und lehrte das Leben in Einklang mit der Natur. Und natürlich pflanzte Chapman überall, wo er hinkam, ein Apfelbäumchen.
Bis heute wird er im Mittleren Westen der USA als eine Art ökologischer Pionier gefeiert. An diesem Tag ist das ganz besonders der Fall, denn es war Chapmans letzter; und ganz bestimmt hat er ihn genutzt, wie Luther es einst empfahl. John Chapman starb am 11. März 1847 in Fort Wayne, Indiana. Seinen Todestag begehen viele Amerikaner als Johnny Appleseed Day.
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„Das Rad an meines Vaters Mühle brauste und rauschte schon wieder recht lustig, der Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Türschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen, mir war so recht wohl in dem warmen Sonnenscheine. Da trat der Vater aus dem Hause; er hatte schon seit Tagesanbruch in der Mühle rumort und die Schlafmütze schlief auf dem Kopfe, der sagte zu mir: Du Taugenichts! Da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde und lässt mich alle Arbeit allein tun. Ich kann dich hier nicht länger füttern. Der Frühling ist vor der Tür, geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber dein Brot.“
So beginnt die 1826 geschriebene Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts, die Sie vielleicht aus seligen Schulzeiten kennen. Dem Autor, Joseph Freiherr von Eichendorff, heute vor 222 Jahren geboren, verhalf sie zum Durchbruch. Eichendorffs Titelheld macht sich tatsächlich aus dem Staub der Mühle und lässt die Mühen des Alltags hinter sich. Endlich ist er frei und kann tun und lassen, was er will. Alles, was er zum Leben braucht, liefert ihm die Natur – laut Definition des Autors „das große Bilderbuch, das der liebe Gott uns draußen aufgeschlagen hat“ – einschließlich ein paar netter Menschen, die dafür sorgen, dass der Träumer nie vom rechten Weg abkommt.
Natürlich endet das Experiment glücklich; der Stromer findet zu einem weiblichen Wesen, das er nicht weniger verehrt als die Natur. Als echter Romantiker will der Taugenichts die Liebe keineswegs im stillen Kämmerlein genießen, sondern bewahrt sich seine soziale Ader und zieht weiter herum in der Welt. Die Hochzeitsreise geht nach Rom; aber die Prager Studenten, mit denen er sich angefreundet und den Portier, der ihm geholfen hat, nimmt er mit. Die Angebetete und Erhörte selbstverständlich auch: „Sie lächelte still und sah mich recht vergnügt und freundlich an“, und am Ende „war alles, alles gut!“
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„Dass dieser kleine dunkelhäutige Musikant David Rizzio tatsächlich der Liebhaber Maria Stuarts gewesen sei, ist niemals bewiesen worden noch zu beweisen. Aber gerade die offene Gunst, welche die Knigin diesem ihrem Geheimschreiber vor dem ganzen Hofe gewährt, spricht am energischsten gegen einen solchen Verdacht.“ So beschreibt Stefan Zweig in seinem Buch Maria Stuart die tragische Beziehung zwischen der Schottenkönigin und ihrem Günstling.
Rizzio hatte es aus seiner Heimat Italien nach Edinburgh verschlagen, wo er eine steile Karriere bei Hofe hinlegte. Leider war er katholisch. Der protestantische Hofstaat fürchtete weniger ein Liebesverhältnis zwischen Zuwanderer und Monarchin, als dass Letztere generell Katholiken bevorzuge und ganz Schottland entsprechend ausrichte. Rizzio musste weg. Dieses Vorhaben ließ sich am besten umsetzen, in dem man Lord Darnley, Marias Gatten, den Floh einer Affäre ins Ohr setzte. Der Gekränkte stimmte einem Mordkomplott zu, welches, um die Königin besonders zu demütigen, vor ihren Augen in die Tat umgesetzt wurde, heute vor 444 Jahren im königlichen Hollyrood Palace. Es war nicht die einzige Erniedrigung in Maria Stuarts Karriere. Die schlimmste und letzte erfolgte durch ihre protestantische Rivalin: Elisabeth initiierte die Beseitigung der Schottin, die auch berechtigte hierarchische Ansprüche auf den Thron im Süden der Insel besaß, auf die unfeine englische Art.
Für Stefan Zweig moralisch ein „völlig unentschuldbarer Akt“, jedoch „vom staatspolitischen Standpunkt… für England eine richtige Maßnahme: Denn in der Politik entscheidet – leider! – nicht das Recht einer Maßname, sondern der Erfolg. Und bei der Hinrichtung Maria Stuarts billigt der Erfolg im politischen Sinne nachträglich den Mord, denn er schafft England und seiner Königin nicht Unruhe, sondern Ruhe.“
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Heute ist Internationaler Frauentag. Eine schöne Gelegenheit, einer Boulevardzeitung zu gedenken, die keineswegs immer politisch korrekt ist und dies leider nicht durch das nötige Quantum Humor auszugleichen in der Lage ist - im Gegensatz zu einer Frau, die sich einmal sehr elegant gegen Bild zu wehren wusste.
Miriam Meckel hatte als Regierungssprecherin der letzten sozialdemokratisch geführten nordrhein-westfälischen Landesregierung für Ihre Redekünste den Cicero-Preis bekommen. In ihrer Dankesrede gab sie sich, für viele überraschend, sogleich als Bild-Leserin zu erkennen. Deutschlands meistgelesene Tageszeitung hatte kurz zuvor herausgefunden, dass „Frauen das Plapper-Gen“ besitzen: Angeblich reden sie am Tag 23.000 Wörter; während die Männer mit durchschnittlich 12.000 auskommen. Miriam Meckel, die über das Thema „Austauschbarkeit von Fiktion und Wahrheit in unserer Mediengesellschaft“ referierte, begann ihre Rede mit genau diesem Bild-Zitat.
Zum Schluss schlug sie wieder den Bogen zu ihrem Einstieg: „Ich habe jetzt 1235 Wörter gesprochen“, beendete Meckel ihre Ausführungen, um noch eine letzte hinzuzufügen: „Den Rest meiner Tagesration erlasse ich Ihnen.“
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Ein Ritter, der sich auf ein Schwert stützt, 35 Zentimeter hoch, 4 Kilogramm schwer, aus einer Kupfer-Zinn-Legierung, mit Gold überzogen, Materialwert zirka 250 Euro: Was ist das? Richtig, der Oscar! Er wird dieses Jahr – wegen der Medienkonkurrenz der Olympischen Winterspiele – erst am 7. März verliehen; nicht, wie sonst üblich, im Februar.
Skurril, wie der Academy Award of Merit, so der offizielle Titel, zu seinem Spitznamen kam: In den Anfangsjahren der Verleihung – die erste war 1929 – meinte ein Jurymitglied, die Figur sehe seinem Onkel Oscar sehr ähnlich. Die Ehre, welches Werk die meisten Oscars eingeheimst hat, teilen sich gleich drei Filme: Der dritte Part von Der Herr der Ringe gewann 2003 nicht weniger als elf Oscars. Doch das schaffte 1997 auch Titanic und 1959 Ben Hur. Für elf Oscars nominiert zu sein und keinen einzigen zu gewinnen haben ebenfalls mehrere Filme gemeinsam: Die Farbe Lila 1986 und acht Jahre zuvor der Streifen Am Wendepunkt.
Bleibt noch die Frage zu klären, was Künstler machen, die zuvor nominiert wurden und am Ende leer ausgehen? Leonardo DiCaprio beispielsweise war für den Oscar als bester Schauspieler in die Vorauswahl gekommen, gewann die Auszeichnung aber nicht. Das hatte DiCaprio vorher geahnt und deshalb sein Verliererlächeln vor dem Spiegel einstudiert. Stundenlang. „Jeder, der sagt, er würde so etwas nicht trainieren“, so der Hollywood-Star später, „ist ein Lügner!“
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Als wäre das Erdbeben nicht schon schlimm genug gewesen, raste einen Tag später eine Flutwelle auf die chilenische Pazifikküste zu. Seismologen hatten zuvor darauf hingewiesen, die Bevölkerung war vorbereitet – und nahm zum Glück die Entwarnung der Meteorologen nicht ernst. Wenigstens hatte Chile durch den Tsunami kaum weitere Opfer zu beklagen.
Außer vielleicht, der Scherz sei erlaubt, die Wetterfrösche: Die befinden sich seitdem in einer handfesten Krise. Damit sind die chilenischen Meteorologen nicht allein. Auch ihre britischen Kollegen gelten seit einiger Zeit als chronisch unzuverlässig. Zugegeben, es ist nicht einfach, für die wetterwendische Atlantikküste zutreffende Prognosen abzugeben. Die Politik des Meteorological Office tut ein übriges: Das staatliche Wetteramt hatte seinen Ansagern doch tatsächlich eine geschönte Sprache beim Wetterbericht empfohlen (siehe unseren Newsletter vom 25. Oktober 2005 „Geschönte Wetterberichte in London“).
Nun rudert eine andere staatliche Einrichtung zurück. Die BBC erwägt, den seit 1927 bestehenden Vertrag mit dem amtlichen Wetterdienst nicht zu verlängern. Der Grund: Nach zahlreichen groben Fehlprognosen schenken drei von vier Briten der Wettervorhersage keinen Glauben mehr. Wenn es auf der Insel so weitergeht mit dem Misstrauen in Institutionen, schaffen sie demnächst das Königshaus ab.
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Dem Mann, der heute 80 Jahre alt wird, bescheinigte Willy Brandt in einer düsteren Stunde, er sei „seit Goebbels der größte Hetzer in unserem Lande“. Das war sehr böse und leider auch daneben, da Brandt den so Beleidigten in die Nähe des Nationalsozialismus rückte. Ein Faschist war Heiner Geißler jedoch noch nie. Der Betroffene amtierte zu jener Zeit als Generalsekretär der CDU unter Helmut Kohl und hatte damals mehr Feinde als die SPD heute Wähler.
Die Zeiten habe sich geändert: Längst wird Heiner Geißler von Politikern aller Parteien respektiert, auch seitens der SPD und der Linken. Das hat auch etwas mit seiner politischen Läuterung zu tun: Geißler ist zwar immer noch Mitglied der CDU. Er ist aber zugleich einer der Wortführer des globalisierungskritischen Bündnisses attac (siehe unseren Newsletter vom 3. Juni 2008 „Ein Jahrzehnt attac“).
Die Tatsache, dass Geißler heute ebenso viel Gehör findet wie in seiner ersten Politikerkarriere – und mit viel mehr Sympathien als früher bedacht wird – hat nicht wenig mit seiner Einstellung zu tun: „Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht“, bekannte der Ex- Generalsekretär, „trägt sie an der falschen Körperstelle.“
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