Archiv für Kategorie ‘Sonstiges’:

Welche Witze eignen sich für den Small Talk?

Mittwoch, 7. März 2012

Wer sagt denn, dass politische Korrektheit beim Witze erzählen auf Kosten des Humors geht? Sie müssen nicht zwingend mit dem Grundgesetz unterm Arm zum Small Talk auflaufen.

Andererseits: So schlecht ist die Idee wiederum nicht. Es schadet kaum, wenn sie sich, bevor Sie eine lustige Geschichte zum Besten geben, kurz den Artikel 3, Absatz 3 unserer Verfassung vergegenwärtigen: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Ersetzen Sie ‘benachteiligt’ durch ‘beleidigt’, und Sie haben fast alle Ausschlusskriterien für Witze.

Am geeignetsten für den Small Talk sind Witze und Geschichten, die etwas mit Ihrer Situation oder, noch besser, derjenigen Ihres Gegenübers zu tun haben. „Sinn für das Komische verbindet“, wusste bereits der große amerikanischer Philosoph des 19. Jahrhunderts, Ralph Waldo Emerson.

Doch kann ein Witz auch das Gegenteil bewirken. Es wäre nicht das erste Mal, dass unterschiedliche Auffassungen über Humor zu Dissonanzen führen oder gar einen Streit vom Zaun brechen.
Humor im Small Talk ist keineswegs, wenn man trotzdem lacht. Zutreffender ist da schon das Urteil des englischen Schriftstellers William Makepeace Thackeray: „Humor ist eines der besten Kleidungsstücke, die man in der Gesellschaft tragen kann.“ Er hätte noch hinzufügen können, dass man sich die Gesellschaft vorher gründlich angeschaut haben sollte, um zu wissen, wen man vor sich hat und welches Kleidungsstück zum Anlass passt.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Die Lasswell’sche Formel

Montag, 13. Februar 2012

Wer sagt was zu wem: Mit diesem kurzen Satz ließ sich lange Zeit der Begriff ‘Kommunikation’ erklären. Bis die Massenmedien die Weitergabe von Informationen übernahmen. Es gab nicht mehr nur einen Sender und einen Empfänger. Und es gab viele Wege, über die informiert wurde.

Der heute vor 110 Jahren geborene Harold Dwight Lasswell stellte 1946 eine neue, nach ihm benannte Formel auf: Wer sagt was zu wem über welchen Kanal mit welcher Wirkung?

Zu diesem Zeitpunkt war Lasswell Professor für Politik und Recht an der renommierten Yale-Universität. Ihm ging es vor allem über die Zusammenhänge von Information und Macht und die Wirkung von Propaganda. In seinem Kommunikationsmodell kommt es darauf an, die in Frage kommenden Adressaten zu erreichen und sie zu den beabsichtigten Handlungen zu bewegen.

Als Anhänger der Systemtheorie (siehe dazu unseren Newsletter vom 6. November 2008: Ddraig Goch Ddyry Cychwyn) wusste Lasswell um die Unwägbarkeiten, die häufig verhinderten, dass die gewünschte Information an die richtige Person kam. Als überzeugter Liberaler war es ihm zuwider, diese Informationen mit staatlichen oder wie auch immer gearteten Zwangsmitteln zu lenken. Der Informationsmarkt sollte darüber entscheiden, was ankam und was nicht.

Was in seiner mittlerweile veralteten Theorie nicht vorkam, ist der umgekehrte Weg: der vom Empfänger zum Sender. Lasswells Modell beschränkt sich auf die Einwegkommunikation und ist an einer Emanzipation des Empfängers nicht wirklich interessiert. Der mündige Konsument, Leser, Hörer oder Zuschauer bleibt für den Propagandafixierten ein Fremdwort.

Höchste Zeit für den Schreiber dieser Zeilen, sich als Anhänger Lasswells zu bekennen. Auch ihm liegen die Bedürfnisse der Leser wenig am Herzen, er ignoriert zuweilen deren Reaktion: beispielsweise den Wunsch nach Bekanntgabe des neuen Hennes-Lehmer-Preisträgers. Doch dazu morgen mehr …

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Humor im Small Talk - so bitte nicht!

Mittwoch, 8. Februar 2012

Was halten Sie von folgender Geschichte: Ein Vater fragt seinen Sohn, was er sich zu Weihnachten wünsche. Darauf der Sohn: „Einen Südtiroler“. Der Vater wundert sich ein wenig über den aus seiner Sicht sonderbaren Wunsch, macht sich aber an Heiligabend auf den Weg nach Bozen. Dort angekommen, schnappt er sich am Bahnhof den nächstbesten Penner, packt ihn in den Kofferraum, schmuggelt ihn über die Grenzen und legt ihn seinem Sohn unter den Weihnachtsbaum. Der Sohn betrachtet das Geschenk mit ungläubigem Staunen und meint: „Papa! Du bist so ein Depp! Ich wollte doch nur einen City-Roller!“

Diese Schnurre muss nicht nur als Beispiel für missverstandene Sprache herhalten. Sie zeugt auch von schlechtem Geschmack bei der Auswahl von Witzen. Angehörige von Minderheiten, egal ob Volksgruppe oder soziale Schicht, dürfen nicht herabgewürdigt werden – auch wenn es sich um weniger ernste Gesprächsrunden handelt. Nicht alle teilen solche Art von Humor, schon gar nicht die Betroffenen.

Bevor Sie einen Witz erzählen oder im Small Talk einen Geistesblitz schleudern, denken Sie bitte – an die Folgen. Es geht beim Humor nicht darum, billige Lacher zu erzeugen. Versetzen Sie sich immer zuerst in die Lage derer, die von Ihrer Pointe betroffen sind: Könnte sich jemand in der Gesprächsrunde in irgendeiner Form verletzt fühlen?

Die Geschichte mit dem City-Roller lässt sich auch politisch korrekt erzählen: In diesem Fall versteht der Vater beim Wunsch des Sprösslings ebenfalls ‘Südtiroler’ und kauft in einem Bozener Trachtengeschäft einen grünen Filzhut. Ob die enttäuschte Reaktion des Filius’ unbedingt die Bezeichnung ‘Depp’ enthalten sollte? Auch darüber kann man streiten, obwohl diese von allen im Eingangsbeispiel abgegrasten Plattheiten noch die am ehesten entschuldbare ist.

Unsere kleine Humor-Serie setzen wir am 29. Februar fort. Dann präsentieren wir Ihnen einen Witz und ein lustiges Zitat speziell zu diesem seltenen Datum. Vorher schieben wir 2 Folgen über die Kunst ein – und wie Sie über dieses heikle Thema unfallfrei im Small Talk konversieren.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Sieben Mal vom Blitz getroffen

Dienstag, 7. Februar 2012

Gestern war in diesem Newsletter noch scherzhaft die Rede vom Guinness-Buch der Rekorde. Heute wird es ernst. Einen Eintrag unter B darf ein gewisser Roy Sullivan für sich beanspruchen. Der heute vor 100 Jahren Geborene war Angestellter im Shenandoah National Park im US-Bundesstaat Virginia.

Wenn Sie nun den Guinness-Buch-Eintrag in Verbindung zum Berufsrisiko eines Rangers bringen, liegen Sie richtig. Ihre darauf aufbauende Vermutung, das B stehe für Bär, trifft leider nur zu einem sehr kleinen Teil zu.

Besser, ich verrate es Ihnen gleich: Es war eine himmlische Macht, die Sullivan zur Berühmtheit machte. Gleich sieben Mal wurde der Pechvogel von oben getroffen. Die erste unliebsame Begegnung mit einem Blitz ereignete sich in früher Kindheit, zählt jedoch für Guinness-Kontrolleure nicht mit.

Sullivan half seinem Vater, die Weizenernte einzubringen, als es in sein Sensenblatt einschlug. Anschließend verzichtete der gerade noch mal Verschonte darauf, den Vorfall zu melden, weil er ihn nicht hundertprozentig beweisen konnte. Zudem war Sullivan völlig unverletzt geblieben. Sämtliche anderen Blitzeinschläge sind bestens dokumentiert, nämlich von der Nationalparkleitung, und wurden jeweils von einem Arzt per Attest bestätigt.

Alle sieben ereigneten sich im Shenandoah-Revier. Sein Debüt als Blitzableiter gab Sullivan 1942, als er sich vorm Gewitter in einem Feuermelde- und -aussichtsturm untergestellt hatte. Der Strahl hinterließ einen halbmeterlangen, zentimeterbreiten Streifen verbrannten Fleisches an seinem linken Bein und ein Loch im Schuh.

Danach war für Sullivan bis 1969 Ruhe an der Wetterfront. Doch sollten den Leidgeprüften die elektrischen Zuckungen 6 weitere Male heimsuchen. Bei Einschlag Nummer 2 saß er in seinem Pickup und trug versengte Augenbrauen und Haare davon. 1970 erwischte es den Ranger vor seinem Dienstgebäude; der Aufprall endete glimpflich.

2 Jahre später geriet Sullivan buchstäblich in Brand und verlor sein Haupthaar. Seitdem argwöhnte er eine spezielle Blitzanfälligkeit und trug immer ein Fläschchen Wasser mit sich. 1973 ging erneut ein Teil der Haarpracht nach einem Einschlag flöten. Zudem zog es Sullivan den linken Schuh aus, obwohl dieser fest zugebunden war. Unter dem nächsten Aufeinandertreffen von Blitz und Mensch musste nur das Fußgelenk ein wenig leiden.

Das kurioseste – und letzte – Rendezvous fand 1977 statt. Sullivan war dabei, sich sein Mittagessen zu erangeln, als der Blitz ihn fand. Versengtes Haar auf Kopf und Brust hinderten ihn nicht, den Fang zum Auto zu bringen. In dem Moment geschah wieder etwas Ungewöhnliches. Und dieses Mal liegen Sie richtig, wenn Sie hinter dem B einen Bären vermuten, der sich dem Ranger in den Weg stellte. Der pelzige Nationalparkbewohner hatte sich vom Gewitter nicht abschrecken lassen. Erst von Sullivans Ast, den zuvor das Gewitter vom Baum geschlagen hatte, ließ sich der verhinderte Räuber in die Flucht jagen.

Blitzschlagopfer sind selten glückliche Menschen. Die Erleichterung, noch mal davongekommen zu sein, wird von der Angst überlagert, es könne jederzeit wieder geschehen. Dem Rekordgetroffenen passierte dann noch etwas weitaus Schlimmeres. Wegen einer unglücklichen Liebe schoss sich Sullivan am 28. September 1983 eine Kugel in den Kopf. Diesen Einschlag überlebte er nicht.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
Autor von Small-Talk-Themen.de

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Wetterprognose vom Murmeltier

Donnerstag, 2. Februar 2012

Vor 4 Jahren berichteten wir an dieser Stelle erstmals über Punxsutawney Phil (siehe unseren Newsletter vom 1. Februar 2008: Morgen ist Groundhog Day).

jenes Waldmurmeltier aus einem bis auf die ersten Februartage gottverlassenen Nest im US- Bundesstaat Pennsylvania, das nicht nur den Frühlingsbeginn vorhersagt, sondern auch dem Hollywood-Erfolgsfilm Und täglich grüßt das Murmeltier als Vorlage diente.

Doch wie weit her ist es mit der Zuverlässigkeit von Phils Prognosen? Die 100 %, die das murmeltiereigene Webportal groundhog.org vorgibt, werden gelegentlich von altklugen Institutionen wie dem Nachrichtensender CBS oder der größten US-Tageszeitung USA Today angezweifelt. Letztere beruft sich auf eine Studie das renommierten National Climatic Data Center. Das im Bundesstaat North Carolina ansässige Institut verfügt über die größte Sammlung von Wetterdaten weltweit.

Als die Experten ihre Analyse – nicht der wirklichen Wetterdaten, sondern der real existierenden Waldmurmeltierprognosen seit 1988 letztes Jahr öffentlich bekanntgaben, machte sich unter Phils Anhängerschaft eine gewisse Ernüchterung breit: 13 Mal lag der pelzige Wahrsager aus Punxsutawney daneben; nur zehnmal sah das Tierchen richtig vorher, ob dem 2. Februar ein rascher Frühling oder noch 6 Wochen Winter folgen würden.

Um es wissenschaftlich auszudrücken: Phils Trefferwahrscheinlichkeit lag bei 39 %. Eine Steilvorlage für Murmeltierskeptiker wie den CBS-Korrespondenten Barry Leibowitz: Der behauptete frech, Phil sei als Vorhersagemedium nicht besser geeignet als des Reporters eigenes arthritisches Knie. Nach Punxsutawney sollte sich Leibowitz am heutigen 2. Februar lieber nicht bewegen. Sonst läuft er Gefahr, dass Phil unter Vernachlässigung des von ihm geworfenen Schattens, Nagezähne voraus, dem Journalisten ein zweites lädiertes Knie bereitet.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Keine Angst vor Wiederholungen!

Mittwoch, 1. Februar 2012

Täglich grüßt das Murmeltier nur im Film. Im wirklichen Leben tut es dies nur einmal im Jahr. Immer am 2. Februar wird auf dem Hügel Gobbler’s Knob bei Punxsutawney das Waldmurmeltier Phil aus seinem Bau gelockt. Dessen Reaktion entscheidet dann, wie lange im Osten der USA noch auf den Frühling gewartet werden muss (siehe unseren Newsletter vom 1. Februar 2008: Morgen ist Groundhog Day ). Seit 1887 gibt es dieses Ritual, und jedes Mal lockt seine Wiederholung mehr Zuschauer an.

Auch in Ihrem Small Talk dürfen Sie auf Wiederholungen setzen. Etwa, wenn Sie eine Anekdote oder einen Witz erzählen. Der darf ruhig alt sein. Hauptsache, er ist gut. Keine Geschichte ist so neu, dass sie nicht schon einmal vorgetragen wurde. Mit Scherzen ist es wie mit dem Wein: Alt ist besser als schlecht.

Beim Witze erzählen hatte Stammvater Adam gegenüber seinen Nachfahren einen entscheidenden Vorteil: Wenn er einen erzählte, konnte ihm niemand sagen, den habe er bereits gehört. Wir Jüngeren dagegen müssen meist auf Bewährtes zurückgreifen.

Eine Regel sollten Sie bei Anekdote oder Witzen im Small Talk noch beachten: Nennen Sie so den Namen des Urhebers, falls dieser bekannt ist. Bei vielen lustigen Geschichten und geistvollen Bonmots ist allerdings nicht mehr nachvollziehbar, wer diese zuerst geäußert hat. Hier dürfen Sie die Quellenangabe vernachlässigen.

Bleibt noch 2 Fragen. Erstens: Welche Witze können Sie erzählen? Die zweite Frage: Wie erzählen Sie einen Witz? Die Antworten erfahren Sie in den nächsten Small Talk-Tipps.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Ein absolut befriedigendes Gefühl samt begleitendem Geräusch

Montag, 30. Januar 2012

Gibt es Dinge, die Sie absolut nicht lassen können?

Stellen Sie sich doch folgende Situation vor:

Sie haben ein Paket bekommen, dessen zerbrechlicher Inhalt nicht in Watte, aber doch in eine Luftbläschenfolie eingehüllt wurde. Der Paketinhalt spielt bald keine Rolle mehr. Doch von der Verpackung können Sie sich so schnell nicht mehr lösen. Eine innere Stimme befiehlt Ihnen, sich nicht eher von der Folie zu trennen, bis Sie sämtliche Luftbläschen zerdrückt haben.

Es gibt schlimmere Zwänge. Die meisten sind zudem nicht von jenem äußerst befriedigenden Plopp-Geräusch begleitet. Die Verpackung wurde erstmals Mitte der 1960er Jahre eingesetzt, als IBM sein 1401er Modell unfallfrei an den Mann oder auch die Frau bringen wollte. Das war angesichts des Gewichts der Geräte gar nicht so, pardon, leicht. Vielleicht wäre eine Investition in Stahlkappen für die Schuhe der Transportarbeiter sinnvoller gewesen. Jedenfalls setzte sich mit der Zeit die Schonverpackung durch.

Erfunden, freilich wider Willen, hatten sie 1957 die US-Ingenieure Alfred Fielding und Marc Chavannes auf der Suche nach neuartigen Tapeten. Das von ihnen entwickelte Material taugte schließlich viel besser als Gewächshausisolierung. Bis IBM auf den Plan trat. An Luftbläschen erfreuten sich die Menschen jedoch schon im Mittelalter. Plastikfolie gab es damals noch nicht. Doch wurden Trinkgefäße häufig so geblasen, dass an den Rändern kleine Erhebungen, so genannte Warzen, entstanden. Geübte Zecher schworen auf die selbst im fortgeschritten alkoholisierten Zustand garantierte Griffigkeit, die auch im häufig doch recht hektischen Wirtshausbetrieb die Leistung am Glas verbesserte.

Wie viel harmloser für die Gesundheit ist hingegen das Zerdrücken der luftgepolsterten Plastikfolie! Es existiert sogar eine ökologische Version dieses Zeitvertreibs ganz ohne Verpackungsabfall.

Klicken Sie einfach die Internetseite virtual-bubblewrap.com an! Oder besuchen Sie, sollten sich dort zu viele Leser dieses Newsletters tummeln, das Webportal www.puffgames.com. Dort finden Sie virtuelle Luftbläschenfolien, die Sie per Mausklick zerdrücken können – samt dem dazugehörigen befriedigenden Geräusch!

Und wenn Ihr Chef etwas dagegen hat? Sagen Sie ihm, dass immer am letzten Montag im Januar der Internationale Luftbläschentag begangen wird.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Warum gibt es gleich zwei Puzzle-Gedenktage?

Freitag, 27. Januar 2012

Nächsten Sonntag empfängt die AS Rom den FC Bologna. Leider ohne ihren bekanntesten Spieler: Der wird am Puzzle-Tag zu Hause bleiben und seinem allerliebsten Hobby frönen. Das ist natürlich ein Witz.

Aber über Roma-Star Francesco Totti werden gerne Witze gemacht – mit dem immer gleichen Tenor, dass dieser nicht zu den Schlauesten gehört. Es gibt sogar ein Buch mit dem Titel Alle Witze über Totti. So weit, so langweilig. Interessant ist nur, dass Totti die Witze selber gesammelt und herausgegeben hatte – und in dem Band bereitwillig die Rolle des Fußballtoren spielt.

Eine Kostprobe? Totti ruft seine Freundin an: „Ich sitze an einem Puzzle und werde nicht fertig. Alle Teile sehen absolut gleich aus.“ Sofort bietet die Gute ihre Hilfe an: „Was ist das denn für ein Puzzle?“ fragt sie. „Ich weiß nicht“, kommt die Antwort. „Auf der Schachtel ist ein Hahn … warte mal … ein roter Hahn … hm …“

Das hilft der Freundin auch nicht weitet. Sie tröstet ihren Francesco und verspricht, am Abend vorbeizuschauen. In Tottis Wohnung angekommen, schaut sie erst die Schachtel an, dann den Freund - und sagt weise: „Na schön, jetzt sammeln wir die Cornflakes wieder ein, und morgen kaufen wir ein richtiges Puzzle.“

Das Buch mit den Totti-Witzen stand monatelang auf Platz 1 der italienischen Bestsellerliste. Darüber freuten sich ganz besonders die vielen bedürftigen alten Menschen, die in Rom leben. Ihnen spendete der Kicker den Erlös seines kleinen Erfolgswerks. Jetzt fragen Sie sich vielleicht noch, wie es der 29. Januar zum Puzzle-Gedenktag geschafft hat. Nicht nur ich frage mich das auch. Als Erfinder der beliebten Kniffelei gilt der Londoner Kupferstecher und Kartenmacher John Spilsbury. Der klebte anno 1766 eine Großbritannien-Karte auf ein Holzbrett, zersägte die Teile entlang der damaligen Grafschaftsgrenzen und setzte sie anschließend wieder zusammen. Spilsburys Geburtsdatum ist unbekannt.

Es gibt allerdings noch einen zweiten Puzzle-Gedenktag am 13. Juli. Der würdigt den Tag, an dem Ernö Rubik, der Erfinder des Zauberwürfels, zur Welt kam (siehe unseren Newsletter vom 13. Juli 2009: Ein bunter Würfel, der die Welt beschäftigte).

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Spitzen aus Brüssel und von Heinrich Heine

Donnerstag, 26. Januar 2012

Für den heutigen Newsletter bieten sich gleich 2 Einstiege an. Zunächst das Intro für Praktiker: Tag für Tag fällt einem Zöllner derselbe Mann auf. Er scheint irgendetwas über die Grenze zu schmuggeln. Aber was?

Gründlich durchsucht der Beamte die vollbeladene Schubkarre des Pendlers nach versteckter Ware. Doch er kann nichts finden. So geht das ein ganzes Jahr, zwei Jahre, drei Jahre … bis der Uniformierte sich ein Herz fasst und zum Grenzgänger sagt: „Ich habe den dringenden Verdacht, dass Sie etwas schmuggeln, kann es Ihnen aber nicht beweisen. Wenn ich Ihnen Straffreiheit zusage – verraten Sie mir, was Sie schmuggeln?“

Der Gefragte antwortet: „Schubkarren.“

Und jetzt der feingeistigere Einstieg. Der Dichter Heinrich Heine machte seinem Ärger über Zollkontrolleure literarisch Luft: „Ihr Toren, die Ihr im Koffer sucht! Hier werdet Ihr nichts entdecken! Die Contrebande, die mit mir reist, die habe ich im Kopfe stecken. Hier hab ich Spitzen, die feiner sind als die von Brüssel und Mecheln, und pack ich einst meine Spitzen aus, sie werden Euch sticheln und hecheln.“

Letzteres bewies er mit der Veröffentlichung von Deutschland. Ein Wintermärchen (Suhrkamp BasisBibliothek). Heute könnte Heine mit seiner Beteuerung, das Schmuggelgut sei in seinem Kopf, keinen Beamten mehr vom Einschreiten abhalten. Längst hat die Produktpiraterie dem handfesten Schmuggel von Gütern über die Grenze den Rang abgelaufen.

Der weltweite Schaden, den dieses Delikt verursacht, wird auf 300 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Auf ihn aufmerksam zu machen und die Wachsamkeit zu erhöhen versucht die Weltzollorganisation. Sie hat sich vor allem die Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität zum Ziel gesetzt. Der 26. Januar ist der Aktionstag der in Brüssel ansässigen Behörde. Spitzen freilich, auch die aus Mechelen, sind dort längst kein Thema mehr.

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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Konjunktur der Nullen

Dienstag, 24. Januar 2012

Gestern hieß es in diesem Newsletter, die Briten hätten im Siebenjährigen Krieg Preußens Finanzen saniert. Wie seriös ist eine solche Aussage?

Insgesamt flossen damals, bildlich gesprochen, 27 Millionen Taler von der Themse an die Spree. Multiplizieren Sie den Betrag mit 30, und Sie haben den heutigen Wert in Euro. Hätten Sie es gerne etwas plastischer?

Vielleicht hilft Ihnen der folgende Vergleich: Am Ende des 18. Jahrhunderts, heißt es in einem im Internet vielfach zitierten Beitrag der Online-Enzyklopädie Wikipedia, „konnte man im deutschen Raum für einen Taler 12 Kilogramm Brot, 6 Kilogramm Fleisch, 2 Flaschen Champagner, 1 Kilogramm Tabak oder 250 Gramm Tee erwerben, ein Hemd, ein Paar Schuhe oder drei Paar Wollsocken kosteten ebenfalls einen Taler.“

Oder auch nicht. Es kommt ganz darauf an, ob Sie Ihr Brot bei Aldi oder beim Bäcker, Ihr Fleisch beim Discounter oder beim Bio-Metzger und Ihre Schuhe bei Deichmann oder in einem anständigen Fachgeschäft kaufen.

Zurück zu den 27 Millionen Talern der Briten: Die umgerechnet 810 Millionen Euro würden dem heutigen Berliner Finanzsenator allenfalls ein gequältes Lächeln entlocken: Beläuft sich der aktuelle Schuldenstand seines Landes doch auf stattliche 62 Milliarden Euro!

Nicht nur die Währungen und Preise haben sich verändert. Auch die Finanzwelt wird inzwischen von mehr Nullen beherrscht. Das gilt nicht nur für die Akteure, sondern auch für die Summen, mit denen inzwischen Banken zocken und Regierungen sich verschulden. Die 27 Millionen Taler an Preußen waren dennoch ein ungeheurer Betrag. Er überstieg die jährlichen Einnahmen des Staates um das Vierfache.

Im Vergleich zu damals steht Berlin heute gar nicht so schlecht da: Um den Haushalt des pro Kopf am höchsten verschuldeten Bundeslandes zu sanieren, müsste ein Gönner, Retter oder Weißer Ritter lediglich das Dreifache der jährlichen Berliner Staatseinnahmen beisteuern. Letztere belaufen sich auf knapp 20 Milliarden Euro. Wenn das mal kein Fortschritt ist …

Ralf Höller - http://www.small-talk-themen.de
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