Archiv für Kategorie ‘Sonstiges’:

Wetterprognose vom Murmeltier

Donnerstag, 2. Februar 2012

Vor 4 Jahren berichteten wir an dieser Stelle erstmals über Punxsutawney Phil (siehe unseren Newsletter vom 1. Februar 2008: Morgen ist Groundhog Day).

jenes Waldmurmeltier aus einem bis auf die ersten Februartage gottverlassenen Nest im US- Bundesstaat Pennsylvania, das nicht nur den Frühlingsbeginn vorhersagt, sondern auch dem Hollywood-Erfolgsfilm Und täglich grüßt das Murmeltier als Vorlage diente.

Doch wie weit her ist es mit der Zuverlässigkeit von Phils Prognosen? Die 100 %, die das murmeltiereigene Webportal groundhog.org vorgibt, werden gelegentlich von altklugen Institutionen wie dem Nachrichtensender CBS oder der größten US-Tageszeitung USA Today angezweifelt. Letztere beruft sich auf eine Studie das renommierten National Climatic Data Center. Das im Bundesstaat North Carolina ansässige Institut verfügt über die größte Sammlung von Wetterdaten weltweit.

Als die Experten ihre Analyse – nicht der wirklichen Wetterdaten, sondern der real existierenden Waldmurmeltierprognosen seit 1988 letztes Jahr öffentlich bekanntgaben, machte sich unter Phils Anhängerschaft eine gewisse Ernüchterung breit: 13 Mal lag der pelzige Wahrsager aus Punxsutawney daneben; nur zehnmal sah das Tierchen richtig vorher, ob dem 2. Februar ein rascher Frühling oder noch 6 Wochen Winter folgen würden.

Um es wissenschaftlich auszudrücken: Phils Trefferwahrscheinlichkeit lag bei 39 %. Eine Steilvorlage für Murmeltierskeptiker wie den CBS-Korrespondenten Barry Leibowitz: Der behauptete frech, Phil sei als Vorhersagemedium nicht besser geeignet als des Reporters eigenes arthritisches Knie. Nach Punxsutawney sollte sich Leibowitz am heutigen 2. Februar lieber nicht bewegen. Sonst läuft er Gefahr, dass Phil unter Vernachlässigung des von ihm geworfenen Schattens, Nagezähne voraus, dem Journalisten ein zweites lädiertes Knie bereitet.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Keine Angst vor Wiederholungen!

Mittwoch, 1. Februar 2012

Täglich grüßt das Murmeltier nur im Film. Im wirklichen Leben tut es dies nur einmal im Jahr. Immer am 2. Februar wird auf dem Hügel Gobbler’s Knob bei Punxsutawney das Waldmurmeltier Phil aus seinem Bau gelockt. Dessen Reaktion entscheidet dann, wie lange im Osten der USA noch auf den Frühling gewartet werden muss (siehe unseren Newsletter vom 1. Februar 2008: Morgen ist Groundhog Day ). Seit 1887 gibt es dieses Ritual, und jedes Mal lockt seine Wiederholung mehr Zuschauer an.

Auch in Ihrem Small Talk dürfen Sie auf Wiederholungen setzen. Etwa, wenn Sie eine Anekdote oder einen Witz erzählen. Der darf ruhig alt sein. Hauptsache, er ist gut. Keine Geschichte ist so neu, dass sie nicht schon einmal vorgetragen wurde. Mit Scherzen ist es wie mit dem Wein: Alt ist besser als schlecht.

Beim Witze erzählen hatte Stammvater Adam gegenüber seinen Nachfahren einen entscheidenden Vorteil: Wenn er einen erzählte, konnte ihm niemand sagen, den habe er bereits gehört. Wir Jüngeren dagegen müssen meist auf Bewährtes zurückgreifen.

Eine Regel sollten Sie bei Anekdote oder Witzen im Small Talk noch beachten: Nennen Sie so den Namen des Urhebers, falls dieser bekannt ist. Bei vielen lustigen Geschichten und geistvollen Bonmots ist allerdings nicht mehr nachvollziehbar, wer diese zuerst geäußert hat. Hier dürfen Sie die Quellenangabe vernachlässigen.

Bleibt noch 2 Fragen. Erstens: Welche Witze können Sie erzählen? Die zweite Frage: Wie erzählen Sie einen Witz? Die Antworten erfahren Sie in den nächsten Small Talk-Tipps.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Ein absolut befriedigendes Gefühl samt begleitendem Geräusch

Montag, 30. Januar 2012

Gibt es Dinge, die Sie absolut nicht lassen können?

Stellen Sie sich doch folgende Situation vor:

Sie haben ein Paket bekommen, dessen zerbrechlicher Inhalt nicht in Watte, aber doch in eine Luftbläschenfolie eingehüllt wurde. Der Paketinhalt spielt bald keine Rolle mehr. Doch von der Verpackung können Sie sich so schnell nicht mehr lösen. Eine innere Stimme befiehlt Ihnen, sich nicht eher von der Folie zu trennen, bis Sie sämtliche Luftbläschen zerdrückt haben.

Es gibt schlimmere Zwänge. Die meisten sind zudem nicht von jenem äußerst befriedigenden Plopp-Geräusch begleitet. Die Verpackung wurde erstmals Mitte der 1960er Jahre eingesetzt, als IBM sein 1401er Modell unfallfrei an den Mann oder auch die Frau bringen wollte. Das war angesichts des Gewichts der Geräte gar nicht so, pardon, leicht. Vielleicht wäre eine Investition in Stahlkappen für die Schuhe der Transportarbeiter sinnvoller gewesen. Jedenfalls setzte sich mit der Zeit die Schonverpackung durch.

Erfunden, freilich wider Willen, hatten sie 1957 die US-Ingenieure Alfred Fielding und Marc Chavannes auf der Suche nach neuartigen Tapeten. Das von ihnen entwickelte Material taugte schließlich viel besser als Gewächshausisolierung. Bis IBM auf den Plan trat. An Luftbläschen erfreuten sich die Menschen jedoch schon im Mittelalter. Plastikfolie gab es damals noch nicht. Doch wurden Trinkgefäße häufig so geblasen, dass an den Rändern kleine Erhebungen, so genannte Warzen, entstanden. Geübte Zecher schworen auf die selbst im fortgeschritten alkoholisierten Zustand garantierte Griffigkeit, die auch im häufig doch recht hektischen Wirtshausbetrieb die Leistung am Glas verbesserte.

Wie viel harmloser für die Gesundheit ist hingegen das Zerdrücken der luftgepolsterten Plastikfolie! Es existiert sogar eine ökologische Version dieses Zeitvertreibs ganz ohne Verpackungsabfall.

Klicken Sie einfach die Internetseite virtual-bubblewrap.com an! Oder besuchen Sie, sollten sich dort zu viele Leser dieses Newsletters tummeln, das Webportal www.puffgames.com. Dort finden Sie virtuelle Luftbläschenfolien, die Sie per Mausklick zerdrücken können – samt dem dazugehörigen befriedigenden Geräusch!

Und wenn Ihr Chef etwas dagegen hat? Sagen Sie ihm, dass immer am letzten Montag im Januar der Internationale Luftbläschentag begangen wird.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Warum gibt es gleich zwei Puzzle-Gedenktage?

Freitag, 27. Januar 2012

Nächsten Sonntag empfängt die AS Rom den FC Bologna. Leider ohne ihren bekanntesten Spieler: Der wird am Puzzle-Tag zu Hause bleiben und seinem allerliebsten Hobby frönen. Das ist natürlich ein Witz.

Aber über Roma-Star Francesco Totti werden gerne Witze gemacht – mit dem immer gleichen Tenor, dass dieser nicht zu den Schlauesten gehört. Es gibt sogar ein Buch mit dem Titel Alle Witze über Totti. So weit, so langweilig. Interessant ist nur, dass Totti die Witze selber gesammelt und herausgegeben hatte – und in dem Band bereitwillig die Rolle des Fußballtoren spielt.

Eine Kostprobe? Totti ruft seine Freundin an: „Ich sitze an einem Puzzle und werde nicht fertig. Alle Teile sehen absolut gleich aus.“ Sofort bietet die Gute ihre Hilfe an: „Was ist das denn für ein Puzzle?“ fragt sie. „Ich weiß nicht“, kommt die Antwort. „Auf der Schachtel ist ein Hahn … warte mal … ein roter Hahn … hm …“

Das hilft der Freundin auch nicht weitet. Sie tröstet ihren Francesco und verspricht, am Abend vorbeizuschauen. In Tottis Wohnung angekommen, schaut sie erst die Schachtel an, dann den Freund - und sagt weise: „Na schön, jetzt sammeln wir die Cornflakes wieder ein, und morgen kaufen wir ein richtiges Puzzle.“

Das Buch mit den Totti-Witzen stand monatelang auf Platz 1 der italienischen Bestsellerliste. Darüber freuten sich ganz besonders die vielen bedürftigen alten Menschen, die in Rom leben. Ihnen spendete der Kicker den Erlös seines kleinen Erfolgswerks. Jetzt fragen Sie sich vielleicht noch, wie es der 29. Januar zum Puzzle-Gedenktag geschafft hat. Nicht nur ich frage mich das auch. Als Erfinder der beliebten Kniffelei gilt der Londoner Kupferstecher und Kartenmacher John Spilsbury. Der klebte anno 1766 eine Großbritannien-Karte auf ein Holzbrett, zersägte die Teile entlang der damaligen Grafschaftsgrenzen und setzte sie anschließend wieder zusammen. Spilsburys Geburtsdatum ist unbekannt.

Es gibt allerdings noch einen zweiten Puzzle-Gedenktag am 13. Juli. Der würdigt den Tag, an dem Ernö Rubik, der Erfinder des Zauberwürfels, zur Welt kam (siehe unseren Newsletter vom 13. Juli 2009: Ein bunter Würfel, der die Welt beschäftigte).

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Spitzen aus Brüssel und von Heinrich Heine

Donnerstag, 26. Januar 2012

Für den heutigen Newsletter bieten sich gleich 2 Einstiege an. Zunächst das Intro für Praktiker: Tag für Tag fällt einem Zöllner derselbe Mann auf. Er scheint irgendetwas über die Grenze zu schmuggeln. Aber was?

Gründlich durchsucht der Beamte die vollbeladene Schubkarre des Pendlers nach versteckter Ware. Doch er kann nichts finden. So geht das ein ganzes Jahr, zwei Jahre, drei Jahre … bis der Uniformierte sich ein Herz fasst und zum Grenzgänger sagt: „Ich habe den dringenden Verdacht, dass Sie etwas schmuggeln, kann es Ihnen aber nicht beweisen. Wenn ich Ihnen Straffreiheit zusage – verraten Sie mir, was Sie schmuggeln?“

Der Gefragte antwortet: „Schubkarren.“

Und jetzt der feingeistigere Einstieg. Der Dichter Heinrich Heine machte seinem Ärger über Zollkontrolleure literarisch Luft: „Ihr Toren, die Ihr im Koffer sucht! Hier werdet Ihr nichts entdecken! Die Contrebande, die mit mir reist, die habe ich im Kopfe stecken. Hier hab ich Spitzen, die feiner sind als die von Brüssel und Mecheln, und pack ich einst meine Spitzen aus, sie werden Euch sticheln und hecheln.“

Letzteres bewies er mit der Veröffentlichung von Deutschland. Ein Wintermärchen (Suhrkamp BasisBibliothek). Heute könnte Heine mit seiner Beteuerung, das Schmuggelgut sei in seinem Kopf, keinen Beamten mehr vom Einschreiten abhalten. Längst hat die Produktpiraterie dem handfesten Schmuggel von Gütern über die Grenze den Rang abgelaufen.

Der weltweite Schaden, den dieses Delikt verursacht, wird auf 300 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Auf ihn aufmerksam zu machen und die Wachsamkeit zu erhöhen versucht die Weltzollorganisation. Sie hat sich vor allem die Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität zum Ziel gesetzt. Der 26. Januar ist der Aktionstag der in Brüssel ansässigen Behörde. Spitzen freilich, auch die aus Mechelen, sind dort längst kein Thema mehr.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Konjunktur der Nullen

Dienstag, 24. Januar 2012

Gestern hieß es in diesem Newsletter, die Briten hätten im Siebenjährigen Krieg Preußens Finanzen saniert. Wie seriös ist eine solche Aussage?

Insgesamt flossen damals, bildlich gesprochen, 27 Millionen Taler von der Themse an die Spree. Multiplizieren Sie den Betrag mit 30, und Sie haben den heutigen Wert in Euro. Hätten Sie es gerne etwas plastischer?

Vielleicht hilft Ihnen der folgende Vergleich: Am Ende des 18. Jahrhunderts, heißt es in einem im Internet vielfach zitierten Beitrag der Online-Enzyklopädie Wikipedia, „konnte man im deutschen Raum für einen Taler 12 Kilogramm Brot, 6 Kilogramm Fleisch, 2 Flaschen Champagner, 1 Kilogramm Tabak oder 250 Gramm Tee erwerben, ein Hemd, ein Paar Schuhe oder drei Paar Wollsocken kosteten ebenfalls einen Taler.“

Oder auch nicht. Es kommt ganz darauf an, ob Sie Ihr Brot bei Aldi oder beim Bäcker, Ihr Fleisch beim Discounter oder beim Bio-Metzger und Ihre Schuhe bei Deichmann oder in einem anständigen Fachgeschäft kaufen.

Zurück zu den 27 Millionen Talern der Briten: Die umgerechnet 810 Millionen Euro würden dem heutigen Berliner Finanzsenator allenfalls ein gequältes Lächeln entlocken: Beläuft sich der aktuelle Schuldenstand seines Landes doch auf stattliche 62 Milliarden Euro!

Nicht nur die Währungen und Preise haben sich verändert. Auch die Finanzwelt wird inzwischen von mehr Nullen beherrscht. Das gilt nicht nur für die Akteure, sondern auch für die Summen, mit denen inzwischen Banken zocken und Regierungen sich verschulden. Die 27 Millionen Taler an Preußen waren dennoch ein ungeheurer Betrag. Er überstieg die jährlichen Einnahmen des Staates um das Vierfache.

Im Vergleich zu damals steht Berlin heute gar nicht so schlecht da: Um den Haushalt des pro Kopf am höchsten verschuldeten Bundeslandes zu sanieren, müsste ein Gönner, Retter oder Weißer Ritter lediglich das Dreifache der jährlichen Berliner Staatseinnahmen beisteuern. Letztere belaufen sich auf knapp 20 Milliarden Euro. Wenn das mal kein Fortschritt ist …

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die vierte Gewalt?

Mittwoch, 18. Januar 2012

Als vierte Gewalt in Deutschland werden die Medien bezeichnet. Sie üben – ähnlich dem vierten Schiedsrichter beim Fußballspiel – eine Wächterfunktion aus und greifen dann ein, wenn die ursprünglichen drei Gewalten versagen. Die sind in der Bundesrepublik durch die Verfassung festgelegt.

In der Causa Wulff waren sie zur Untätigkeit verurteilt: Ein Amtsenthebungsverfahren gegen einen Bundespräsidenten sieht das Grundgesetz nicht vor. Der höchste Würdenträger soll, falls er sich schwerwiegender Verfehlungen schuldig macht, zurücktreten. Zu einem solchen Schritt muss ihn die Einsicht leiten.

Will diese ihm selbst nicht kommen, soll die vierte Gewalt nachhelfen. Das tun in seltener Einmütigkeit nicht nur die öffentlich-rechtlichen Medien und die Qualitätspresse. Auch die größte Boulevardzeitung, ausnahmsweise mit sauberem investigativen Journalismus, trägt viel zur Aufklärung bei und hat Wulff in die Defensive getrieben. Gehen will der Präsident trotzdem nicht.

Offenbar kann er es sich leisten, seine Affären auszusitzen, sofern nicht zu unappetitliche Details ans Licht kommen. Dabei hilft ihm eine Öffentlichkeit, die als Ganzes gar nicht mehr existiert. Zu unterschiedlich sind die Kanäle, aus denen sich die Deutschen täglich informieren. Wer sich nur über Privatfernsehen, Gutelauneradio, illustrierte Blätter und Internetforen kundig macht, hat eine andere Wahrnehmung als Leser einer überregionalen Tageszeitung und regelmäßige Zuschauer von Tagesthemen und heute-Journal.

Die erste Gruppe von Konsumenten ist auf schnelle, rasch wechselnde Information aus. Eine Berichterstattung, die langwierig nach Ursachen forscht und sich durch Hartnäckigkeit auszeichnet, kommt gleichzeitig als langweilig und sich ständig wiederholend daher. Da die öffentlich-rechtlichen Anstalten – sie erreichen die weitaus größte Teilöffentlichkeit – sich bei der Programmgestaltung mehr an Einschaltquoten als am Erziehungsauftrag orientieren, wird sich dieses Phänomen weiter verstärken. Dies wiederum spielt den Apologeten eines Skandalpräsidenten wie Wulff in die Hände: Die von ihnen sorgfältig gestreuten Hinweise, die Berichterstattung über die Affären gehe „den Leuten“ längst auf die Nerven, sind für eine Aufklärung oder Aufbereitung kontraproduktiv. Ist dies beabsichtigt? Von einer konzertierten Aktion gegen die Presse kann zwar ebenso wenig die Rede sein wie von einer organisierten Pressekampagne gegen Wulff. Wirksam sind die Attacken auf jeden Fall: Indem man die vierte Gewalt madig macht, schafft man sie ab.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Gesunder Aberglaube

Freitag, 13. Januar 2012

Gleich der zweite Freitag im Jahr ein Freitag der 13. – wenn das mal nicht einen schlechten Start für 2012 bedeutet! Keineswegs möchte der Schreiber dieser Zeilen der Paraskavedekatriaphobie das Wort reden. Doch muss die Angst vor dem ominösen Datum nicht zwangsläufig krankhafter Einbildung entstammen.

Gründe, sich gegen alle Eventualitäten zu wappnen, gibt es genug. Oder doch nicht? Das Phänomen, schreibt die Online-Enzyklopädie Wikipedia, “kann im Einzelfall so weit führen, dass Betroffene Reisen und Termine absagen oder sich an einem Freitag, dem Dreizehnten, nicht aus dem Bett trauen.”

Und gibt gleichzeitig Entwarnung: “Auswertungen von Unfalldaten haben ergeben, dass sich an einem Freitag dem 13. nicht mehr Verkehrsunfälle mit schwerem Sachschaden ereignen als an einem Freitag dem 6. oder 20. Eine Untersuchung der Unfallmeldungen im Jahr 2009 durch den ADAC hat ergeben, dass an einem Freitag dem 13. die Anzahl der Unfallmeldungen 894 betrug, während an anderen Tagen 975 Unfälle zur Meldung kamen.”

Leider hat Wikipedia nur diese eine Statistik zu Rate gezogen – und dabei eine andere völlig außer Acht gelassen. Laut einer Erhebung der Kaufmännischen Krankenkasse, kurz: KKH, liegt der Krankenstand in der Bundesrepublik an einem Freitag dem 13. drei- bis fünfmal über dem Monatsdurchschnitt. Gemäß der KKH-Studie bleiben deutschlandweit rund eine Million Arbeitnehmer an diesem Datum zu Hause oder gleich im Bett.

Was auch seine Vorteile hat: Ist der Anteil der Abstinenzler an einem Freitag den 13. wirklich so hoch, verursachen die übriggebliebenen Paraskavedekatriaphobieresistenten eine im Verhältnis zu anderen Freitagen viel größere Zahl von Unfällen. Dies wiederum lässt den Schluss zu, dass ein gesunder Aberglaube in Hinblick auf das gefährliche Freitagsdatum tatsächlich das Schlimmste verhindern hilft.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Die 11 ist nicht nur Köln vorbehalten

Montag, 12. Dezember 2011

Vor einem Monat ging es an dieser Stelle um die Bedeutung der 11 und das Datum der dreifachen Einsdoppelung. Dabei ist die jecke Zahl nicht den Kölnern allein vorbehalten. Sondern auch den Solothurnern, was wiederum die Redaktion erfreut: Zeigt die Leserpost von Werner Mathys doch, dass man uns auch im Schweizer Mittelland eifrig studiert:

„Mit Schmunzeln habe ich Ihren heutigen Newsletter gelesen und möchte Sie und die Welt gerne wissen lassen, dass heute ein Freudentag bei uns im wunderschönen Städtchen Solothurn ist, da genau die 11 unsere ‘heilige Solothurner Zahl’ ist.“

Tatsächlich gehen nicht nur am Kölner Altermarkt, wo das Herz des Karnevals schlägt, sondern auch im Herzen der Schweiz die Uhren anders. Jene im Herzen von Solothurn teilt den Tag in 11 Stunden ein, was wiederum ein altes Vorurteil bestätigt: Die Kölner sind stolz auf ihre fünfte Jahreszeit, die Schweizer auf ihre Uhren.

Was den Humor und das Selbstbewusstsein – und die perfekte Verbindung von beidem, die Selbstironie – anbetrifft, steht der Zentralschweizer dem Mittelrheiner nicht nach. Ich zitiere einfach Werner Mathys: Speziell erwähnenswert ist aber, mit Augenzwinkern auf Ihre Infos über Kölsch bzw. Köln, dass natürlich auch unser lokales Bier ‘11′ heisst, oder in unserem Dialekt eben ‘öufi Bier’, mit folgender sehr durstig machenden Website: oeufi-bier.ch.

Und um das Ganze abzurunden: eben dieses 11-i-Bier feiert am 11.11.11, seinen 11. Geburtstag, wozu natürlich eine Riesenparty stattfindet. Und schliesslich noch in eigener Sache: an dieser Party spiele auch ich mit unserer Band, namens … nein, falsch geraten, nicht 11-er Band, sondern ‘Eigebröi‘. Der Umstand, schreibt der eidgenössische Eigebröiler abschließend,. “dass unser Fussballclub 11 Spieler hat, ist da nur noch eine Nebensächlichkeit.” Für Solothurn vielleicht.

Für den Kölner FC liegt genau hier das Problem: 11 Spieler auf dem Platz können so viel Unheil anrichten …

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Die Autobahn neben dem Dienstweg

Freitag, 9. Dezember 2011

‘Bestechlichkeit’, ‘Filz’, ‘Klüngel’, ‘Seilschaften’, ‘Veruntreuung’, ‘Vetternwirtschaft’, ‘Wettbewerbsbetrug’: es gibt viele Synonyme für den Begriff ‘Korruption’. Heute wird der Weltantikorruptionstag begangen.

Ins Leben gerufen hat ihn vor 8 Jahren die UNO gemeinsam mit der Organisation Transparency International, um weltweit auf Korruption aufmerksam zu machen und auch deren Folgen ins Bewusstsein zu rufen.

In Staaten wie Somalia, Birma oder Afghanistan wird dies besonders nötig sein, denn sie zieren das Ende der Transparency-Bestechlichkeitsliste. Die saubersten Länder sind Dänemark, Neuseeland und Singapur, die sich Rang 1 teilen, gefolgt von Finnland. Deutschland liegt auf Platz 15. Korruptester europäischer Staat ist Russland an Position 154 (von 178).

Auffällig: Island, das immer in den Top 10 lag, ist nur noch auf Rang 11 zu finden. Ob dies an der Wirtschaftskrise liegt, die viele Isländer zwar nicht gerade in Armut stürzte, doch eines beträchtlichen Teils ihrer Barschaft beraubte?

Korruption ist übrigens keine neuzeitliche Errungenschaft. „Keine Festung ist so stark“, wusste bereits der große römische Staatsmann, Rechtsgelehrte und Philosoph des ersten vorchristlichen Jahrhunderts, Marcus Tullius Cicero, „dass Geld sie nicht einnehmen kann.“ Etwas moderner liest sich dieses Zitat in der Version des Wirtschaftswissenschaftlers Helmar Nahr: „Korruption ist die Autobahn neben dem Dienstweg.“

Ein moderner Comic, der die Antike zum Thema hat, befasst sich ebenfalls mit der Wettbewerbsverzerrung – und ist gar nicht so fern der Realität. In Asterix bei den Olympischen Spielen gewinnt der kleine Gallier in seiner Laufdisziplin, weil sämtliche Gegner nach Genuss des berüchtigten Zaubertranks disqualifiziert werden. Hauptbetrugsvergehen in der Antike war freilich nicht das unerlaubte Schmieren von Blut, Muskeln oder Gelenken, sondern dasjenige von Gegnern und Kampfrichtern.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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